…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 16. Dezember 2019

(zum Bild: Duterte beginnt einen Kampf mit der philippinischen Oligarchie)

 

Wir haben kein Wasserbett… – …fuhr mir durch den Kopf und das riss mich aus dem Mittagsschlaf, als ich mich wie auf hoher See fuehlte. Gestern um 2:11 p.m., Erdbeben mit Staerke 6,9 in Matanao, westlich Digos City, 70 km noerdlich von GenSan. Um 3:09 p.m. Nachbeben mit Staerke 5,2; um 3:49 p.m. mit Staerke 4,0 und weiter kleinere.

Das Beben traf bei uns im Haus die handgeschnitzte Kopie des Kiepenkerl, die vom Buecherschrank fiel, wobei ein Stueckchen abbrach. Das Original steht in Muenster auf dem Platz vor zwei Restaurants, die dort als “Kleiner und Groszer Kiepenkerl” bekannt sind. Meine Mutter schenkte mir diese Erinnerung an meine Studienzeit, das abgebrochene Stueck kann man wieder ankleben.

So glimpflich verlief das Beben vor Ort nicht, wie ich heute morgen in den Blaettern lese. Bisher weisz man von 4 Toten und 37 Verletzten. Man untersucht Schaeden an Gebaeuden, Strom- und Wasser-Leitungen. Der Schul-Unterricht wurde abgesagt, bis die Gebaeude inspiziert sind.

Praesident Rodrigo Roa Duterte war zu der Zeit mit seiner Tochter Veronica in seinem Haus in Davao. Seine Lebensgefaehrtin Honeylet Avanceña war mit dem Auto unterwegs und berichtete, dass der Wagen “zu schwingen begann”. Ihnen ist nichts passiert.

Als historisch… – …sieht Rigoberto Tiglao in seiner heutigen Kolumne in der “Times”, dass Praesident Duterte sich in dem Streit mit den Wasser-Versorgen insgesamt mit der Oligarchie, den Reichen des Landes anlegt ~ “Duterte locks horns with oligarchy”. Tiglao beginnt so:

So etwas gab es noch nie: Ein philippinischer Praesident droht, Oligarchen ins Gefaengnis zu werfen, weil sie die Wirtschaft sabotieren und ihre unersaettliche Gier vor der ganzen Nation offenbaren.

“Ich habe so viele Kolumnen gegen Oligarchen geschrieben und deckte die kolossale Taeuschung des neuesten Oligarchen-Typs auf, eines Auslaenders, des Indonesiers Anthoni Salim, dass dessen ‘philippinischer Geschaeftsfuehrer’ Manuel V. Pangilinan das besitzt und kontrolliert, was jetzt das groeszte Konglomerat Oeffentlicher Versorger (public utilities) ist.

“Realitaet ist, wie ich durch unanfechtbare Beweise belegte, die Pangilinan nicht bestritten hat, dass Salim durch eine dichte Schicht von Unternehmen, der groeszte Aktionaer des Konglomerats mit ueber 40 Prozent Anteil ist, waehrend andere reiche Auslaender etwa 20 Prozent besitzen – und dass diese insgesamt 60 Prozent auslaendischer Beteiligungen gegen verfassungsrechtliche Bestimmungen verstoszen, was das Eigentum an Oeffentlichen Versorgern angeht.

An der Stelle moechte ich in Erinnerung rufen, dass Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in der  “Times” vom 19. Mai 2017 feststellte “Die Regierung muss Rapplers auslaendische Eigentuemer untersuchen” und zeigte, dass “Rappler” einen US-Geldgeber hat, was General Staatsanwalt Jose Calida nach Lektuere von Tiglaos Kolumne zum Anlass nahm, eine Untersuchung durch SEC (Security and Exchange Commission) in Auftrag zu geben. Die SEC fand, dass die Vorwuerfe stimmen und entzog die Lizenz. Damals suchte „Rappler„-Chefin Ressa gegenzusteuern und verkuendete: “Dies ist ganz klar ein Verfassungs-Fall; hier geht es um Presse-Freiheit.” Ihr Geldgeber Pierre Omidyar sah da wohl klarer, und um die Klippe zu umschiffen, schenkte er den Mitarbeitern von “Rappler” das Geld, das er in den Laden gesteckt hatte. So war “Rappler” aus dem Schneider was die Lizenz angeht, aber – fuer die Schenkung muss man Steuern zahlen, und das tat kein Mitarbeiter des “Rappler”, auch Maria Ressa nicht. Jetzt hat sie das Problem des Steuerbetrugs, schreit aber weiter “Pressefreiheit”, und damit schlagen wir uns herum und muessen uns die Idiotismen von US-Senatoren und Rock-Saengern dazu anhoeren. (Das Praedikat “idiotisch” stammt nicht von mir, sondern von Auszen-Minister Teodoro Locsin, der die Resolution des US-Senats als “idiotic” bezeichnete. Mir geht diese Resolution auch deshalb gegen den Strich, weil sie Ressa und de Lima in einen Topf wirft, was aber voellig unterschiedliche Faelle sind; zu de Lima mehr weiter unten.)

Man sollte Tiglaos heutige Kolumne also nicht als “nur eine Meinung” zur Sache sehen. Seine Anwuerfe haben Folgen, auch wenn er und die “Times” nicht so vernetzt sind wie andere. Tiglao dazu:

Dass dies vor den neugierigen Blicken der Oeffentlichkeit bewahrt wird, und dass es die Regierung nicht kratzt, sind ein Beweis fuer die Macht der Oligarchie. Salim kontrolliert auch einen riesigen Medien-Sektor, der Cignal TV, Channel 5 und den Philippine Star einschlieszt. Ein Medien-Konglomerat, in dem laut Verfassung kein einziger Dollar auslaendischen Geldes erlaubt ist. Nur wenige Medien-Unternehmen koennen es sich leisten, die Ayalas mit ihrem riesigen Werbe-Budget zu veraergern.

Man moege sich aber keine groszen Illusionen zum investigativen Journalismus machen:

Doch wir Journalisten oder wenigstens die, die seit Jahrzehnten in der Branche taetig sind, machen uns keine Illusionen darueber, dass wir die die Welt durch unser Schreiben oder durch unsere Exposes veraendern.

“Es gibt nur zwei Dinge, die die Welt veraendern koennen, oder auch ein Land.

“Erstens sind dies ironischerweise die Eliten, von denen die Oligarchen – verstanden als die Reichsten mit der Faehigkeit, den Staat fuer ihre Interessen zu kontrollieren – die Ressourcen haben, ihre Laender zu veraendern. Der zweite ist der Staat. Doch der Staat wird oft von Oligarchen kontrolliert durch die, die ihn fuehren und sogar mit Milliarden von Pesos davon profitieren, dass sie den Oligarchen helfen.

“Dies erklaert, warum Laender wie wir arm geblieben sind. Die beiden Einheiten, die das Land veraendern koennten, liegen zusammen in einem Bett.

“Was wir als demokratisches System betrachten, in dem Menschen Menschen waehlen, die sie foerdern, ist tatsaechlich nur ein System, in dem ein Teil der politischen Elite und der Oligarchen eine Zeit lang an die Herrschaft kommt. Lenis Formulierung war meistens, wenn auch nicht immer richtig: ‘Der Staat ist das Exekutiv-Komitee der herrschenden Klasse.’

Tiglao sieht Ferdinand Marcos als den ersten, der sich gegen diese Zwaenge zur Wehr setzte, aber er scheiterte, weil er selbst dem Modell verfiel und sein eigener Oligarch wurde. Wozu gerechterweise gesagt werden muss, dass an diesem Schwenk seine Gattin Imelda nicht unwesentlich beteiligt war. So lautet auch der Titel eines der ersten Buecher zu diesem Herscher-Duo “The Conjugal Dictatorship of Ferdinand and Imelda Marcos” von Primitivo Mijares, einst Marcos “Medien-Zar”, bis er sich 1975 in die USA absetzte. (Das Buch kam kuerzlich in neuer Ausgabe heraus, hab ich natuerlich gekauft, aber ich komme nicht dazu es zu lesen, weil Duterte mich die ganze Zeit beschafetigt.) Nach dem Sturz der “verehelichten Diktatur” 1986 ging es so feudal weiter wie zuvor.

Doch dann gewann ein langjaehriger Buergermeister der suedlichsten Stadt, Davao, [die Wahl] 2016.

“Waehrend Duterte sich noch weitgehend im Umfeld der Flueche und des Aufruhrs gegen die Reichen befand, und seine eigene Verwaltung ihn zu ueberzeugen versuchte, klein beizugeben, scheint er nun auf dem Weg zu sein, den Fluch einer seit 1986 von Oligarchen gefuehrten Wirtschaft zu beenden.

“Wenn Duterte sich weigert, sich der gewaltigen Macht der Oligarchen zu ergeben – die von den USA unterstuetzt werden, die ihn wegen seiner Naehe zur aufstrebenden Supermacht China stuerzen wollen – wird dies eine historische Schlacht werden, die die Zukunft dieses Landes veraendern wird. Doch es koennte blutig und chaotisch werden, wie es Marcos’ Krieg gegen die Oligarchen ab 1971 war.

“Viel Gueck und mehr Kraft fuer ihn – und fuer uns.

Die andere Seite – Wer mein Blog laenger verfolgt weisz, dass ich Senatorin Leila de Lima fuer schuldig halte, in ihrer Zeit als Justizministerin Gelder von in Bilibid einsitzenden Drogenbossen genommen zu haben, wofuer sie angeklagt und im Februar 2017 verhaftet wurde. Sie haelt Anklage und Beweise fuer getuerkt. Ich habe die Untersuchung des Hauses im TV verfolgt und die Berichte in den Blaettern gelesen – sie sitzt zu Recht. So schrieb ich gestern auch, dass die Forderung der US-Senatoren Dick Durbin und Ed Markey de Lima unverzueglich freizulassen, der Abschaffung der Rechtsprechung in den Philippinen gleichkaeme. Aus dem Grund wies auch Sprecher Salvador Panelo das Ansinnen der US-Senatoren ab und forderte sie auf, den Fall “objektiv und mit vorsichtigem Urteil” zu betrachten.

Nach allgemeinem Rechts-Verstaendnis gilt de Lima bis zu einem Urteil als unschuldig, und aus diesem Grunde bringe ich hier ihre Entgegnung auf Panelos Abweisung der Forderung der US-Senatoren, was ich bisher nicht tat, weil ihre Tiraden abstrus und als blosze Manoever erschienen, von ihrem Drogen-Fall abzulenken. Doch soll man niemanden verurteilen, ohne ihn oder sie zu hoeren, und so will auch ich den Fall ganz “objektiv und mit vorsichtigem Urteil” betrachten. Die inhaftierte Senatorin Leila de Lima versteht sich und die Welt so:

Das ist lustig. … Mr. Panelo, mein Fall ist ein Testfall fuer den Versuch Ihres Chefs, seine tyrannischen Ambitionen auszuspielen. Das weisz die ganze Welt. Malacañang, unterstuetzt von seiner Armee von Trollen, ist eine wahrhafte Muehle massiver Desinformations-Kampagnen. … Niemand glaubt Ihnen mehr. Sie machen sich selbst etwas vor. Wir weigern uns, die vergiftete Rhetorik zu teilen, die der Praesident regelmaeszig ausspuckt. … Diejenigen, die wirklich auf der Seite von Wahrheit und Recht stehen, koennen niemals getaeuscht werden zu glauben, wir haetten eine faire Justiz und eine starke, lebendige Demokratie.

Ich sehe das als “Projektion” – man wirft dem Gegner vor, was man selbst betreibt. Aehnlich sieht das Ninez Cacho-Olivares in ihrer heutigen Kolumne im “Tribune”, die sie nach der Devise “Holt ihr schnell einen Psychiater” so schlieszt: “Holt Leila aus dem Knast und sperrt sie in einen Irrenhaus, aber rasch!

Moege der Leser sich “objektiv und mit vorsichtigem Urteil” seine Meinung bilden.

 



 

Gemaesz “Phivolcs”, “Manila Times”, “Inquirer”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.