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…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 10. November 2017 

 

Duterte verstehen – Die Spielfilme im TV gestern kannte ich schon, und so zappte ich durch die Kanaele und blieb bei “PTV” haengen, das live eine Rede von Praesident Rodrigo Roa Duterte vor Filipinos in Vietnam uebertrug. Die Rede kannte ich auch schon. Es war auch wieder Police Inspector Sofia Loren Deliu dabei, Mitglied der  Sicherheitsgruppe des Praesidenten, Teilnehmerin des Miss Philippines Earth-Wettbewerb 2015, ein echter Hingucker in ihrer schmucken Uniform, ich seh sie nun mal gern, und wie immer reichte sie dem Praesidenten eine Unterlage, als der danach fragte. Es war ein Ordner mit einer Uebersicht der UN, aus der Duterte vortrug zur Gefaehrlichkeit von Drogen, beginnend bei Mariuhana, na ja, und dann steigernd bis zum Schlimmsten – Methamphetamin, hier als “Shabu” bekannt. Diesen Ordner  hielt er anklagend hoch, und wenn ihm irgendjemand von der UN oder von wem auch immer kaeme, dass das alles nicht so schlimm sei, dann sollten die erstmal ihre eigenen Unterlagen studieren. Duterte schloss dann auch wie ueblich, dass er geschworen hat, Gefahr vom philippinischen Volk abzuwenden, und dass er deshalb weiter gegen Shabu kaempfen wird.

Maraming salamat!



Mir fiel zu der Rede mein Vater ein, Friede seiner Asche, der hat auch immer dasselbe erzaehlt. Wenigstens erinnere ich das so, wenn ich heute zurueck blicke, da ich nun bald das Alter erreicht habe, in dem er vor ueber zwanzig Jahren gestorben ist. Wo ich aber das Alter erwaehne, muss ich feststellen, dass Duterte (fast) mein Jahrgang ist, nicht der meines Vaters. Duterte ist etwas ueber ein Jahr aelter als ich. Aber, ich komme aus Werries, und als ich hierher kam, schrieb ich einem Freund, der das witzig fand, dass mich “das Leben hier stark an Werries erinnert, wo ich in den fruehen 50ern aufgewachsen bin.

Lasse ich den technischen Kram wie Cell-Phone und Karaoke mal beiseite, dann laeuft das Leben hier ziemlich so ab, wie ich es dort in meiner Kinheit erlebt habe. Und ganz so wie dort mein Vater diese und jene Geschichten immer wieder erzaehlte, die uns Kindern die grosze weite Welt erklaerten, und die uns ein erstes Geruest gaben, von dem aus wir die Welt sehen konnten, so erzaehlt Vaeterchen Duterte nun seinen Landes-Kindern, was es mit der Welt so auf sich hat.

Das ist jetzt keine Parodie, ich mach mich hier nicht lustig. Es ist mir toternst, und in meinem Versuch Duterte zu verstehen habe ich ihm schon mal den Titel “Pater patriae ~ Vater des Vaterlandes” zugeschrieben. Er sieht sich selbst so, und wie ich ihn sehe, tritt er auch so auf.

Das Geruest, das mein Vater mir und meinen Geschwistern mitgegeben hat, ist ueberholt, und das Geruest, das Duterte vermittelt, muss auch nicht richtig sein. Es sieht ueberhaupt nicht so aus wie die kuenftige Welt, wenn die erst mal verstanden ist, und deshalb reiszt man das Geruest auch ab, wenn der Bau fertig ist  – aber ohne Geruest, an das man sich halten kann, komt man da gar nicht erst hin.

Dieses Land ist 50 Jahre hinten dran, vergleicht man es mit Deutschland, und Duterte versucht es an die heutige Zeit zu koppeln, ohne Drogen, ohne Korruption, ohne Feudalherren, sondern mit Recht und Gesetz, die man bisher ziemlich hat schleifen lassen, besonders von denen, die heute so darauf pochen. Die meinen, Freiheit und Demokratie als Erbgut mitbekommen zu haben, und wollen nicht wahr haben, dass Duterte der erste Demokrat ist.

Der Schritt, zu dem Duterte da ansetzt, ist eigentlich gut fuer ein paar Generationen. Das ist auch die zeitliche Luecke, die zwischen ihm und meinem Vater klafft, und die meinen Vergleich hinken laesst. Aber Duterte hat geschworen, seinem Volk zu dienen, was er im Schluss seiner Rede gestern in Vietnam noch einmal betonte. Das ist seine Aufgabe, oder, wie Friedrich der Grosze es ausgedrueckt haette: er sieht sich als Erster Diener seines Staates, der sich um seine Landeskinder sorgt.

Das will Duterte vermitteln, immer wieder, daraus rechtfertigt er sein Handeln, und nur so kann man ihn verstehen.

Duterte versteht die Philippinen als Familie, und er ist der Familienvater, ganz patriarchalisch. Ja, er hat da eine urspruengliche Sicht der Dinge, nicht nur als Mitglied der “lex talionis”-Bruderschaft mit dem “Auge um Auge”-Leitsatz. Ueber die patriarchale Art kann man sich aufregen, und Feministen und Frauen-Versteher tun das auch, besonders die aus dem Westen. Aber wie sieht es im Westen aus, wenn man Harvey Weinstein oder Dustin Hoffman nimmt – alles nur Hollywood-Fassade? Ich will Dutertes Bemerkung zu der huebschen, vergewaltigten und ermordeten Nonne nicht herunterspielen, nach der der Buergermeister der Erste haette sein sollen, aber Duterte hat sie weder vergewaltigt noch ermordet. Es gibt oder gab genug geschmacklose Witze im Westen zu Vergewaltigungen, wie den von der ueberfallenen jungen Frau, die um Hilfe ruft: “Raeuber! Raeuber! … Raeuberlein…”. Man macht einen Witz darueber, aber man tut das nicht, schlieszlich gibt es Gesetze.

Duterte ist ein strenger Familien-Vater, der auch vor seinen Soehnen nicht Halt macht, wenn sie etwas mit Drogen zu tun haben. Die erschieszt er selbst, sagt er. Er wird es nicht tun, keine Bange, aber er wird sie auch nicht schuetzen.

Da ist das Gesetz vor.

Das Gesetz ist so ein biszchen wie in Kafkas Parabel: davor steht der Tuerhueter, da kommt man nicht ran. Man lebt im Schatten des Gesetzes – schliezlich ist Duterte gelernter Staatsanwalt. Und seine Drohung gegen die Soehne hat etwas von Abraham, der seinen Sohn Isaak dem “Wort Gottes”, sprich: dem Gesetz folgend an die Opferstaette fuehrt. In der Bibel kommt ein Engel, der das Schlimmste verhindert. Es muesste dann auch schon etwas “Goettliches” sein, das Duterte vom Weg des Gesetzes abbringt.



Der Westen bringt ihn mit seinem Gerede von Menschenrechten nicht vom rechten Weg ab. Wer sind die ueberhaupt?

Es sind nicht nur die Untaten, die die Amerikaner als Kolonialherren an den Moros veruebt haben. Da ist auch etwas Persoenliches dran, als er als Student einmal kein Visum bekam und sich von dem interviewenden US-Beamten anhoeren muesste, ob er vielleicht eine Amerikanerin heiraten und dann dort bleiben wolle. Wer ist das, der ihm das zu sagen wagt? Nicht Familie, nicht einmal ein Nachbar. Und wenn er ihm Zehntausend Dollar gibt, er will das Visum gar nicht mehr – will er gesagt haben, und ich glaub ihm das.

Ein Filipino hat Stolz.

Auf sich und seine Familie laesst er nichts kommen, und da laesst er sich auch nichts nachsagen. Mit den Nachbarn muss man sich zusammentun, okay lang, aber mit Fremden? So nicht!

Lay off! ~ Lass mich in Ruhe!” wuerde er dem US-Praesidenten sagen, sollte der ihm mit den Menschenrechten kommen, hat er vor dem Abflug nach Vietnam gesagt. Nun gut, das Treffen mit Donald Trump dort findet nicht statt, man wird sich nur beim Dinner sehen, da gibt’s nur Small Talk, aber in Manila wird man dann zusammensitzen und miteinander reden. Trumps Berater taeten gut daran, wenn sie das Menschenrechts-Thema nicht, wie Abgeordnete in den USA fordern, auf seinen Spick-Zettel schreiben. Das Drogen-Problem ist eine Familien-Angelegenheit, und da laesst sich ein Duterte nicht reinreden, schon gar nicht von Fremden, die nicht mal Nachbarn sind. Kapieren die das im Westen eigentlich nicht?

Mit den Nachbarn muss man leben, und wenn es ein groszer Nachbar ist, dann bricht man nicht gleich einen Streit vom Zaun. Ja, da ist das Gesetz in Den Haag, aber lassen wir den Tuersteher dort erstmal einen guten Mann sein. Duterte wird mit China reden muessen, und er weisz, dass er aus den “vier Ecken dieses Dokumentes” vom Schiedshof in Den Haag nicht herauskommt. Aber er laesst sich und seiner Familie nicht den Schaedel einschlagen, nur weil er Recht hat. Duterte ist nicht Michael Kohlhaas. Wenn es um eingerissene Zaeune und versetzte Grenzsteine geht, gibt es Aerger, ja, aber – das Leben geht weiter. Man wird miteinander reden muessen und weitersehen.

Er schuetzt seine Familie mit harter Hand und scharfer Zunge, aber er ist kein Lakai von wem auch immer: “Ich werde allein entscheiden, was das Beste fuer mein Land ist. Es wird eine Entscheidung sein, die das hoehere, ja, das groeszte Interesse meines Landes befoerdert in dem Treffen. Ich werde dort nicht hingehen, um irgendjemandem dienlich oder dessen Lakai zu sein.

Diese Denkungsart Dutertes wird von den Nachbarn hier in Suedost-Asien verstanden. Die denken auch nicht anders.

Wie tickt der Westen, dass er ein Problem damit hat?

Der Westen glaubt an seine Legenden. Nicht nur an die Hollywood-Legenden, lassen wir die mal auszen vor, im Moment sind sie eh nicht vorzeigbar. Es sind auch diese angeblichen Welt- und Menschenrechte, auf denen man gern herumreitet. Man muss dabei naemlich im Hinterkopf haben, dass die USA das Seerechts-Abkommen UNCLOS (United Nations Conventions on the Law of the Sea) selbst nicht unterschrieben haben. Sie schickten aber ihren Lakaien Benigno Aquino vor, damit der in Den Haag darauf herumpocht. Die USA selbst erkennen den Internationalen Strafgerichtshof nicht an. Mit Schreiben vom 6. Mai 2002 hat die Regierung der Vereinigten Staaten den UN-General-Sekretaer wissen lassen, dass “…in Verbindung mit den Roemischen Vertraegen des Internationalen Strafgerichtshofes vom 17. Juli 1998, die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen dem Vertrag beizutreten.” Das hindert amerikanische Menschenrechtler nicht, die Opposition hierzulande zu unterstuetzen, wenn die Duterte vor den Internationalen Strafgerichtshof zitieren will.

Wie glaubwuerdig ist es eigentlich, jemanden nach Gesetzen belangen zu wollen, an die man sich selbst nicht binden will?



Einen geradeaus denkenden Duterte kann man so nicht beeindrucken, und das nicht nur, weil der eben kein Lakai des Westens ist, der sich von der Legende von “Cory” und EDSA beduseln laesst. Der Westen wird sich Einiges abschminken muessen, wenn er mit Duterte klar kommen will. Und man sollte sich nicht einbilden, dass er allein steht. ASEAN denkt auch so.

Das Treffen der Handels- und Auszen-Minister der APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation) in Da Nang, Vietnam, dauerte 24 Stunden laenger als geplant, weil man sich ueber eine Formulierung nicht einigen konnte, lese ich heute in “The Straits Times”. Der malaisische Minister fuer Handel und Industrie Mustapa Mohamed sagte: “Wir waren gewohnt, mit einer Stimme zu sprechen, gegen Protektionismus und fuer Unterstuetzung des multi-lateralen Handels.” Hier stieszen sich aber nun die Amerikaner an dem Wort “Protektionismus”, sie zogen den Ausruck “fairer Handel” vor. Der Minister weiter: “Wir sind uns der Sicht der gegenwaertigen US-Regierung bewusst. Sie haben Groszes vor mit Japan und China, wenn sie argumentieren, dass der Handelsueberschuss dem unfairen Welthandels-System geschuldet ist. Das ist derzeit in dem Treffen in der Diskussion.

Waere interessant zu wissen, welche Formulierung sich am Ende durchgesetzt hat. Aber das verraet der Artikel leider nicht.

Sige lang.

Immerhin redet man miteinander, und vielleicht begreift der Westen langsam mal dies oder das. Ich hab auch meine Zeit bis heute gebraucht.

Gemaesz “PTV”, “ManilaTimes”, “PhilStar”, “StraitsTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

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