…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 02. Februar 2019

(zum Bild: Zur Gegenüberstellung von Duterte und Trump)

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …war gestern unpaesslich, weshalb er den Barangay Summit on Peace and Order in Palo, Leyte, absagen musste. Er “fuehle sich nicht wohl” textete sein frueherer Assistent Christopher “Bong” Go. Das ist bedauerlich, denn Dutertes Rede zu “Frieden und Ordnung” inklusive naheliegender Abschweifungen haette ich gern mitbekommen. Enttaeuscht war auch Teresita Briton, die von Pintuyan, Southern Leyte, vier Stunden lang angereist war: “Wir reisten von 3 Uhr nachmittags weil wir ihn sehen und Bedenken betreffs unserer Barangays vortragen wollten, aber da koennen wir nichts machen.

Genau, da kann man nichts machen, denn, wie Dutertes Sprecher, Salvador Panelo, anmerkte, sei der Praesident kein “Supermann”. Das gibt mir aber Zeit, statt die entfallene Rede zu referieren, zu dem gern angestellten Vergleich von Duterte mit US-Praesidenten Donald Trump abzuschweifen, der offenbar niemals “unpaesslich” ist.

Ich wurde auf Trump aufmerksam, als Duterte seine erste SONA (State of the Nation Address) am 25. Juli 2016 hielt. Damals wies Jan Fleischhauer im “Spiegel” auf ein Posting von Michael Moore hin, in welchem der den Wahlsieg Trumps kommen sah und so begruendete: ”Du kannst den Knopf druecken und eine gerade Parteilinie waehlen, oder du kannst Mickey Mouse und Donald Duck schreiben. Es gibt keine Regel. Und eben deshalb, und wegen des Aergers den so viele fuer ein kaputtes politisches System empfinden, werden Millionen für Trump stimmen, nicht weil sie mit ihm uebereinstimmen, nicht weil sie seine Borniertheit oder sein Ego moegen, sondern einfach weil sie es koennen.” Es waren dies auch Gruende, warum Duterte gewaehlt wurde. Sein bester Wahlkaempfer war dabei sein Vorgaenger, Benigno “Noynoy” Aquino, der mit seinem “Noynoying ~ faul herumsitzen, den Kopf in die Hand stuetzen und nichts tun” jeden im Land – oder wenigstens eine Mehrheit – davon ueberzeugte, dass man so etwas nicht noch mal haben wollte. So fiel “Noynos” politischer Ziehsohn Mar Roxas durch, und der Hauruck-Buergermeister aus Davao wurde Praesident.

Der Vergleich Duterte ~ Trump wurde populaer wegen ihrer Sprache, die als “aehnlich” empfunden wurde. Aehnlich finde ich nur, dass sie nicht das abgehobene Gelaber gehabter Politiker ist, sondern aggressiv, vereinfachend, auf den Punkt. So wies Yen Makabenta in seiner Kolumne neulich darauf hin, dass das Wort “wall” in Trumps Reden denselben Stellenwert hat wie das Wort “kill” bei Duterte. Sehr unaehnlich scheint mir dagegen, dass Duterte ueber die Welt spricht, wie sie ist, waehrend Trump ueber eine Welt spricht, die er gern haette. Duterte luegt nicht – auch wenn er das von sich selbst behauptet, aber das ist eine Luege – Trump luegt immer wenn er den Mund aufmacht.

Ein anderer Punkt ist, dass Trump nichts liest, was ueber mehr als vier, fuenf Punkte einer Power Point-Seite hinausgeht, wenn man aus dem Weiszen Haus kolportierten Berichten Glauben schenken will. Dazu passt, dass Trump alles, was ihm einfaellt per Twitter in die Welt streut. Das sind halt maximal 140 Zeichen, seit November 2017 auf 280 Zeichen aufgebohrt. Fuer Trumps Gedankengaenge ist das voellig ausreichend. Duterte ist nach Geruechten aus dessen Umgebung dagegen ein Aktenfresser. Er twittert nicht. Was ihm durch den Kopf geht, sagt er den Leuten direkt in den Abschweifungen in seinen Reden, und das kann schon mal eine gute Stunde sein. Die Transskripte seiner Reden bei “PCOO” haben meist zwischen 15 und 25 Seiten. Bei diesen Reden kann man Duterte beim Denken zuschauen und zuhoeren, weshalb ich ja bedaure, dass ich ihn nun zu “Frieden und Ordnung” nicht erleben konnte. Denn grad das sind seine Themen seit jener ersten SONA, in der er sagte: “Wir alle wollen Frieden, aber nicht den Frieden der Toten, sondern den Frieden der Lebenden. (…) Deshalb reiche ich euch allen meine Hand heute. An unsere muslimischen Brueder, lasst uns die Jahrhunderte von Misstrauen und Krieg beenden.

Wie kein Praesident vor ihm hat er sich hinter diesen Frieden geklemmt. Und wenn das Oberste Gericht ihm nicht einen Strich durch die Rechnung macht und das BOL (Bangsamoro Oganic Law) als verfassungswidrig erklaert, zwei entsprechende Eingaben sind anhaengig, dann ist das ein Werk, das einen Friedens-Nobelpreis verdient haette – den er vermutlich ablehnen wuerde. Er sieht das, was er tut, als Pflicht gegenueber seinem Land.

Und das ist wieder so ein Gegensatz zu Trump, dem es nur um sich geht, wie er vor seinen Anhaengern dasteht. Duterte ist das egal. Ja, er ist ein Macho, ein Narzisst, der sich gern reden hoert – “Talkalese” – aber ob das ankommt, ist ihm scheiszegal.

Innen-Minister Eduardo Año sorgte bei dem Barangay-Gipfel dafuer, dass Teresita Briton und andere nicht umsonst angereist waren. Er hielt die vorbereitete Rede, was den Redenschreiber des Praesidenten gefreut haben mag, dass nicht nur der eine oder andere Absatz beilaeufig zwischen den Abschweifungen des Praesidenten erwaehnt wird, sondern dass sein Werk mal ganz unverstuemmelt vorgetragen wird. Was der gesagt hat? Keine Ahnung. Vermutlich das Uebliche, was Redenschreibern immer so zu Frieden und Ordnung einfaellt.

Zwei Kandidaten – Mit Schlagzeile und einem entsprechenden Artikel macht der “Daily Tribune” heute auf und widmet sich dem “Unaufhaltsamen Aufstieg” des Christopher “Kuya Bong” Go, Kandidat fuer die Wahl zum Senator im Mai, und ehemaliger Assistent des Praesidenten. Wobei mir unklar ist, ob er nicht immer noch dessen Assistent ist. Wo ich Duterte im TV sehe, ist “Kuya Bong” mit dabei. Das kann man als Wahlkampf-Unterstuetzung durch seinen Foerderer Duterte ansehen, der ihn stets dem Publikum vorstellt, damit die nicht auf die Idee kommen, dass der nur so namenlos da rumsteht wie die anderen auf dem Podium. Doch wenn es Go ist, der die “Unwohlmeldung” des Praesidenten bekannt gibt, dann ist da immer noch ein nahes Verhaeltnis, das weiter reicht als das Vorzeigen bei oeffentlichen Auftritten. Unter einem Foto des “Bong” Go auf der Titelseite des “Tribune”, der Haende ihm zujubelnder Menschen schuettelt, weist man darauf hin, dass dieser das “Charisma seines Chefs geerbt habe”, und in dem Artikel heiszt es zu Go: “Er ist bekannt als der haertest arbeitende Mann in der Regierung.” Anders haette er es mit dem Arbeitstier Duterte wohl auch kaum 21 Jahre bisher ausgehalten.

Der andere Kandidat fuer den Senat hat nun aus gesundheitlichen Gruenden das Handtuch geworfen. Harry Roque musste sich einer PCI (Percutaneous Coronary Intervention) unterziehen, die deutsche Bezeichnung klingt nicht sehr viel verstaendlicher – Perkutane Koronarintervention – aber das ist ganz einfach. Ich kann das sagen, hatte ich selbst 2004. Ich bekam eine oertliche Betaeubung an der Leiste, und durch einen Zugang wurde ein Katheter in die Ader gefuehrt, mit der eine verengte Stelle an den Herzkranzgefaeszen geweitet und dann ein “Stent” eingesetzt wurde, der die Stelle offen hielt. War interessant, da ich ja alles auf den Bildschirmen ueber mir mitbekam, auf die die Aerzte starrten, um ihren Eingriff zu lenken, und live zu sehen, wie sie sich zu der von einem Kontrastmittel sichtbaren Verengung vorarbeiteten und den Schaden behoben. Meine Herzschmerzen beim Treppensteigen waren vergangen, und seither schluckte ich jeden Morgen meine 100 mg Aspirin, was mein Arzt hier vor zwei, drei Jahren auf 80 mg Clopidogrel umgestellt hat. Ich hoffe, dass es Herrn Roque auch weiterhin gut geht. Man fragt sich, ob Duterte ihm wieder einen Job in der Regierung verschafft.

The Manila Times”… – …war heute etwas spaet dran. Als ich um Vier am PC war, sah ich noch die Ausgabe von gestern. Nun um 6:30  Uhr sehe ich in der aktuellen Ausgabe, dass ich das alles schon aus den anderen Blaettern hatte. Nur die Kolumne von Yen Makabenta zum Klima-Wandel werde ich spaeter noch lesen. Sie beginnt mit dem Satz: “Ich schreibe diese Kolumne in vollem Bewusstsein, dass einige Kollegen in der Times Glaeubige der Erderwaermung sind, und vermutlich Herzrhythmus-Stoerungen bekommen, wann immer ich unguenstige Nachrichten zu Erderwaermung und Klimawandel bringe.” Das Thema hatte ich neulich behandelt, das lass ich heute aus.

Besorgte Leser muessen nun nicht glauben, dass ich ohne Schlaf auskomme, wenn ich so frueh auf bin. Meine Frau ist jetzt grad aufgestanden – “’Maayong buntag, day.’ ‘Maayong buntag, dong.’” – und ich mache jetzt Fruehstueck, Roggenbrot mit Kaese und Leberwurst, und danach leg ich mich fuer ein, zwei Stunden nochmal hin. Ich werd nun mal um die Zeit wach und kann nicht wieder einschlafen – komisch.

Gemaesz “ManilaBulletin”, “DailyTribune”, “PhilStar”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.