…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 17. Dezember 2017

 

Spitzenreiter… – …in den Nachrichten ist der Sturm “Urduya”, internationaler Name “Kai Tak”, der im Moment die Visayas unter Wasser setzt und es auch in die “Straits Times” und die “South China Morning Post” geschafft hat. Mit dem Wetter befassen sich andere ausfuehrlich, und so nehme ich mir den zweiten “Spitzenreiter” vor, der es immerhin bis in die “South China…” geschafft hat.



Die Philippinen sind Spitzenreiter in Morden wegen Streitereien um Land-Rechte. Von Januar bis November des Jahres wurden in den Philippinen 61 Menschen ermordet, sagt PANAP (PAN Asia Pacific), eine Gruppe die sich fuer Frauen, Landarbeiter, Paechter und indigene Bauern einsetzt. “Runner up” ist Brasilien mit 22 Morden aus diesen Gruenden.

Das Thema ist mir nicht neu. Vor ein paar Jahren gab es einen Vorfall hier in GenSan nur eine Straszenecke weiter. Zwei Taeter, “riding in tandem”, ueberholten ein SUV und schossen auf den Fahrer. Der war nicht sofort tot, sondern raste hinter denen her, fuhr sie an einer Kreuzung ueber den Haufen und in eine Karenderia hinein. Der Fahrer starb an den Schusswunden, die beiden Taeter an ihren Verletzungen, und einige Gaeste, die dort aszen, mussten auch ins Krankenhaus. Grund der Attacke – Streit wegen Land. Ich lernte damals Visayan und nahm als Beispielsatz fuer “yuta ~ Land” in mein Lexikon: “’Unsay ilang giawayan?’ ‘Bahin sa ilang yuta.’ ~ ‘Worueber streiten sie?’ ‘Ueber ihr Land.’

Nun waere auch das kein Thema fuer mich – ist halt so, kann man nur mit den Schultern zucken – waere da nicht so ein schraeger Unterton in den Verlautbarungen von PANAP: “In der Tat befuerchten Menschenrechts- und Bauern-Organsationen das Schlimmste, da Praesident Rodrigo Duterte die Friedensgespraeche beendet hat und ein Durchgreifen bei Organisationen erklaert hat, die Menschen- und Land-Rechte verteidigen.

Ich kann mich an eine Erklaerung gegen CPP (Communist Party of the Philippines) und NPA (New People’s Army) erinnern – Proclamation No. 374 vom 5. Dezember 2017. Ein Durchgreifen (crackdown) bei Menschenrechts-Gruppen waere mir neu – welche Proclamation war das? Und dass CPP und NPA die Menschenrechte verteidigen, kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Das Problem ist aehnlich schwierig, wie unter vesetzten oder falschen Grenzsteinen und echten oder gefaelschten Land-Titeln herauszufinden, was eigentlich wem gehoert. Eine solche Grauzone gibt es naemlich auch zwischen AFP (Armed Forces of the Philippines), Lumad und NPA, in der sich Cafgus (Civilian Armed Forces Geographical Units), zivile Unterstuetzer der AFP vor Ort, legale Lumad-Vertreter und NPA-nahe Aktivisten bewegen. Da die NPA auch schon mal in Uniformen von AFP oder PNP (Philippine National Police) auftritt, weisz am Ende keiner so genau, wer wer eigentlich ist.

Tatsache scheint zu sein, ich will das mal behutsam formulieren, dass es grad im Umfeld von offenen Minen und groszen Rodungs-Gebieten zu Problemen kommt. Dort reiben sich die Interessen von Lumad, denen ihr Land genommen wird, von Investoren, die ihren Profit machen wollen, von der NPA, deren groeszte Geldgeber diese Investoren sind, die der NPA “Revolutionssteuer” zahlen, weil die ihnen die Lumad vom Hals haelt, und der AFP, die fuer Ruhe und Ordnung sorgen soll und nicht weisz, ob sie nun diesen oder jenen verjagen muss.

In diesem Umfeld lassen sich Anschuldigungen leicht verteilen, und man sollte Aussagen wie die von PANAP mit geschuetztem Auge betrachten.


Genauso wie das Kriegsrecht unter Duterte nicht das Kriegsrecht ist, das es unter Marcos war, mit welchem im Hinterkopf die Opposition aber gegen Duterte wettert, so ist die AFP auch nicht mehr die, die sie mal unter dem Diktator war, wie “The Philippine Star” in einem Leitartikel heute feststellt: “Die AFP hat einen langen Weg hinter sich von den dunklen Tagen unter Marcos’ Diktatur her, und hat oeffentliches Vertrauen gewonnen, auch da, wo sie Fehler zugibt, und sie verspricht Verstoeszen gegen Menschenrechte in ihren Reihen nachzugehen. Sie sollte dieses Vertrauen in der naechsten Phase ihres Kampfes in Mindanao nicht auf’s Spiel setzen.

So widersprach Stabschef General Rey Guerrero denn auch Befuerchtungen von Aktivisten, dass die militaerischen Kampagnen gegen Terroristen unter dem verlaengerten Kriegsrecht zu Menschenrechts-Verletzungen fuehren wuerden: “Wir haben unsere Mechanismen, die Disziplin und Fehl-Verhalten unserer Soldaten zu ueberwachen, um abzusichern, dass sie sich verantworten und fuer ihre Missetaten einstehen muessen.” General-Leutnant Benjamin Madrigal, Kommandeur fuer Ost-Mindanao, wo NPA besonders stark ist, geschaetzte 1.900 Kaempfer, verspricht: “Unsere Durchsetzung [des Kriegsrechts] wird stets geleitet von den Prinzipien Notwendigkeit, Angemessenheit, Regeln des Gesetzes und Achtung der Menschenrechte.

PANAP und andere sollten sich mit globalen Vorab-Schuldzuweisungen zurueckhalten. Am Ende schaden sie naemlich nur der Sache, die eigentlich wichtig waere: die einzelnen Faelle aufzuklaeren und an Taetern festzumachen. “Duterte ist an allem Schuld” ist eine bequeme Aussage, die am Ende aber nur den Taeter deckt, weil es, wie es im Englischen so schoen heiszt, nichts ist als “barking up the wrong tree”. Man schimpft auf den Praesidenten, der keilt zurueck, und der Taeter macht sich heimlich aus dem Staub.

Gemaesz “PhilStar”, “ManilaBulletin”, “StraitsTimes”, “SouthChinaMorningPost” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.