…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 13. Januar 2018

 

Comfort women”… – …zu deutsch “Trostfrauen” ist laut “Wikipedia” ein “euphemistischer Begriff fuer Maedchen und Frauen, die fuer die japanischen Kriegsbordelle des Zweiten Weltkrieges zwangsprostituiert wurden.” Das ist im Moment ein Thema hier, weil am 8. Dezember 2017 eine 2 Meter grosze Statue, die eine “Trostfrau” symbolisiert, am Roxas Boulevard, Manila, nahe der japanischen Botschaft enthuellt wurde. Die Statue zeigt eine Frau mit verbundenen Augen und einem Schal ueber dem Kopf, die ihre Kleider vor der Brust verschlossen haelt.

Es gibt Unklarheiten, wer die Errichtung der Statue gestattet hat – “Aber weil die NHCP [National Historical Commission of the Philippines] involviert war, dachte ich, die Regierung haette das bereits genehmigt.” Falsch gedacht. Hat die Regierung eben nicht, sie wurde nicht einmal gefragt, und ihr ist das eher peinlich, denn auch hier, wie in anderen Laendern zuvor, hat Japan das Auszen-Ministerium “um Erlaeuterung gebeten”. Man hat ein Gremium bestimmt, das die Angelegenheit nun klaeren soll.

Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, spielt die Sache herunter, das sei kein diplomatisches Thema, der Praesident werde da nicht aktiv.  Nun, wenn Japan “um Erlaeuterung bittet”, scheint es doch ein Thema zu sein, nicht nur eine “Reuters”-Meldung dazu hat es in die “Straits Times” geschafft. Das Thema reicht weiter. Die Ironie liegt nun darin, dass Harry Roque eine Klage von rund 70 “Malaya Lolas ~ Freie Groszmuetter” 2004 vor das Oberste Gericht gebracht hat. Beamte wurden beschuldigt, die ehemaligen “Trostfrauen” mit Hinweis auf den Friedensvertrag mit Japan von 1951 gehindert zu haben, Klagen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzureichen. Die Klage wurde 2010 vom Obersten Gericht abgewiesen. Roque, Vertreter der Malaya Lolas, sagte damals: “Es ist traurig, es macht uns zu dem einzigen Land, das Vergewaltigung in Kriegszeiten nicht verbietet.

Das sagt er heute nicht mehr, sondern verweist darauf, dass in der Sache das Oberste Gericht entschieden hat. Die linke Frauen-Partei “Gabriela” fordert den Praesidenten jedoch auf, die Entfernung der Statue zu verhindern, wovon auch ein Artikel im “Virginian Pilot”, der groeszten Tageszeitung in Virginia, USA, mit Foto der Statue berichtet.

Das Thema zieht also Kreise, wobei die Frage ist, ob die USA da ein Maszstab sind, wo eine Meldung grad die naechste jagt, wer wann welche Frau belaestigt oder vergewaltigt hat. Da hat man wohl ein kleines Problem, denn von den 187 Sexual-Taetern, die das BI (Bureau of Immigration) im letzten Jahr an der Einreise in die Philippinen hinderte, kamen 153 aus den USA. Und wenn ein Thema erstmal installiert ist, weitet sich das selbstlaufend aus, und – “sex sells”. Wer wen gebumst hat, wurde immer schon gern gewusst. Da haeufen sich dann die Berichte in der Angelegenheit und man schaut auch auf Laender, die sonst eher uninteressant sind, womit ich schon beim naechsten Thema bin.

Von Deutungshoheit spricht man… – …wenn eine Institution sich ein Thema derart zu eigen macht, dass es die diesbezuegliche Diskussion in die ihr genehme Richtung lenken kann. Es ist halt wichtig, was auf die Tagesordnung kommt und wie darueber gesprochen wird. National gibt es Regeln, zum Beispiel ist hier im Haus die einfache Mehrheit erforderlich, um auf die Tagesordnung zu kommen. International liegt es am freien (?) Spiel der medialen Maechte zu befinden, was angesagt ist und wer dazu etwas zu sagen hat – oder sagen darf.

So will die USA gern den “Indo-Pazifik” zum Thema der Weltpolitik machen, waehrend China schon laenger den “Asia-Pazifik” als Thema propagiert. Die Stosz-Richtung der USA ist klar: China ist nicht zum indo-pazifischen Raum zu rechnen. China ist irgendwo da oben in Asien, hat da unten also nichts zu sagen. Das aergert China umso mehr, weil es im Rahmen des Projektes “Neue Seidenstrasze” den Seeweg durch das Suedchinesische Meer, das ihm de facto schon gehoert, die Straits und um Indien herum zum Suez-Kanal und dann nach Europa im Auge hat. Da wird es schon mitreden wollen.

Auszer in Wort-Gefechten wurde das bisher nicht weiter ausgereizt, aber wer einen Wald haben will, muss vor hundert Jahren anfangen.

Nun lese ich im “Manila Bulletin”, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte zum “Tag der Republik” in Indien eingeladen ist. Das ist der 26. Januar. Tags zuvor ist dort ein Treffen mit den Fuehrern der 10 ASEAN-Staaten geplant, die am National-Feiertag dann bei der Militaer-Parade anwesend sind, zu der bisher immer nur ein Staatsgast geladen war. “Wir sind erfreut und geehrt, dass alle 10 ASEAN-Fuehrer ihre Teilnahme zugesagt haben,” laesst Treeti Saran vom indischen Auszen-Ministerium wissen.

Indiens Premier Narendra Modi will Chinas Einfluss in der Gegend dort entschaerfen, wozu er Werbung fuer Indien betreibt, um “engere Bande” mit ASEAN kulturell und im Handel zu knuepfen und dem Einfluss Chinas zu begegnen, und er will die ASEAN-Fuehrer in “freier und offener” Diskussion treffen. Die zehn ASEAN-Laender sind just die, die geographisch zwischen China und Indien liegen, folgt man dem Seeweg der “Neuen Seidenstrasze”.

Duterte, der sich erst letzten Dienstag um “staerkere Bande” mit China bemuehte, haelt sich mal wieder beide Seiten in seiner Auszen-Politik offen, wenn er in zwei Wochen nach Indien fliegt – Deutungshoheit hin oder her.

Die westliche Presse… – …hat mich mal aufgeregt in ihrer unfairen Bericht-Erstattung, die bringt, was Duterte in ein schlechtes Licht setzt, und anderes gar nicht erst erwaehnt. Die les ich schon laenger nicht mehr. Da aber niemand eine Insel ist, auch wenn die Philippinen aus ziemlich vielen bestehen, ist es immer gut, ab und an ueber den Zaun zu schauen, und die Nachbarn zu hoeren. Ich halte mich da an “The Straits Times” in Singapur und die “South China Morning Post” in Hong Kong.

Nun las ich aber gestern in der “Straits Times” einen Artikel von Senen Y. Glinoga, der das Oberste Gericht unter Praesident Duterte in Gefahr sieht. Er zaehlt auf, wieviel Richter Duterte dort noch ernenen kann, mindestens 15, wo Benigno Aquino nur 6 ernannt hat. Daneben laeuft die – so Glinoga – politisch motivierte Untersuchung im “Russisch-Roulette-Stil eines Amtsenthebungs-Antrags gegen die Oberste Richterin.” Das zielt, meint Glinoga, ein ehemaliger philippinischer Richter, in eine absehbare Richtung: “Das Hohe Gericht selbst – das im Moment von Zerfall bedroht ist und von seinen eigenen Mitgliedern verachtet wird, die ihre Hoeflichkeit und Selbstachtung verloren haben – ist wirklich in Gefahr ein Bananen-Gericht zu werden, unterwegs als virtuelles Anhaengsel oder Unterabteilung der Exekutive zu enden, reduziert auf ein bloszes demokratisches Ornament.

Was ist an diesem Artikel unfair?

In dem Artikel kommt Renato Corona, Vorgaenger der Obersten Richterin Maria Lourdes Sereno, mit der angeblich “Russisch-Roulette” gespielt wird, nicht einmal vor. Dieser wurde naemlich auf Betreiben Benigno Aquinos ohne jede Untersuchung verfolgt, und mit falschen Anschuldigungen der von Aquino ernannten Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales per Amtsenthebung “entfernt”, weil Corona fuer eine Landreform war, die Aquino kippen wollte. Fuer die “gewuenschte” Abstimmung wurden Gelder an die Senatoren ausgeschuettet, die aber – nach Aussage des damaligen Senats-Praesidenten Franklin Drilon, der die Gelder verteilte – “keine Bestechungsgelder” waren, und Drilon ist ein ehrenwerter Mann. Sereno, die noch nie in ihrem Leben einen Gerichtssaal von innen gesehen hatte, wurde von Aquino als Chefin ins Oberste Gericht befoerdert. Dort sollte sie mehr fuer die Hacienda Luisita des Aquino-Cojuangco-Clan rausholen, und ihre schuetzende Hand ueber Aquino halten.

Mit ein paar Informationen und etwas Schmackes – “Russisch Roulette” und “Bananen-Gericht” – zeichnet Glinoga das gewuenschte Bild: eine Regierung, die sich Justitia untertan macht – eine Diktatur halt. Aquino hat ja wirklich nicht so viele Richter fuer’s Oberste benannt wie Duterte dahinschicken kann, da hat der Artikel voellig Recht. Aquino hat genau die geschickt, die er brauchte, um Corona fertig zu machen und sich vor Verfolgung zu schuetzen. Wer sich nicht naeher damit beschaeftigt sieht nicht gleich, dass Glinoga ein getreuliches Bild von Aquinos Umgang mit der Justiz malt und dann einfach “Duterte” darueber schreibt.

Ich mag Artikel nicht, die nichts Falsches sagen, sondern durch Unterschlagung luegen.

Aber wieso tun die das ueberhaupt?

Unter dem Artikel lese ich, dass der Artikel parallel hier im “Inquirer” erscheint, dem Medien Partner von “The Straits Times”. Es ist nicht nur die westliche Presse, die in ihrem Glauben an “Cory” und die EDSA-Revolution meint, drauszen Duterte schlecht machen zu muessen, weil der ihnen nicht passt. Von hier streckt auch der gelbe Krake “Inquirer” seine Fangarme aus, um in ASEAN die Deutungshoheit in der Frage “Demokratie oder Diktatur unter Duterte” an sich zu reiszen, und welche Position der “Inquirer” einnimmt, ist nicht erst seit diesem Artikel bekannt.

Ich muss noch viel behutsamer Lesen lernen.



Gemaesz “Wikipedia”, “ManilaTimes”, “JapanTimes”, “VirginianPilot”, “GMANews”, “ManilaBulletin”, “StraitsTimes”, “Inquirer” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.