…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 27. März 2018

 

 

Zur Weltpolitik – In seiner Kolumne in “The Manila Times” macht Yen Makabenta auf Veraenderungen aufmerksam, die Auswirkungen auf die Philippinen haben koennten. Die Drohung der USA den UN-Menschenrechts-Rat zu verlassen und die Ernennung des als aggressiv verrufenen John Bolton zum Nationalen Sicherheits-Berater sieht Richard Harris, Praesident des Rates fuer Auswaertige Beziehungen in den USA, als Zeichen, dass die Liberale Welt-Ordnung in Gefahr ist, deren Garant die USA bisher waren.

In der “Welt” schreiben Christoph Schiltz und Pavel Lokshin, dass 14 EU-Staaten, darunter auch Deutschland, russische Diplomaten wegen des Giftangriffs auf den frueheren russischen Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter ausweisen wollen. Damit sei es Putin gelungen, die EU zu spalten und – nach dem Grundsatz “divide et impera ~ teile und herrsche” – eben zu schwaechen. Die USA wollen 60 Diplomaten ausweisen. Zu den Philippinen habe ich keinen Hinweis gefunden, dass sie sich an dieser Russland-Schelte beteiligen wollen.

In “Eurasia Future” beobachtet Adam Garrie eine China-Angst (sinophobia) in europaeischen Laendern, die er derart festmacht: “Wenn es um Chinesen geht, regen sich viele ueber die Tatsache auf, dass selbst in Gesellschaften, in denen die Chinesen eine Minderheit sind, sie sich historisch hervortun als Wissenschaftler, Ingenieure, kleine Geschaeftsleute und in einer Zahl anderer generell respektierter Felder.” Es sei ein aehnlicher Neid gewesen, der in den 30er Jahren in Deutschland zum Genozid an den europaeischen Juden fuehrte. Einen Chinesen-Genozid wird es kaum geben, aber Garrie meint, dass es doch ein Punkt waere fuer die westlichen Laender darueber nachzudenken, warum die Chinesen erfolgreicher sind. Sie als “unfair” zu bezeichnen und weltpolitisch in der Manier von US-Praesident Donald Trump einen Handelskrieg anzuzetteln, ist sicher keine Loesung.



In “The Straits Times” berichtet Danson Cheong, dass die Oekonomin Linda Lim von der University of Michigan bei einem Seminar in Singapur einen Vortrag hielt, in dem sie sich mit dem chinesischen Projekt “Neue Seidenstrasze” befasste, auch “Belt and Road Initiative” genannt, weil das Projekt einen Seeweg durch das Suedchinesische Meer und einen Landweg quer durch Asien von China nach Europa beinhaltet. Sie meint, dass das Projekt ein “neues Narrativ” braucht, denn es sei schwer fuer Investoren, da Geld zu machen, und politisch hat es China eher unpopulaer gemacht. So konnte Sri Lanka Kredite nicht zurueckzahlen und musste eine staatseigene Firma an die Chinesen abtreten. In Myanmar gab es Proteste wegen sozialer Aspekte. Entgegen Versprechungen schufen die Projekte keine Arbeit fuer die Einheimischen, sondern die Chinesen brachten alle Arbeiter auch gleich mit, “100 Prozent des Stabes … bis runter zum Koch.” Das muesse sich aendern.

Auf das Eintreffen chinesischer Investoren wartet dagegen Richard Heydarian in einem Beitrag fuer das “Forbes”-Magazin. Was die Wirtschaft angehe, so sieht er als Haupt-Investoren in den Philippinen die USA, Japan und die EU, “Festland China macht bisher nur eine groeszere Delle in der Investitions-Landschaft des Landes.” Man muesse abwarten, ob der Rhetorik Chinas, die ja ein “goldenes Zeitalter” ankuendigte, nun auch Investitionen folgen.

Ich habe diese Meldungen ziemlich unverbunden hier aufgereiht, die aber eines gemeinsam haben, was Makabenta ja auch bemerkte: die Welt um uns herum aendert sich. Tonangebend sind nicht mehr die USA, da mag Trump so laut toenen wie er will, sondern es sind die USA, Russland, China und die EU, an denen ASEAN, und damit die Philippinen, sich orientieren und ihre eigene Position finden muessen. Und die von den USA garantierte Liberale Welt-Ordnung, die Harris in Gefahr sieht, existiert jetzt schon nicht mehr, da Trump gerade einen Handelskrieg gegen China anzettelt. China sieht dagegen sich im Duo mit der EU als kuenftiges Welt-Zentrum, wie an dem Projekt “Neue Seidenstrasze” abzulesen ist, das beide Zentren verknuepfen soll.

Die EU, meiner Meinung nach zu schnell zu grosz geworden, muss aufpassen, dass sie nicht zerfaellt. Dafuer ist der Brexit gar nicht mal maszgeblich, die Briten sind eh nur beigetreten, damit die EU nicht zu maechtig wird, und als sich das nicht verhindern liesz, sind sie ausgetreten – sie leiden immer noch unter ihrer Kontinental-Phobie. Wichtiger sind Selbst-Spaltungen der EU wie in der Skripal-Affaere, nicht alle stehen hinter den Ausweisungen von Diplomaten. Oder die Verhaftung des Separatisten-Fuehrers Carles Puigdemont. Was will Deutschland mit dem jetzt anfangen, ohne sich mit Spanien zu zerstreiten?

Die westliche Welt muss sich insgesamt daran gewoehnen, dass man mit den Chinesen zu rechnen hat, und dass man ihnen nicht nur niedere Taetigkeiten ueberlassen kann – wie “Gastarbeiter”, die in Heimarbeit anschaffen – sondern dass man selbst wohl ein bisschen “chinesischer” werden muss, um wirtschaftlich da mithalten zu koennen.

Die Chinesen muessen darauf achten, dass sie nicht auf die westliche Kolonial-Politik des 18. und 19. Jahrhunderts zurueckfallen, die meint, dass der Rest der Welt zur Ausbeutung offen ist. Wenn sie bei ihren Auslands-Projekten die dort Einheimischen nicht einbeziehen, werden sie damit nicht so weit kommen, wie sie sich das wuenschen koennten.

Und damit bin ich bei den Philippinen.

Sie duerfen das nicht mit sich machen lassen und den Chinesen, wenn die Investitionen denn mal kommen, gegenueber genauso die Zaehne zeigen, wie sie das den USA und der EU gegenueber getan haben, und sich nicht von der Rhetorik vom “goldenen Zeitalter” beduseln lassen.

Zur Innenpolitik – Praesident Rodrigo Roa Duterte hat ein vordringliches Ziel zur Zeit, das BBL (Bangsamoro Basic Law). “Ich will da ein Resultat bis zum Ende des Jahres”, sagte er am Montag in Jolo, Sulu, wo er bei der Vorstellung von Ex-Rebellen der Abu Sayyaf war, die sich der Armee ergeben hatten. Zu ihnen sagte er: “Ich bin euch nicht boese. Ich bin Abu Sayyaf nicht boese. Ich verstehe die Situation. … Wenn es einen Weg gibt, wie ich euch helfen kann, helft mir durch die Nacht meiner Praesidentschaft. Ich waere wirklich dankbar, denn ich will nichts als den Frieden fuer die Moros in Mindanao.

Und der soll mit dem BBL kommen, ueber dessen Bedeutung ich oft genug geschrieben habe, das muss ich nicht wiederholen. So ist wichtiger, welche Gedanken Duterte sich dazu zur Zeit macht: “Das ist mein Problem waehrend das BBL im Kongress ist. Wenn die Zeit kommt, wer wird das beaufsichtigen? Handeln sie aus sich selbst oder bestimmen sie eine regierende Autoritaet, und wer koennte das sein?

Nur Misuari von der MNLF (Moro National Liberation Front) will sich zur Ruhe setzen, wie ich am Sonntag schrieb, aber – tut er das auch? Und wenn, wer kommt danach? Wer sind fuehrenden Koepfe bei der MILF (Moro Islamic Liberation Front), die eher die treibende Kraft in den Gespraechen war, wo Misuari fuer Unruhe sorgte?

Man wird es grosz feiern, wenn das BBL durch ist, das ist keine Frage. Ob damit dann auch der Frieden in Mindanao ausbricht dagegen schon.



Gemaesz “ManilaTimes”, “Welt”, “StraitsTimes”, “Forbes”, “CNNPhil” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.