…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 30. Januar 2019

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Die Berichterstattung… – …ueber den Bomben-Anschlag auf die Kathedrale in Jolo geht mir echt auf den Keks. Bei “CNNPhil” versuchte Pia Hontiveros in ihrer “NewsNight” von einem Mitglied der Polizei in Jolo unbedingt den Namen eines Verdaechtigen zu erfahren, der auf Bildern der Ueberwachungs-Kameras zu sehen war, und bei “GMANews” wollte Jessica Soho in “State of the Nation” in ihrer quengeligen Art von einem Reporter live vor Ort wissen, ob das Auslaender waren. Selbst wenn der “verhoerte” Polizist den Namen gewusst haette, haette er ihn bei laufenden Ermittlungen nicht nennen duerfen, und warum nach 21:00 Uhr unbedingt jemand in Jolo stehen muss, um sich fragen zu lassen, ob vor 3 Tagen ein Auslaender in Jolo dabei war, wozu die Bilder der Ueberwachungs-Kameras laufend wiederholt wurden, erschlieszt sich mir nicht. Dass er nichts wusste, haette er auch im Studio sagen koennen, aber fuer die “live-Schalte” ist die Sendung ja beruehmt, auch wenn die “live” noch nie irgendwo dabei war. Die “prime time”-Sendungen verkommen immer mehr zu Selbstdarstellungen der “anchor”-Darsteller – Journalisten will ich dazu nicht sagen – die sich selbst inszenieren und so ihren Marktwert erhoehen.

In den Blaettern sieht es nicht besser aus. Eine vermutlich unbedachte Aeuszerung von Praesident Rodrigo Roa Duterte, dass es wohl Selbstmord-Attentaeter gewesen sein, ist nicht nur Schlagzeile in “The Manila Times”. Der Leitartikel will unbedingt wissen, ob nun der IS (Islamic State) beteiligt war, um dann selbst festzustellen, dass “der IS auf eine Internet-Propaganda-Maschine reduziert wurde, ein Schatten eines einst groszen Terroristen-Netzwerks”, und er warnt abschlieszend, dass das Stichwort “IS” die Untersuchung in die Irre leiten koennte. Warum zum Teufel posaunt die “Times” es dann aus?

Aehnlich daemlich wurde die Bemerkung Dutertes verwertet, dass er einen “all-out war” gegen Abu Sayyaf haben will – “You go out, you kill them. Period.” Dazu stellt er Armee und Polizei alles zur Verfuegung, auch Hubschrauber, Luftwaffe und die Schiffe der Coastguard. Aber hallo, war das ein Bohei im Blaetter-Wald! Der “PhilStar” meldet schon Luftangriffe auf Patikul und Indanan am Dienstag, wo Abu Sayyaf-Leute gesehen worden sein sollen. Allerdings beruft er sich da auf einen Bericht von “GMANews”, den ich bei “GMANews” jedoch nicht gefunden habe. Kann sein, dass ich blind bin, aber an die Luftangriffe glaub ich nicht.

Mir faellt dazu das beruehmte Zitat aus der Walt Disney-Verfilmung des Dschungelbuches von 1967 ein: “Keine Feier ohne Geier”. Wo man nichts weisz, aber etwas melden will, haben die Reste-Verwerter der Presse ihren Arbeitsbereich.

Was man weisz ist, dass es 21 Tote gab und ueber 80 Verletzte. Alles andere werde ich abwarten. Es gibt Wichtigeres, nicht nur die Frage, warum man immer noch nichts von Nur Misuari gehoert hat.

Die Schlacht fuer die Manila Bay… – …hat begonnen. Hierzu greift Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in “The Manila Times” heute auch auf das Bild des Augias-Stalles zurueck, das mir am 12. Januar einfiel, als die Aktion losgetreten wurde. Da war von einem Fuenf-Jahres-Plan die Rede, der nun schon auf sieben Jahre ausgedehnt wurde. Zu der Aufgabe des Herkules, der zur Reinigung der Staelle einen Fluss umleitete, sei dem Umwelt-Minister Frank Cimatu eingefallen: “Schaffe eine Welle von ueber 5.000 Leuten, um da durchzuflieszen und das zu saeubern.

Der Start der Aktion war echt beeindruckend, Fotos waren in allen Blaettern, wie sich diese Welle von Menschen ueber den Schmutz hermachte. Mich bedrueckt nur der Gedanke, wenn das 7 Jahre lang so geht, ob dann an jedem Wochenende bis dahin immer noch ueber 5.000 Leute kommen und den Dreck wegraeumen werden.

Ziemlich unbemerkt… – …blieb im Verhaeltnis zu anderen Aufregern mal wieder ein Anliegen der IP (Indigenous People) oder Lumad, die leider nie bemerkt werden. Auch von mir nicht, denn diesmal habe ich sie auch nicht in den “Manila”-Blaettern gefunden, sondern nur in zwei Meldungen der “PNA ~ Philippine News Agency”, um die auch mal beim Namen zu nennen, damit sie nicht mit der NPA (New People’s Army) verwechselt wird.

Es ist aber die NPA, die den IP zu schaffen macht. Bei einer Anhoerung des Committee on Indigenous Cultural Communities and Indigenous Peoples am Montag beschwerten sich Fuehrer der IP, dass sie Angst haben vor Repressionen durch die NPA, dass sie zu dieser Anhoerung kamen. Denn dabei waren auch Lehrer der Salugpungan Ta’Tanu Igkanogon Community Learning Inc., die Schulen in den IP-Gemeinden betreibt. Zu dieser Salungpan sagte IP-Fuehrer Joel Dahusay aus Talaingod, Davao del Norte: “Sie waren schockiert uns hier zu sehen, weil sie nicht erwartet haben, dass wir das koennen. Wir sind wirklich hergekommen, dass der Kongress und die Oeffentlichkeit wissen, was wirklich in unseren Gemeinden geschieht.” Dahusay sagte, dass die Salugpungan sich als Lehrer ausgeben, tatsaechlich aber locken sie junge, unschuldige Kinder, sich den Kommunisten anzuschlieszen. Nun haben die IP Angst, sich zur Regierung zu bekennen und der Armee Leute der NPA zu melden, die in ihren Gebieten herumlungern: “Nachdem wir nun gegen sie geredet haben, koennen die [Salugpungan Mitgleider] uns nun identifizieren, und wir wissen dass sie das hier veraergert. Wir koennen nur vorsichtig sein und auf unser Handeln achten, sodass wir von ihnen verschont werden.

Salugpungan bittet den Kongress dagegen, sie gegen Einschuechterungen durch die Armee zu schuetzen, weil sie doch wirklich nur den IP helfen wollen, indem sie sie schulen. Paramilitaerische Gruppen hetzten angeblich gegen sie und wollten sie aus den Gemeinden vertreiben.

Dagegen Datu Andigao Agay, ein anderer IP-Fuehrer aus Talaingod: “In Talaingod gibt es so etwas wie ‘paramilitaerische Gruppen’ nicht, da sind nur Baganis uns zu schuetzen. Wir, die Stammes-Fuehrer mit den Mitgliedern der Gemeinden, haben ihre [die der Salugpungan] Schulen geschlossen, weil sie niemandem Gutes tun.

Bagani” sind eine Art Kriegsfuehrer der IP, also Mitglieder des Stammes die sich im Streit hervortun, aber nicht traditionelle Stammes-Fuehrer sind.

Nun war die Salugpungan Anfang Dezember 2018 schon einmal in der Presse. Damals wurde der ehemalige Abgeordnete Saturnino Ocampo, und die Abgeordnete der ACT Teachers, Francisca Castro wegen Kindes-Missbrauch, Kidnapping und Nicht-Rueckgabe von Minder-Jaehrigen in Talaingod verhaftet, weil sie angeblich Kinder “fuer Proteste gegen die Regierung” rekrutieren. Sie waren in einer Kolonne von 5 Vans mit anderen und den Kindern bei einem Checkpoint gestoppt worden, wo man die Einwilligung der Eltern sehen wollte, die sie nicht vorweisen konnten. Die Kinder waren Studenten des Salugpungan Learning Center.

Die IP wollen diese Leute nicht bei sich haben, die sich als selbsternannte Lobby der Kinder ausgeben, aber nur Kommunisten sind, die Nachwuchs-Arbeit betreiben. Da die Salugpungan ueber Abgeordnete wie ACT-Teachers besser vernetzt sind, haben die IP regelmaeszig das Nachsehen – mal wieder, leider. Und Presse kriegen sie auch nicht.

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “ManilaTimes”, “PhilStar”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.