…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 31. März 2019

(zum Bild: Xi Jinping der Gegenpol zum Westen)

 

EU auditiert Hilfe fuer die Roten… – …ist der Aufmacher des “Tribune” heute, und entsprechende Meldungen gibt es bei “NPA” und im “Bulletin”.

Ich schrieb schon am 6. Maerz, dass philippinische Offizielle EU-Laender aufmerksam gemacht haben, dass die CPP (Communist Party of the Philippines) und die NPA (New People’s Army) mit Geldern aus Belgien und der EU ueber Tarn-Organsisationen gesponsort werden, die angeblich Spenden fuer Vernachlaessigte und Arme sammeln. Belgien habe da 621 Tsd Euro locker gemacht, und dieses Jahr sollen 1,3 Mio Euro folgen. Zwar wurden keine Namen genannt, doch die EU und Belgien forderten eine Dokumentation der Vorwuerfe an.

Die Dokumentation wurde uebergeben, und die Botschafter der EU und Belgiens versprachen, dass von einer neutralen Firma die Fonds auditiert werden, von denen Gelder an die NGOs (Non Government Organisations) gehen, die angeblich an CPP/NPA weitergehen, denn die EU will Terror nicht unterstuetzen. Dies sind: Alternative Learning Center for Agricultural and Livelihood Development, Ibon Foundation, Mindanao Interfaith Services Foundation, Rural Missionaries of the Philippines, Salungpungan Ta’tanu Igkanugon Community Learning Center Inc, Alliance of Health Workers, Kilusang Mayo Uno, Gabriela, Anakbayan, Karapatan und Alliance of Concerned Teachers.

Die genannten Organisationen seien Front-Gruppen der Kommunisten, um an internationale Hilfen und Unterstuetzung zu kommen. Natuerlich verwahren die sich gegen die Vorwuerfe und geben sich – wie die Frauenpartei Gabriela und die Lehrer der Alliance of Concerned Teachers – als die lautersten Demokraten. Man muss halt abwarten, was bei dem Audit herauskommt.

 



 

Gedanken-Erschuetterung – Von einer gefestigten Meinung abzuweichen faellt schwer, wenn zwei Dinge zutreffen. Der Meinung schloss man sich einst an, da sie in schlichter Klarheit ueberzeugte, und sie verfestigte sich durch wiederholte Bestaetigung. Eine derartige Sicherheit der Gedanken ueberhaupt zu erschuettern, bedarf es eines Schwergewichts. Ich stiesz am Wochenende auf zwei: Antonio Contreras und Yen Makabenta. Beide sind Schwergewichte, da ich ihre Kolumnen in “The Manila Times” seit zwei Jahren verfolge und sie mir oefter Anstosz waren, ueber dies oder jenes noch einmal nachzudenken.

1. Contreras schrieb am Samstag seine Kolumne ueber die “Verminderte Souverenitaet”. Ihm geht es darum, dass Antonio Carpio, Richter am Obersten Gericht, den Kredit fuer das Chico River-Bewaesserungs-Projekt kritisiert, fuer den die Philippinen gegenueber China auch mit Oel- und Gas-Bestaenden der Reed-Bank in der EEZ (Exclusive Economic Zone) der West Philippine Sea haftet. Der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, wies die Kritik zurueck, dass die Oel- und Gas-Bestaende nicht zur Haftungs-Masse gehoeren, wurde aber von Carpio belehrt, dass es seit 1972 einen praesidialen Erlass gibt, der genau das ermoeglicht. Daraufhin behauptete Panela, Carpio sei unpatriotisch, wenn er die Chinesen aufklaere, wie sie sich an den Philippinen guetlich tun koennen und erklaerte das Ganze als “akademisch”, da wir den Kredit sowieso bezahlen koennen. Das ist aber kein Argument, sondern da zieht Panelo sich aus der Diskussion, ob nationale Ressourcen fuer einen Kredit verpfaendet werden sollen. Contreras sieht darin eine Teil-Aufgabe der Souveraenitaet der Philippinen, da sie darueber dann nicht mehr frei verfuegen koennten.

Der Zugang zu der Frage wird erschwert durch den Umstand, dass Carpio als Kritiker des Praesidenten in dessen Ignoranz des Haager Schiedsspruche einen Namen hat, sodass seine Einwaende gern mit einem “ach, der schon wieder!” beiseite geschoben werden. Wenn er aber doch Recht hat?

Und so besteht eben die Gefahr, meint Contreras, dass wir die abgelegte Abhaengigkeit von den USA auf diese Weise gegen eine von China austauschen.

 



 

2. Makabenta schrieb am Samstag seine Kolumne ueber die “Katastrophe: Green New Deal scheitert im US Senat”. Bei einer Probe-Abstimmung im Senat lief der vorgeschlagene Green New Deal gegen die Wand: er wurde mit 57:0 Stimmen abgelehnt. In diesem Vorschlag zur Erreichung von Klima-Zielen sieht Makabenta eine Parallele zu einem Immigration Restriction Act der USA von 1924. Damals gab – aehnlich der menschlichen Erd-Erwaermung heute – die Theorie einer epidemischen Schwachsinnigkeit durch die Zunahme von Einwanderern aus dem oestlichen und suedlichen Europa Anlass fuer das Gesetz. Tatsaechlich ist die Theorie schwachsinnig, man wollte die Einwanderung regeln, aus welchen Gruenden auch immer, und dafuer musste eine Begruendung her. Heute ist es die menschliche Erd-Erwaermung, die fuer eine gewollte Aenderung der Energie-Politik herhalten soll.

Daher auch – ich schrieb darueber letzten Sonntag – ein Aufschrei des Entsetzens, als US-Praesident Donald Trump ein Gremium einsetzen will, das untersucht, ob Klima-Wandel tatsaechlich von Menschen verursacht wird. Eine stichhaltige Theorie hat keine Angst vor einer Untersuchung, wovor also haben Klima-Paniker Angst? Koennte die von dem Politiker Al Gore erfundene und von der Schuelerin Greta Thunberg propagierte Erd-Erwaermung durch den Menschen sich als Psychose erweisen?

Mit dem Green New Deal besteht die Gefahr, dass wir uns wirtschaftlich ruinieren, um am Ende zu merken, dass das gar nicht die Ursache war.

Ich weisz, dass es zu beiden Punkten kontraere Ansichten gibt. Doch ab und an sollte man sich zuruecklehnen und die Gedanken anderer durch den Kopf ziehen lassen, ob man sich seiner eigenen Sicht so sicher ist, wie man vorgibt. So eingestimmt komme ich zum dritten Punkt der Ueberlegung: wer koennte das Schwergewicht sein, welches – so wie mich Contreras und Makabenta bewegt haben – den Westen davon abbringen koennte, Duterte als Diktator und Halunken zu betrachten?

 



 

3. Ganz sicher nicht ist das Richard Heydarian, der einen Aufsatz in der “Post” veroeffentlicht, in dem er meint, dass Duterte einen Erben fuer das Amt den Praesidenten finden muss, oder sich den Anklagen wegen des Drogenkrieges stellen muss (face the music on his drug war). Er beginnt mit einem Zitat. In Shakespeares “Henry IV” heiszt es: “Uneasy lies the head that wears a crown”. Ich uebersetz das mal nicht, weil es kein griffiges Gegenstueck zu “uneasy” gibt: “unbehaglich” kommt dem nahe, “unleicht” waere naeher, ist aber kein Deutsch.

Als moegliche Erben des Amtes diskutiert Heydarian Christopher “Bong” Go, der eine Schluessel-Figur im Senat werden koennte, und Dutertes Tochter Sara Duterte-Carpio. Mit einer Super-Majoritaet aus den Zwischen-Wahlen im Mai koennte Duterte seine Macht festigen wie keiner seiner Vorgaenger, und so schlieszt Heydarian: “Der Einsatz koennte nicht hoeher sein, denn die kommenden Wahlen koennten fuer immer das Schicksal der zerbrechlichen Demokratie der Philippinen bestimmen.” Der Ton, in dem Heydarian dies schreibt, laesst nicht erkennen, ob er das nun bedauert oder begrueszt.

Und damit bin ich wieder zurueck bei meiner Frage, wer dieses Schwergewicht sein koennte, das dem Westen die Augen ueber Duterte oeffnet.

Ihr koennt mich jetzt fuer verrueckt erklaeren, aber ich sehe da Xi Jinping.

Der chinesische Praesident ist der Einzige, der sich nicht von internationalen Menschenrechts- oder Klima-Panikern reinreden laesst, den man nicht einfach wirtschaftlich aushungern kann, und – er hat keine Wahlen vor sich. Er ist auf Lebenszeit gewaehlt und muss sich nicht alle paar Jahre in die Hose machen, wie’s mit ihm weitergeht. Zudem hat er einen Blick fuer Realitaeten, das sieht man an der Belt & Road-Initiative, das sieht man daran, dass er nicht Kriegsschiffe vor San Francisco kreuzen laesst, sondern mit Donald Trump im Handelskrieg redet. Wenn der verhandeln will, gut, verhandeln wir eben. Er hat keinen Prinzipien-Satz, schon gleich kein “Kommunistisches Manifest” im Kreuz, hinter das er nicht zurueckfallen kann. Das hat der Westen, der sich in Prinzipien eingemauert hat, die er selbst dauernd brechen muss, um sich nicht selbst zu verkrueppeln. Ich weisz nicht wie oft deutsche Kanzler vor jeder China-Reise gemahnt wurden, auch die Frage der Menschenrechte anzusprechen. Ich kann mir gut vorstellen, wie dieses Ansprechen ausgesehen hat: “Da waere noch die Frage der Menschenrechte.” – “Gute Frage, naechste Frage.” – “Gut, dass wir darueber gesprochen haben.” Zurueck in der Heimat hiesz es dann: “Natuerlich haben wir auch die Frage der Menschenrechte angesprochen. China steht dem positiv gegenueber.

Wer sonst als Xi sollte dem Westen die Augen fuer die Realitaet oeffnen, nicht nur ueber Duterte?

 



 

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unsa ang ~ unsay was das, imong ~ imo nga imo Genitiv von ikaw du + Verbinder, hunahuna denken, meinen, bahin um, ueber, kana ~ anajenes, das

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Gemaesz “Daily Tribune”, “NPA”, “Manila Bulletin”, “Manila Times”, “South China Morning Post” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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