…aus der philippinischen Presse

 

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PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 02. Juni 2019

(zum Bild: Es findet eine Verschiebung der Großmächte von West nach Ost statt)

 

Der Staatsmann – Gestern hat’s wieder geruckelt, um 5:46 p.m., Staerke 6,1 und wieder 119 km suedlich Governor Generoso, Davao Oriental. Ich sasz grad am PC um zu schreiben, was ich vom Beginn der Rede, die Praesident Rodrigo Roa Duterte am Freitag hielt, nicht mitbekommen hatte. Ich war da gegen Ende reingezappt, und da waren die Zettel mit den “fuenf Minuten” und “Beende Rede nun” haengen geblieben (siehe gestern). Nun aber lag das Transcript von “PCOO” vor, und jetzt weisz ich auch, warum die Zettel so dringlich gezeigt wurden: um 5 Uhr war ein Vier Augen-Gespraech Dutertes mit Premier Shinzo Abe geplant.

Wie auch immer.

Ich schrieb gestern, Duterte sei ein groszer Staatsmann. Ich wiederhole das heute, da ich die ganze Rede kenne. Er hielt sie uebrigens in Englisch vor dem Forum der 25th Nikkei Future of Asia Conference, kann jeder in den “PCOO”-Webseiten nachlesen. Das PCOO ist uebrigens das “Presidential Communications Operations Office”, das alle Verlautbarungen von Praesident Duterte und von dessen Sprecher Salvador Panelo als “Transcript ~ Wort-Protokoll” veroeffentlicht, nur dauert das manchmal ein oder zwei Tage, besonders wenn Duterte in seiner Muttersprache Visayan redet. Das wird fuer Tagalog-Leser dann in Englisch uebersetzt.

Duterte fuehrte aus: “Asien sieht sich am Anfang einer historischen Wandlung. Mit wachsendem Reichtum und Einfluss rueckt die Randstimme unserer Region an seinen zukommenden Platz im Zentrum einer sich entwickelnden Welt-Ordnung. Kuerzliche Ereignisse scheinen jedoch ein chaotisches Bild dieser globalen Entwicklung zu zeichnen. Doch ich versichere Ihnen, dass das Chaos nur Teil eines groeszeren Bildes ist. … Die vielleicht am wichtigsten zu verstehenden Aenderungen sind technologische Durchbrueche, die unser etabliertes Leben stoeren. Neue Technologien verleihen Macht, doch sie haben auch einen vereinzelnden Einfluss auf unsere Gesellschaften. Das globale Gleichgewicht der Macht verschiebt sich von West nach Ost. Und demzufolge wird unsere Region zu einer Arena des Ringens der Groszmaechte mit all ihren begleitenden Risiken und Moeglichkeiten. 

 



 

Wir sind tief besorgt ueber den laufenden Handelskrieg zwischen den USA und China. Das schafft Unsicherheit und Spannung. … Die gewandelte Natur neuerer Sicherheits-Themen wie Terrorismus, Klima-Wandel und grenz-ueberschreitende Kriminalitaet tragen zur globalen Instabilitaet bei. … Der Terrorismus nagt weiter und bedroht die Fundamente zivilisierter Gesellschaften der Welt. Die Ironie dabei ist: Wie die Terroristen heimlich vordringen und sich von einem Land ins andere bewegen, erschweren sie solche Bewegungen der Menschen aus legitimen Gruenden. …und sie zwingen uns unser Verstaendnis von Grenzen und Schutz zu ueberdenken.

Von den Klima-Konferenzen haelt Duterte nichts. Er weisz noch nicht, ob er seinen Kabinett-Mitgliedern kuenftig untersagt teilzunehmen. Die USA haben das Klima-Abkommen nicht unterzeichnet, China hat sich ausgeklinkt und Russland ist auch nicht guecklich dabei. Und was haben wir zwischen den Treffen getan? – Nichts. “Mein Land blickt auf den Pazifischen Ozean. Es ist in der Tat ein Fenster zum Pazifik. Und jede Erwaermung dort, jedes Aufheizen erzeugt Taifune, und die Philippinen haben ihren Anteil am Verlust von Leben und Eigentum. Und dann kommt dieses Jahr schon wieder eine Klima-Konferenz.

Dann wendet er sich China zu.

Wir sind Freund mit China. Ich vertrete das moderierende Land zwischen China und ASEAN. Und das letzte Ding, was ich gehoert habe ist, dass die Verhaltens-Regeln zur See [Code of Conduct] noch zwei Jahre auf sich warten lassen. … Und je laenger das noch dauert, wird es immer ein Brennpunkt fuer Aerger sein. Und das nicht nur wegen der fehlenden Verhaltens-Regeln, Frankreich, Groszbritannien und Amerika testen die Gewaesser. Bei Gott, die messen da nicht die Wasser-Temperatur. Die probieren echt aus, wer den ersten Schuss abfeuern kann. Und ich bin wirklich traurig und verwirrt, nicht aergerlich, weil ich da nichts tun kann. Ich hoffe nur, dass China mit den Verhaltens-Regeln kommt, und dass irgendwer die Vereinigten Staaten einbezieht. Wenn ihr das Thema denen ueberlasst, dann passiert nichts. Da ist soviel Animositaet verdeckt von Sueszholz-Raspeln, wie sehr sie ein Abkommen wuenschen. Aber keiner treibt das voran und soweit das China angeht, sehen die da nur ein Eindringen in ihre Gewaesser.

 



 

Ich mag China, sie haben uns ein biszchen geholfen. Doch es ist an uns zu fragen: Ist es rechtens fuer ein Land, einen ganzen Ozean zu beanspruchen? Lasst die hohe See doch, wie es in den Tagen der internationalen Rechte war. … China ist ein gesetzter Partner. Die China Sea ist Teil der Republik von China. Also gestehen wir das zu. Warum? Weil sie da sind. Und ein Haufen lausiger Politiker in meinem Land will mich dazu bringen den Schiedsspruch voranzubringen, weil wir den ja gewonnen haben. Und China sagt ‘dies ist unser Land, dies ist unsere See. Und jeder der da eindringt, wird sich mit uns messen muessen, sei es verbal oder auch mit Waffen.’ 

Mein Land ist klein. … Und in dem Moment, in dem ich meine Marine weiter als sechs Kilometer hinaus schicke, werden sie in ein, zwei Militaer-Schlaegen ausgeloescht. Wir haben nicht die Waffen.

So sah Praesident Duterte die Lage in seiner Rede am 31. Mai im Imperial Hotel in Tokio, Manila. Da ist interessant, wie das die USA sehen, und das war am 1. Juni im Shangri La-Dialog in Singapur zu hoeren, bei dem der amtierende US-Verteidigungs-Minister Patrick Shanahan sprach.

Der meint: “China kann und soll ein kooperatives Verhaeltnis mit dem Rest der Region haben … Doch ein Verhalten, welches die Souveraenitaet anderer Nationen untergraebt und Misstrauen gegenueber China saet, muss enden. … Bis es das tut, stellen wir uns gegen eine kurzsichtige, beschraenkte und engstirnige Sicht der Zukunft, und wir stehen fuer eine freie und offene Ordnung, die uns allen genutzt hat, einschlieszlich China.

 

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Von einem Handelskrieg zwischen USA und China, der ja kaum “fuer eine freie und offene Ordnung” spricht, will Shanahan lieber nichts wissen. Die Verhandlungen mit Peking gingen weiter, und das Pentagon bilde Beziehungen mit dem chinesischen Militaer her. Fahren sie deshalb dort mit ihren Zerstoerern um die Inseln herum, winken und rufen “Hallo!” um mit den Chinesen anzubandeln, oder wie seh ich das? Und der Zwangs-Boykott fuer die USA und US-Partner was Huawei angeht, spricht kaum fuer ein “kooperatives Verhaeltnis”.

Hat da nicht Duterte Recht, wenn er konstatiert, dass “unsere Region zu einer Arena des Ringens der Groszmaechte mit all ihren begleitenden Risiken und Moeglichkeiten” wird? In Shanahans Rede steckt mit den Worten Dutertes ausgedrueckt “viel Animositaet verdeckt von Sueszholz-Raspeln.

Und hierzulande? In einem Kommentar von Renato Cruz de Castro im “PhilStar” schreibt der ueber “Die Macht der Angst in der Philippinischen Auszen-Politik”. Er meint, dass Praesident Duterte Angst hat, bei der “Belt&Road”-Initiative zu kurz zu kommen, weshalb er sich China anbiedert. Darueber vergisst der den Spruch des Staendigen Schiedshofes im Haag von 2016, weil er Angst hat, dass die USA ihn gegen China nicht unterstuetzen werden.

Also: Angsthase Duterte, der nicht weisz, ob er von einem fort- oder zum anderen hinlaufen kann?

Man muss sich den Kommentar und den Autor naeher anschauen, um ihn zu verstehen. Darunter lese ich im “PhilStar”, dass de Castro zum Stratbase ADR Institute gehoert. Nun sollte man wissen, dass das “ADR” in dem Namen dieses politischen “Think Tank” fuer dessen Chef steht: Albert del Rosario, Auszen-Minister unter Benigno Aquino, mit dem er gemeinsam die Lage in der South China Sea vermasselt hat, und der kuerzlich mit der Aquino-Gefolgsfrau Conchita Carpio-Morales beim ICC (International Criminal Court) Klage gegen Chinas Praesident Xi Jinping eingereicht hat.

Also: “yellow as yellow can be”. Da geht es nicht um eine Analyse der Auszen-Politik, sondern darum, Dutertes Politik schlecht zu machen. Wie sagte der doch gleich? “Ein Haufen lausiger Politiker in meinem Land will mich dazu bringen den Schiedsspruch voranzubringen.

 



 

Wenn hier jemand versteht, was da drauszen laeuft, dann ist es der Staatsmann Rodrigo Roa Duterte. Alle anderen sind Lakaien des “US Deep State” und pflegen ein Bild der Welt, das zur Zeit des Kalten Krieges vielleicht aktuell war – heute nicht mehr.

Im uebrigen halte ich de Castro fuer unaufrichtig. Die tragende Rolle der Angst in der Politik erlaeutert er in seinem Kommentar einleitend mit der “Falle des Thukydides”. Darueber schrieb ich am 7. Januar 2018, dass der griechische Stratege und Historiker Thukydides (454 – 399 v. Chr.) in seinem Werk “Der peleponnesische Krieg” zum Ausbruch dieses Krieges schrieb: “Den wahrsten Grund freilich, zugleich den meistbeschwiegenen, sehe ich im Wachstums Athens, das die erschreckten Spartaner zum Krieg zwang.” Mit diesem Satz im Hinterkopf beschrieb der Harvard-Professor Graham T. Allison eine politische Falle, in der sich das wachsende China und die etablierte Supermacht befaenden, welche die USA in einen desastroesen Krieg zwingt, der letztlich zu ihrem Untergang als Supermacht fuehrt. Ob der Krieg wirtschaftlich oder blutig ausgetragen wird, bleibt offen, auf jeden Fall wird er finanziell ruinoes.

Anlass darueber Anfang 2018 zu schreiben, war ein Buch von Michael Wolff – “Fire and Fury: Inside the Trump White House”, der auf diese Falle mit Verweis auf Allison aufmerksam machte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass de Castro dieses Buch und den Verweis auf die Falle nicht kannte, schlieszlich sitzt er in einem “Think Tank”, der sich mit der Lage Asiens befasst. Er nennt diese Quelle in seinem Kommentar aber nicht, und das hat seinen Grund. Der Vergleich mit Sparta und Athen zielte bei Wolff / Allison auf die USA und China. De Castro will das auf die Philippinen und China ummuenzen. Das passt vorn und hinten nicht.

Mit dem Verhaeltnis von USA und China nebst Dutertes Anmerkungen befasst sich eine Meldung der “Agence France-Presse”, welche die “Times” heute unter der Ueberschrift “US warns China” auf der Titelseite bringt. Und auch das “Bulletin” betrachtet die Rede von Shanahan in Singapur.

Saysay sa adlaw – Mibulhot ang hangin gikan sa dagat. 

bulhot blasen + mi… V/G mibulhot  blies, ang best. Art., hangin Wind, gikan von … her, sa von, dagat See

Satz des Tages – Der Wind blies von der See her.

 



 

Gemaesz “PCOO”, “Manila Bulletin”, “PhilStar”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.