…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 22. November 2017

 

Im Westen nichts Neues – Es geht mir mit dieser Ueberschrift nicht um den Anti-Kriegsroman von Erich Maria Remarque, sondern um ein westliches Denken, das sein eigenes Scheitern in der Politik nicht wahrnehmen will oder kann.

Letzten Freitag schnitt ich das Thema an, als ich ueber die Kolumnen von Jojo Robles zum Stichwort “Asean Weg” im “Manila Standard” und von Antonio Contreras in “The Manila Times” zum Stichwort “Orientalismus” berichtete, die das Unverstaendnis des Westens gegenueber ASEAN thematisieren. Das hat mit der Nicht-Einmischung von Praesident Rodrigo Roa Duterte in den Myanmar-Konflikt zu, der, wie ich am Sonntag schrieb, die UN-Resolution ablehnte, die Myanmar mit Konsequenzen droht, wenn es seine Probleme nicht gemaesz westlichem Gutduenken erledigt.



Das ist Thema des Leitartikels der “Manila Times” heute, das den philippinischen Stand gegenueber der von der EU entworfenen und von der Organisation Islamischer Staaten unterstuetzten Myanmar-Resolution erlaeutert: “Der Standpunkt der UN-General-Versammlung ist nicht der Asean Weg. Asean sollte es wissen, da es mit der Junta verhandelt hat und eine Schluesselrolle spielt bei der Ermutigung zu demokratischen Reformen, die 2011 begannen. Aseans Erfahrungen zeigen, dass gradweises Arbeiten im Umgang mit Myanmar am besten klappt, keine Drohungen mit Rundum-Sanktionen und Scherbengericht.

Der Westen glaubt an Wahrheiten, woher auch immer er sie haben mag, und wer da nicht mitspielt hat mit Konsequenzen zu rechnen. Das Prinzip der Kreuzzuege ist jedoch ueberholt, da man eingesehen hat, dass man Laender zwar plattmachen, aber so nicht “ueberzeugen” kann. Also versucht man es mit Daumenschrauben, sprich: Sanktionen, was nur ein anderes Wort fuer Wirtschafts-Krieg ist.

Das bringt aber auch nichts. Die Laender muessten schon selbst drauf kommen, wenn man ihnen – Schritt fuer Schritt – in die gewuenschte Richtung hilft. Das waere der Asean-Weg.

Dafuer braucht man Geduld, und die hat der Westen nicht. Der Westen will Erfolg, und den ganz schnell.

Das westliche Denken ist unbeweglich, weil es meint, sein Ziel zu kennen, das es – koste es, was es wolle – unbeirrt und auf geradem Wege verfolgt. Der Asean Weg beginnt mit einem ersten Schritt und schaut dann, wie er weiterkommt. Meistens mit dem zweiten Schritt, aber – und das ist der Unterschied zum Westen – wie der aussieht, weisz er nicht, bevor er den ersten Schritt gemacht hat. Der Blick aendert sich mit jedem Schritt, auch wenn man nicht mit den Augen, sondern mit den Fueszen geht.

Im Westen wird das als “Verschieben auf Morgen” oder “Arbeiten mit unvollstaendiger Information” oder wie auch immer missverstanden und abgelehnt. Aber “Wahrheiten” haben etwas Wuchtiges an sich, an das man glauben, das man aber nicht verstehen kann. Wahrheiten werden gesetzt, weshalb sie meist in Form von Gesetzen auftreten, zum Beispiel als Menschenrechte. Sie entwickeln sich aber nicht. Sie werden irgendwann zu Tode geritten, und dann gibt es eine Revolution, und was dabei rauskommt, weisz eh kein Mensch.

Wer so eine Wahrheit hat, dem geht es gut, denn er hat Recht.

Wie zum Beispiel die Oberste Richterin Maria Lourdes Sereno. Sie hat das Recht durch Anwaelte vertreten zu werden, daran glaubt sie fest, und deshalb geht sie heute nicht in den Ausschuss des Hauses, sondern laesst sich dort “vertreten”. Ob die Haus-Herren sich mit ihrer Vertretung abspeisen lassen, werden wir gleich sehen. Um 9 Uhr 30 beginnt die Sitzung.

Interessant daran ist das “Vertreter-Prinzip”. Im Tierreich gibt es das nicht. Wer da was will, muss es selbst tun. Er kann niemand “schicken”. Menschen dagegen koennen Arbeiten delegieren. Das Prinzip der Arbeitsteilung ist die anthropologische Basis der Industrialisierung und des Aufstiegs des Westens zur Weltmacht. Bis der Rest der Welt gemerkt hat, dass sie auch Menschen sind und das genauso gut koennen. Und jetzt sind sie genauso maechtig.

Der Westen hat sich Recht gegeben, als die westlich orientierte Aquino-Regierung nach Den Haag ging und die Nine-Dash-Line in Frage stellte. China macht Riffe zu Inseln und gruebelt nun ueber den zweiten Schritt nach.

Die inhaftierte Senatorin Leila de Lima hat auch Recht, das Recht naemlich sich von westlichen Menschen-Rechthabern in ihrer Zelle besuchen zu lassen. Nun wurden da aber wieder ein paar Rechthaber nicht zu ihr vorgelassen. “Unrecht!” toent sie, und die ihr nahestehenden, westlich orientierten Blaetter berichten das pflichtgemaesz.

Rodrigo Roa Duterte ist kein westlicher Politiker, und das nicht nur, weil ein Groszvater ein chinesischer Immigrant und eine Groszmutter vom Stamm der Maranao war.

Er geht schrittweise.



Die Erklaerung der NPA (New People’s Army) zur terroristischen Vereinigung, ich schrieb dazu am Montag, hat er zwar noch nicht unterschrieben. Doch er legt verbal schon mal nach, denn ihm ist klar, dass die Minen-Betreiber die Haupt-Finanzierer der NPA sind. Das Kapital bezahlt die Kommunisten, damit sie in Ruhe gelassen werden. Krieg waere teurer, und die “Revolutionssteuer” hauen sie einfach auf den Preis der Erze drauf: so einfach ist die Welt.

Nicht fuer Duterte: “Alle Minen-Unternehmen zahlen der NPA Steuern. Ohne Ausnahme. Ihre Minen wuerden nicht gedeihen, wenn sie kein Geld geben. … Wir haben ein fuer allemal zu entscheiden. Wenn ich gegen die Kommunisten vorgehe, dann hat jeder seine Beziehung zur NPA zu ueberarbeiten. Wenn du sie finanziell unterstuetzt, leg ich dich still.

Ich weisz nicht, wie der Westen darauf reagieren wird, freies Unternehmertum und so weiter, denn Minen-Besitzer sind westlich orientiert. Da verdienen sie ihr Geld. Deshalb haben sie schon “Gina” Lopez von ihren “Stellvertretern” im Haus aus dem Amt jagen lassen – man kann sich ueberall vertreten lassen. Das unterscheidet erfolgreiche Menschen von erfolglosen Tieren, und schlieszlich ist das doch das „Repraesentantenhaus„, oder?

Doch Praesident Duterte wird nichts tun, was gegen geltendes Recht verstoeszt. Er hat Jus studiert, und soviel Westen hat er auch drauf, dass er dagegen nicht verstoszen kann. Also muss eine Verfuegung her, und dann sehen wir weiter, ganz asiatisch.

Ich will nicht nach weiteren Beispielen suchen, wo sich westliches und asiatisches Denken beiszt. Wer die Philippinen verstehen will, kann sich nicht an einzelnen Nachrichten aufhaengen. Das sind nur Pixel. Das Bild ist etwas ganz anderes, und ich will das Bild sehen. Dafuer muss ich mich aber bewegen, nicht die Philippinen.

Ich weisz nicht, wann der Westen einsieht, dass er sich bewegen muss, wenn er hier mithalten will. Niemand wird nach seiner Pfeife tanzen, um in das westliche Bild zu passen – auszer der Opposition.

So, und nun muss ich mich fuer die Fernseh-Uebertragung vorbereiten, und morgen ist ein neuer Tag.

Gemaesz “ManilaTimes”, “PhilStar” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.