…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 16. April 2019

(zum Bild: PREDA Foundation – Hilfe für sexual missbrauchte Kinder und Jugendliche in den Philippinen)

 

Himmelhoch jauchzend… – …sind die Blaetter, und eine “Reuters”-Meldung hat es bis in die “Straits Times” gebracht: Praesident Rodrigo Roa Duterte hat den Haushalt 2019 unterschrieben – ohne 95,3 Mrd Peso, die zu Programmen und Projekten gehoeren, die nicht Teil seiner Prioritaeten sind. Damit legalisiert Duterte die “Unterschrift mit beschraenkter Haftung” von Senats-Praesident Vicente “Tito” Sotto, und schon feiert der Senat dies als einen Sieg ueber die “Einfuegungen” des Hauses. Doch auch der Mehrheits-Fuehrer des Hauses, Fredenil Castro, findet das gut: “Wir begrueszen die Unterschrift des Praesidenten unter den Haushalt 2019. … Mit der Unterschrift koennen wir nun alle an die Arbeit gehen und beginnen, die priorisierten Projekte des Praesidenten fuer das philippinische Volk zu implementieren.” Senator Panfilo Lacson will mit dem Jubeln warten, bis er sieht, ob auch die 20 Mrd Peso Einfuegungen einiger Senatoren gestrichen wurden.

So ist nun jeder irgendwie stolz und feiert sich, als ob er selbst geschafft haette, was Praesident Duterte mit Unterschrift und Streichung des Rests geleistet hat. Eigentlich sollten sie sich schaemen, ihn ihre Arbeit machen zu lassen und den Haushalt um ueber 4 Monate verzoegert zu haben.

Doch mit der Scham ist das so eine Sache, und damit bin ich bei dem zweiten Thema heute.

 



 

…zu Tode betruebt – “PNA” meldet, dass die australische Regierung knapp 300 Mio Peso in den naechsten 6 Jahren an die Philippinen gibt im Rahmen eines Safer Kids-Programmes, das auch von UNICEF und der Asia Foundation unterstuetzt wird. Es geht darum, den sexuellen Missbrauch von Kindern per Internet zu bekaempfen. Dazu passt ein Bericht von “Reuters”, der gestern im “Bulletin” erschien. Im letzten Jahr gab es 60 Tsd Berichte zur sexuellen Ausbeutung von Kindern, ein Drittel mehr als 2017.

Im Februar wurde das PICACC (Philippine Internet Crimes Against Child Center) gegruendet, das zusammen mit Beamten der Australian Federal Police und der britischen National Crime Agency arbeitet und Verbindung haelt mit Behoerden in den USA, Kanada, Schweden, Deutschland und den Niederlanden. Frueher habe es da nicht viel Zusammenarbeit gegeben, meint der Chef-Ermittler des australischen Kontingents, doch nun geht jeder Bericht ueber “online child sex abuse” an dieses Zentrum, egal ob er aus den Philippinen oder einem der anderen Laender stammt. Australien sei da in einer moralischen Verpflichtung gegenueber den Philippinen, denn ein Gesetz von 2017 verbietet den 23 Tsd ueberfuehrten Paedophilen in Australien Reisen ins Ausland, was praktisch dem Cybersex Auftrieb gegeben hat.

Dazu passt die Kolumne von Bruder Shay Cullen, Mitbegruender der PREDA Foundation, die sich um sexuell ausgebeutete und missbrauchte Kinder in den Philippinen kuemmert. Er schrieb am Sonntag in der “Times” unter dem Titel “Das ueble Netz des Menschenhandels” und schilderte den Fall eines 15-jaehrigen Maedchens, das von der Mutter an deren Chef verkauft wurde. Der hatte keine Probleme mit dem Maedchen in ein Hotel zu gehen, um es dort zu vergewaltigen – man sieht da einfach nicht hin. Das Maedchen hasste, was die Mutter und deren Chef ihm antaten, und so ging es eines Tages zum Barangay und schildete seine Not. Der Chef wurde verhaftet. Nach einem Jahr Erholung konnte das Maedchen klar und zusammenhaengend aussagen. Der Prozess laeuft noch, doch dieser Taeter werde verurteilt werden. Das ist nicht immer der Fall. Oft wissen die Kinder nicht, dass ihnen Boeses angetan wurde, oder sie trauen sich aus Angst vor Strafe nicht auszusagen, weil die Taeter Eltern, Verwandte oder Nachbarn sind. Tatsache sei – laut Cullen – dass eines unter vier Maedchen mindestens einmal in seinem Leben missbraucht wurde. Das steigert sich mit dem Internet, weil der Missbrauch dort oft nicht als solcher empfunden wird. Der eigentliche “Taeter” ist ja nur virtuell dabei.

 



 

Doch es geht nicht nur um den Taeter. Der Schaden ist nicht allein der Akt der Vergewaltigung, sondern der folgende Schaden, der dem Opfer bleibt. Ich suchte nach einem Ausdruck fuer diese Untaten, der nicht dieses niedliche “cyber sex” ist und kam auf Anselm Ritter von Feuerbach, Rechtsgelehrter und Praesident seinerzeit des Appellations-Gerichts in Ansbach. Aus seinem “Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gueltigen peinlichen Rechts” von 1801 stammt der Grundsatz “nulla poena sine lege ~ keine Strafe ohne Gesetz”. Doch ihm ging es nicht nur um Strafrecht. Er nahm sich damals des Findlings Kaspar Hauser an. Dem wurde Boeses angetan, als ihm die Kindheit genommen wurde. 1828 kam er 16-jaehrig am Unschlittplatz in Nuernberg zur Welt, fand das Interesse seiner Zeit, und sein Ende 1833 in Ansbach, wo von Feuerbach ihm eine Stelle als Schreiber verschafft hatte. Einige meinen, er wurde erstochen, andere meinen, Hauser habe sich die Wunden selbst zugefuegt, weil er mit den inneren Wunden nicht fertig wurde. Von Feuerbach schrieb ein Buch ueber Kaspar Hauser mit dem Titel “Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben eines Menschen”. Das ist die Ausdrucksweise Anfang des 19. Jahrhunderts, doch diesen Ausdruck suchte ich fuer das, was heute beim Cyber-Sex geschieht.

Die Wunden gehen tiefer als nur ins Fleisch, und sie heilen nicht von selbst wie ein blauer Fleck. Es sind “Verbrechen am Seelenleben eines Menschen”, die nicht nur die Scham verletzen, worauf Moral aufbaut und die dann keinen Halt mehr findet. Auch diesen Opfern wird die Kindheit genommen, und dabei geht etwas kaputt, was den Menschen ausmacht.

Saysay sa adlaw – Duna na siyay malisya kay di na man maghubo og maligo. 

duna ~ aduna da sein, na nun, siyay ~ siya ang sie + best. Art., malisya Hintergedanken, sexuelle Bewusstheit, kay weil, di ~ dili nein, nicht, man Betonung, hubo ausziehen, nackt + mag… Z/M maghubo ausgezogen, nackt sein, og unbest. Art., ligo baden + ma… Z/M maligo wird, kann baden

Satz des Tages – Sie ist sich ihrer Sexualitaet schon bewusst, denn sie badet nicht mehr nackt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Straits Times”, “PNA”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • April 16, 2019 um 09:34
    Permalink

    Danke fuer das Bild, Sir Dieter

    Antwort

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