…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 09. Oktober 2019

(zum Bild: Duterte sagte mal: „Wenn es Krebs ist, ist es Krebs.“)

 

Dutertes Gesundheit – Praesident Rodrigo Roa Duterte Krankheiten anzudichten war das Hobby von Francisco Tatad, ein erklaerter Duterte-Gegner, der Informations-Minister unter Ferdinand Marcos, spaeter dann Senator und noch spaeter Journalist war mit einer Kolumne in der “Times”, die ihn seine Maerchen verbreiten liesz. Das begann mit der Frage im Januar 2017, ob Duterte wohl ein Krebs-Krankenhaus in Guangzhou, China, besucht habe, und dann kann man ja mal darueber nachdenken, warum der sich zwischen den Jahren rar gemacht hatte. Als die Krebs-Geruechte ins Kraut schossen, erklaerte Duterte seinen Besuch im Hospital im Februar 2017 so: „Nagpatuli ako… ~ ich wurde beschnitten…“ Er wurde in der Jugend nach traditioneller Methode beschnitten, doch die Vorhaut sei nachgewachsen. Das kommt bei aelteren Maennern vor, eine Erfahrung, die ich vor einem Jahr inklusive Operation selbst machen durfte.

Im Februar 2019 dichtete Tatad Duterte dann eine Nieren-Transplantation an, die wohl als Erinnerung an die geheim gehaltene Nieren-Transplantation seines frueheren Dienstherrn Ferdinand Marcos in seinem Kopf herumspukte, was der Praesident aber nicht mehr komisch fand. Er schoss zurueck: “Dieser Tatad, du Tatad. Weiszt du, es gibt eine Grenze zwischen Presse-Freiheit und Verleumdung. Wenn ich dich sehe, geh mir aus dem Weg. Du Hurensohn, ich hau dir eine rein. Glaub mir, ich ohrfeige dich vor allen Leuten.” Er sagte noch viel mehr, wurde dabei aber unflaetig, sodass ich das nicht wiederholen muss.

Tatad gab keine Ruhe, und so folgte der Leitartikel am 8. Februar aus der Feder des Besitzers der “Times” Dr. Dante A. Ang selbst, der sich gegen die Luege des bisherigen Kolumnisten Francisco Tatad verwahrte, er, Ang, habe ihn, Tatad, auf Weisung des Praesidenten Duterte rausgeworfen.

Damit war Tatad aus dem Rennen – was meine Leseliste angeht. Dass aber Dutertes Gesundheit so sehr beachtet wird, hat seinen Grund. Die Gelben haben den Machtverlust 2016 nicht verwunden, und die Blamage der “Otso diretso”, von denen es nicht einer bei der Wahl 2019 in den Senat schaffte, traf sie ins Mark. Der einzig verbleibende Weg zur Macht waere der Tod des Praesidenten. Schlieszlich ist “Leni” Robredo Vize-Praesidentin, und die kann nur taeglich im Buero des Praesidenten anrufen, ob der noch lebt – wie das mal ein Spoetter beschrieben hat. Doch ueber ihr haengt das Damokles-Schwert der Wahl-Klage des “Bongbong” Marcos, die gestern trotz Voraussage von Jomar Canlas vom Obersten Gericht nicht entschieden, sondern wieder mal auf spaeter verschoben wurde. Und so lauert die Gelbe Presse weiter darauf, ob es einen Hinweis gibt, dem Praesidenten gehe es doch nicht ganz so gut. Es ist, als wollten sie ihn einem Aberglauben folgend “krank schreiben”.

Bloederweise gibt Duterte dazu oefter selbst Anlass. So alberte er in Moskau vor der philippinischen Gemeinde herum, zog an seinem Auge und sagte ungefaehr woertlich: “Ich hab ein Talent, wenn ich dich anschaue, mein Auge senkt sich. Siehst du? Das kleine, schau. Ah geh, es ist eine unabhaengige Reise, das ist es. [Gelaechter] Das werde ich verwenden fuer — was ist so klein an mir? Das, das vielleicht… Ah, eigentlich mein … das ist Myasthenia gravis. Es ist eine Nerv-Stoerung. Ich habe es von meinem … genau von meinem Groszvater. So ist er. Ich glaube wirklich an die Genetik.

Das war nicht falsch, aber auch wenig hilfreich. Oft uebertrifft Dutertes staatsmaennisches Ungeschick seine weltpolitische Weitsicht. Er ist halt der “Mayor”, der sich in vertrauter Umgebung gestattet, was dem US-Praesidenten Donald Trump, mit dem er gern verglichen wird, im Traum nicht einfallen wuerde: er ist ehrlich ueber sich selbst. Das wuerde Trump in seiner “unmatched wisdom ~ unerreichten Weisheit” – so der ueber sich selbst im neuesten Tweet – nie in den Sinn kommen. Doch solch ein ueberirdisches Selbstbewusstsein hat einen Haken: langsam verstehen den auch seine Anhaenger nicht mehr. Die Gefahr besteht bei Duterte nicht. Er wird nur von seinen Gegnern nicht verstanden, und ein medizinischer Fachausdruck fuer eine “chronische neuro-muskulaere Autoimmun-Krankheit” – klingt das nicht fast wie HIV? – ist da wie ein Startschuss fuer die Geruechte-Kueche, die auch prompt zu brodeln begann. Es handelt sich aber nur um die Stoerung eines Nervs, sodass das betroffene Auge sich ab und an unabhaengig bewegt. Da kann man nichts dran machen, ist halt so, doch es ist nicht ansteckend, davon stirbt man nicht, und deshalb war es mir zu albern, dazu ueberhaupt etwas zu schreiben.

Also, Tatad und andere Gelbe koennen sich wieder abregen. Dem Praesidenten fehlt nichts. Der sorgt sich derzeit mehr um seine Tochter “Kitty”, die mit Dengue in Davao im Krankenhaus liegt. Gleich nach der Rueckkehr aus Moskau eilte Duterte zu ihr ans Krankenbett, und sie hat in Instagramm ein Video-Clip eingestellt, der sie am Tropf in Gesellschaft ihres besorgten Vaters zeigt.

Duterte geht es dem Alter entsprechend, und alte Maenner haben nun mal dies und das. Sollte ihn wirklich etwas Lebensbedrohliches befallen, dann bringen das weltweit live alle TV-Stationen, und nicht nur ein Blog, das der deutschen Sprache nicht maechtig ist und sich als “news” ausgibt.

 



 

Gemaesz “PCOO”, “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.