…aus der philippinischen Presse

 



PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 09. November 2019

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Von Zeit zu Zeit… – …muss man sich selbst zur Ordnung rufen, wenn man merkt, dass man dieses oder jenes nur deshalb so oder so sieht, weil man es immer so gesehen hat. Weshalb auch sollte man sich die Muehe machen, die Brille abzunehmen?

Ich sah gestern im TV den Schluss eines Presse-Briefings der beiden Vorsitzenden des ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) General Aaron Aquino und Vize-Praesidentin Leni Robredo, und – es hat mir gefallen, was beide gesagt haben. Bemerkenswert daran ist, dass Robredo mir “eigentlich nicht gefallen darf”, da sie als Kritikerin Praesident Rodrigo Roa Duterte bisher stets angriff, den ich zu verstehen mich bemuehe. Doch wie weit geht mein “Verstaendnis”? Von Madame de Staël stammt der Satz “Alles verstehen, heiszt alles verzeihen”. Ich erinnere, dass zu meiner Darstellung Dutertes im Blog ein Leser im Netz schrieb: “Ich bin durchaus ein DU30 Fan, aber diese fast schon manische Glorifizierung und blinde Rechtfertigung seiner Person ist fuer mich leider nicht nachvollziehbar.

Nun ziehe ich mir diesen Schuh nicht gleich an, ich versteh nicht alles, was Duterte in den Sinn kommt, doch anprobieren kann man so einen Schuh schon, ohne ihn gleich kaufen zu muessen. Vielleicht macht er einen schlanken Fusz, wer weisz?

Von der Haeme, die Vize-Praesidentin Leni Robredo in der Duterte-freundlichen bis Duterte-fanatischen Presse bei allem, was sie tat, entgegenschlug, habe ich stets gern berichtet. Ein Verriss gibt fuer den Lektuere-Genuss mehr her, als eine salbadernde Lobhudelei. Dieser Charakterzug, den Rolly G. Reyes kuerzlich als typisch fuer Filipinos beschrieb, gilt auch fuer Westler: “Ja, wir lachen gern ueber Witze, aber wir lachen noch mehr, wenn wir sehen, wie jemand stolpert, in einem Schlagloch ausrutscht oder in ein Mannloch faellt.” Und Robredo rutschte nun mal von einem Schlagloch ins naechste.

Was aber, wenn es diesmal kein Schlagloch, sondern der glatte Boden des politischen Parketts war? Mehr noch! Wenn Praesident Duterte mit der “Drogen-Zarin”-Offerte mal nicht einen seiner billigeren Witze gemacht, sondern das von Anfang an ernst gemeint hat? Das Memorandum vom 31. Oktober, vor seiner Abreise nach Thailand ausgefertigt, auch wenn es erst am 5. November rausging. Gesagt hatte er das am 28. Oktober, und – gesagt, getan! Er hat keine Reaktion abgewartet, nicht die Stimmung getestet, das war spontan – Duterte live!

Und auch Vize-Praesidentin Robredo hoerte diesmal nicht auf liberale Polit-Fluesterer. Der Abgeordnete Edcel Lagman warnte, sie solle nur zum Scheitern vorgefuehrt werden (“is being set up to fail”). Robredo sagte wider aller Erwarten zu, sie werde den Posten annehmen – wobei das “wider aller Erwarten” mal wieder so eine Annahme ist: hat Duterte das selbst auch nicht erwartet?

Falls der auch ueberrascht war, dann wollte er sie wirklich nur vorfuehren. Was aber, wenn er sich eine Chance ausrechnete, sie ins Boot zu holen, und sei es als Kugelfang gegen kritischen Beschuss von liberaler Seite? Wenn Robredo als Kabinetts-Mitglied und Vorstand der Liberalen Partei am Drogenkrieg teilnimmt, dann kann sie sich nicht taeglich davon distanzieren, und rausschmeiszen kann die Liberale Partei sie auch nicht. Was bliebe der denn sonst noch – “Otso Diretso”?

Der Rat meiner Frau – ich weisz nicht, wo ihr Motiv liegt, weibliche Solidaritaet oder Mitgefuehl fuer die Vielkritisierte – um ihre Meinung in der Sache gebeten, sagte schlicht und einfach: “Lass sie doch erstmal machen!” Also lass ich die Vize-Praesidentin in Ruhe und ignoriere heute mal die Haeme in den Kolumnen der “Times” und des “Tribune” und schau mir an, was sonst noch war.

 



 

Benjamin Magalong… – …frueherer Chef der CIDG (Criminal Investigation and Detection Group), aktuell Buergermeister von Baguio City, erweist sich einmal mehr als Anwalt der “vergessenen Faelle”. So war er es, der die Senats-Anhoerung zur GCTA (Good Conduct Time Allowance), die die Umstaende der Beinahe-Entlassung des Vergewaltigers und Moerders Antonio Sanchez untersuchte, durch eine beilaeufige Aussage dahin wendete, dass Polizei-Chef General Oscar Albayalde vorzeitig in den Ruhestand ging, noch Untersuchungen zu seiner Verbindung zu “Ninja Cops” am Hals hat und GCTA und der Moerder Sanchez kein Thema mehr sind.

Aehnliches erwarten sich wohl die VACC (Volunteers Against Crime and Corruption), die mit einer Klage bei Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales gegen Ex-Praesident Benigno Aquino scheiterten, was das Oberste Gericht kuerzlich bestaetigte. Nun aber haben sie in Sachen Mamasapano – ein vermasselter Zugriff auf Terroristen, bei dem 44 Polizisten einer Spezial-Einheit, 18 Moro-Kaempfer und 5 Zivilisten im Januar 2015 ums Leben kamen – neue Beweise und wollen eine Wiederaufnahme des Falles unter Ombudsmann Samuel Martires, der im Gegensatz zu Carpio-Morales nicht als “Schutzengel der Aquino-Regierung” bekannt ist.

In ihrem Antrag heiszt es: “Zusaetzlich zu den bereits vorliegenden Beweisen, fuegen wir hiermit eine Kopie der eidesstattlichen Erklaerung von … Magalong bei, als Beweismittel zur Unterstuetzung der Klage wegen ruecksichtsloser Fahrlaessigkeit gegen den frueheren Praesidenten, die zu mehrfachem Totschlag gemaesz Artikel 365 des Revised Penal Code fuehrte.

Ich kenne die eidesstattliche Erklaerung nicht, kann also nichts zu den Aussichten des neuen Vorstoszes gegen Benigno Aquino sagen. Das Problem dabei ist, dass es nicht Aquino allein ist, dem Straefliches vorgeworfen wird, sondern mit ihm auch dem frueheren Polizei-Chef Alan Purisima und dem frueheren Chef der Spezial-Einheit Getulio Napeñas. Die Sache war bereits untersucht, und selbst wenn man eine “parteiische Sicht” zugunsten Aquinos bei Carpio-Morales annimmt – was sollte da ploetzlich Umwaelzendes bekannt werden, das nicht schon auf dem Tisch war?

Es scheint, dass hier der Wunsch, bei sovielen Toten einen Schuldigen haben zu muessen, den man beim Namen nennen kann, die Triebkraft hinter dem Antrag ist. Man gibt sich nicht damit zufrieden, dass so ein Unternehmen “einfach mal schiefgehen” kann. Und dass da nun Magalong als “Geheimwaffe” ins Spiel kommt, das erinnert mich an Maria Ressa, die sich in ihrem Streit um Steuerbetrug die bekannte Anwaeltin fuer Menschrechte Amal Clooney ins Boot holt. Deren Name soll von der banalen Streitsache ablenken und fuer die “misshandelte Journalistin” einnehmen. Und analog soll der Name Magalong nun Wunder wirken, und gegen den “ungeliebten Ex-Praesidenten” einnehmen, nur – den Namen hat Magalong noch gar nicht. Albayalde ist zwar im Ruhestand, aber ein Disziplinar-Verfahren gegen ihn ist bereits eingestellt, und zu einem Straf-Verfahren laeuft erst eine Vor-Untersuchung. Wie die ausgeht steht in den Sternen, ganz so, wie eine moegliche Neu-Aufnahme des Falles Mamasapano. Da ist noch nichts in trockenen Tuechern.

Ganz anders sieht es dagegen… – …in Sachen “Maguindanao Massaker” aus. Im Wahlkampf um den Gouverneurs-Posten von Maguindanao wurden 58 Unterstuetzer und begleitende Journalisten bei Ampatuan am 23. November 2009 getoetet, als sie die Kandidatur des Esmael Mangudadatu einreichen wollten. 197 Personen wurden angeklagt, 15 mit dem Nachnamen des Opponenten Ampatuan, 114 verhaftet, auch Andal Ampatuan Senior und Junior. Ampatuan sr. verstarb in Haft.

Die Urteilsverkuendung in der Sache wurde vom Obersten Gericht auf Antrag der Richterin Jocelyn Solis-Reyes um 30 Tage vom 20. November auf den 20. Dezember verschoben. Das Oberste sah ein, dass bei der bloszen Anzahl der Angeklagten, denen jedem Einzelnen ein ordnungsgemaeszes Verfahren zusteht, die Formulierung des Urteils mehr Zeit als ueblich dauern kann.

Die Sache ist abgeschlossen, sie muss nur noch zu Papier gebracht werden.

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “PNA”, “PhilStar”, “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Daily Tribune”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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