…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 28. Januar 2019

(zum Bild: Bombenanschlag auf Kathedrale in Jolo)

 

Zwei Bomben… – …detonierten gestern morgen in  in Jolo, Sulu. Die erste in der Cathedral of Our Lady of Mount Carmel um 8:15 Uhr, als die Messe begonnen hatte. Die zweite kurz darauf auf dem Parkplatz der Kirche als die Leute dahin fluechteten und Soldaten zu Hilfe kamen. Man spricht von 20 Toten und 81 Verletzten.

Wenn auf Jolo etwas geschieht – die Stadt heiszt so wie die Insel und bildet mit ein paar Neben-Inselchen die Provinz Sulu – dann denkt jeder gleich an Abu Sayyaf. Die Insel mit 300 Tsd Einwohnern, mit 869 qkm etwas kleiner als Ruegen (926 qkm), ist die Hochburg von Abu Sayyaf. Schaut man sich die Insel bei “Google Maps” im Satelliten-Bild an, dann sieht man, dass man auszer der Stadt Jolo nichts sieht. Die ganze Insel ist von Urwald bedeckt, und in dem steckt Abu Sayyaf. Das ist keine stehende Armee mit Camps und Hoheitsabzeichen. Jemand, der Huehner zuechtet und heute auf dem naechsten Markt verkauft, kann morgen an einem Hinterhalt auf die Armee teilnehmen, und sich uebermorgen wieder um die Huehner kuemmern, waehrend seine Ausruestung in einem Versteck im Wald liegt. Zieht ein Trupp Soldaten vorbei auf der Suche nach den Rebellen, dann grueszt er freundlich und merkt sich, wo die hingegangen sind.

Es werden Fragen diskutiert, warum jetzt? warum dort? Der Zeitpunkt nach dem Plebiszit, bei dem die Provinz Sulu mit 163.526 “no”- und 137.630 “yes”-Stimmen gegen das BOL (Bangsamoro Organic Law) gestimmt hat, gibt Anlass zu Spekulationen. Da Sulu jedoch zur ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao) gehoert, ist sie damit auch Teil von Bangsamoro, weil die ARMM insgesamt dafuer war. Die Zugehoerigkeit stand nur zur Debatte in Gemeinden, die bisher nicht zur ARMM gehoerten. Da hat sich also nichts geaendert. Und dass es eine katholische Kirche war, wo die Provinz Sulu zu 97% muslimisch ist, kann etwas bedeuten, muss aber nicht. Mit einer Minderheit von 3% hat man keinen Konflikt, aber – sie wird weltweit wahrgenommem. In der “Straits Times” ist ein groeszerer Artikel, einer auch in der “Sueddeutschen Zeitung”, der auf eine Notiz von “Site” verweist, nach welcher der IS (Islamic State) sich den Anschlag auf die Fahne schreibt. Das muss nicht stimmen. Der IS bekannte sich schon oefter zu Attentaten, nur um relevant zu erscheinen.

Mir scheint, dass Abu Sayyaf – an andere Gruppen glaub ich auch nicht – sich als Macht zeigen will, mit der zu rechnen ist. Und der Anschlag ging ja auch in die Weltpresse. Der Anschlag zielt aber nicht auf die Religion, sondern eher gegen die Regierung, die sich die Vernichtung von Abu Sayyaf vorgenommen hat.

Ende November 2018 kuendigte Praesident Rodrigo Roa Duterte an, er werde eine neue Division aufstellen und nach Jolo entsenden, als bei einem Gefecht mit Abu Sayyaf 5 Soldaten starben und 23 verwundet wurden. Mitte Dezember war der Praesident in Jolo, Sulu, um der Indienst-Stellung der 11ten Infanterie-Division beizuwohnen, die Abu Sayyaf bekaempfen soll. Und am 18. Januar 2019, als er in Cotabato City sprach und fuer das BOL warb, betonte er, dass er mit jedem reden wolle, nur mit Abu Sayyaf nicht. Man toete nicht einen 8-jaehrigen Jungen, weil kein Loesegeld kommt, und ihm gefalle die Idee nicht, unschuldigen Leuten die Koepfe abzuschneiden. Er rede ja sonst mit jedem, sogar mit Kommunisten, “aber ich werde niemals, niemals, niemals mit Abu Sayyaf sprechen.

Abu Sayyaf kennt nur eine Sprache, und sie haben sich mal wieder deutlich ausgedrueckt. Sie steckten schon 2004 hinter einer Bombe, die auf einer Faehre in der Manila Bay mehr als 100 Leben forderte. Und die Kathedrale in Jolo war im Juli 2009 schon mal ihr Ziel, als auszerhalb der Kirche eine Bombe 2 Menschen toetete und 17 verwundete. Eine zweite Bombe nahebei konnte damals entschaerft werden. 2010 toetete eine Bombe der Abu Sayyaf in einer anderen Kirche in Jolo 6 Menschen.

Die unausgesprochene offene Frage ist mal wieder Nur Misuari. Jolo ist eben auch Hochburg seiner MNLF (Moro National Liberation Front), die sich an der Ausarbeitung des BOL nicht beteiligt hat. Und da sind Klagen gegen das BOL beim Obersten Gericht anhaengig.

Sulu war als Heimat der Tausug immer etwas anders, und Praesident Duterte nimmt auf Nur Misuari besondere Ruecksicht, denn sollte dem etwas geschehen “kannst du nie wieder mit den Tausugs reden.” Tausug bedeutet “Menschen der Stroemung” und bezeichnet die Einwohner wie auch deren Sprache im frueheren Sultanat Sulu, von dem Nur immer noch traeumt. Es wurde aber auch schon diskutiert, ob er noch etwas zu sagen hat. Im September 2016 fand Duterte bei einer Rede vor Militaer in Isabela, Basilan, Misuari habe keine Kontrolle ueber die junge Generation. Die wollten keine Autonomie, keine Unabhaengigkeit fuer Mindanao, die seien begierig “…auf einen Kampf das Kalifat von Suedost-Asien zu errichten” sagte er damals. Das ist ueber 2 Jahre her. Inzwischen hatte Duterte vor den BOL-Verhandlungen mit Misuari gesprochen, die grosze Verbruederungs-Szene war im TV zu sehen. Doch als es mit der MILF (Moro Islamic Liberation Front), die einst von der MNLF abgesplittert war, an den Verhandlungs-Tisch gehen sollte, da war “Bruder Nur” nicht dabei – “mit Verraetern setze ich mich nicht an einen Tisch”.

Dann kam das “No” beim Plebiszit, auch wenn es nichts nuetzt, nun die Bomben in Jolo, und Duterte hat nicht wieder mit Nur Misuari gesprochen, was er unbedingt wollte – oder ist es dafuer nun zu spaet?

Gemaesz “PhilStar”, “ManilaBulletin”, “PCOO”, “ManilaTimes”, „SZ“ u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.