…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 02. November 2017 

 

Leila de Lima… – …hat den “Preis fuer die Freiheit” der LI (Liberale Internationale) bekommen. Erst im Juli hatte die inhaftierte liberale Senatorin Besuch von dieser weltweiten Vereinigung liberaler Parteien erhalten, wobei deren Praesidenten, Juli Minoves, jedoch der Zutritt verwehrt wurde, weil er nicht auf der Besucherliste stand. Die deutschen Liberalen Markus Loening und Wolfgang Heinze durften de Lima besuchen. Loening sagte nun anlaesslich der Preis-Verleihung: “Leila de Lima war eine Fahnen-Traegerin fuer Menschenrecht in den Philippinen und darueber hinaus, die ein leuchtendes Beispiel fuer andere Verteidiger der Menschenrechte gab. Selbst aus dem Gefaengnis heraus kaempft sie fuer die Herrschaft des Rechts und die Wuerde des Menschen. Sie sollte unverzueglich aus der Haft-vor-Prozess entlassen werden.

Der Leitartikel der “Manila Times” hatte schon am 23. Oktober festgestellt, dass De Lima durch Druck der internationalen Meinung freigepresst werden soll, was aber nichts an der Stimmung hier aendert: “Wir wollen sehen, dass der Prozess gegen Senatorin de Lima stattfindet, so dass sie ihren Gerichtstag bekommt und ihr da Recht geschieht.


Mich wundert, dass diese Polit-Touristen sich so gegen einen Prozess vor einem ordentlichen Gericht stemmen, als sei das eine Folklore-Veranstaltung, die man auffuehren oder absagen kann. Was fuer ein Rechtsverstaendnis haben Leute, die meinen, dass sie Recht ohne Prozess sprechen koennen? Der Prozess gegen de Lima wird stattfinden. Im Gegensatz zu de Lima, die als Justiz-Ministerin einen Spruch des Obersten Gerichts ignorierte und Gloria Macapagal-Arroyo aerztliche Versorgung im Westen verweigerte, haelt Praesident Duterte sich an Recht und Gesetz. Und bei Drogen-Vergehen gibt es keine Haft-Verschonung gegen Kaution. Doch davon will die LI nichts wissen.

Warum eigentlich?

Es muss doch einen guten Grund geben, warum die westliche Welt sich alle Muehe gibt, Duterte an die Karre zu fahren.

Was hat der ihnen getan?

Um das zu verstehen, muss ich etwas zurueckgehen, ungefaehr bis 1962. In dem Jahr kam der Film “The Man who Shot Liberty Valence” unter der Regie von John Ford heraus. Die Story ist etwas gerafft wie folgt: Der Senator Rans Stoddard (James Stewart) faehrt in den Westen zum Begraebnis des Ranchers Tom Doniphan (John Wayne). Ein Reporter ist dabei, der fragt, warum er dahin faehrt, und der Senator erzaehlt seine Geschichte. Seine Karriere beruhte auf dem Glauben des Volkes, er habe den ueblen Banditen Liberty Valence (Lee Marvin) erschossen. Stoddard erzaehlt nun, dass er von Valence gefordert stolperte, mit dem Revolver in den Boden geschossen hat, und Valence fiel tot zu Boden. Der Zuschauer im Film sieht, wie Tom Doniphan, der das Duell aus dem Hintergrund beobachtet, Valence grad in dem Moment mit dem Gewehr erschieszt. Das Volk glaubt, Stoddard habe Valence erschossen, traegt ihn auf den Schultern, er gewinnt die Wahlen als “The man who shot Liberty Valence” und geht nach Washington und macht Karriere. Der Reporter, der mitgeschrieben hat, mag die Geschichte ploetzlich nicht mehr, und er sagt an der Stelle den Satz, auf den es mir hier ankommt: “This is the West, Sir. When the legend becomes fact, print the legend. ~ Dies ist der Westen, Sir. Wenn die Legende wahr wird, druck die Legende.

Die Legende in unserem Fall nun ist das Aquino-Maerchen, und das geht etwas gerafft wie folgt: Der gute Demokrat Benigno “Ninoy” Aquino, kam aus dem Exil nach Manila zurueck und wurde 1983 auf dem Flugplatz erschossen. Seine Witwe Cory Aquino trat gegen den ueblen Diktator Ferdinand Marcos an, der nach der friedlichen People Power-Revolution (EDSA) 1986 das Land verlassen musste. Sie wurde Praesidentin der Philippinen, sorgte fuer eine neue Verfassung und fuehrte sozusagen die Demokratie auf den Philippinen ein. Die Legende von EDSA und Aquino wurde wahr.

Nicht zur Legende gehoert, dass “Ninoy” Aquino ein politischer Hasardeur war, der auf den Tod des kranken Marcos’ setzte und trotz Warnung von Imelda Marcos zurueckkehrte, um die Macht in den Philippinen zu uebernehmen. Marcos ueberlebte dank Nieren-Plantation, konnte sich aber nicht an der Macht halten. Unter der unfaehigen Cory Aquino wuchs die Korruption staerker als unter Marcos, und sie wurde daher nicht wiedergewaehlt. So wie Cory Aquino einen Wahlbonus hatte als Witwe des guten “Ninoy”, so bekam spaeter ihr Sohn Benigno “Noynoy” Aquino einen Wahlbonus als Waise dieser Legende, da die kurz vor seiner Wahl verstarb – “passend” wie Rigoberto Tiglao bissig in einem Kommentar bemerkte – und dank massiver Wahlunterstuetzung im Westen lebender Filipinos. Dass unter der Aegide des unfaehigen “Noynoy” Aquino – von Beruf Sohn – sich Kriminalitaet und Korruption vervielfachten, blieb im Westen unbemerkt. Im Land sah man klarer, und waehlte nicht Aquinos liberalen Ziehsohn Mar Roxas, sondern den Law-and-Order-Buergermeister von Davao, Rodrigo Roa Duterte, als Nachfolger zum Praesidenten – ganz demokratisch.

Im Westen lebt aber unverdrossen die Legende von den guten Aquinos und ihrer ach so friedlichen, demokratischen, liberalen Partei, und da gilt das Gesetz des Westens: “Wenn die Legende wahr wird, druck die Legende.

Dass “Noynoy” Aquino mit Hilfe seiner Justiz-Ministerin Leila de Lima und seiner Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales den Obersten Richter Renato Corona aus dem Amt raeumen liesz, nur um den Wert der Familien-Hacienda Luisita zu erhalten, wen interessiert das? Dass er die Senatoren fuer die “passende” Abstimmung aus dem Pork-Barrel mit Geldern belohnte, was soll’s?

Die Legende lebt – im Westen. Und da dort niemand die Folgen spuert – wen interessiert Drogenhandel und Korruption hier? – lebt sie “happily ever after”.

Hierzulande hat sich die “regierende Elite” mit ihren Haciendas, Minen und linientreuen Zeitungen feudal eingerichtet, “Manilas 400”, wie Duterte das neulich nannte, die keine Steuern zahlen, sondern erwarten, dass die Regierung vor der Legende niederkniet.

Dieser Legende hat Duterte an’s Bein gepisst.



Das tut man nicht, und deshalb hasst ihn der Westen, nicht wegen der paar Toten. Da gibt’s im Westen mehr, das Mittelmeer ist voll davon. Aber Legenden ruehrt man nicht an.

Die Liberalen sind die Guten, die LI sind Liberale, also kriegt de Lima ‘nen Preis fuer Freiheit und Menschenrecht, egal, was sie sagt oder tut. Wie hat de Lima letztes Jahr in Berlin sich ausgedrueckt? “Im Mai diesen Jahres haben 16 Millionen Filipinos einen erklaerten Serien-Moerder zum Praesidenten gewaehlt.” Sie kann das nicht beweisen, aber was interessieren den Westen Beweise, wo sie doch die Guten sind? Die brauchen das nicht! Und so unterstuetzen 80 Prozent der Bevoelkerung in den Philippinen einen von der Legende zum Serien-Moerder erklaerten Praesidenten.

Weisz man im Westen, wie sich so ein durch nichts gerechtfertigter Vorwurf von Innen anfuehlt?

Hier kocht kalte Wut hoch, und da man im versoehnlich-pastoralen Tonfall eines Ernesto Abella gegen diesen Unflat nicht ankommt, hat Duterte vor Abflug nach Japan einen neuen Sprecher ernannt, der gegen die Schandmaeuler halten soll, und sich von der Legende nicht in’s Bockshorn jagen laesst: Harry Roque. Der versprach, wenn man mit Steinen nach der Regierung wirft, nun mit “hollow blocks” zu antworten. Die verschreckten Reaktionen in der Opposition auf die Ankuendigung berechtigen zu der Annahme, dass die wissen, was auf sie zukommt – vermutete Jojo Robles in seiner Kolumne vorgestern im “Manila Standard”, und er wuenschte: “Viel Glueck, Harry, mach ihnen die Hoelle heisz!

Gemaesz “Wikipedia”, “LiberalInternational”, “Inquirer”, “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “GMANews” u.a.

 

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.