…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 08. Januar 2018

 

Erkenne dich selbst! – Dieser Spruch steht – vermutlich in Griechisch – an einer Saeule der Vorhalle des Apollo-Tempels in Delphi und wird einem der sieben Weisen, Chilon, zugeschrieben. Ich war noch nie in Delphi, ich kann kein Griechisch, ich muss mich da auf die uebersetzte Literatur verlassen, und auf diese Weise habe ich aus meinem Studium mitgenommen, dass der Philosoph, wenn ihm etwas in den Kopf kommt, am besten bei sich selbst beginnt. (Die christliche Version dieser Weisheit ist der Hinweis auf den Balken im eigenen Auge, sollte man beginnen, sich ueber den Splitter im Auge des anderen aufzuregen.)

In diesem Sinne.

In seiner Kolumne in “The Manila Times” regt Rigoberto Tiglao sich fuerchterlich darueber auf, dass der “Inquirer” die Anti-Duterte-Bloggerin Jover Laurio, sie betreibt die Web-Seite “Pinoy Ako Blog”, zum “Filipino of the Year” gekuert hat, und er fragt, ob nicht Praesident Rodrigo Roa Duterte dies viel eher verdient haette, und zaehlt beginnend mit der Niederschlagung der versuchten IS-Machtergreifung in Marawi dessen Verdienste auf.

Recht hat er – sag ich mir, und grad, wo ich beginne mich selbst ueber den “Inquirer” aufzuregen und schon die Finger wetze, um auf der Tastatur auch voll in diese Kerbe zu hauen, faellt mir der Spruch des Chilon ein. Erst am Samstag hatte ich vier Zeitungen zur Lektuere empfohlen, den “Inquirer” nicht, weil der so gelb ist, dass er stinkt. Mich nun darueber aufzuregen hiesze “mitzugackern”, wie ich dieses gemeinschaftliche Sich-ueber-etwas-Aufregen in demselben Beitrag als Gruppen-Therapie fuer Zu-kurz-Gekommene abqualifiziert habe.

Mir liegt das nicht.

Mag sein, dass ich da “sozial gestoert” bin, aber ich halte mich von Vereins-Meierei fern und versuche, mit mir selbst klar zu kommen. Ich hab damit genug zu tun, da brauch ich die Probleme von anderen nicht noch oben drauf.

Mithin.

Der “Inquirer” meint: “In einem Jahr, das den Beginn eines Widerstands gegen die organisierte Produktion und die Verteilung von Falsch-Informationen erlebte, stand die Bloggerin Jover Laurio – die einsame, einst-anonyme, oft missbrauchte Person hinter Pinoy Ako Blog – ein fuer ihren patriotischen Schneid, die Haeufigkeit und Frische ihrer Beitraege, den schwarzen Humor ihres Blogs, und nicht zuletzt, die Courage, die sie zeigte, angesichts ueberwaeltigender persoenlicher Herabsetzung.

Nun gut, wenn der “Inquirer” das wirklich glaubt, muss er ihr einen Preis verleihen. Ich glaub’s nicht.

Als “Filipino of the Year”… – …wuerde ich in einem oder in einigen Jahren gern Eduardo Año waehlen, wenn er denn haelt, was ich mir von ihm verspreche.

Das hat seine Vorgeschichte.

Der miese Ruf, den die Philippinen in der westlichen Welt derzeit genieszen, hat seinen Grund nicht allein in der Gelben Propaganda, wozu zum Beispiel auch “Pinoy Ako Blog” gehoert. Da wird nur aufgebauscht und zur Wahrheit stilisiert, weil von nichts Anderem berichtet wird als von Toten im Drogenkrieg, selbst wenn die nicht auf das Konto der Polizei gehen oder mit Drogen nichts zu tun haben. Jeder Mord hier wird von der Gelben Brut als von Praesident Duterte persoenlich angeordnet ausgeschrieen.

Sei’s drum.

Auf der einen Seite muss man sehen, dass der Praesident sich in seinen Reden kaum bemueht, von der westlichen Welt anders gesehen zu werden. Das ist ihm – in seiner Ausdrucksweise eingedeutscht – “scheiszegal ~ putang ina mo”. Ihm da reinreden zu wollen, macht wenig Sinn. Der Mann hat seinen eigenen Kopf, und so iss’er nun mal.

Wichtiger ist daher der andere Grund des schlechten Rufs. Dutertes groesztes Problem im Kampf gegen den Drogenhandel ist die PNP (Philippine National Police). Duterte weisz das, und ich hab das auch oefter erwaehnt und muss das nicht schon wieder schreiben. Aber daraus versteht sich sein Hin und Her bei Einsetzen der PNP gegen Drogen, der Widerruf des Einsatzes, der Wiedereinsatz unter Aufsicht der PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency). Eine Ursache hat er bereits angefasst: das Gehalt der Polizei, wie auch des Militaers, wurde nahezu verdoppelt. Betrachtet man, was so ein Polizist bekommt, dann kann man verstehen, dass ein Filipino lieber als OFW (Oversea Filipino Worker) ins Ausland als zur PNP geht.

Die andere Ursache ist Polizei-General Ronald “Bato” dela Rosa. Ich schrieb das schon am 1. Januar. Dela Rosa ist kein Reformer, und ueber ihm war kein Innen-Minister, der ihm haette sagen koennen, was er zu tun und zu lassen hat.

Nun ist da jemand – Eduardo Año – und dazu gehoert, dass dela Rosa demnaechst geht. Zwar ist seine Amtszeit um drei Monate verlaengert worden, doch habe ich den Verdacht, dass Duterte mit Año gemeinsam erst den zu dem passenden Nachfolger aussuchen will. Ich schrieb darueber am Samstag, und heute finde ich einen Artikel im “Manila Bulletin”, der sich mit Año und der PNP befasst. Ich scheine nicht der Einzige zu sein, dem die Personalie ein paar Zeilen wert ist.

Año sieht sich vor keiner leichten Aufgabe: “Das wird ein langer Prozess, denn die Reform der PNP geschieht nicht ueber Nacht. … Wir haben 180.000 Polizisten und die Schurken sind nur ein kleiner Prozent-Satz. Aber es sollte keinen einzigen Schurken-Polizisten geben, weil es gegen unsere beschworene Pflicht ist. … Diese Polizisten sollten die doppelte Strafe bekommen, weil sie es sind die ihr Mandat verletzten, das Gesetz aufrecht zu erhalten und durchzusetzen. … Fuer mich haben sie immer noch eine Chance sich zu aendern und im Kampf gegen illegale Drogen zu helfen. Wir haben da schon eine Liste. … Dies ist der richtige Moment fuer sie ihre Verbindung zu illegalen Drogen aufzugeben und in der Kampagne zu helfen, denn wir werden niemanden aussparen. … Falls nicht, werden sie aus dem Dienst entfernt, und ich werde dafuer sorgen, dass sie ins Gefaengnis gehen.

Año weisz auch, dass hartes Vorgehen gegen “faule Eier” allein nicht reicht: “Wir muessen untersuchen, wie sie zu dieser Kultur der Verstrickung in illegale Aktivitaeten gekommen sind. … Wir werden uns mit der Rekrutierung, der Ausbildung, dem Einsatz, der Orientierung, mit allem befassen.

Das scheint ein soliderer Ansatz zur Reform zu sein, als ihn dela Rosa im Februar 2017 zeigte, der nach dem Mord an Jee Ick Joo ein paar Polizisten vor die Presse holte, ihnen einen Anschiss verpasste und sie vor laufenden Kameras Liegestuetze machen liesz.

Ich hab’s im TV gesehen, doch ich kann immer noch nicht glauben, dass das wahr war.



Gemaesz “ManilaTimes”, “Inquirer”, “ManilaBulletin”, “PhilStar” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.