…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 13. August 2019

(zum Bild: Es gibt auch einige seriöse Zeitungen in den Philippinen)

 

Ein Leser-Hinweis… – …lenkt meinen Blick noch einmal auf die Rede, die Praesident Rodrigo Roa Duterte letzten Freitag zum Polizei-Jubilaeum hielt. Ich schrieb dazu am Sonntag nach einem Exkurs zu Ereignissen in der Polizei seit Dutertes Amtsantritt nur kurz zu dessen Bemerkungen, was Polizisten im Ruhestand tun oder lassen sollen. Ich schloss mit den Worten: “Duterte kann und will Polizei-Beamte und Soldaten im Ruhestand nicht im Regen stehen lassen, es koennte ueble Folgen haben.

Ein Leser verlinkt nun im Netz einen Artikel des “Standard” zu Dutertes Einstellung zu Geschenken an die Polizei und merkt dazu an: “Wenn es nicht eine Zeitung waere, die Heiko als serioes bezeichnet, wuerde ich es nicht posten.

Mich freut, so offenbar als “Autoritaet” fuer hiesige Medien angesehen zu werden, das hat den Haken, nun fuer alles die Ruebe hinhalten zu muessen, was die schreiben. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Doch wo der Anwurf nun mal im Raume steht, will ich ihn nicht kommentarlos da rumstehen lassen.

Ja, ich sehe den “Standard” wie die “Times” und das “Bulletin” als serioese Zeitungen. Doch auch da bin ich vorsichtig, wenn eine Meldung in nur einem der Blaetter erscheint und versuche in den staatlichen “PNA ~ Philippine News Agency” oder “PCOO ~ Presidential Communications Operations Office” eine Bestaetigung zu finden. Das war in diesem Fall aber gar nicht noetig: die Meldung kam ueberall, und sie ist richtig.

Laut Wortprotokoll bei “PCOO” sagte Duterte: “Well, basta kung bigyan kayo, eh taggapin ninyo. It is not bribery because — it cannot be bribery because it is allowed by law. What I mean if there is generosity in them, sabing anti-graft you cannot accept gifts. Kalokohan ‘yan. ~ In Ordnung, wenn du ein Geschenk bekommst, nimm es an. Es ist keine Bestechung weil — es kann nicht Bestechung sein, weil es vom Gesetz erlaubt erlaubt. Was ich meine ist, wenn es aus Dankbarkeit geschieht. Das Anti-Schiebungs-Gesetz sagt, du kannst Geschenke nicht annehmen. Das ist Bloedsinn.

Der Artikel im “Standard” befasst sich nun mit der Rechtfertigung dieser Aussage durch den Sprecher Salvador Panelo. Der ist Anwalt und Rechtsberater des Praesidenten, und der hebt auch gleich auf die “Dankbarkeit” ab, dass es darum ginge, nach einer Tat eine Anerkennung zu bekommen. Nicht erlaubt sei dagegen, etwas anzunehmen, wenn dahinter die Erwartung zukuenftigen Verhaltens steht.

Es ist wieder so, dass Panelos Erlaeuterung einer dunklen Aeuszerung des Praesidenten diese voellig verunklart. Dahinter steckt der Unterschied von einer “unbedeutenden Aufmerksamkeit” und einem “geldwerten Vorteil”. Den Unterschied kann im Einzelfall nur ein Gericht feststellen. Ein Kuli im Zehner-Pack aus dem Supermarkt ist unbedeutend, wenn man einen davon verschenkt. Das sieht anders aus, wenn es ein “Parker” im Etui ist, das ist ein Status-Symbol.

In der Rede des Praesidenten ging es an der Stelle aber darum, die Polizisten “nicht im Regen stehen zu lassen”, und deshalb war er nur ein paar Saetze weiter gleich wieder im “ueblichen Teil” seiner Rede, ueber den niemand berichtet hat. Ich hab den auch ausgelassen, weil er das immer sagt. Es ist in diesem Fall interessant, weil es die “groszzuegige Aussage” deutlich relativiert. Duterte warnte vor der Verbindung mit Drogen: “Ich habe es schon in jedem Forum gesagt, und ich habe es gesagt — ich werde es jetzt zum n-ten Mal wiederholen. Zerstoere mein Land nicht waehrend meiner Amtszeit. Zerstoere nicht junge Filipinos von morgen, denn sie werden die Show leiten, wenn wir nicht mehr da sind. Wir sind nicht reich, und deshalb habe ich gesagt, ich gebe euch einen Spielraum. Ihr werdet mit 56 pensioniert. Die meisten eurer Kinder sind noch im College, und deshalb tue ich alles, um euch zu unterstuetzen.

Man muss Dutertes Reden im Zusammenhang nehmen. Pickt man einzelne Saetze raus, kann man ihm fast jeden einzelnen davon um die Ohren hauen, und das haben auch fast alle getan und die Medien haben berichtet: er hat es gesagt – ja, und?

 



 

In allen Blaettern… – …steht heute, Auszen-Minister Teodoro Locsin will einen Bann fuer Vermessungs-Schiffe in philippinischen Gewaessern auf chinesische Schiffe erweitern. Er twitterte: “Ich habe marine Vermessungs-Schiffe verbannt und zu Einschraenkungen gegenueber Frankreich und Japan nun China hinzugefuegt. … Einzelne auszusuchen und zu waehlen laed zum Verdacht der Beguenstigung ein. Wir verallgemeinern den Bann. Punkt.

Dahinter stecken angebliche Beobachtungen chinesischer Schiffe, von denen sich eines als Jacht eines Geschaefts-Mannes in Subic entpuppte.

Solche Absichts-Erklaerungen sind eigentlich erst Nachricht, wenn die Absicht realisiert wurde. Sie gewinnt im Moment Bedeutung, weil Duterte Ende des Monats nach China reist und mit Praesident Xi Jinping ueber den Haager Schiedspruch reden will. Zu dieser Absicht hat Chinas Botschafter umgehend wissen lassen: “Unsere Position wurde bereits zu Beginn der Einreichung des Schiedsverfahrens klar zum Ausdruck gebracht. Und als das Ergebnis des Schiedsverfahrens [herauskam], haben wir auch zum Ausdruck gebracht, dass wir es nicht akzeptieren und nicht anerkennen werden. Unsere Position hat sich nicht geaendert und wird sich auch nicht aendern.

Diese Reaktion ist nun Anlass fuer Yen Makabenta in seiner Kolumne in der “Times” sich mit dem darin angeschlagenen Ton zu befassen, und dazu beginnt er mit einem Zitat von Margaret Thatcher ueber deren Erfahrungen im Umgang mit chinesischen Fuehrern, als sie China besuchte: “Die Chinesen nehmen in ihren eigenen oeffentlichen Aeuszerungen niemals ein Blatt vor den Mund (never mince words), erwarten aber von allen anderen, dass die das tun.

Nun ist Duterte bekannt mit “blattfreiem Mund” zu sprechen, wenn er in vertrauter Umgebung ist und sein Publikum kennt. Wie wird er mit Xi reden?

Die Bedeutung dieses Gespraeches steigert sich von Tag zu Tag. Ich bin gespannt.

Saysay sa adlaw – Unsa imong paglaom sa akong isulti? 

unsa was, imong ~ imo nga Genitiv von ikaw du + Verbinder, laom hoffen, erwarten + pag… bildet Infinitiv paglaom erwarten, sa von, akong ~ ako nga ich + Verbinder, sulti sagen + i… Z/M isulti wird, kann sagen

Satz des Tages – Was erwartest du, dass ich sagen werde?

 



 

Gemaesz “Manila Standard”, “PNA”, “PCOO”, “Manila Times”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht