…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 20. August 2018

 

Die Presseschau liest sich am Besten mit einem frisch gebrühten Kaffee aus den philippinischen Kordilleren

 

Als Unkerich… – …habe ich vor einem Monat mal Richard Heydarian hingestellt, der die Politik von Praesident Rodrigo Roa Duterte skeptisch verfolgt. Bei gehoeriger Selbstkritik muesste ich mich selbst inzwischen aber auch als die Uebles verkuendende Gelbbauchkroete aus den Abenteuern von Lurchi Salamander sehen, wenn ich auf dem “US vs. China”-Thema herumreite. Nicht, dass ich das so toll finde, im Gegenteil, mir wird immer unwohler dabei.

Also, bringen wir’s hinter uns!

Dan Steinbock befasst sich in seiner Kolumne in “The Manila Times” mit der Rede von US-Auszen-Minister Mike Pompeo am 30. Juli zum Thema “Amerikas Indo-Pazifische Oekonomische Vision”. Bei “Indo-Pazifik” stellen sich mir die Ohren auf. Ich schrieb dazu schon letzten Mittwoch, dass dies das Gegenkonzept zu Chinas “Asien-Pazifik”-Vision ist. Laut Pompeo wollen die USA nun ein Programm von 113 Mio Dollar auflegen “zur Unterstuetzung fundamentaler Zukunfts-Themen: digitale Oekonomie, Energie und Infrastruktur.” Da Pompeos Rede auf einen Vergleich mit dem Nachkriegs-“Marshall-Plan” und Chinas “One Belt, One Road”-Initiative abzielte, vergleicht Steinbock diese drei Plaene. Waehrend die “One Belt, One Road”-Initiative minimal 4 Trio Dollar fuer die naechsten 30 Jahre ins Auge fasst, gab der “Marshall-Plan” umgerechnet 100 Mrd Dollar in rund 3 Jahren als Anschub-Hilfe fuer das Nachkriegs-Europa aus. Was wollen die USA mit 113 Mio Dollar im “Indo-Pazifik” erreichen?

Das ist reine Propaganda mit Nichts dahinter, und das beunruhigt mich. Der Krieg des US-Praesidenten George W. Bush begann 2003 mit einer “Koalition der Willigen” gegen die “Massenvernichtungswaffen” des Saddam Hussein. Die angeblichen Waffen zur Massenvernichtung wurden nie gefunden, aber Saddam Hussein war weg vom Fenster – “mission accomplished ~ Auftrag ausgefuehrt”.

Zur derzeitigen Propaganda gehoert ein Bericht des Pentagon, dass China seine Piloten trainiert, um Ziele weiter entfernt vom chinesischen Festland zu bombardieren. Der Sprecher des chinesischen Auszen-Ministeriums Lu Kang wies dies am Samstag als “unverschaemt und unverantwortlich” zurueck. Dagegen hielt er: “China bleibt seinem Weg friedlicher Entwicklung verpflichtet und verfolgt eine nationale Verteidigungs-Politik defensiver Natur. Es war stets ein Unterstuetzer des Weltfriedens, und trug zu globaler Entwicklung und Verteidigung der internationalen Ordnung bei.” Ferner gehoert zu dieser Gemenge-Lage die Warnung der USA, keine U-Boote bei den Russen zu kaufen. Zwar schiebt man da vor, das gaebe Kommunikations-Probleme mit US-Einheiten als Alliierte, doch der Unterton des “ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt” war deutlich herauszuhoeren. Und da hat die russische Botschaft in den Philippinen dann auch etwas dazu zu sagen: “Die Russische Foerderation hat nie die auswaertigen Beziehungen der Philippinen kommentiert. Und wir haben nicht die Absicht das kuenftig zu tun. Zur gleichen Zeit erwarten wir, dass andere Laender das auch so handhaben und sich zurueckhalten, was die Beziehung der Russischen Foederation und der Republik der Philippinen angeht als zwei unabhaengige souveraene Staaten und gleichrangige Partner.

Ich hoer mal auf. Die Lage der Philippinen am Rand Verteidigungs-Linie der USA im Pazifik und der “Neuen Seidenstrasze” Chinas habe ich lang und breit diskutiert. Und da faellt mir eben auf, dass nach dem Schock von “September Eleven” im Jahre 2001 Bush fuer die Wiederwahl 2004 etwas Positives brauchte, und da kam ihm 2003 die Propaganda des Pentagon zu den “Massenvernichtungswaffen” ganz gelegen. Wofuer ist die Anti-China-Propaganda gut, wenn Donald Trumps Handels-Politik die USA an den wirtschaftlichen Abgrund bringt? Kriege waren stets ein probates Mittel, politisches Versagen an anderer Stelle zu ueberspielen, und zum Vorspiel gehoert nun mal das Aufbauschen der Gefahr.

Aber genug mit der Unkerei fuer heute!



Sara Duterte-Carpio… – …ist nicht nur eine lokale Groesze in Davao. Hierzulande wird aufmerksam beobachtet, dass sie mit dem Zusammenschluss ihrer Partei Hugpong ng Pagbabago (Allianz fuer den Wechsel) mit anderen Parteien sich wohl fuer den Wahlkampf 2019 positioniert. Das faellt nun auch im Ausland auf, wo eine “Reuters”-Meldung in der “South China Morning Post” auf die Tochter des Praesidenten hinweist und feststellt: “Wie ihr Vater ist Sara Duterte gefuerchtet und respektiert, und bekannt dafuer unverbluemt und nicht ausrechenbar zu sein und sich offen mit dem Praesidenten zu zanken (trading barbs).” Die Meldung weist darauf hin, das interessiert das westliche Ausland, dass dies unterstuetzt wird “durch eine sich entwickelnde Beziehung zwischen Sara Duterte und Imee Marcos, 62, eine Provinz-Gouverneurin und Schluesselfigur in der immer noch einflussreichen Familie des verstorbenen Diktators Ferdinand Marcos, der die Philippinen fuer zwei Jahrzehnte beherrschte, bevor er in einem Aufstand 1986 gestuerzt wurde.” Man zitiert auch die Unkerei von Richard Heydarian: “Leute um (Rodrigo) Duterte sehen sich nach einem neuen Gravitations-Zentrum um. Sie sehen Anzeichen eines erschoepften Praesidenten und schauen, ob es da eine Art Nachfolge geben kann, die ihre Interessen schuetzt. … Er hat nur ein flaches Netzwork von Politikern, er ist nicht auf seinem Gipfel. Er muss so lange durchhalten wie er noch kann.

Der Bremser – So bezeichnen einige den Richter Alfredo Benjamin Caguioa, zustaendiger Richter beim Obersten Gericht, das als PET (Presidential Election Tribunal) in dem Rechtsstreit “Bongbong” Marcos vs. Leni Robredo tagt, der sich nun schon ins dritte Jahr zieht. Caguioa, Klassenkamerad von Benigno Aquino, der ihn zu seinem Rechts-Berater machte und ins Oberste Gericht befoerderte, wurde von Marcos fuer Verzoegerungen verantwortlich gemacht. Hinzu kam eine Beschwerde moeglicher Parteilichkeit, denn Caguioas Frau, Pier Angela “Gel” Caguioa, sei “nicht nur Anti-Marcos, sondern auch gluehende Unterstuetzerin von Robredo, die aktiv an deren Kampagne in der Wahl im Mai 2016 teilnahm.

In einem internen Memorandum, das Caguioa an den amtierenden Obersten Richter Antonio Carpio richtete, und von dem der in Angelegenheiten des Obersten Gerichts stets wohlinformierte Jomar Canlas Kenntnis hat, will Caguioa sich selbst als zustaendigen Richter zurueckziehen, um jedem Verdacht gegen seine Person zuvorzukommen. An der Untersuchung des Streits selbst will er aber weiter teilnehmen. Dieses Memorandum verfasste Caguioa wenige Tage bevor Marcos die Beschwerde moeglicher Parteilichkeit einreichte.

Da es dazu bisher nichts Offizielles gab, muessen wir abwarten, was dabei herauskommt. Ganz schlecht waere es, wenn der Wechsel des Vorsitzes eine weitere Verzoegerung zur Folge hat, was ganz im Interesse Robredos waere. Sie will nicht nicht, dass der Prozess vor Ende ihrer Amtszeit zu einem Urteil kommt, und so koennte in dem Falle Caguioa sagen “mission accomplished”.

Den Schwarzen Peter… – …hat Justiz-Minister Menardo Guevarra weitergegeben, als er die Klage des Anwalts Lorenzo Gadon gegen die Ex-Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno wegen Schiebung nun an das Buero des Ombudsmannes gab. Lorenzo Gadon, der auch das Verfahren der Amtsenthebung gegen Sereno angestoszen hatte, das durch die “quo warranto”-Entscheidung des Obersten Gerichts ueberfluessig wurde, hatte die Klage gegen Sereno eingereicht, als Sereno noch Oberste Richterin war. Dies ist nun Grund fuer Guevarra, die Sache an den Ombudsmann zu geben – soll Samuel Martires sich damit herumschlagen.

Populaer ist der Fall nicht, denn daraus kann nur neue Medien-Aufmerksamkeit fuer Sereno kommen, und die will eigentlich niemand mehr sehen.



Gemaesz “ManilaTimes”, “PhilStar”, “ManilaBulletin”, “EurasiaFuture”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.