Wie der Franz seinen Tod im Paradies versemmelte – 10

 



 

So gingen dann die Tage ins Land und an vielen Tagen sahen wir den Franz gar nicht, nur zur Geldübergabe oder wenn wir in die Stadt fuhren und er am Store saß.

Des Öfteren mal mußte der Filipino Schweizer den Franz mal nach Hause bringen. Manchmal machten das auch die Kinder von gegenüber.

Einmal war Franz auf den Nachhauseweg im Alleingang gestürzt und hatte sich eine blutende Abschürfungen zugezogen. Wir besorgten dann für ihn die nötigen Dinge zum Reinigen der Wunden und Jod. Die Wunden heilten nur sehr, sehr langsam.

Der Filipino Schweizer kam eines Tages zu uns und erzählte, die Schulden des Franz hätten sich mittlerweile bis auf 12.000 Pesos summiert. Da er sich mit der Schwester meiner Frau überworfen hatte, wollte er nun seinen Sari-Sari Store hier aufgeben und mit zu Verwandten seiner Partnerin in ein anderes Barangay ziehen, er würde das Geld benötigen.

Ich sprach dann den Franz darauf an, wie es denn angehen könne und er solch eine Summe dort habe ansammeln können. Franz erklärte, daran sei die Victoria Schuld, die verlange laufend Geld von ihm und zusätzlich kaufe sie im Store ein und lasse es auf seinen Namen anschreiben.

Ja, ich fragte, warum er ihr dann immer wieder Geld gebe und er meinte, wenn er es nicht geben würde, würde sie mit ihm Schluß machen. Hä? Wie Schluß machen, da passierte doch sowieso nichts. Wie kann man da Schluß machen, wo gar nichts ist. Franz konnte damit nicht umgehen.

Da dem Franz seine Rente auf unserem Konto ankam, konnte ich unter dem Protest von Franz, dem Filipino-Schweizer die ganzen Schulden am Monatsbeginn zahlen und dem Franz erklären, er müsse sich diesen Monat halt etwas einschränken und seiner Viktoria eben weniger geben.

Es waren einige Tage vergangen, als der Filipino Schweizer ganz aufgeregt anrief und uns mitteilte, der Franz würde da sitzen und am ganzen Körper zittern. Also, sind wir hingegangen um nachzusehen. Da ich davon ausging, dass der Franz regelmäßig seine Medizin nahm, war ich in meiner Unwissenheit der Ansicht, er sei unterzuckert und ‚verordnete‘ ihm eine kleine Cola zu trinken. Das Zittern hörte auf.

Wir brachten ihn mit einem Multicab bis vor unser Eingangstor. Von dort wurde er vom Filipino Schweizer gestützt und bis ins Bett gebracht.

Am nächsten Morgen schauten wir nach ihm, wie es ihm ging. Er lag im Bett und stand dann auf und wollte auf die Toilette. Dabei stolperte er über seinen Hocker und schlug sich die nächste blutende Wunde auf mit einen lauten:

„Scheiße!“

Von da an war nichts mehr mit aufstehen und zur Straße gehen. Er bekam kräftige Brühe zu essen und zu trinken. Zum Arzt wollte er unter keinen Umständen. Das ging nun eine ganze Woch so bis zu einem Sonntagmorgen. Wir schauten wieder nach Franz. Er konnte selber nicht mehr aus dem Bett. Das war der Zeitpunkt, an dem ich entschied, Franz mußte ins Krankenhaus ob er wollte oder nicht.

Wie kommt er dorthin? Krankenwagen. Meine Frau ruft den befreundeten Polizeibeamten unten in der Polizeistation an und fragt nach der Rufnummer für einen Krankenwagen. Er werde wieder anrufen. Das dauerte eine Stunde bis er mit zwei Rufnummern herüberkam.

Bei der ersten Rufnummer klingelte es, aber niemand hob ab. Die zweite Rufnummer war ohne Anschluß. Da fällte ich nächste Entscheidung, dass Franz mit dem privaten Van ins Krankenhaus gefahren wird.

Meine Frau zog ihm die Bettdecke weg. Mein Gott was ein Anblick. Dort wo der Penis und die Hoden sein sollten, war etwas Undefinierbares in Schwarz, in der Größe eines kleinen Kaninchens. Da hatte sich das anziehen einer frischen Unterhose erledigt.

Im Van wurde die zweite Sitzreihe, die durch die Schiebetür gut zu erreichen war, mit Decken und Kissen hergerichtet. Laufen konnte Franz bis zum Auto nicht. Franz war trotz seiner Abmagerung schwer, weil er groß war und einen schweren Knochenbau hatte. Das schafften wir nicht alleine.

Da mussten noch die beiden Brüder vom Nachbarn kommen. Franz wurde auf eine Decke gerollt und auf dieser wurde er dann von vier Männern bis zu Van getragen, obwohl er jammerte, und dort auf die Kissen gelegt.

Ich wollte nicht mit dem Franz als Ausländer vor das städtische Krankenhaus fahren, so musste diese Arbeit der Sohn von meiner Frau erledigen und sie sollte auch mitfahren.

Als sie mit dem Franz von uns zu Hause losfahren ist es kurz vor Mittag. Man kommt erst gegen 15 Uhr wieder zurück. Sie hätten lange warten müssen, bis der Franz endlich als Krankenfall angenommen wurde.

Solch ein öffentliches Krankenhaus muß man sich vorstellen zu jeder Tageszeit, wie den Andrang an einem Silvestertag auf dem öffentlichen Markt. So sieht es auch in der Notfall-Aufnahme aus.

Meine Frau erledigt die Formalitäten und erlebt dabei eine ziemlich dreiste Erfahrung, dich ich zu einem anderen Zeitpunkt später genauer beschreiben werde.

Patienten in öffentlichen, meist auch in privaten Krankenhäusern brauchen einen Aufpasser, einen sogenannten ‚runner‘, der dem Patienten zur Hand geht, ihn trinken läßt, beim Toilettengang behilflich ist, Medizin kaufen geht und und und.

Dazu wurde der Filipino Schweizer auserkoren, wer er einmal den Franz gut kannte und weil er mit dem Franz Deutsch reden konnte und bei Fragen übersetzen konnte. Nur war der zu dem Zeitpunkt angetrunken.

Gegen 20 Uhr klingelt das Telefon. Mit tonloser Stimme sagt der Filipino Schweizer, dass der Franz tot ist.

Wir fahren sofort hin. Vor der Notaufnahme steht ein kalkwießer Filipino Schweizer, daß ich befürchtete, dass er auch schon tot sei. Von betrunken ist nichts mehr zu spüren. Was war los?

Man hatte den Franz in eines der Notaufnahmebetten unter etlichen anderen gelegt und einen Wert von irgendetwas von über 400 bei einer Diabetes festgestellt. Man hängte den Franz an einen Tropf und hatte bis abends den Wert auf 300 herunter bringen können. Unser Filipino Schweizer hatte sich neben den Franz gelegt und war eingeschlafen.

Um kurz vor 20 Uhr schlug der Infarkt zu und Franz war tot.

Als wir ankommen liegt Franz noch im Bett der Notaufnahme und wir sprechen mit der zuständigen Ärztin.

 

(Fortsetzung folgt)