…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 02. April 2019

(zum Bild: lesenswerte Manila Times)

 

Das Problem als Prinzip – Ich beginne mit Winston Churchill: “Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.” Einen Beweis liefert da nicht nur das derzeitige britische Parlament, das nicht weisz, wie es nun den erklaerten Willen des Volkes umsetzen soll, aus der EU auszusteigen ohne sich selbst zu verletzen – es wird weh tun. In den USA liefern sich Praesident und Kongress einen Grabenkrieg um eine Petitesse. Statt den Praesidenten die Mauer bauen zu lassen, damit er selbst sieht, wie bloed das ist, besteht man darauf, das Geld fuer anderen Unfug auszugeben, zum Beispiel den Klimaschutz – wie schuetzt man eigentlich das Klima? Packt man es in Styropor, geblistert mit Preis-Schild?

Die Philippinen wollen da nicht auszen vor bleiben. Statt dass der Kongress – Haus und Senat – festlegt, wofuer der Haushalt bestimmt ist, schiebt er die Aufgabe dem Praesidenten zu. Mit der Kontrolle des Haushalts begann einst Demokratie. Das war das Zeug, mit dem man Herrscher im Zaum hielt – und den Zuegel gibt man Praesident Rodrigo Roa Duterte nun in die Hand. Man gibt sich selbst auf und hofft, und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dass der Praesident nichts unterschreibt, was der Verfassung widerspricht. Er ist ja Rechtsanwalt, meint sein Sprecher Salvador Panelo, und wird nichts tun, was ihm das Oberste Gericht um die Ohren haut.

Ich lach mich tot!

 



 

Duterte war immer nur 80 Prozent in der Law School, hat er oft genug betont, und er hat sich in seinen Reden nicht entbloedet, die Valedictorians (Jahrgangsbesten) beim Namen zu nennen, die fuer ihn – den Minderbegabten moechte man sagen – nun arbeiten. Und was tun Topnotcher wie Franklin Drilon und Ronnie Zamora? Sie jubeln ihm unter, an ihrer Statt zu befinden, was Recht und was Unrecht ist. Die Zuordnung der Gelder des Haushalts darf nach Verabschiedung durch den Kongress nicht geaendert werden, so der Kern der Entscheidung des Obersten von 2013. Ruehrt Duterte das nur an, hat er sich schon schuldig gemacht. Fuer wie bloed haelt der Kongress den Praesidenten, dass er fuer sie die Kohlen aus dem Feuer holt? Ich hoffe, er haut Vicente Sotto die “Unterschrift mit beschraenkter Haftung” beidseitig um die Ohren.

Und was dann?

Da bin ich wieder bei Churchill. Nein, ich bin nicht fuer die Diktatur. Wir leben nicht in der besten aller moeglichen Welten, wie Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner “Theodizee” 1710 zum Besten gab. Wir leben in der schlechtesten, und wir haben es verdient. Der Mensch entstand durch Fehler in der Vererbung, er ist nicht die Krone der Schoepfung, sondern die Summe dessen, was schief gehen kann. Dagegen helfen keine Menschrechte, keine Klima-Vertraege, kein Backstop, keine Mauer an der Grenze. China hat da historische Erfahrungen, Deutschland sogar in der juengeren Geschichte.

Ich glaubte auch mal an die hehre Vernunft, studierte, ach, Philosophie, doch das war kindlicher Aberglaube. Der eine macht dies, der andere macht das. Was funktioniert wird gelobt, das andere verdammt – doch keiner hat gewusst, was er tut und welche Folgen das hat. Man probiert sich halt aus, ganz ohne Lernfortschritt. Das Problem ist halt, man kann einem Arschloch zwar sagen, dass es eines ist. Zu hoffen, dass das auf Einsicht stoeszt, ist eitel.

Ich hab das erst hierzulande gelernt: versuche nie, eine Sache auszudiskutieren – wechsel einfach das Thema, und das Leben geht weiter. Goethe hat das in einem Brief an Zelter so formuliert: „Die groeszte Kunst im Lehr- und Weltleben besteht darin, das Problem in ein Postulat zu verwandeln, damit kommt man durch.

Der Mann war lebensklug, wie Churchill, wie Duterte – und scheisz auf die Prinzipien.

 



 

Salvador Panelo… – …ist im Moment der “whipping boy” der Presse. Wer den Praesidenten meint, pruegelt lieber ihn, das klingt weniger laesterlich. So beschwert sich Antonio Contreras in seiner Kolumne in der “Times” heute, dass Panelo als unpatriotisch brandmarkt, wer gegen Chinas aggressives Gebaren gegenueber philippinischen Fischern in der South China Sea redet oder mit dem Finger auf die Haftung der Philippinen mit ihren Ressourcen zur Bedienung von Krediten verweist.

Dass Duterte im Umgang mit China den Ball flach halten will, ist eine Sache, aber ist es Landesverrat auf Schwachstellen hinzuweisen? Panelo ueberzieht und meint sich als Praesident gebaren zu muessen, wo er besser den Mund halten wuerde.

Sass Roganda Sasot… – …wehrt sich in ihrer Kolumne in der “Times” heute, dass Maria Ressa sie in einem Artikel im “Time”-Magazin als den “pseudo-intellektuellen” Teil eines “fake news network” der Propaganda fuer Praesident Duterte bezeichnet.

Nun, dass Ressa das Wort “fake news” in den Mund nimmt ohne daran zu ersticken, zeugt von deren Abgebruehtheit, mit der Sasot nicht mithalten kann, auch wenn sie ihre Kolumne ueberschreibt “Gegen Ressas groszes Ego aufstehen”. Ressa ist besser vernetzt, da braucht man kein Ego mehr, da reicht Frechheit. Ressa kommt in die Weltpresse, Sasot nur in die “Manila Times”, und – wer liest die schon?

 



 

Dass der “Tribune”… – …heute einen Leitartikel zu der vereinten Propaganda-Schlacht von Roten, Gelben und Menschenrechts-Aktivisten gegen die Polizei-Masznahme in Negros Oriental bringt, in dem er auf die Rechtmaeszigkeit des Vorgehens, die 36 Durchsuchungs-Befehle, die 53 gefundenen Waffen, die Attacken der NPA (New People’s Army), deren Versuch die Polizei-Station Canlaon einzunehmen, die diversen Anschlaege auf Polizisten dort hinweist, nehme ich beruhigt zur Kenntnis: wir leben in einem Rechtsstaat.

Dass der Artikel bewirkt, dass nun jene ruhig sind, die mit “extra judicial killing” und “massacre” gegen die Polizei ins Feld ziehen, glaube ich dagegen nicht. Die Begruendung dafuer ist im ersten Teil meines heutigen Blogs zu lesen.

Saysay sa adlaw – Di ko mosalig niya kay bakakon siya. 

di ~ dili nein, nicht, ko ~ ako ich, salig vertrauen + mo… Z/M mosalig wird, koennte vertrauen, niya ~ kaniya Dativ, Akkusativ von siya er/sie, kayweil, wegen, bakak falsch, luegnerisch + …on bildet Substantiv bakakon Luegner

Satz des Tages – Ich traue ihm nicht, weil er ein Luegner ist.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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