…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 12. September 2019

(zum Bild: Es herrscht eine gewisse Ungewissheit)

 

Vergleiche hinken immer – Praesident Rodrigo Roa Duterte hat mal wieder was gesagt. Das tut er oefter, ist nicht ungewoehnlich, doch diesmal hat er einen Hoellenlaerm erzeugt. Im Gespraech mit Reportern ging er auf die Frage ein, wie sein Gespraech mit Xi Jinping verlaufen sei. Dazu sagte Duterte, was die Erkundung von Oel- und Gas-Vorkommen in der South China Sea angeht, habe Xi gesagt: “’Legen Sie Ihren Anspruch beiseite. Dann lassen Sie alle, die mit chinesischen Unternehmen verbundenen sind, [gewaehren].’ … Sie moechten das erkunden, und wenn es da etwas gibt, sagten sie: ’Wir waeren gnaedig genug, Ihnen 60 Prozent zu geben.’ Sie bekommen nur 40 Prozent. Das ist das Versprechen von Xi Jinping.” Auf Nachfrage, ob das auch Gebiete in der Exclusive Economic Zone der Philippinen betrifft, sagte Duterte: “Die Exclusive Economic Zone ist Teil des Schiedsspruches, den wir ignorieren werden, um mit wirtschaftlicher Aktivitaet voran zu kommen.

Das ist heute lauthals in allen Blaettern, worauf ich gar nicht eingehen will. Der Schiedsspruch des Staendigen Schiedshofes im Haag von 2016 ist nun mal die Heilige Kuh nicht nur der Opposition, sondern aller Filipinos, die Vorbehalte gegen China haben, und das ist die Mehrheit hier, auch wenn die Masse davon gleichzeitig wieder hinter Duterte steht – in dieser Frage offensichtlich nicht. Wie die das auf die Reihe bringen, weisz ich nicht, aber ich muss ja nicht alles verstehen.

In seiner Kolumne in der “Times” stellt heute Yen Makabenta den Vergleich an “Dutertes meeting with Xi: Like Neville Chamberlain’s visits to Munich in 1938”. Ich muss das nicht weiter erlaeutern. Als Chamberlain aus Muenchen zurueck war in London, hielt er triumphierend das Papier hoch, was er mit Adolf Hitler ausgehandelt hatte und sagte spaeter: “I believe it is peace for our time. ~ Ich glaube, es bedeutet Frieden fuer unsere Zeit.” Genau das war es nicht, ein Jahr spaeter begann der Zweite Weltkrieg.

Kann man Dutertes letzten Besuch in Peking damit nun vergleichen? Um das Bild auszumalen: Faengt naechstes Jahr der Dritte Weltkrieg an? Dann wird es hier heisz in den Philippinen, und wenn ich im Netz lese, dass sich Expats hier niederlassen und ihrer Leidenschaft als Haeusle-Bauer froenen – muss ich ihnen zurufen: “Haltet ein! Lasst ab von diesem sinnlosen Treiben!

An diesem Vergleich stimmt nichts.

 



 

Die Kriegsangst wird seltsamerweise von dem friedliebenden Duterte geschuert. Er ist es, der staendig darauf hinweist, wie schnell die Chinesen uns platt machen, wenn wir… ja, was eigentlich?

Die Filipinos werden nicht zuerst schieszen, und das sagen die Chinesen von sich auch. Wenn keiner mit dem Schieszen anfaengt – wo ist dann Krieg?

Nun schauen alle nach Amerika. Komischerweise hat US-Praesident Donald Trump da gerade seinen Sicherheits-Berater John Bolton gefeuert, ueber den man sich in Washington den Witz erzaehlt, er habe noch kein Land gesehen, das er nicht bombardieren wolle. Der ist weg vom Fenster, und Trump ist der, der gegenueber dem Iran zurueckgesteckt hat. “Die Flieger waren schon in der Luft…” oder so aehnlich verkuendete er, als eine US-Drohne vom Iran abgeschossen wurde, und da habe er die Sache mit der Vergeltung abgeblasen.

Trump ist ein Bully, aber kein Hitler. Stellt sich die Frage – ist Xi einer?

Betrachtet man die Belt & Road-Initiative, auch Neue Seidenstrasze genannt, mal mit strategischem Auge, so sieht der kriegsluesterne Betrachter dort eine Zangen-Bewegung, die von China aus nach Europa greift und halb Asien umklammert. Und unterwegs auf dieser Zange sind Unmengen von Schiffen zu Wasser, endlose Gueterzuege und Kolonnen von Transportern zu Lande. In Xis Augen befoerdern die jedoch Chinas Ex- und Importe, keine Soldaten.

So sieht das wohl auch Donald Trump, und er faengt einen Handelskrieg mit China an, weil all das Geld – Trump denkt nur in dieser Kategorie – das da bewegt wird, geht an den USA vorbei. Sieht man es rein von den Bevoelkerungsmengen her, die involviert sind, kann man getrost feststellen: Asien und Europa koennen ohne die USA leben, aber koennen die USA ohne Asien und Europa leben? Boris Johnsons UK kann da nur ein Trostpflaster sein, falls er den Brexit schafft und dabei nicht auf die Naese faellt.

Weder Trump noch Xi koennen sich einen Krieg leisten, in dem geschossen wird, und wie ich beide einschaetze, hat keiner von ihnen Lust darauf, wie einst Hitler Lust auf Europa plus Russland hatte.

Was soll dann das Gerede vom Krieg?

Ist es eine Strategie Dutertes, den Filipinos den Deal mit China schmackhaft zu machen, damit er Oel und Gas bekommt, das die Philippinen sonst importieren muessen? Macht er die Sache dabei viel schlimmer als sie tatsaechlich ist? In Bezug auf Dutertes Aeuszerungen zu dem Gespraech mit Xi twittert vorgestern Abend Auszen-Minister Teodoro Locsin: “Ich habe alles gelesen, was er Praesident Xi erzaehlt hat. China hat die Aufhebung des Schiedsspruchs nie zu einer Vorbedingung gemacht, sondern im Gegenteil, dass China mit den Philippinen uebereinstimmt, ueber ihre jeweiligen Ansprueche nicht einverstanden zu sein.

Hat sich Duterte da in einem Interview nur schief ausgedrueckt? Das passiert oefter, und der Sprecher Salvador Panelo raeumt dann hinterher auf, wie auch bei Dutertes angeblicher Zustimmung zum SOGIE-Bill, wo er nur ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz gemeint haben will, wie es in Davao schon exisitiert. Ist das “Beiseite-Legen” also nichts anderes als das bisherige “In-der-Schublade-Lassen”? Er stellt es nur dramatischer dar, um seinen Deal mit China ueber die Buehne zu bringen?

Dann waere die derzeitige Aufregung viel Laerm um Nichts.

Voellig geraeuschlos… – …verlaeuft dagegen der Staatsbesuch von Singapurs Praesidentin Halimah Yacob, die am Sonntag eintraf und heute wieder abreist. Ich habe so gut wie nichts mitgekriegt, sodass ich annehme, die beiden Laender haben keine Probleme miteinander.

Man betonte die gute Zusammenarbeit, die vertieft werden soll. Es wurden 8 MOUs (Memorandum of Understandings) unterzeichnet, die sich auf Lehre und Ausbildung in Technik, Ingenieurs-Wesen und Mathematik bezogen. Es ging aber auch um Infra-Struktur und fuer Wasserver- und -entsorgung.

Praesidentin Yacob wies darauf hin, dass fuer die guten Beziehungen auch die 200 Tsd Filipinos beitragen, die in Singapur leben, studieren und arbeiten. Singapur investiert in den Philippinen und ist siebt-groeszter Handelspartner.

Die Praesidentin besuchte auch Davao, wo sie mit Dutertes Tochter Sara Duterte-Carpio sprach, das Philippine Eagle Center besuchte, und mit Studenten der Ateneo de Davao University diskutierte. Sie sprach ueber die Schwierigkeiten von Gemeinschaften unterschiedlicher Ethnien und Religionen und meinte: “Es ist wichtig die trennenden Kraefte zu ueberwinden und Bruecken statt Mauern zu bauen. … Durch Sprechen und Zuhoeren, durch Geben und Nehmen koennen wir soziales Vertrauen vertiefen und Freundschafts-Bande knuepfen… das wird sicherstellen, dass wir als Gesellschaft stark und vereint bleiben, was auch kommen mag.

In eigener Sache – Bei Verfassen des Blogs gestern hatte ich noch nicht in die “Philippinen Nachrichten” geschaut. Dort bekundete ein Leser, dass er meine “Presseschau und Ansichten dazu seit rund 2 Jahren jeden Morgen” liest. Ich werde also fortan von “meinen 31 Lesern” sprechen.

Saysay sa adlaw – Ang pagsigeg basa modaut sa imong mata. 

ang best. Art., pagsigeg ~ pagsige og sige weitermachen + pag… bildet Infinitiv pagsige + unbest. Art. pagsigeg weitermachen mit…, basa lesen, daut kaputt + mo… Z/M modaut wird, kann kaputtgehen, sa von, imong ~ imo nga Genitiv von ikaw du + Verbinder, mata Auge

Satz des Tages – Wenn du weiter liest schaedigt das deine Augen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “ABS-CBN”, “Twitter”, “PhilStar”, “Manila Standard”, “PCOO”, “Inquirer”, “Straits Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • September 12, 2019 um 08:20
    Permalink

    Die philippinische Presseschau von Heiko Eckard ist mit der heutigen Ausgabe 664 Mal in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN erschienen und für alle Leser die sich nur dafür interessieren gibt es über alle Beiträge im oberen Menü den Link PRESSESCHAU. Hier sind alle Beiträge von Heiko Eckard archiviert.

    Sir Dieter Sokoll

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