…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 11. Dezember 2018

(zum Bild: Eingeborener der Sierra Madre)

 

Der Tag der Menschenrechte… – …war gestern, wozu viel geredet wurde. Staatsminister Salvador Medialdea predigte zu den Bekehrten, als er sagte: “Um das Leben von unschuldigen, gesetzestreuen Buergern des Landes zu schuetzen, ist diese Regierung unnachgiebig in ihrem Kreuzzug gegen Kriminalitaet, Korruption, Terrorismus, Aufstand und Verbreitung illegaler Drogen, die Familien und die Zukunft der Jugend zerstoeren.” Die dies haetten hoeren sollen – zum Beispiel Senatorin Risa Hontiveros – hoerten es nicht, weil sie an anderer Stelle verkuendete, Praesident Rodrigo Roa Duterte sei die “groeszte einzelne Bedrohung der Menschenrechte in den Philippinen”. Merkt sie nicht selbst, da sie nicht verhaftet oder erschossen, diese unsinnige und beleidigende Aussage dagegen von allen groszen Zeitungen verbreitet wurde, dass sie selbst in diesen Bemerkungen ihre Rechte auf Leben und Meinungsfreiheit genieszt und auslebt?

Risa Hontiveros hat noch nie etwas gemerkt, ein Zug, der sie fuer die Opposition qualifiziert. So kann sie sagen: “Der Praesident hat eigenhaendig die Hueter der Menschenrechte zurueckgezogen und das Land zu einem Hafen fuer Menschenrechtsverletzer gemacht. Indem er einen blutigen und missbraeuchlichen Krieg gegen Drogen anzettelte, hat er die Toetung von Tausenden angestoszen, die zumeist arme Leute waren.

Unterstuetzung fand sie bei der inhaftierten Senatorin Leila de Lima, bekannt fuer die das Oberste Gericht verachtende Fuehrung ihres Amtes als Justiz-Ministerin unter Benigno Aquino, die verlauten liesz: “Manche Regierungen selbst, zumeist geleitet von populistischen Demagogen und Autokraten, haben tatsaechlich ihr eigenes Volk angegriffen. Und viel zu viele Politiker und sogenannte Fuehrer – einschlieszlich derer in meinem Land, den Philippinen – scheinen die UDHR [Universal Declaration of Human Rights] vergessen zu haben.

Fuer die “mutigen Reden” wird der Westen die beiden feiern. Doch nichts ist mutig unter Duterte, der die am 10. Dezember 1948 von Eleanor Roosevelt vor den Vereinten Nationen in Paris verkuendeten Menschenrechte hier schuetzt und sichert.

Es wird auch den Protestlern unverstaendlich sein, dass eben jener Praesident, dessen Bildnis als Hitler, Teufel, Hund und suechtigen Raucher dargestellt sie ueber eine Strasze in Manila trugen und dann darum herum tanzend verbrannten, ihnen diesen Ausdruck ihrer Meinungsfreiheit dadurch absichert, dass er das Kriegsrecht in Mindanao verlaengert haben moechte. Der Senat wurde von den Ministern Delfin Lorenzana und Eduardo Año und Aufklaerungs-Kraeften gebrieft, dass Abu Sayyaf, BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters) und NPA (New People’s Army) weiterhin dort eine Gefahr sind und vernichtet werden sollen.

Dem dient auch EO (Executive Order) No. 70, die eine Task Force gegen die Killer-Kommandos der NPA landesweit bildet, und die Installierung einer Division auf Jolo im Sulu-Archipel. Die EO No. 70, gestern in der “Official Gazette” veroeffentlicht, wurde damit wirksam und beherrscht heute die Schlagzeilen. Sie traegt den Titel “Institutionalizing the whole-of-nation approach in attaining inclusive and sustainable peace, creating a national Task Force to end local communist armed conflict, and directing the adoption of a national peace framework”. Die Task Force steht unter dem Vorsitz des Praesidenten, Vize ist der Nationale Sicherheits-Berater Hermogenes Esperon und neben etlichen Ministern gehoert dazu auch der Friedensberater des Praesidenten, wofuer der ausscheidende Armee-Chef General Carlito Galvez vorgesehen ist, und auch der Berater fuer Indigene Voelker und der Vorsitzende des Nationalen Ausschusses der Indigenen Voelker, der Lumad, jener Gruppe, die unter der NPA am meisten zu leiden hat.

Das wird den jungen Leuten in Manila, sie sind halt zumeist in Manila, jedoch nicht eingehen, dass dies alles der Freiheit und jenen Menschenrechten dient, die sie in ihrem Protest genieszen und dabei zugleich als nicht vorhanden leugnen.

Das nenne ich Realitaetsverlust.



Utopia… – …ist ein griechisches Kunstwort, das “Nirgendsland” bedeutet. Es stammt aus dem Titel eines Buches von Thomas Morus, das im Jahre 1516 in Loewen, Belgien, erschien “Von der besten Staatsverfassung und von der neuen Insel Utopia”.

In dem Buch diskutiert Morus den Teufelskreis von Armut und Kriminalitaet, der die Reichen immer reicher und die Armen immer aermer macht. Der Weltreisende Hythlodeus, was “Schwaetzer” bedeutet, traegt als Figur im ersten Teil des Buches vor, dass die Aufhebung des Privateigentums allen Menschen gleichen Anteil am Glueck bringen koenne. Dagegen argumentiert Morus, “dass dort kein behagliches Leben moeglich ist, wo Guetergemeinschaft herrscht.

Im zweiten Teil erzaehlt der “Schwaetzer” dann von seiner Reise nach Utopia, und schildert ein Gemeinwesen ohne Privateigentum, in dem die Menschen einem naturgemaeszen Leben nachgehen, in dem alles angenehm und froehlich ist. Morus schlieszt das Buch nach diesem Reisebericht mit den Worten, er muesse “ohne weiteres gestehen, dass es im utopischen  Staatswesen eine Menge Dinge gibt, die ich in anderen Staaten verwirklicht zu sehen wuensche. Freilich wuensche ich das mehr, als ich es hoffe.” Wuenschen kann man viel, aber was kann man hoffen?

Thomas Morus lebte nicht in Utopia, sondern im England des Heinrich VIII. und wurde Lordkanzler. Doch als der Koenig sich von Rom lossagte und seine eigene Kirche aufmachte, blieb Thomas der roemischen Kirche treu, weshalb er letztlich zum Tode verurteilt wurde. Im Jahre 1553 bittet der durch lange Haft geschwaechte Morus den Henker von London vor dem Schafott, er moege ihm hinaufhelfen, hinunter werde er schon allein finden.

Man muss mit der Diskrepanz zwischen Utopie und Wirklichkeit fertigwerden, sonst erledigt die Wirklichkeit das auf ihre Weise. Das werden auch die jungen Protestierenden irgendwann begreifen. Niemand lebt in Nirgendsland, dieser Insel der verlorenen Wirklichkeit.



Wem hilft “Build, build, build”? oder… – …die Schatten der Wirklichkeit. Chinas Praesident Xi Jinping besuchte im November die Philippinen und unterzeichnete mit Praesident Duterte 29 Vertraege, die im Rahmen des “Build, build, build” die philippinische Infra-Struktur auf Vordermann und vor allem auch Arbeitsplaetze bringen sollen.

Was bringen die noch?

In einer groszen Reportage in der “South China Morning Post” befasst Sarah Zheng sich mit dem Kaliwa-Damm im Osten der Provinz Quezon, ein Projekt von 12,2 Mrd Peso Umfang, das Manila ueber einen 27,7 km langen Tunnel mit taeglich 600 Mio Liter Wasser versorgen soll. Allerdings, bei Daemmen ist das nun mal so, werden Laendereien ueberflutet, und dem Wasser-Versorgungs-Projekt werden so wohl 28 Tsd Hektar Wald zum Opfer fallen und um die 30 Tsd meist indigene Voelker aus ihrer angestammten Heimat vertrieben werden. Die wehren sich seit 40 Jahren gegen das schon einmal angedachte Projekt, und eine der Gegnerinnen, die auch in Manila protestiert hat, sagt: “Ich habe nicht mit Praesident Duterte persoenlich gesprochen, doch er hat versprochen uns indigene Voelker zu unterstuetzen. Aber was macht er jetzt? Er will uns ersaeufen.

Was soll Duterte tun – Millionen in Manila verdursten lassen? Das Problem ist, dass es in der Politik keine Loesungen gibt, es gibt immer nur Kompromisse.

Ein Kompromiss ist auch… – …dass Praesident Duterte heute nicht bei der zeremoniellen Rueckgabe der Balangiga Bells durch die USA in der Villamor Air Base dabei sein wird. In seiner zweiten SONA (State of the Nation Address) im Juli hatte er die Rueckgabe gefordert und spaeter erklaert, er koenne nie ein gutes Verhaeltnis zu den USA entwickeln, solange die Glocken nicht zurueck seien.

Nun kommen sie, und er ist nicht dabei. Er wird aber am Samstag in Samar sein, um die Glocken an die Offiziellen in Balangiga zu uebergeben. Offenbar ist die Uebergabe an die Eigentuemer bedeutender, als das Abholen der Beute von den ehemaligen Herren. Er hat schon ein Gespuer fuer die politische Symbolik des Moments.



Gemaesz “PNA”, “PhilStar”, “ManilaBulletin”, “OfficialGazette”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.