…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 31. Juli 2019

(zum Bild: Code of Conduct für die South China Sea)

 

Korruption… – …bleibt das Thema Nummer Eins, und nun kommt ein bekannter Name ins Spiel. Nach einer privilegierten Rede von Senator Panfilo Lacson wird ein Ausschuss unter Senatoren Richard Gordon und Christopher “Bong” Go Vorwuerfe gegen Gesundheits-Minister Francisco Duque untersuchen. Es geht da nicht nur um die bereits erwaehnte Anmietung eines Gebaeudes der Duque-Familie durch PhilHealth, sondern Lacson behauptet, dass die Familie Regierungs-Vertraege zur Versorgung von Hospitaelern mit Medikamenten haelt.

Wie unangenehm, besonders da Praesident Rodrigo Roa Duterte grad erst den Duque-Bruder Gonzalo zum Chef der PCA (Philippine Coconut Authority) ernannt hat.

Besser geht es dem Lotto. Nach Mitteilung des Staats-Ministers Salvador Medieldea wurde der Bann gegen Lotto vom Praesidenten aufgehoben. Da dort der Betrieb voll automatisiert ist, kann der Staat schwer um seinen Anteil beschissen werden. Der Bann gegen STL (Small Town Lottery) und andere Gluecksspiele bleibt dagegen erhalten. Nun frage ich mich, wo ja die Annahme-Stellen meist Anlauf fuer all die Varianten des Gluecksspiels sind, wie man da nachhalten will, ob neben dem legalen Lotto nicht “en passant” doch noch ein illegales Spielchen mit abgewickelt wird.

Nicht mein Problem.

Weltmeister aller Klassen – Eigentlich interessiert es mich nicht besonders, aber weil es mir nun mal in’s Auge sticht, sei es auch erwaehnt. Laut Global Witness, ein Verein in London, der sich die weltweite Ueberwachung des Umweltschutzes auf die Fahne geschrieben hat, sind die Philippinen das toedlichste Land fuer Umweltschuetzer.

Nun, dass die Philippinen eine “Mords-Nation” sind laesst mich seit dem Gezeter um die EJKs (Extra Judicial Killings) eigentlich kalt, doch da ich erst gestern ueber die Morde auf Negros geschrieben habe und dabei das Sagay-Massaker erwaehnte, bei dem es um einen undurchsichtigen Streit zwischen “Bungkalans”, Land-Besitzern, NPA (New People’s Army) und Polizei ging, wundert es mich, dass die Opfer – die “Sagay 9” – nun von Global Witness unter die Umweltschuetzer gerechnet werden.

Das ist die hohe Schule der Milchmaedchen-Rechnung. So wie in der Nachfolge von Leila de Lima und Antonio Trillanes inzwischen jeder ungeklaerte Todesfall als EJK im Drogenkrieg – und damit als Auftrags-Mord der Regierung – gerechnet wird, so kann man dann auch jeden Todesfall in Feld und Flur als Opfer im Schutz der Umwelt rechnen. Auf diese Weise werden die Philippinen Weltmeister aller Klassen, was die Morde welcher Art auch immer betrifft. Es muss nur eine NGO (Non Government Organisation) geben, die einen ehrenwerten Zweck verfolgt, schwupps – haben sie die Philippinen auf ihrer jeweiligen Killer-Liste.

Ich warte, dass ein Verein gegen die Verschmutzung der Meere durch Ersaeufen von Afrikanern im Mittelmeer protestiert. Da koennten die Philippinen nicht mithalten, aber den Verein gibt es nicht.

 



 

Ein Code of Conduct… – …fuer die South China Sea wird schon seit 2002 verhandelt. 2017 kam man zu einem Rahmen fuer einen Vertrag. Bereits Ende 2018 zeigte der chinesische Auszen-Minister Wang Yi dabei gegenueber seinem philippinischen Kollegen Teodoro Locsin groszes Interesse, zum Abschluss zu kommen, wobei die Frage auszen vor blieb, ob dieser COC “legally binding ~ gesetzlich verbindlich” sein soll. Dazu Wang: “Ob es gesetzlich verbindlich ist oder nicht, jedes Dokument, das wir unterzeichnet haben, wird strikt befolgt und fest implementiert.” Locsin gab sich zufrieden: “Vielleicht werden wir es nicht schaffen zu einem gesetzlich verbindlichen COC zu kommen, doch es wird ein Standard werden, wie die Menschen in ASEAN, die Regierungen von ASEAN miteinander umgehen. Immer aufrichtig, nie aggressiv und stets zum wechselseitigen Fortschritt.

Auf “legally binding” zu bestehen, waere illusorisch. China laesst sich von “Dritten” nichts sagen, und wer sollte das auch sein? Praesident Rodrigo Roa Duterte ist nun aber der Koordinator fuer ASEAN, was den COC angeht, und er hat einen Vorzug. Wang Yi sagte ueber ihn: “Tatsaechlich ist Praesident Duterte der meist respektierte und wichtigste Freund von Praesident Xi Jinping und dem chinesischen Volk.

Nun sagte der chinesische Botschafter Zhao Jianhua diesen Montag beim Empfang zum 92. Jahrestag der People’s Liberation Army: “Wir moechten den COC abschlieszen, solange die Philippinen Koordinator der Beziehungen von China und ASEAN sind.” Duterte hat bis 2021 die Rolle als Koordinator, mit anderen Worten, China hat ein groszes Interesse zu einem Abschluss des COC zu kommen, solange Duterte seine Hand in den Verhandlungen hat.

Da fragt man sich: warum?

Sicher nicht, weil er der “wichtigste Freund von Praesident Xi Jinping und dem chinesischen Volk” ist. Ich erinnere mich an das Bild Chinas als Go-Spieler, das auf ein Zitat von Henry Kissinger zurueckgeht, der schrieb: “Waehrend der geschickte Schach-Spieler darauf abzielt, die gegnerischen Figuren in einer Serie von Konfrontationen auszuraeumen, zielt der talentierte Go-Spieler darauf in leere Raeume des Brettes zu gehen und so das strategische Potential seines Gegners nach und nach zu vermindern.

Durch Dutertes Wendung zu einer unabhaengigen Auszenpolitik wurden die Philippinen fuer China “geoeffnet”. Da sind “leere Raeume”, die sie besetzen koennen, und das gilt nicht nur woertlich fuer Inseln in der South China Sea. Da sind auch Investitionen im Rahmen der Belt & Road-Initiative, mit denen es Fusz fasst, um “so das strategische Potential seines Gegners nach und nach zu vermindern”.

Der Gegner sind nicht die Philippinen, sondern die USA, solange sich deren Politik des “America first” gegen China richtet. Und so werden die Philippinen, die einst historisch als Fuszmatte der USA auf dem Weg nach China betrachtet wurden, umgekehrt zum Tueroeffner fuer China auf dem Weg zum Rest der Welt – solange die USA sich weiter verweigern und die Philippinen Dutertes unabhaengige Auszenpolitik beibehalten. Welche Politik ein Nachfolger betreibt, kann niemand wissen. Also bringt man den Code of Conduct besser vorher unter Dach und Fach.

Nun sagte Zhao in derselben Rede auch, dass China sich nur zur Verteidigung in der South China Sea positioniert habe, dass Peking “nicht den ersten Schuss abgeben wird” und sich verpflichte, Dispute zu loesen. Damit waere Duterte in guter Position, mit China ueber das Bullying philippinischer Fischer zu sprechen. Im Hinblick auf Chinas Interesse, den COC abzuschlieszen, haette er die Oberhand – die “whip hand” sagt man im Englischen, die Hand mit der Peitsche. So waere fuer Duterte angebracht, den Chinesen gegenueber nicht allzu nachgiebig zu sein. Schrieb doch schon Niccolo Machiavelli  in seinem “Il Principe ~ Der Fuerst”: “Es ist daher einem Fuersten, der sich behaupten will, noetig, dass er lerne, nicht gut sein zu koennen, und hiervon Gebrauch oder nicht zu machen, nachdem es not tut.

Es tut not.

 



 

So sagte auch Arin Jira, Vorsitzender des ASEAN Business Advisory Council, beim ASEAN Media Forum: “Wir schlieszen uns nicht den USA oder China an. Wir wollen, dass ASEAN seinen eigenen Stand hat. Und wir muessen aufstehen gegen Bullying und Noetigung.” Er meint, die ASEAN-Fuehrer sollten sich stark machen und den groszen Bruedern sagen: “Hey, Jungs. Lasst uns Gemeinsamkeiten finden und sicherstellen, dass wir in dieser Welt friedlich und wirtschaftlich zusammen leben koennen.

Deutliche Kritik an China aeuszert Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana. Ihm missfaellt, dass chinesische Kriegsschiffe, die die Sibutu Straits bei Tawi-Tawi in philippinischen Gewaessern passieren, ihr AIS (Automatic Identification System) abschalten: “Ueberall auf der Welt, wenn du dein AIS ausschaltest, willst du nicht erkannt werden. … Sie wollen nicht, dass wir sie erkennen, aber wir koennen sie sehen. Also, wozu schaltet ihr AIS aus? Wir sehen euch nicht auf dem Radar, aber wir sehen euch mit bloszem Auge, weil die Straits sehr eng sind.” Und so beurteilt er die friedliebende Rede des Botschafters Zhao mit Vorbehalt: “Vielleicht ist das mehr fuer die Optik. Es hoert sich gut an, um uns ruhig zu halten, oder auch als Trost fuer uns. Aber unter dem Strich passen ihre Worte nicht zu dem, was sie in der West Philippine Sea machen.

Unruhe verbreiten Chinesen nicht nur auf See. In seiner Kolumne im “Standard” schreibt Emil Jurado: “Chinesen haben praktisch ganze Flure in Gebaeuden mit Eigentums-Wohnungen und umzaeunten Siedlungen suedlich Manila uebernommen! Nun gibt es Berichte, dass sie auch in Cavite eindringen und Haeuser zum doppelten oder dreifachen des ueblichen Preises anmieten. Ich hoerte auch, dass der ‘escort service’ von korrupten [Mitarbeitern der] Immigration und Zoll-Beamten an den internationalen Flughaefen weiter laeuft. Chinesen kommen illegal in die Philippinen, organisiert von chinesischen Syndikaten.” Sie sollen fuer ueber 50 Pogos arbeiten – “Philippine offshore gaming operators”. Da scheint es in der Art des “talentierten Go-Spielers” ein “outsourcing” der chinesischen Glueckspiel-Industrie zu geben, die “leere Raeume” in den Philippinen besetzen, wo hier grad dem PCSO (Philippine Charity Sweepstakes Office) das Wasser abgegraben wird.

Filipinos fuehlen sich da langsam unwohl. Man braeuchte einen “Code of Conduct” auch zu Lande, nicht nur in der South China Sea.

Saysay sa adlaw – Bunga sa iyang kahakog sa gahom. 

bunga Frucht, sa von, nach, iyang ~ iya nga Gen. von siya er, sie + Verbinder, hakog egoistisch, habgierig + ka… bildet Substantiv kahakog Gier, gahom Macht, Staerke

Satz des Tages – Das Ergebnis seiner Gier nach Macht.

 



 

Gemaesz “PNA”, “ABS-CBN”, “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.