Wie der Franz seinen Tod im Paradies versemmelte – 09

 



 

Nach dieser Episode mit der Prostituierten zog es den Franz wieder näher zu seiner Victoria. Victoria ist aus der Nachbarschaft und wohnt auf der anderen Straßenseite in dem etwas dichter bebauten kleinen Siedlung. Victoria hat keinen Mann, hat aber ein paar größere Kinder. Diese sehen den Franz eher als Geldquelle, als den Partner ihrer Mutter in ihm.

Victoria kommt einmal die Woche zum Franz, um für ihn mit unserer Waschmaschine zu waschen. Franz backt dann schon mal Pfannkuchen für sie zum Frühstück und macht Kaffee. Ansonsten passiert da aber nichts.

Franz zieht es jeden Morgen nach dem Frühstück an die Straße. Dahin nimmt er seine Wasserflasche und sein Transistorradio mit, sitzt beim Filipino-Schweizer vor dem kleinen Sari-Sari in der Karaoke.

Da gibt es dann schon mal mehr oder weniger Ärger. Da kommen dann schon mal Kinder und auch Erwachsene von der anderen Straßenseite herüber und trällern ein Lied. Wenn es dem Franz dann zu laut wird, geht er nicht einfach weg, nein, er sagt ihnen dann sie sollen nicht so laut sein.

Wenn dann nun mal einer dieser Sänger auch noch angetrunken ist, kann der Ärger schon übel werden. Richtig übel wurde es, als Franz auf seinem Handy herumschaute und sich jemand hinter ihn stellte, um zu schauen, was der Franz da schaut. Das machen hier die einfachen Leute schon mal hahaha. Da wurde der Franz zornig und beschimpfte den jungen Mann. Dieser ließ dann wutentbrannt wissen, dass er nun nach Hause gehe und ein Messer für den Franz holen wolle. Daraufhin schickte der Filipino-Schweizer den Franz vorsichtshalber nach Hause.

 

Dem Franz war die Vollverpflegung meiner Frau mit 5.000 Pesos im Monat für drei (große) Mahlzeiten zu teuer geworden und wollte sich selber verpflegen. Franz konnte drei Portionen Reis verputzen ohne mit der Wimper zu zucken, wurde aber nicht dicker. Im nachhinein denke ich sogar, dass er sehr langsam abnahm. Dieser Eindruck verstärkte sich, als er nicht mehr bei uns aß, sondern nur noch Kleinigkeiten beim Filipino-Schweizer zu sich nahm, dafür aber immer öfters lieber ein Bier mehr trank.

Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon längst von Franz zurückgezogen, da ich keine gemeinsamen Interessen finden konnte. Franz hatte gar keine Interessen, ihn interessierte halt rein gar nichts.

 

Das Abmelden von der Vollverpflegung ging wohl nicht ganz auf die Rechnung von Franz, sondern kam wohl eher von dem Filipino-Schweizer und der Schwester meiner Frau, die einen Anteil von Franz seinem Geld haben wollten. Einmal die Woche verkaufte die Schwester an der Straße Fleisch von einem geschlachteten Schwein. Später stellte sich dann heraus, dass Victoria die guten Teile wie Tenderloin und Hinterschinken bekam und Franz Suppenknochen, was allerdings Franz alles bezahlte.

Dem Franz seine Rente kam nun immer einige Tage später als meine auf unser Konto. Also musste ich jedesmal extra in die Stadt fahren, um sein Geld abzuholen. Das ich ihm dies mit einer Taxi-Hin-und-Rückfahrt von 300 Pesos in Rechnung stellte, passte ihm dann auch nicht. Irgendwann reichte es mir dann und ich legte ihm Nahe, sich um eine andere Möglichkeit für ein Konto zu bemühen.

Wir haben aus persönlichen Gründen zu einem Onkel meiner Frau, einem pensionierten Highway-Polizisten, keine gute Beziehung. Dieser wohnt etwa 150 Meter hinter unserem Haus und benutzt unseren Privatweg von der Straße mit. Dies muss sich irgendwie auf den Franz übertragen haben, die beiden mochten sich nicht. Nun trafen sie wohl auf unserem Weg zusammen. Der Ex-Polizist auf seinem Motorrad und Franz zu Fuß.

Nach Franz seinen Aussagen, von der anderen Seite habe ich keine Aussage, hat der Ex-Polizist den Franz auf dem Weg angefahren, dass er hinfiel ihn aber noch schubsen konnte, dass er auch hinfiel. Dann aber saß der Ex-Polizist beim Franz auf dem Bauch und sie boxten sich. Das war der Zeitpunkt, dass es jemand mitbekam und zu schreien begann. Als wir dazu kamen, war der Ex-Polizist schon weg und Franz humpelt auf dem Weg zu seinem Haus.

Wir haben dann den Franz ins Auto geladen, sind zur Polizeiwache gefahren und haben Anzeige erstattet. Dazu brauchte der Franz ein ärztliches Attest für die Polizei und das konnte nicht irgendein Arzt oder privates Krankenhaus sein, sondern ein staatliches. Das kostete uns einen ganzen Tag und wenn ich in solch ein Krankenhaus müsste, dann Danke, da sterbe ich lieber daheim. Bevor man in den Philippinen bei solchen Dingen zum Gericht gehen kann, muss man erst dreimal bei einem Schiedsrichter im Barangay versuchen den Fall zu klären. Meist verläuft dann alles im Sande, wie auch in diesem Falle und es erspart den Gerichten unnötige Arbeit.