…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 11. Februar 2018

 

Nachklapp – Wer schreibt, der fuehrt den Leser durch dessen eigene Geschichten um ihn an den Punkt zu bringen, von dem aus der die Sache sehen kann, die der Autor ihn sehen machen will. Der Autor ist so wie der Blindenhund, der darauf achten muss, dass Herrchen oder Frauchen sich nicht den Kopf einrennt. Er soll Fuehrer, aber nicht Verfuehrer sein. Nachdem ich mich gestern ziemlich aufgeregt und fuer meinen eigenen Geschmack zu sehr Partei ergriffen habe, versuche ich es heute philippinisch mit zuversichtlicher Ignoranz, oder anders: “Bahala na! ~ Was soll’s!

Die “Manila Times”… – …steht bei mir jeden Morgen am Anfang der Lektuere, weil ich mich dabei – im eben beschriebenen Sinne – gut gefuehrt fuehle durch kompetente Journalisten und Kolumnisten, die Zusammenhaenge aufzeigen koennen. Daher beginne ich heute mit einer Nachricht, die eher eine Privat-Angelegenheit der “Manila Times” ist. Doch nachdem im Januar der “Inquirer” die Anti-Duterte-Bloggerin Jover Laurio, sie betreibt die Web-Seite “Pinoy Ako Blog”, zum “Filipino of the Year” gekuert hat, und ich das erwaehnt habe, darf ich heute auch erzaehlen, dass die “Manila Times” die Soldaten, die in Marawi gekaempft und die Stadt in einem fuenf Monate waehrenden Kampf von Maute/IS befreit haben, gemeinschaftlich zum “Man of the Year” ernannt hat. Der Preis wurde im Rahmen des “Manila Times 7th Business Forum” im Marco Polo Hotel in Davao an Armee-Chef General Rey Leonardo Guerrero uebergeben.

In den Zusammenhang passt die Meldung, dass der Chef der Task Force “Bangon Marawi ~ Aufbau Marawi”, Falconi Ace Millar, am Freitag vor der Presse in Malacañang sagte, dass die Bemuehungen der Regierung zum Wiederaufbau der zerstoerten Stadt bis Ende 2021 abgeschlossen sein sollen. China und Malaysia haben Interesse angemeldet, sich an der Planung zu beteiligen. Die EU hat sich nicht mehr gemeldet, nachdem Praesident Rodrigo Roa Duterte ihr Angebot wegen daran geknuepfter Bedingungen abgelehnt hatte.

Der Bann bleibt… – …den der Praesident zur Entsendung von OFWs (Oversea Filippino Workers) nach Kuwait ausgesprochen hat, und eine entsprechende Meldung von “Agence France-Press” hat es unter der Ueberschrift “Ist da etwas falsch mit eurer Kultur?” als Frage an die Kuwaitis auch in die “South China Morning Post” gebracht. Auf der anderen Seite schlaegt der Praesident sich aber auch mit dem Gedanken herum, nach Kuwait zu fliegen und dort bei der Regierung persoenlich vorstellig zu werden und um den Schutz der OFWs zu bitten.

Ganz abgesehen von den Misshandlungen und Verbrechen, die geahndet werden muessen, hat die Sache mehrere Seiten. Die 250 Tsd Arbeiter sind Teil der 10 Mio OFWs, die einen guten Teil des Geldes erwirtschaften, das in die Philippinen ueberwiesen eben hier ausgegeben wird und die Wirtschaft ankurbelt. Und zwar haben sich auch 800 OFWs in Kuwait gemeldet, die zurueck in die Heimat wollen, weil das Vertrags-System dort sie praktisch zu Muendeln der Arbeitgeber macht: ohne ihn duerfen sie nichts tun, nicht einmal kuendigen. Das unterscheidet sich nicht arg von Sklaverei, und hier wird kritisiert, dass Kuwait ein MOU (Memorandum of Understanding) zum Schutz der OFWs von Kuwait bisher nicht unterzeichnet hat, obwohl es ihnen seit 3 Jahren vorliegt.

Auf der anderen Seite wollen aber viele OFWs auch nicht zurueck, weil sie hier nicht das Geld verdienen koennen, das sie in den Golf-Staaten bekommen. Eine Nichte meiner Frau ist nun auch grad wieder als Krankenschwester nach Dubai gegangen – wenigstens ist das nicht Kuwait. Und das Problem spricht der Leitartikel der “Manila Times” an unter der Ueberschrift “Die Geiszel schlagen, die OFWs hervorbringt”. Der Leitartikler schreibt: “wenn schon fuer mehrere Generationen die hiesige Wirtschaft versagt hat, seine faehigen Arbeiter mit stabilen, eintraeglichen Anstellungen zu versorgen; wenn sie scheiterte, ihre Arbeiterschaft zu erziehen und auszubilden, um ihre Faehigkeiten kontinuierlich zu entwickeln und ihren Verstand zu schaerfen fuer den hiesigen und globalen Wettbewerb; wenn sie es nicht schaffte, einen groeszeren Teil der Bevoelkerung fuer Unternehmertum zu ermutigen, auszubilden und zu unterstuetzen, um im Land erfolgreiche Geschaefte zu gruenden – dann ist das Ergebnis ein dienendes Leben in Anstellung bei den wenigen Mitgliedern der hiesigen Elite, oder eine philippinische Diaspora von Millionen armer Arbeitssuchender auf der Suche nach einem besseren Leben fuer sich und ihre Familien.

Arbeit im Land wuerde nicht nur das Problem der OFWs loesen, deren Familien unter der Trennung leiden, und die oft nicht wissen, was mit ihrem sauer verdienten Geld hier angestellt wird. Arbeit koennte auch dem Terrorismus im Lande den Nachschub an Kraeften abgraben, die mit Handgeld gelockt werden, seien die Werber islamistisch oder kommunistisch angehaucht. Ganz zu schweigen vom Drogenproblem, auch da hilft, wenn die Anfaelligen erstmal “von der Strasze weg sind.

Die kanadischen Hubschrauber… – …haben es bis in die “Straits Times” gebracht. Ungeachtet der Ankuendigung Dutertes, den Vertrag zu canceln und woanders einzukaufen, will Premier-Minister Justin Trudeau die Angelegenheit nochmal ueberpruefen: “Die Verlautbarungen, die wir aus den Philippinen ueber den moeglichen Gebrauch dieser Hubschrauber bekommen haben, waren uns Anlass dem nachzugehen, und genau das tun wir im Moment.

Ueberzogene Reaktion – In einer typisch bombastischen Rede Freitag Nacht, ein Tag nachdem der ICC [International Criminal Court] eine Voruntersuchung ankuendigte zu angeblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, hat Duterte seine Drohung erneuert sich aus dieser Welt-Gerichtsbarkeit zurueckzuziehen…” beginnt eine “Agence France-Press”-Meldung in der “Manila Times”, und der Praesident meint: “Es gibt keine verfickten Bestimmungen zu ‘extrajudicial killings’. Das ist nirgends definiert, wie koennt ihr mich da eines Verbrechens anklagen?

Das weist zwar auf den Grundsatz des Richters und Rechtsgelehrten Anselm von Feuerbach hin, “nulla poene sine lege ~ keine Strafe ohne Gesetz”, wonach nicht bestraft werden kann, was nicht zuvor per Gesetz verboten wurde, es geht aber auch an der Sache vorbei. Und voellig daneben ist, wenn er der Chef-Anklaegerin Fatou Bensouda droht: “Du wirst schon sehen. Du wirst deine Quittung kriegen.

Aehnlich daemlich ist die Aeuszerung von Senator Vicente Sotto in einem Radio-Interview: “Wenn ihr sagt ‘Verbrechen gegen die Menschheit’, wer soll die erwaehnte Menschheit sein? Werden Drogen-Pusher und vernagelte Drogen-User als Teil der Menschheit betrachtet?” Da man in einem Radio-Interview – ein mono-direktionales Kommunikations-System – ja keine Antwort bekommt, trage ich sie hier nach: “Ja, Herr Senator!

Die Menschheit hat sich immer und ueberall ein Rechtssystem gegeben, um dem Handeln der Menschen untereinander einen Rahmen zu setzen. Deshalb kriegt jeder Angeklagte auch einen Rechts-Anwalt, der dafuer sorgt, dass dieser Rahmen gewahrt wird. Und wenn ein Zeuge, wie neulich der Vater einer der US-Turnerinnen, die von ihrem Trainer missbraucht wurde, dem im Gericht an den Kragen will, dann wird das zu Recht verhindert und geahndet. So geht das nicht, bei allem Verstaendnis, das man fuer den aufgebrachten Vater aufbringen mag. Und Dutertes Drohung hat es so auch bis in die Auslandspresse geschafft: in der “South China Morning Post” ist zu lesen, dass er der Chef-Anklaegerin gedroht hat. Das sollte nicht sein.

Angemessener ist die Raektion von Jose Luis Gascon, Chef der CHR (Commission on Human Rights), obwohl mir der Kerl ansonsten ziemlich auf den Keks geht, der zusagte, mit dem ICC bei dessen Voruntersuchung zu kooperieren.

Das sollte Duterte auch tun.

Er hat nie einen Befehl gegeben, arme Leute zu erschieszen. Er hat der Polizei gesagt, nur auf den Mann zu schieszen, “wenn euer Leben in Gefahr ist” – ich hab das mehrfach im TV selbst gehoert, auch wenn es in der Presse dann nicht immer mit diesem Nebensatz zitiert wurde. Er hat der Polizei zweimal das Heft im Drogenkrieg aus der Hand genommen, damit die sich reformiere. Dass er nur diese eine Polizei hat, sollte nicht gegen ihn verwendet werden, und gegen Polizisten, die gemordet haben laufen Verfahren vor ordentlichen Gerichten. Und vor dem Ombudsmann ist eine Untersuchung zu den “extrajudicial killings” anhaengig.

Also, warum die Aufregung?

Ein bisschen “zuversichtliche Ignoranz” stuende auch Praesident Duterte besser zu Gesicht.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin”, “SCMP”, “StraitsTimes”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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