…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 05. Dezember 2018

(zum Bild: Duterte und Marihuna)

 

Das Kriegsrecht… – …in Mindanao beschaeftigt die Gemueter, denn wird es nicht verlaengert, laeuft es am Ende des Jahres aus. Der Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana folgt der Empfehlung des Armee-Chefs General Carlito Galvez, wie gestern erwaehnt, und meint es muesse verlaengert werden. Er meint, da kaemen Kraefte des IS (Islamic State) in’s Land, die BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters) unterstuetzen. Das ist ein duennes Argument, denn zum einen soll ja gerade eine neue Division fuer das Sulu-Archipel aufgebaut werden, um genau das zu verhindern. Auf der anderen Seite ist Lorenzana da “on the defensive” gegenueber Senator Franklin Drilon, der gegen eine Verlaengerung ist, weil es keine Invasion gebe, die verfassungsgemaesze Voraussetzung des Kriegsrechts.

Der Leitartikel der “Manila Times” fragt nach einem triftigen Grund fuer die Verlaengerung, weil sonst “unnoetig die Freiheit von Millionen friedliebender Buerger in Mindanao eingeschraenkt wuerde.

Das scheint mir ein noch duenneres Argument. Hier in GenSan habe ich von der Verhaengung des Kriegsrechts im Mai 2017 nichts mitbekommen, und ich werde vermutlich am 1. Januar 2019 auch nicht merken, ob es verlaengert wurde oder nicht. Wie sich das auf den Kampf von Armee und Polizei gegen die Terroristen auswirkt, kann ich nicht beurteilen.

Mir scheint, dass da vom IS-Terror geredet wird, der Terror der NPA (New People’s Army) aber mitgemeint ist. Damit kann man aber nicht argumentieren, die gibt es landesweit, und vor einer landesweiten Verhaengung des Kriegsrechts schreckt man zurueck. Man will in Mindanao Ruhe schaffen, und dazu muss die NPA “mit erledigt werden”. Also schiebt man den IS als Argument vor, und will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein biszchen gelogen ist das schon, aber wir sollten Luegen nicht allzu sehr verdammen. Zwar werden der Luege kurze Beine nachgesagt, aber das ist immer noch besser, als wenn sich ohne Beine nichts bewegt.



Lob der Luege – Praesident Rodrigo Roa Duterte hat mal wieder geredet, am Montag anlaeszlich der Verleihung von Auszeichnungen an Mitarbeiter in seinem ASEAN-Team. Nach der Einleitung meinte er, er wolle niemanden auf den Arm nehmen, aber er haette ein paar persoenliche Beobachtungen. Dann erzaehlte er, wie stressig internationale ASEAN-Konferenzen sind, vom Morgen bis zum Abend, die Organisatoren daechten wohl, wir seien Boy Scouts (Gelaechter an der Stelle). Und Duterte sagte: “Es ist eine toedliche Taetigkeit, und ich denke… Mein Alter, und damit es nicht zuviel wird, nehme ich Marihuana um wach zu bleiben [Gelaechter an der Stelle].

Nach der Veranstaltung wurde er in einer Traube von Journalisten danach befragt. Duterte: “Das war ein Witz, selbstverstaendlich war das ein Witz. Aber niemand kann mich an meiner Art hindern. Das ist mein Stil, es ist zu spaet das zu aendern. Wenn ich einen Spasz machen will, mach ich einen Spasz. Wenn ihr glaubt, was ich sage, seid ihr Narren.” Und wie ich im TV sah, ging er auf einen der Journalisten zu und fragte direkt: “Hast du das echt geglaubt?” Der/die so Gefragte und die Antwort, wenn es eine gab, waren in dem TV-Schnipsel bei “GMANews” nicht zu sehen, aber das macht nichts.

Es gibt den verbreiteten Aberglauben, dass Sprache dazu da sei, die Wirklichkeit wiederzugeben. Trifft das Gesagte die Wirklichkeit, dann ist es wahr. Trifft es nicht, dann ist das eine Luege.

Das ist ein anthropologischer Unfug. Fuer die “Wirklichkeit” haben wir unsere fuenf Sinne. Wuerde die Sprache das wiederholen, waere sie von der Evolution als ueberfluessig ausgemendelt worden. Sprache ist dazu da, den Angesprochenen dazu zu bringen, etwas zu tun oder zu glauben. Um das zu erreichen, muss man ihm etwas vorstellen was zwar grad nicht da ist, aber – was sein sollte, ihm gefallen koennte, nicht geschehen moege, oder was auch immer. Dazu erzaehlt man nicht das, was ist, das sieht der andere ja selbst, und – in dem Sinne “luegt” man. Man fuehrt die Gedanken des anderen stattdessen durch eine Geschichte dorthin, von wo aus der sieht, was der Sprecher ihn sehen machen will – in Gedanken. Gelingt das, schafft Sprache so eine “neue Wirklichkeit” – sie wirkt. Wirklich ist nicht nur das, was man anfassen kann, sondern alles, was etwas “bewirkt”.

Duterte wollte die Leute zum Lachen bringen. Sie sitzen da auf ungemuetlichen Stuehlen in ihren besten Klamotten in der Heroes Hall in Malacañang und er hat eine Rede vor sich in dieser Art, wie sie bei solchen Veranstaltungen vom Blatt gelesen wird, und – die Duterte auf den Tod nicht leiden kann. Also erzaehlt er einen vom Pferd, und – die Leute lachen. Das wollte er mit der Marihuana-Geschichte bewirken, und – es hat gewirkt. Diese Bemerkung auf ihren Wahrheits-Gehalt oder eine moegliche Drogensucht des Praesidenten hin zu diskutieren, zeugt nur von der Idiotie derer, die das versuchen. Sie haben nicht kapiert, wozu Sprache gut ist.

Fuer Liebhaber des klassischen Gedankens dieses kleine Intermezzo:

Zum Erfinder der beliebten Theorie von These, Antithese und Synthese passend erfand ich – also auch “gelogen ~ nicht wahr” – an anderer Stelle mal die Geschichte, dass der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel irgendwann am Schreibpult stehend zufaellig einen Blick aus dem Fenster warf, als er dort lautes Gezeter hoerte. Er schaute hinaus und sah, wie zwei Amseln regelrechte Sturzangriffe gegen die dort herumstreifende Katze seiner Vermieterin flogen, bis es der Katze zu bunt wurde und sie sich verzog. „Bloede Amseln,“ dachte Hegel bei sich, „sich so mit der Katze herumzubalgen, am Ende haette sie sie noch erwischt.“ Ein paar Tage spaeter wurde er aufmerksam, dass die Amseln regelmaeszig vor dem Fenster hin und her flogen, und bei naeherem Hinsehen entdeckten er in einem Busch ein Nest, in dem Junge waren, die von den Amseln gefuettert wurden, und schon sah die Geschichte anders aus. „Kluge Amseln,“ dachte er bei sich, „ihr Nest vor Entdeckung durch die Katze zu schuetzen.“ Der These von den bloeden Amseln stand die Antithese der klugen Amseln gegenueber, woraus sich als Synthese die Einsicht in den vernuenftigen Zusammenhang ergab, der den Bestand von Familie Amsel sichert. In dieser Einsicht waren These und Antithese nicht vergessen und verschwunden, sondern als Synthese aufgehoben.

Das ist alles “gelogen”, ich weisz nicht, wie Hegel gearbeitet hat, aber – so kommt das Neue in die Welt, und wenn es auch nur dieser Gedanke der “Dialektik” ist. Duterte hat Hegel kaum gelesen, aber – er hat ihn verstanden und weisz, wie die Geschichte laeuft. Karl Marx hat Hegel gelesen, aber – er hat ihn nicht verstanden. Er meint, dieser Drei-Schritt der Dialektik mit These, Antithese und Synthese sei ein Rezept zum Nachkochen. Dass das nicht funktioniert, und man so Geschichte nicht machen kann, haben weltweit alle eingesehen – auszer “Joma” Sison & seine roten Genossen. Man kann das nicht “machen”. Man kann es verstehen, wenn es sich zeigt oder wenn es in einer Geschichte gezeigt wird, und – genau dafuer ist Sprache da.

Der Mensch ist das Lebewesen, das Geschichten weitererzaehlen kann, und nur wenn das geschieht, werden die auch verstanden. Ich mach hier nichts anderes, aber – wird das weitererzaehlt?



Gemaesz “GMANews”, “ManilaTimes”, “PCOO”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • Dezember 5, 2018 um 09:17
    Permalink

    Der Satz gefällt mir: „Wenn ich glaubt was ich sage seid ihr Narren“. Hahahaha

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