…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 13. Mai 2018

 

 

Morgen sind Barangay-Wahlen… – …und da lese ich im “SunStar”, dass schon 24 Stunden zuvor, also heute, verboten ist “buying, serving or taking intoxicating liquor”. Das gilt generell mit Ausnahme von Hotels oder Touristen-Lokalen, die eine entsprechende Genehmigung des Ministeriums fuer Tourismus haben. Ich finde, das passt zum heutigen Muttertag, an dem man sich nicht besaufen sollte.

Die Wahlen erinnern auch, dass vor zwei Jahren Rodrigo Roa Duterte zum Praesidenten des Landes gewaehlt wurde, womit niemand gerechnet hatte, ich sowieso nicht. Um Politik hatte ich mich ueberhaupt nicht gekuemmert. Wenn man noch nie in den Philippinen war – ich fliege nicht gern – und als Pensionaer und Immigrant dann hierher kommt, hat man die ersten Jahre andere Fragen und Probleme, mit diesem neuen Leben zurecht zu kommen. Mein Blog hatte ich bei der Wahl schon begonnen, beschaeftigte mich aber mit Entfuehrungen durch Abu Sayyaf viel mehr als mit Politik.

Das aenderte sich beginnend mit dem Urteil des Staendigen Schiedshofes in Den Haag, der im Juli 2016 die “Nine dash-line” Chinas bzgl. des Suedchinesischen Meeres verwarf, und als zu der Zeit auch Gloria Macapagal Arroyo vom Obersten Gericht freigesprochen wurde und aus dem Gefaengnis entlassen wurde, in das sie unter Praesident Benigno Aquino von dessen Justiz-Ministerin Leila de Lima geworfen wurde. Zu der Zeit begann Dutertes Kampf gegen Drogen, und damit begann auch eine weltweite Medienschelte gegen ihn. In der “Zeit” schrieb eine gewisse Vanessa Vu einen Artikel, der mit den Worten begann: “Auf den Straszen der Philippinen sammeln sich jede Nacht die Leichen.” Ich hatte das so nicht beobachtet, und das brachte mich dazu, mich auf die Seite von Duterte zu stellen. Da habe ich alles aus meinem Blog geloescht, was nichts mit Duterte zu tun hatte und mich fortan darauf konzentriert, den Mann zu verstehen, hinter dem die absolute Mehrheit meiner Nachbarn steht, um auf diesem Weg zu verstehen, warum die so sind, wie sie sind.

Duterte als Koenig.

Koenige geben niemals Befehle, Koenige wuenschen. Und da Koenige nicht allein, sondern stets von ihren Edlen umgeben sind, gibt es genug Prinzen, die die Wuensche wahr werden lassen. Geht die Sache ins Auge, tragen Prinzen die Schuld, das ist ihre vornehmste Aufgabe. Koenige nie.

Man kann das im Falle von Leila de Lima sehen, die derzeit in Haft ist wegen moeglicher Verbindung zum Drogenhandel. Duterte hat sie nicht eingesperrt, aber sein ehemaliger Justiz-Minister Vitaliano Aguirre hat sich der Sache angenommen, und jetzt sitzt sie. Man kann das im Falle von Maria Lourdes Sereno sehen. Duterte hat sie nicht gefeuert, sondern General Staatsanwalt Jose Calida folgte einem Hinweis in einer Kolumne von Rigoberto Tiglao und reichte nach den Ermittlungen beim Obersten Gericht Klage ein, das die Fake-Kollegin vor die Tuer setzte. Dass man die Gunst des Koenigs auch verlieren kann, zeigt die Tatsache, dass Aguirre nicht mehr Justiz-Minister ist. So ist das nun mal bei Hofe.

Duterte als Vater des Vaterlandes.

Duterte ist ein friedliebender Mensch, und als solcher reichte er mit Amtsantritt allen die Hand zum Frieden. Mit den Moros scheint das gut zu gehen, mit den Kommunisten ist die Frage derzeit offen, und gegenueber China hat er eine historische Wende eingeleitet. Statt sich als kriegerischer Partner der aggressiven US-Politik anzuschlieszen, sucht er Verstaendigung mit dem groeszten Nachbarn und – hat Erfolg. Das passt aber nicht in das Weltmacht-Denken der USA, und deshalb hat er dort verschissen. Die westliche Presse laesst kein gutes Haar an ihm, und weil man ihm Friedlichkeit schlecht vorwerfen kann, muss der Drogenkrieg herhalten. Von der Opposition mit falschen Daten und Geschichten gefuettert taucht Duterte im Westen nur als um sich schieszender Mordbrenner auf. Anfangs habe ich mich daruber aufgeregt, inzwischen geht es mir am Arsch vorbei. Ich weisz, dass Duterte sich um die Menschen hier kuemmert, und, wie gerade die Kuwait-Affaere zeigt, auch um Filipinos, die im Ausland arbeiten. Er ist nun mal Vater des Vaterlandes und kein Praesident einer Partei, der sich nicht darum schert die Gesundheit von 800 Tsd Kindern zu gefaehrden, nur um seiner Partei einen Vorteil im Wahlkampf zu verschaffen, der dann nicht mal gegriffen hat.

 



 

Duterte als Law and Order-Mann.

Duterte haelt sich an das Gesetz. Er respektiert die Entscheidungen von Gerichten und gesetzlichen Institutionen. So hat er nicht, was zuvor Praxis gewesen sein soll, Minister einfach wieder ernannt, die von der Bestaetigungs-Kommission abgelehnt wurden. Raus ist raus. Und er entlaesst auch engste Mitarbeiter, wenn sie sich nur des Verdachts der Korruption aussetzen. Das tut ihm menschlich Leid, wenn solche dabei, die ihn erst zur Kandidatur ueberredet haben. Aber “Cronies” gibt es bei ihm nicht – das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz. Und was den Drogenkrieg angeht, der nach Meinung von Opposition und Menschenrechtlern weltweit ein Voelkermord an den Aermsten der Gesellschaft ist, so habe ich in allen Reden des Praesidenten, wenn er ueber den Kampf der Polizei gegen die Drogen sprach, den Spruch “zu schieszen” immer nur mit dem Zusatz gehoert “wenn euer Leben in Gefahr ist”. Diesen Zusatz hat die oppositionelle Presse gern mal weggelassen. Und, was die Leichen angeht, die sich jede Nacht auf den Straszen hier sammeln: ich hab grad wieder aus dem Fenster geschaut – da liegt keine rum.

Ich glaube nicht, mit diesen drei Aspekten Duterte schon verstanden zu haben. Jemanden zu verstehen ist keine Sache, die einen selbst unberuehrt laesst. Ich habe es einigen Besuchern schon mal gesagt. Wenn man aus dem Westen hierherkommt, dann aendert man sich, oder man geht zurueck. Man muss sich auf den anderen einlassen, sich von ihm durch dessen Geschichten fuehren lassen und mitgehen, will man ihn verstehen und sich nicht nur eigene Vorurteile bestaetigen lassen.

Ich bin nicht mehr der, der vor sieben Jahren hierherkam, und deshalb will ich mich auch nicht mehr um das Bild Dutertes im Ausland kuemmern. Es regt mich nur noch auf, und da die eh nichts lesen, was nicht in ihr Bild passt, lohnt es sich auch nicht, fuer sie zu schreiben. Was grad wieder zu lesen war, dass der Rausschmiss der Fake-Richterin Sereno eine Gefahr fuer die Demokratie sei, ist zu albern, darauf ueberhaupt einzugehen – es wurde Recht gesprochen, wie sich das in einem Rechtsstaat gehoert.

Ich werde mich weiter bemuehen, doch werde ich vermutlich nicht mehr taeglich dazu schreiben. Ich merke, dass ich mich wiederhole, und das macht keinen Spasz. Es geht mir nicht um die Nachrichten, das machen andere besser. Ich will meine Nachbarn verstehen.



 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.