…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 22. Oktober 2017 

 

Das Bild des Drogenkrieges… – …definierte der “Inquirer”, als er  am 24. Juli 2016 mit dem Gebot “Thou shalt not kill” ein Foto auf der Titelseite brachte, auf dem Jennelyn Olaires mit dem leblosen Koerper ihres ermordeten Lebensgefaehrten Michael Siaron zu sehen ist. Ihre Haltung aehnelt Michelangelos Skulptur “Pieta”, in der Maria den Leichnam ihres Sohnes Jesus in Armen haelt.

Wer mit diesem bekanntesten der Zehn Gebote gemeint war, war unausgesprochen klar: Praesident Rodrigo Roa Duterte, stellvertretend fuer die PNP (Philippine National Police) im Drogenkrieg. Duterte wehrte sich gegen diesen Anwurf mit den Worten: “Da liegst du auf den Boden gestuerzt, und wirst dargestellt in einem Bild wie Mutter Maria, die den toten Leib ihres Sohnes Jesus Christus wiegt. Das ist das, was ich daran fuer melodramatisch halte.” Die Welt sah das nicht melodramatisch, sondern als das Bild des Drogenkrieges und heftete den Namen Duterte daran. “The New York Times” brachte mit dem Foto einen Bericht zum Anstieg der Toetungen im Gefolge des Drogenkrieges, das “Time”-Magazin folgte, und in “Zeit”-Online erschien ein Artikel mit dem Titel “Im Rausch der Selbstjustiz”.



Gestern gab Malacañang bekannt, dass die Polizei den Moerder von Michael Siaron identifiziert hat. Ein gewisser Nesty Santiago, Mitglied eines Syndikats, das fuer Raub, Autodiebstahl, Auftragsmord und Drogenhandel bekannt ist.

Der Sprecher des Praesidenten, Ernesto Abella, sagte: “Der Fall Siaron beweist, was die Regierung von Beginn der Kampagne gegen Drogen an gesagt hat: Viele dieser Morde wurden veruebt von solchen, die selbst in Drogen verwickelt sind; Drogenhaendler und Pusher vernichten sich gegenseitig. … Die anhaltende Zuordnung solcher Morde zu Polizei-Operationen war sowohl verfrueht als auch unfair gegenueber den gesetzestreuen Polizei-Beamten, die Leib und Leben riskieren, um die Verbreitung von Drogen in unserer Gesellschaft zu vermeiden.

Vor dem Hintergrund dieses populaeren Bildes nebst “erlaeuternden” Artikeln in der westlichen Presse, reiste Senatorin Leila de Lima im Dezember 2016 um die Welt, kam auch nach Berlin zur “Annual Conference on Cultural Diplomacy”, angeblich, wie sie damals vorab sagte, um fuer die “Unterstuetzung fuer Menschenrechte zu sprechen, ein Mandat das ich leidenschaftlich verfolge”. Bei der Konferenz begann sie ihre Rede mit den Worten: “Im Mai diesen Jahres haben 16 Millionen Filipinos einen erklaerten Serien-Moerder zum Praesidenten gewaehlt.” Mit dem Bild von Olaires und Siaron, das weltweit jeder vor Augen hatte, hat man ihr das damals vermutlich glatt abgenommen.

Kann man das heute immer noch so sehen, oder wird de Lima sich nun entschuldigen? Das war ‘ne rhetorische Frage. Aber was ist mit den Journalisten, die das Bild Duterte angehaengt haben – was werden die tun?

Nehmen wir zum Beispiel Vanessa Vu, jene Autorin des “Zeit”-Artikels, der mit den Worten begann “Auf den Straszen der Philippinen sammeln sich jede Nacht die Leichen.” Ich nehme an, dass Frau Vu nie in den Philippinen war, aus eigener Anschauung konnte sie das nicht haben, doch sie schrieb in dem Stil ihren Artikel und twitterte erfreut: “Endlich mal ueber Suedostasien geschrieben”.

Ich weisz, es ist gemein, sich einen rauszugreifen, wo die ganze Welt Mist geschrieben hat. Warum ausgerechnet Frau Vu?

Nun, es gibt den Rat von Psychologen, wenn etwas geschehen ist, man sucht Hilfe und da stehen eine Menge Leute rum, die nichts tun, dann soll man nicht “Hilfe!” rufen, denn dann fuehlt sich keiner angesprochen. Man sollte besser sagen: “Du mit dem roten T-Shirt und dem Handy – ruf die Polizei!

Man muss vereinzeln um zu treffen.

Genau das hat die Weltpresse getan, als sie sich Duterte ausgeguckt hat. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Tut mir Leid fuer Frau Vu, ist nicht persoenlich gemeint, aber ich hab nun mal ihren Artikel gelesen, und laut Autoren-Verzeichnis der “Zeit” haelt sie den selbst immer noch fuer ihren wichtigsten Artikel, oder wenigstens steht er ganz oben in dieser Liste, wenn man sie googelt.

Ich weisz, Frau Vu wird dies nicht lesen. Sie haelt sich an das, was Agenturen verbreiten, und das peppt sie auf, damit es in ihr Weltbild passt. Das ist legitim, ich mach das auch. Jeder schnitzt sich seine Welt selbst zurecht.

Meine Welt sind seit 2011 die Philippinen, und mir missfaellt dieses Bild, seit der “Inquirer” es im Juli 2016 auf die Titelseite gebracht hat. Es ist kein Fake-Bild. Irgendwer war da und hat auf den Ausloeser gedrueckt. Aber es ist ein falsches Bild der Philippinen, das dort in die Welt gesetzt wurde.

Kann der Sprecher des Praesidenten das wieder aus der Welt schaffen? Ich meine, der arme Kerl redet sich den Mund fusselig – aber ich weisz nicht, ob man Bilder aus Hirnen loeschen kann.

Wir werden damit leben muessen.

Gemaesz “GMANews”, “ManilaBulletin”, “Inquirer”, “ManilaStandard”, “PhilStar” u.a.

 

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.