…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 29. Januar 2018

 

Dengvaxia – Dass die VACC (Volunteers Against Crime and Corruption) gegen den Ex-Praesidenten Benigno Aquino und dessen Budget-Minister Florencio Abad sowie die damalige Gesundheits-Ministerin Janette Garin diese Woche in Sachen “Dengvaxia” klagen wollen, ist keine Ueberraschung. Die klagen schnell, und ich habe den Verdacht, dass sie sich – aehnlich Menschenrechts-Organisationen – gern zu Wort melden, weil man sie sonst vergessen koennte. Also warte ich ab, was da kommt, wenn sie die Klage eingereicht haben. Diese Androhung von Klagen aehnelt Rufen wie “den bring ich um!”, den ein aergerlicher Mensch gern mal ausstoeszt, und dem in 99,9 Prozent der Faelle genau das nicht folgt, was angesagt war.

Es gibt daneben jedoch zwei Indizien, dass da mehr hintersteckt, was der Aufklaerung bedarf.

Das eine ist Rigoberto Tiglaos Kolumne in “The  Manila Times”, in der er heute beschreibt, dass zur Zeit eine massive und gut finanzierte Kampagne gestartet wird “um Sanofi und den frueheren Praesidenten Aquino als voellig schuldlos zu zeichnen fuer die Massen-Impfung 2016 von 830.000 Kindern mit dem Dengvaxia der franzoesischen Firma…” Dazu gehoert ein Artikel von Peter Wallace im “Inquirer” vom 25. Januar, der mit den Worten beginnt: “Lasst uns mit der Hysterie aufhoeren und mit den Fakten beginnen: Dengvaxia funktioniert.” Wallace hat eine Beratungs-Firma, die nach Tiglao von Sanofi oder einem Sanofi-Partner beauftragt wurde, sich des “Dengvaxia-Themas” anzunehmen, und welche Buehne waere da besser geeignet als der “Inquirer”, der immer schon hinter den Aquinos stand? In dem Artikel stellt Wallace die Diskussion um Dengvaxia als “Hysterie” dar, die von “opportunistischen Anwaelten” geschaffen wurde. Gut, wenn VACC vorprescht, lehne ich mich auch erstmal zurueck. Verraeterisch ist jedoch, dass man schon “proaktiv zurueckschlaegt”, wo der Erstschlag von VACC vor Gericht noch zu erwarten ist. Da geht jemandem der Arsch gehoerig auf Grundeis – warum wohl?

Das andere Indiz, warum es im Dengvaxia-Skandal stinkt, koennte man mathematisch als “indirekten Beweis” bezeichnen: Leila de Lima hat dazu nichts zu sagen. Der ehemalige “Wachhund von Benigno Aquino”, die inhaftierte Senatorin, die aus ihrer Zelle heraus mehr Stellungnahmen an die Oeffentlichkeit bringt, als sie zuvor im Senat sich zu Wort gemeldet hat, hat nun zu allem etwas zu sagen. Allein in diesem Januar, das Vorjahr mal auszer Acht gelassen, forderte sie unabhaengige Feld-Bueros fuer die Wahlkommission, sie forderte facebook auf, keine Luegen ueber sie zu verbreiten, sie wuenscht sich Dutertes Ruecktritt dieses Jahr, sie findet, dass eine Diktatur kommt, sie fordert die Lotterie-Gesellschaft vom Senat untersuchen zu lassen, sie haelt es fuer richtig, dass Richter Carpio nicht in der Anhoerung gegen Sereno aussagt, sie meint, dass unter Duterte die Reichen von schleichendem Autoritarismus bevorzugt werden und dass der General Staatsanwalt in Sachen Drogentoten etwas verschleiern will – zu allem hat sie etwas zu sagen und zu fordern. Nur Dengvaxia kommt bei ihr nicht mal als Wort vor. Kann es sein, dass das damit zu tun hat, dass es gegen “Herrchen” geht, dass der getreue “Wachhund” diesmal nicht “anschlaegt”? Da muss es wirklich schlecht um den aussehen, denn einen “guten Riecher” kann man ihr nicht absprechen.

Nachklapp – Nun hab ich gestern zugegeben, dass Rigoberto Tiglaos Kolumne ueber die Bedeutung der Presse zur Bildung einer Nation bei mir liegen geblieben war, obwohl er mir beachtenswert schien. Ich fand aber gruebelnd ueber Nacht, dass ich das gestern zu fluechtig dargestellt habe. Also heute, was gestern fehlte:

Dass neben Legislative (Kongress), Exekutive (Regierung) und Judikative (Gerichtsbarkeit) die Presse die “Vierte Gewalt” im Staate ist, laesst sich an einem Indiz festmachen (ich hab’s mit Indizien heute): es ist der Quellenschutz, auf den sich Journalisten berufen koennen. Sie muessen nicht sagen, von wem sie ihre Informationen haben.

Beispiel hier war Jomar Canlas von “The Manila Times”, der vor den Ausschuss im Amtsenthebungs-Verfahren gegen Oberste Richterin Maria Lourdes Sereno geladen war und genau davon Gebrauch machte. Er musste nicht sagen, von wem er wusste, was am Obersten Gericht falsch gelaufen war.

Genau dieser Quellenschutz gestattet Aufklaerung ueber Missstaende bei den anderen “drei Gewalten”, denn wuerden die “whistle-blower” benannt, haetten die sich gar nicht geruehrt. Diese Aufklaerung ist aber notwendig, sonst koennen “die da oben” ja machen, was sie wollen. Und ohne diese Kontroll-Funktion kommt es nie zu einer “Nation”, sondern hoechstens zu einem “failed state” oder einer Diktatur, in der die Presse nur das schreibt, was ihr gesagt wird.

Dieser Quellenschutz, auf den Journalisten sich berufen koennen, hat seine Kehrseite. Sie bzw. die Herausgeber koennen zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Falsches berichten. Und eben deshalb verlasse ich mich fuer meine Presseschau hier auf “richtige Zeitungen” und nicht auf irgendwelche Blogger – wie mich selbst – oder auf facebook. In der Hinsicht stehe ich immer noch zu meinem Vorschlag, dass Mark Zuckerberg fuer jede Luege, die in facebook erscheint, 1000 Dollar zahlen muesste, dann wuerde das mit den “fake news” dort ganz schnell aufhoeren.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.