…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 12. August 2019

(zum Bild: Abgeordnete Sarah Elago für Kabataan)

 

Meldungen verstehen sich… – …nicht immer auf den ersten Blick. So las ich gestern bei “PNA”, dass Dan Jimenez den Sprecher des Hauses Alan Peter Cayetano auffordert, die Abgeordnete Sarah Elago aus dem Haus auszuschlieszen. So etwas geht mit Zwei-Drittel-Mehrheit des Hauses. Er schreibt dazu: “Es ist Zeit fuer den Sprecher des Hauses Cayetano seine Loyalitaet zu der Verfassung, dem Land, dem Volk und der Flagge  zu beweisen… Entweder bleibt er oder die Kommunistin Elago.

Das ist ein Hammer, wenn man das so vor den Latz bekommt, doch dann ging mir auf, dass ich seit Tagen Nachrichten uebergangen habe, die fuer sich nicht viel sagten, nun aber Gewicht bekamen.

Also nochmal von vorn: Am 7. August hoerte der Senats-Ausschuss fuer Oeffentliche Ordnung und gefaehrliche Drogen unter Leitung von Ronald dela Rosa Eltern, deren Kinder verschwunden waren und die linken Gruppen vorwerfen, ihre Kinder rekrutiert zu haben. Eine Mutter: “Ich habe keine Ahnung, wo mein Kind ist. Es ist schon ein Jahr her, dass sie nach Haus kam, und ein Jahr seit unserem letzten Kontakt.” Eine andere: “Mein Kind kennt die Welt noch nicht. Es ist das erste Mal, dass sie fern von uns ist, sie war dem noch nicht ausgesetzt. Doch ich sah, wie sie sich im ersten Semester in der Schule veraenderte. Sie wurde sturkoepfig. Sie sagte, sie sei Mitglied von Anakbayan und eine Fuehrerin.

Bekannt ist, dass komunistische Organisationen an Schulen und Universitaeten Nachwuchs fuer die NPA (New People’s Army) anwerben, und gemaesz AFP (Armed Forces of the Philippines) weisz man, dass seit 1999 insgesamt 513 Minderjaehrige der NPA “neutralisiert” wurden, was aufgeschluesselt heiszt – 362 ergaben sich, 134 wurden gefangen genommen und 17 wurden in Gefechten getoetet. Zu den Front-Organisationen der CPP zaehlen die Rural Missionaries in the Philippines, Karapatan, Gabriela, Alliance of Concerned Teachers, Kilusang Mayo Uno, Anakbayan, League of Filipino Students und Bayan, die ueber die Party-List ihre Vertreter ins Haus bringen. Mit Anakbayan und Bayan ist Kabataan liiert, deren Mitglied Sarah Elago ist.

Sie wurde von dela Rosa zu der Senats-Anhoerung der Eltern eingeladen, welche diese Gruppen fuer das Los ihrer Kinder verantwortlich machen. Elago sagte aus Termingruenden ab. Darueber zeigte sich Generalmajor Antonio Parlade enttaeuscht: “Viele dieser Kinder kamen in Leichensaecken zurueck, nachdem sie der NPA beitraten und gegen die Regierung kaempften. Viele von ihnen wurden ausgenutzt durch diesen Unsinns-Nationalismus, in die Berge geschickt und gefordert sich fuer die Massen zu opfern, waehrend ihre Repraesentanten vergnuegt in ihren Bueros hocken.

Enttaeuscht war auch Senator Ronald dela Rosa: “Die Ironie ist, dass staatliche Schulen Rebellen produzieren. Die Mittel der Regierung werden genutzt, um Radikale und Kommunisten zu produzieren.” Er will mehr polizeiliche und militaerische Aufklaerung zum Treiben der Kommunisten an Schulen und Universitaeten.

Und wer zum Teufel ist Dan Jimenez? Er schlosz die Militaer-Akademie Batch 1977 ab, war bei der Marine und quittierte den Dienst aus Abscheu, wie Praesident Marcos das Militaer manipulierte. Er lebt in den USA, hat aber ein kritisches Auge auf die Philippinen. Er fragt sich, wenn er das hier sieht: “Wie lange noch wollen die vermeintlichen Vertreter des Volkes auf dem Auge blind sein und taub gegen die Schreie der Eltern und Familien, deren Kinder einfach verschwunden sind, nur um als Opfer der kommunistischen Luegen und Manipulationen wieder aufzutauchen? Wieviel mehr Tote braucht es, bevor Cayetano und sein Kongress sich dieser Schlange in ihren Reihen entledigt? Hat der Kongress das Wesen der Demokratie vergessen und ihre beschworene Pflicht, dem Volk zu dienen und zu helfen?

Er ist ein streitbarer Mann, dieser Dan Jimenez, und mit der Vorgeschichte versteh ich nun, dass ihm der Kragen platzt. Nur – ob er Gehoer findet, ist eine andere Frage.

 



 

Eid’l Adha – Meine Gedanken dazu schrieb ich am Samstag bereits in diesem Blog. Hier, was Praesident Duterte zum heutigen muslimischen Opferfest und der Geschichte von Abraham und Isaak zu sagen hat: “Dieser Bericht lehrt uns nicht nur, wie wichtig es ist, persoenliche Opfer zu bringen, sondern er praegt in uns auch den Wert der Unterwerfung unter eine hoehere Autoritaet, auch wenn mitunter unsere Gefuehle und Emotionen uns zu anderem zwingen.” Und so fordert Duterte uns auf, “ein Stueck von uns zu leihen fuer die Anstrengung, dem gemeinsamen Gut und Nutzen der groeszten Zahl von Menschen zu dienen.

Ob das nun eigene Gedanken Dutertes oder die eines Redenschreibers sind, die in seinen “ueblichen Reden” meist zu kurz kommen, weil er “off the cuff ~ aus dem Stegreif” spricht, ist unerheblich. Die kaum abgewandelte Wendung des “groeszten Gluecks der groeszten Zahl” hat seine Quelle im Utilitarismus des Jeremy Bentham, ein englischer Sozialreformer des beginnenden 19. Jahrhunderts. Karl Marx urteilte im ersten Band von “Das Kapital” ueber den: “Wenn ich die Courage meines Freundes H[einrich] Heine haette, wuerde ich Herrn Jeremias [Bentham] ein Genie in der buergerlichen Dummheit nennen.

Das gilt fuer Duterte: nicht die “Dummheit”, sondern der “Buerger”. Wie ich Samstag schrieb, ist das Volk der Gott unserer Zeit, und Duterte verantwortet sich nur vor dem philippinischen Volk, vor keinem sonst. Dazu philosophiert er sich sogar seinen eigenen Gott zurecht, der keine Hoelle kennt. Duterte ist das Volk – wenigstens zu 80% – und wer dem Volk schadet, fuer den gilt: “I will kill you!” Er haelt nichts von der Lehre vom Hoellenfeuer, zu ihm passt der Satz aus Jean-Paul Sartres “Geschlossene Gesellschaft”: “Die Hoelle sind die anderen.

Story of Isaac – Die beiden vorstehende Abschnitte habe ich gestern geschrieben, doch so, wie sich Meldungen auf Umwegen erschlieszen, so werden auch Gedanken erst in mehreren Anlaeufen klar. Der “Geistesblitz” ist die Erfindung von Leuten, die die verschiedenen unbewussten Anlaeufe vergessen haben, die sie an den Punkt brachten, wo sie dann – in eigener Nacherzaehlung – vom Blitz getroffen wurden, der ihnen erhellte, was bis dahin im Dunkel verborgen lag.

Heute morgen wachte ich auf mit der Erinnerung an das Lied “Story of Isaac” von Leonard Cohen. In all diesem Reden von Abraham und seinem Gehorsam gegenueber Gott bleibt das Opfer auf der Strecke – Isaak. Wie fuehlt der sich? Bewundert auch er die Strengglaeubigkeit seines Vaters? Cohens “Story of Isaac” beginnt so, und ich uebersetz das nicht, es wuerde das Lied zerstoeren:

The door it opened slowly | My father he came in | I was nine years old | And he stood so tall above me | Blue eyes they were shining | And his voice was very cold. | Said, ‘I’ve had a vision | And you know I’m strong and holy | I must do what I’ve been told.’ | So he started up the mountain | I was running he was walking | And his ax was made of gold.

Was ich mit neun Jahren gedacht habe, weisz ich nicht mehr, doch ich weisz, was ich mit neunzehn gedacht habe. Ich glaubte an die Macht des Geistes, die Ueberzeugung von Menschen durch Ideen. Es war die Zeit der Studenten-Unruhen, und ich wollte Philosophie studieren, das war das einzig Wahre. Das wurde in der Verwandschaft bekannt, und so wurde ich von meinem Groszonkel eingeladen, der mir ein paar philosophische Buecher geben wollte, weil “seine Erben lesen das nicht.” Wir wohnten damals in Hamm, “Onkel Robert” wohnte in Luenen. Mein Vetter hatte einen Motorroller, und der fuhr mit mir nach Luenen, wo mich Onkel Robert in’s Verhoer nahm: “Wieviel Philosophien gibt es?” – “So viele wie Philosophen.” – “Falsch! Es gibt nur zwei: die idealistische und die materialistische.” Robert Eckard war Kommunist. Unter den Nazis war er als einer der “Moorsoldaten” im Emsland interniert. Spaeter hatte er Schwierigkeiten das als Renten-Zeit angerechnet zu bekommen, weil die Moorsoldaten keine eintaetowierte Haeftlings-Nummer hatten, und Kommunisten waren in der Zeit des Kalten Krieges nicht besser angesehen als bei den Nazis. So fuhr ich denn als Sozius meines Cousins mit einem Pack Buecher zurueck. Die “Gesammelten Reden des Vorsitzenden Walter Ulbricht” warf ich spaeter fort.

An diese Zeit erinnert sich auch Rigoberto Tiglao, ehemaliger kommunistischer Kader, und schreibt darueber heute in seiner Kolumne in der “Times”: “Vielleicht ist es eigennuetzig, aber zu meiner Zeit gab es so viele Dinge, die leicht jemanden davon ueberzeugt haetten der Kommunistischen Partei beizutreten. Es gab die globale Studentenbewegung gegen das ‘Establishment’. Es gab den Vietnamkrieg, der den ‘US-Imperilaismus’ so real machte.

Doch schaut Tiglao auf die Untersuchung des Senats, wie kommunistische Front-Organisationen heute Studenten ihren Eltern entfremden und sie dazu bringen, sich ihnen oder gar der NPA anzuschlieszen, dann kommt ihm das Grausen: “Es war in der Tat herzzerreiszend zu hoeren, wie Muetter bei einer Anhoerung im Senat unter Traenen erzaehlten, wie ihre Toechter im Teenager-Alter – um Himmels willen! Toechter – ihre Haeuser und Schulen verlieszen, als sie rekrutiert wurden, um Vollzeitkader von Anakbayan zu werden, was, ich will das mal ganz brutal sagen, eine der Fronten der Kommunistischen Partei der Philippinen ist.

Tiglao schrieb bereits im September 2018 in der „Times“ ueber „Sison und Kommunistische Partei sind fuer Menschenrechts-Verletzungen unter dem Kriegsrecht zu tadeln„. Er sieht in Jose Maria Sison einen selbsternannten Mao, der mit Waffengewalt den Staat stuerzen will. So schickt er idealistisch verfuehrte Teenager und Studenten ohne Ausruestung und Ausbildung mit einer Pistole oder einem Weltkriegs-Karabiner in die Provinz, um die „revolutionaeren Massen“ siegreich gegen die herrschende Klasse zu fuehren. Tiglao selbst war einer der Verfuehrten, bis er es Leid war, sich von zerstampftem Mais zu ernaehren. Er wollte wieder Reis essen und ging zurueck. Er wurde spaeter als Kommunist eingesperrt, beschrieb das an anderer Stelle mal als eine Art „Sommerlager„. Er sah, dass Sison eher Hitler als Mao zum Vorbild hatte. Nach dem Drehbuch von Hitlers Bierhallen-Putsch, der die Opfer als „Blutzeugen“ der Bewegung stilisierte, das Horst-Wessel-Lied laesst grueszen, suchte Sison Maertyrer fuer seine Sache.

Einer der Schueler Sisons war Rodrigo Duterte, der sich heute noch fuer einen Sozialisten haelt, und der Sache selbst als Praesident noch so weit anhing, dass er Frieden mit ihnen suchte und Kommunisten in sein Kabinett nahm. Wir wissen, dass Duterte aus dem Missgriff gelernt hat. Es ist nicht leicht, sich von altem Geruempel in den dunklen Kammern des Hirns zu trennen.

Meine gedanklichen Vergleichs-Groeszen heute sind Tiglao und Duterte. Wir wuchsen in einer Zeit auf. Ich wurde 1946 geboren, Duterte 1945, Tiglao 1952. Mich hat damals Maos “Kleines rotes Buechlein” nicht beeindruckt. Ich nahm das erstaunt in meinem Umfeld zur Kenntnis, doch das gab mir nicht den Kick, den ich suchte. Nein, Onkel Robert, es gibt nicht zwei Philosophien, es gibt drei: die idealistische, die materialistische und es gibt die Philosophie der Geschichten. Es gibt keine uebergeordneten Saetze, ob sie nun aus heiligen Buechern, der Charta der Menschenrechte oder den Ergebnissen der Klima-Forschung stammen, und es gibt nicht nur Luft, Wasser und Erde, sondern alles, wenn man es naeher betrachtet, loest sich in Geschichten auf. Auch Ideen, Luft, Wasser und Erde sind Geschichten, die wieder und wieder erzaehlt werden, bis man sich auf eine einigt. Die glaubt man dann verstanden zu haben, wenigstens bis zum naechsten Tag.

Und dann kommt einem ploetzlich etwas in den Sinn, zum Beispiel das Lied “Story of Isaac” von Leonard Cohen. Als Jahrgang 1934 war der kanadische Saenger und Schriftsteller aelter und weiser als Duterte, Eckard und Tiglao. Er fragt nicht nach den besorgten Eltern oder den Gedanken der Verfuehrer, er fragt nach den Opfern – was ja auch gut zum Opferfest passt – und er klagt die an, die andere opfern wollen. Die dritte Strophe des Liedes gefiel mir damals. Ja, ich habe in meiner Studenten-Zeit ein biszchen Gitarre gelernt und ein Semester verschlampt, jeder hat damals Gitarre gelernt, und ich habe die Lieder von Cohen gesungen. Sie sind technisch leicht, wie Volksmusik, aber bleiben wir bei der dritten Strophe, die ich nicht uebersetze, um sie nicht zu ruinieren:

You who build the altars now | To sacrifice these children | You must not do it any more. | A scheme is not a vision | And you never have been tempted | By a demon or a god. | You who stand above them now | Your hatchets blunt and bloody, | You were not there before. | When I lay upon the mountain | And my father’s hand was trembling | With the beauty of the word.

Saysay sa adlaw – Mao ni mopatay sa atoa sa kataposan. 

mao dies ist, ni ~ kini dieses, das, patay tot + mo… Z/M mopatay kann, wird toeten, sa von, am, ato Genitiv von kita wir inkl. + ...a Betonung atoa uns!, tapos danach, nachdem + ka…an bildet Substativ kataposan Ende, Schluss

Satz des Tages – Das bringt uns am Ende um.

 



 

Gemaesz “PNA”, “Inquirer”, “Manila Times”, „Songs of Leonard Cohen“ u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht