…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 17. März 2018

 

Das Loch in der Wand – In “NewsNight” brachte Pia Hontiveros gestern bei “CNNPhil” einen Bericht, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte ueber die Nachricht, dass die Faelle gegen Kerwin Espinosa, Peter Lim & Co. eingestellt wurden, derart sauer war, dass er mit der Faust gegen die Wand schlug, in der es dann ein Loch gab. Dazu eingeblendet wurde Polizei-General Ronald “Bato” dela Rosa, der das bestaetigte. Ferner wurde ein Bild von Duterte mit geschwollener Hand bei einer Sitzung am naechsten Tag gezeigt.

Ich hab die Nachricht heute morgen nirgends gefunden, denn ich hab es gern schriftlich und aus mehr als einer Quelle. Bei dem Englisch-Tagalog-Mix, der hier ueblich ist, brauch ich ab und zu auch einen Blick in meine Lexika, und eine Nachricht aus nur einer Quelle macht mich vorsichtig. Zudem habe ich kein Bild von dem Loch in der Wand gesehen, welches Loch sicher in kuenftige Geschichtsbuecher eingehen wird, so wie der Tintenfleck an einer Wand in der Wartbug, der angeblich entstand, als Martin Luther ein Tintenfass nach dem Teufel warf. Aber, sind die Waende in Malacañang wirklich so duenn, dass man mit der Faust ein Loch da reinschlagen kann? Ist das kein Sicherheits-Problem?

Wie auch immer. Zwei Dinge sind hier interessant.

Erstens ist Praesident Duterte zur Zeit tatsaechlich unzufrieden mit seinem Kabinett, wie er kuerzlich bei einem Treffen mit geladenen Journalisten der groszen Blaetter sagt, und das ist heute auch die Schlagzeile der “Manila Times”. Aenderungen dort in Kuerze sollten nicht ueberraschen. Bei dem Treffen nach seiner Arbeit fast zwei Jahre als Praesident gefragt, sagte er: “It’s a killing job.” Er wird auf keine Art seine Amtszeit verlaengern, und wenn wirklich 2020 eine Foederale Verfassung kommt, trete er zurueck. Die Gefahr, dass er damit nur seine Amtszeit verlaengern will, sieht nur die Opposition, die da von sich selbst auf andere schlieszt. In “EurasiaFuture” schreibt Adam Garrie dazu, dass in den Philippinen die Leute die eine Verfassungs-Reform fuerchten die sind, die keinen Rueckhalt im Volk haben. Der Gelbe Kult wurde mit Geld und vermutlich Wahlbetrug an die Macht gebracht. Das Volk will die aber nicht, es hat ja auch anders gewaehlt, und Garrie schreibt: “Dutertes Gegner haben Angst vor einem solchen System. Der Grund dafuer ist leicht genug zu sehen – was sie wirklich fuerchten ist die Aussicht ihrer fehlenden Popularitaet in’s Gesicht sehen zu muessen.

Zweitens ist an dieser Meldung interessant, womit sich Yen Makabenta in seiner Kolumne in “The Manila Times” befasst: “Luegen verbreiten sich schneller als die Wahrheit.” Das ist nicht neu, meint er und zitiert Jonathan Swift: “Das Falsche fliegt, und das Wahre humpelt hinterher”. (Mir faellt da alternativ auch Mark Twain ein: “Die Luege ist schon um die Welt, wenn die Wahrheit sich noch die Schuhe anzieht.”) Doch nun gibt es eine wissenschaftliche Studie, die ueber 10 Jahre hinweg 126 Tsd Meldungen in Twitter verfolgt hat und zu diesem Ergebnis kommt, egal um welches Gebiet es sich handelt: Business, Terrorismus, Wissenschaft, Unterhaltung oder Politik. Das unterscheidet sich nicht, und es darf angenommen werden, dass das Ergebnis auch fuer facebook und andere Social Media gilt. Der Leiter der Studie, Soroush Vosoughi vom MIT (Massachusetts Institute of Technology), meint: “Es ist ziemlich klar, dass falsche Information die wahre Information bei weitem schlaegt. Und das liegt nicht an Bots. Es scheint etwas mit der menschlichen Natur zu tun zu haben.

Da Vosoughi nicht weiter sagt, was das mit der menschlichen Natur zu tun hat, und Makabenta das Thema auch nicht aufgreift – hier eben meine eigene Meinung dazu.

Das Falsche ist neu.

Wahrheiten sind ziemlich fad, weil meist alles so laeuft, wie es immer laeuft. Tausend Leute wissen das, ich auch, und wenn mir einer erzaehlt, was ich schon weisz, und von dem ich annehme, dass meine Bekannten das auch schon wissen – weshalb sollte ich das verbreiten? Wenn es aber neu ist – das ist erstmal interessant, und vorsichtshalber erzaehlt man es weiter. Unter anderem auch, um eventuell ein Feedback zu bekommen, sei es bestaetigend oder auch nicht. Nun ist die “like”-Reaktion aber viel einfacher, als mit einer Handvoll Worten etwas als falsch aufzuzeigen. Wer treibt den Aufwand schon?

Social Media bauen ganz fest auf diesen Aspekt der menschlichen Natur, und deshalb wird, wer sich auf Social Media einlaesst, damit leben muessen, dass er sich einer Welt von Luegen bewegt. Muessten Twitter, facebook & Co. naemlich fuer die Luegen geradestehen, die sie veroeffentlichen, wie das bei Zeitungen der Fall ist, dann waeren sie bald weg vom Fenster. Waere doch schade um das schoene Anzeigen-Geschaeft – gell?

Kommen wir auf das Loch in der Wand zurueck. Egal, ob es da ist oder nicht, die Legende lebt, und wenn Duterte seine Zeit hinter sich hat und, auch wenn er jetzt einen kleinen Durchhaenger hat, seine Ziele halbwegs erreicht, so wird von diesem Loch die Rede sein als sichtbares Zeichen, wie sehr er sich bis hin zur Selbstverstuemmelung in sein Amt gestuerzt hat. Und wenn dann, in zwanzig, dreiszig Jahren, eine Schulklasse durch Malacañang gefuehrt wird, dann wird der Fuehrer den Schuelern das Loch zeigen – und wenn er es selbst vor ein paar Jahren mit dem Hammer in die Wand geschlagen hat. Ganz so wie dieser Tintenfleck in der Wartburg, von dem niemand weisz, ob er nicht “entstanden” ist, als Goethe ihn als erster gesehen haben will. Vorher wusste keiner was davon – war halt mal was Neues.

Jojo Robles wundert sich… – …in seiner Kolumne in “The Manila Times”, warum Ex-Praesident Benigno Aquino bei der Comelec-Untersuchung, in der es darum geht, ob die Dengvaxia-Impfung unzulaessig in der Wahlkampf-Zeit lag, lang und breit Grafiken vorzeigt, warum er dem Dengvaxia-Programm zugestimmt hat. Es haette gereicht, zu zeigen, dass die Entscheidungen vor den 60- und 45-Tage Bann-Zeiten lagen. Kein Mensch hatte, bei dieser Untersuchung, nach dem Warum gefragt. Warum bringt Aquino es dann?

Er will seine wahren Motive verschleiern, meint Robles, dass naemlich Dengvaxia ein Abschieds-Geschenk fuer sich, Janette Garin und andere war. Deshalb luegt er nun und stilisiert Dengvaxia zu der groeszten Gefahr der Philippinen hoch. Das ist gelogen. Zum einen gehoerte Dengue nicht einmal zu den 10 haeufigsten Todesursachen hier, und zum anderen erinnert Robles sich nicht, dass Aquino bei der Einfuehrung der Impfung diese Gefahr auch nur ein einziges Mal erwaehnt haette. Dengvaxia war ein “goldener Fallschirm” fuer ihn und die Aquino-Gang, meint Robles. ”Und der einizge Grund, warum Noynoy und seine Freunde immer noch nicht im Gefaengnis sind fuer Ueberwachung und Einfuehrung des verdaechtigen Impf-Programmes, denke ich, liegt daran, dass die richtigen Klagen gegen ihn noch nicht erhoben wurden. Sie werden erhoben werden, aber erst im Juli nach dem Ausscheiden von Noynoys gesetzlichem Chef-Beschuetzer, Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales.



Gemaesz “CNNPhil”, “PhilStar”, “EurasiaFuture”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.