…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 20. November 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte nennt Vizepräsidentin Leni Robredo in Pressekonferenz Schussel.)

 

Fortsetzung von gestern – Da Praesident Rodrigo Roa Duterte sich in Arbeit einigelt und Meldungen von ihm rar sind, muss das Interview mit Marisol Abdurahman im Flugzeug herhalten, aus dem ich gestern zitierte. Hier weitere Haeppchen aus jenem Exklusiv-Interview fuer “GMANews”:

Vaeterlicher Rat – Duerte wiederholte den Rat an seine Tochter Sara Duterte-Carpio, Buergermeisterin von Davao, in welchem Amt sie ihm folgte, sich 2022 nicht um das Amt des Praesidenten zu bewerben, in dem viele sie als seine Nachfolgerin wuenschen: “Ich habe Mitleid mit meiner Tochter. Ich habe die Praesidentschaft bereits erfahren,” sagte er, ”Glauben Sie nicht dem Ruf der Menge, denn wenn das Wasser rau ist, werden Sie feststellen, dass Sie die Einzige sind, die auf der einsamen See segelt.

Zoll des Alters – Es wurde auch die Gesundheit angesprochen. In dem TV-Schnipsel, den ich bei “State of the Nation” gesehen hatte, zog er sein Hosenbein hoch und zeigte der Journalistin Marisol Abdurahman eine verschorfte Wunde am Knie, die von seinem Fall vom Motorrad herruehrte. Zur Gesundheit allgemein sagte er: “Der Praesident ist alt. Fragen Sie nicht, ob der Praesident Beschwerden hat. All diese Wehwehchen, ich habe sie, weil ich alt bin. … Wenn Sie fragen, wie geht es Ihnen, Herr Praesident? Sind Sie bei bester Gesundheit? Natuerlich nicht, ich bin alt. Das Leben hat begonnen, den gesundheitlichen Zoll von mir einzufordern.

Er machte sich einen Spasz daraus, die Journalistin aufzuforden: “Nennen Sie eine Krankheit, ich hab sie.” Und dann setzte er selbst dies Frage-Antwort-Spiel moeglicher Krankheiten fort und sagte – ich hab’s nicht schriftlich, nur am TV gehoert: “Krebs. – Hab ich! – Nieren-Transplantation? – Hab ich!” Dazu lachte er, denn dies waren die Krankheiten, die ihm Francisco Tatad in dessen unsaeglicher Kolumne faelschlich zugeschrieben hatte.

An Humorlosigkeit leidet er also nicht.

Folge des Interviews… – …ist dann auch die Erlaeuterung des Sprechers Salvador Panelo, der die Anmerkung des Praesidenten zur “Anti-Drogen Zarin” so kommentierte: “Praesident Rodrigo Roa Duterte drueckte kuerzlich in einem Interview seine Abneigung gegen eine Ernennung von Vize-Praesidentin Leni Robredo zum Kabinetts-Mitglied aus. … Dass die Vize-Praesidentin, die um Rat suchend mit bestimmten auslaendischen Institutionen und Personen gesprochen hat, die ein Vorurteil gegenueber der Kampagne gegen illegale Drogen haben, die sie als Verletzung der Menschenrechte wie auch als Verbrechen gegen die Menschlichkeit sehen, kam beim Praesidenten nicht gut an. Die Aktionen der VP sind alle im Mainstream und in Social Media dokumentiert. … Diese Fehltritte liefen nicht nur der wohlmeinenden Absicht von PRRD zuwider, sondern sie waren rote Signale, die nicht ignoriert werden koennen.

Panelo erlaeutert weiter: “Als Mitglied des Kabinetts haette Frau Robredo uneingeschraenkten Zugang zu sensiblen Staatsangelegenheiten, welche, wenn sie die absichtlich oder wie auch immer weitergibt, nachteilige Folgen haben koennten. Grad da die Vize-Praesidentin dazu neigt, erworbene Informationen und Kenntnissen groszzuegig zu behandeln im Umgang mit anderen, deren Absichten vielleicht nicht im besten Interesse des Landes sind.

Es ist diese Frage, die ich neulich unter den Begriff “heimatlos” brachte, die sich bei Robredo und anderen Mitgliedern der Opposition stellt, die sich dauernd und ausdauernd in den USA oder von der UN beraten lassen, was fuer die Philippinen gut ist oder nicht – fuer welches Land stehen die?

Und wenn Senator Panfilo Lacson zu der Frage sagt: “Als zweithoechste Beamtin, denke ich, dass sie die erforderliche Sicherheits-Stufe hat, damit umzugehen, und sie weisz um die Konsequenzen, falls sie diese mit Unbefugten teilt”, dann ist das Verraeterische daran dessen Formulierung “I think ~ denke ich”. Er weisz es also nicht, er vermutet es. Das sollte man aber nicht vermuten, sondern das sollte seinen Hintergrund im bisherigen Verhalten haben, bevor man sicherheits-relevantes Wissen mit jemandem teilt. Das Problem mit der Opposition ist aber nun mal, dass sie nie fuer das Land, sondern nur fuer den Sturz des “Duterte-Regimes” zu hoeren ist – das klingt wenig vertrauens-bildend.

Darueberhinaus ist es ein allgemeines Problem, dass Leute, die sich fuer weltweite Ideen stark machen, gern jene aus dem Blick verlieren, die sich lokal grad ueber Wasser halten, und die untergehen, wenn eine internationale Bewegung ueber sie hinwegschwappt, an der sie sich einen Anteil nicht leisten koennen.

Menschlichkeit muss man sich leisten koennen.

Das klingt zynisch, und dabei geht es mir nicht mal um die Frage, ob man einen Moerder aufhaengen oder ihn womoeglich ‘zig Jahre bekoestigen soll. Im TV regen mich diese Sendungen zur Unternehmens-Gruendung oder auch Casting-Shows auf. Es bleibt immer nur eine Handvoll Super-Models oder Beauty-Queens uebrig, die Unzahl derer, die auf der Strecke bleiben, taucht nicht mehr auf. Dasselbe gilt fuer Unternehmen, wo – besonders bei “CNNPhil” – dann irgendwelche Mode-Unternehmen als Beispiel fuer “leading women” vorgestellt werden. Nicht jede Frau kann ihr eigenes Mode-Label zum Erfolg bringen, wie auch nicht jede Filipina ihren eigenen “Tindahan ~ Sari-Sari-Store” haben kann. Hat die Nachbarin einen, will sie auch einen, so dass am Schluss jeder nur noch sich selbst zum Kunden hat, und keiner mehr Geld verdient.

Die Wirtschaft funktioniert, wenn sie waechst, und das hat Folgen. Das kam im Januar 2018 in einem Interview mit Lech Walesa bei “NHK” zur Sprache. Der Welthandel laesst die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter klaffen. Gefragt, was man da tun koenne, lachte Walesa: “Wenn ich das wuesste, haette ich schon einen zweiten Nobelpreis.

Es ist unfair, dass die “Reichen” den “Armen” mit den Menschenrechten kommen, wenn die das Leben “etwas groeber” angehen, wie sie vom Leben ja auch “etwas groeber” angefasst werden. Man muss die Nation im Auge behalten, fuer die man steht. Sonst wird man “heimatlos” und steht irgendwann allein da, ganz ohne Nation drumrum, und das hat erstmal nichts mit Nationalismus oder Schlimmerem zu tun.

Denn niemand, auch keine Nation kann nur fuer sich existieren, und dazu faellt mir dieses Zitat aus dem Werk von John Donne ein: “Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stueck des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespuelt wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge waere oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin ein Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlaegt, sie schlaegt dir selbst.

 



 

Wahlen sind nobel, Politik ist schmutzig – Das Vorstehende schrieb ich bereits gestern nachmittag bis abends nach den hereinkleckernden Meldungs-Haeppchen. Meine Frau zappte derweil im TV herum, es gab keinen “ordentlichen” Spielfilm, und sie verkuendete ploetzlich: “Da kommt gleich eine Presse-Konferenz mit Duterte.” – “Was?

In “OneNews” wurde eine ueberraschend fuer 9:00 p.m. angesetzte Presse-Konferenz angekuendigt. Der Bildschirm war geteilt, man sah neben der laufenden Sendung den leeren Saal, in dem Duterte erwartet wurde. Das musste ich sehen. So lange hatte ich ihn nicht original gehoert, nur Panelo-Palaver oder die Haeppchen aus dem Interview mit Abdurahman. Es wurde Neun, nichts geschah. Gegen Zehn gehe ich ueblicherweise ins Bett. Fuer Duterte blieb ich wach. Es wurde Zehn, nichts geschah. Ich begann zu ueberlegen, ob ich mir das nicht schenke – als um Viertel nach Zehn Duterte erschien. Meine Frau gefiel das bunt bedruckte T-Shirt, das er trug. Ich war gespannt, was er sagen wuerde.

Praesident Duterte gab bekannt, dass er Vize-Praesidentin Leni Robredo als Co-Vorsitzende von ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs)  nicht feuert, er wird sie aber auch nicht als Mitglied des Kabinetts ernennen, weil sie Staatsgeheimnisse gefaehrden (jeopardize) koenne. Sie muesse selbst wissen, was sie tut. Er habe alle Regierungs-Behoerden angewiesen, ihren Zugang zu sicherheits-relevanten Informationen zu beschraenken und ihr zu Drogen-Angelegenheit mitzuteilen, was sie wissen muss – “Wenn sie etwas haben moechte, gebt ihr die Haelfte. Sind es sicherheits-relevante Informationen, dann muss sie das nicht wissen.” Er sagte weiter in ihre Richtung: “Du kannst Hinweise geben, du kannst Fuehrung anbieten. Aber du musst da nicht hingehen und in Polizei-Ermittlungen herumwackeln.

Duterte meint, Robredo sei groszsprecherisch (grandstanding) und er nannte sie ein Schussel (scatterbrain), die mit irgendwelchen Agenturen und Partnern redet, um das Vorgehen der Regierung gegen Drogen humaner zu machen: “Gleich nach ihrer Ernennung begann sie oeffentlich ueber die Einladung der Menschenrechts-Kommission zu sprechen, wollte mit der UN und der Europaeischen Gruppe reden. Und sie sagte eine Menge Zeugs. Wenn das so ist, kann ich sie nicht als Mitglied des Kabinetts ernennen, wenn dies die Art und Weise ist, wie sich ihr Mund verhaelt. … Wir diskutieren kritische Themen [im Kabinett]. Wenn sie da ist, ich kenne sie nicht und weisz nicht, wie sie sich verhaelt, wenn ich sie ernannt habe, das ist nicht anregend. Ich hatte Angst.

Im Gegensatz zu Senator Panfilo Lacson, der vermutet, dass Robredo als Vize-Praesidentin selbstredend eine Sicherheits-Stufe habe, erlaeuterte Duterte, dass eine Wahl keine Sicherheit verleiht. “Wahlen sind nobel, aber Politik ist immer schmutzig, besonders wenn du auf der anderen Seite bist”, stellte er fest und meinte, dass es im Senat einige “Fischer” gebe. Die plaudern mit Robredo, und “fischen” aus dem Plappermaul heraus, was sie fuer ihre Opposition brauchen und gegen die Regierung verwenden werden. Da moechte er nicht, dass das sicherheits-relevante Informationen sein koennten: “Ich kann ihr nicht trauen, nicht nur, weil – nicht  nur, weil sie mit der Opposition ist. Ich vertraue ihr nicht, weil ich sie nicht kenne.” Und zu diesem Kennen gehoert auch der Hintergrund. Sie kommt aus Bikol, und das sei, was Drogen und lokale Politiker angeht, eine ganz heisze Gegend.

Besonders kreidete er ihr an, dass sie Phelim Kine, ehemals stellvertretender Direktor von HRW (Human Rights Watch) in Asien, eingeladen habe. Der gratulierte ihr zu ihrem neuen Job und riet ihr, sie moege zuerst “Duterte und seine Henker verhaften”. Seine Koffer seien gepackt, er wuerde kommen. “Soll er nur kommen”, polterte Duterte, das werde einen schoenen Aufstand bei der Immigration geben, wenn dieser – in dem Zusammenhang ueberwog dann wieder das “putang ina” in seiner Tirade – also dieser *** eben einreisen wolle, den die Regierung hier nicht sehen will. Und hier brachte er das Beispiel eines einjaehrigen Jungen mit Verletzungen im Analbereich, missbraucht und umgebracht von einem Drogen-Suechtigen. Er muesse als Praesident die Menschen schuetzen, nicht die Verbrecher.

Damit war das Anliegen Dutertes fuer die Presse-Konferenz abgehakt. Er war aber in aufgeraeumter Stimmung, das Treffen war ja auf Bitten von Journalisten an Kommunikations-Minister Martin Andanar zustande gekommen, weil es da viele Fragen gebe. Duterte lud die Journalisten auf einen Kaffee ein, aber die wollten nur Antworten haben, vermutlich weil sie vor Redaktions-Schluss noch abliefern mussten, und ich wurde langsam muede. Meine Frau lag neben mir auf dem Sofa, ihre Augen waren ab und zu schon geschlossen.

Von den weitere Fragen nur drei hier:

Praesident Duterte wird das Vaping verbieten, das Rauchen von E-Zigaretten, und auch den Import der Geraete und Stoffe. Auf besondere Nachfrage einer Journalistin: “Ja, dazu wird es in Kuerze eine Executive Order geben.” Das Zeugs sei toxisch, und als Praesident koenne er das einfach verbieten.

Zu den Klagen der Reisbauern gefragt, sagte er, dass er den Agrar-Minister anweisen werde, fuer eine Zeit den Import von Reis zu stoppen. Da gebe es einige Leute, die damit spekulieren, doch das Reis-Zoll-Gesetz werde nicht geaendert.

Zu der Frage, ob er sich denn nun die verordnete Ruhe goenne, meinte er, dass er die Arbeit nicht liegen lassen kann. Der Nachfrage, ob die Aerzte ihm wirklich Ruhe verordnet haetten, wich er aus mit dem Hinweis, dass die Arbeit ja nur mehr wird, wenn er sie nicht macht.

Gegen 11:30 p.m. waren alle Fragen abgehakt, und wir konnten in’s Bett gehen. Entsprechend kam ich heute eine Stunde spaeter zu meinem Blog. Gut, dass ich das Meiste schon vorgeschrieben hatte.

Offen bleibt da nur noch die Frage, wie Robredo nun reagieren wird. Aus meiner Sicht bleibt ihr nur noch der Ruecktritt, wenn sie auch nur einen Funken Selbst-Achtung besitzt. Nach dieser oeffentlichen Demontage vor der Presse und live im TV – mit wem kann sie da noch zusammenarbeiten? Die lachen sie doch aus.

Wir werden sehen, ob sie das merkt, oder ob sie wirklich ein Schussel ist.

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “PhilStar”, “PNA”, “Wikipedia”, “OneNews”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.