aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samsag, den 08. August 2020

Zum Bild: Politik ist nichts für Heulsusen

 

Die Schlagzeile… – …der “Times” verkuendet: “Duterte orders DoJ to probe PhilHealth”. Mit dem Thema befasst sich auch der Leitartikel des “Standard” unter der Ueberschrift “An overpowering stench”. Dieser “ueberwaeltigende Gestank” der Korruption ist hierzulande nicht unbekannt, was ist diesmal anders?

Nun, meist gab es eine Untersuchung des Senats oder des Hauses – gab es hier auch – die kam im TV, so dass sich jeder zeigen konnte, der gesehen werden wollte. Dann verfasste man einen Bericht, der – links lochen, rechts abheften – irgendwo abgelegt wurde, und meist war weiter nichts. Falls doch mal etwas geschah, sah das so aus, dass eine Figur verschoben wurde – Laeufer von d4 nach e5 – und das Spiel ging weiter.

Die Task Force beim DoJ (Department of Justice), die Praesident Rodrigo Roa Duterte nun angeordnet hat, hat ein Vorrecht, das ueber das blosze Befragen hinausgeht. Ich habe das Faksimile des Schreibens von Praesident Duterte an Justiz-Minister Menardo Guevarra bei “PCOO” angeschaut, da steht woertlich: “Im Laufe der Untersuchung kann das Gremium, falls dies gerechtfertigt ist, dem Praesidenten die Verhaengung einer praeventiven Suspendierung eines PhilHealth-Beamten empfehlen, um die ungehinderte Durchfuehrung der Untersuchung zu gewaehrleisten.” Die fragen also nicht nur, die haben einen Knueppel dabei.

Und so heiszt es in dem Leitartikel des “Standard” – der einleitend Duterte zitiert, “…dass er nicht einmal einen Hauch von Korruption bei Regierungs-Beamten tolerieren wuerde” – dann abschlieszend: “Die Task Force hat 30 Tage Zeit, um ihre Aufgabe zu erledigen, zusaetzlich zu den regulaeren Aufgaben dieser Agenturen in den Regierungs-Angelegenheiten waehrend dieser schwierigen Zeit.

“Wir werden genau beobachten, wie sich die Task Force verhalten wird, und letztlich, wie der Praesident auf ihre Empfehlungen hin handeln wird.

“Eines der Anzeichen dafuer, dass man an Covid-19 erkrankt ist, so sagt man uns, ist der Verlust des Geruchssinnes. Wenn unsere Fuehrer unempfindlich bleiben gegenueber ueberwaeltigendem Gestank – nicht nur dem Hauch eines fauligen Geruchs – dann waeren sie mit etwas aehnlich Toedlichem und Schaedlichem wie das Coronavirus befallen, wogegen es jedoch weder Heilung noch Impfstoff gibt.

Praesident Duterte verstehen… – …ist, wie ich erst gestern wieder ausfuehrte, das Ziel dieses Blogs, und so kann ich an Beitraegen nicht vorbeigehen, die dasselbe Ziel verfolgen – wie sehen ihn andere?

Yen Makabenta fragt sich in seiner Kolumne in der “Times” heute: “Coronavirus vaccine: Are Trump and Duterte hawking fake news?” Jagen beide Praesidenten Falschmeldungen hinterher, wenn sie auf den kommenden Impfstoff setzen? Donald Trump erzaehlte in einem Interview, dass ein US-Impfstoff gegen das Coronavirus im November “moeglich” sei. Rodrigo Duterte sagte in einer Rede an die Nation: “Lasst uns einfach auf einen Impfstoff warten. Lasst uns bis Dezember warten, wenn wir nur geduldig sein koennen.” Nun gibt es jedoch warnende Stimmen, die da weit vorsichtiger sind, ich zitierte die auch, bis hin zu der Moeglichkeit, dass es einen Impfstoff gar nicht geben wird, und wir uns mit unterstuetzenden Behandlungen begnuegen muessen. So bleibt zu folgern – wie Makabenta seine Kolumne beginnt – dass ein Fuehrer bisweilen “…im Bemuehen den Ereignissen zuvorzukommen und die Zukunft vorherzusagen, den Verlockungen von Zauberei oder Prophetie zum Opfer faellt.” Er hat als Beispiel, dass Ronald Reagan an Astrologie glaubte, aber das bleibt ungestuetzt im Raum stehen. Ich kann weder bei dem einen, noch bei dem anderem einen Glauben an Zauber oder Prophetie erkennen, eher nacktes Wunschdenken.

Antonio Contreras geht das Thema Duterte in seiner Kolumne heute in der “Times” anders an: “Politics is not for snowflakes”. Er beginnt, dass DDS (Diehard Duterte Supporters) Gegner des Praesidenten als “Schneefloeckchen” abtun, wenn jene, von ihm in wuchtiger Ausdrucksweise abgekanzelt, sich darueber beklagen. Nun findet Contreras aber, dass Duterte selbst ein “Schneefloeckchen” oder – wie man im Deutschen sagt – eine “Zimperliese” ist. Auf das Ansinnen von Medizinern, seine Entscheidung zu ueberdenken, die Quarantaene fuer Metro Manila und Umgebung zu lockern, fuehlte Duterte sich in seinen Gefuehlen verletzt, wie Sprecher Harry Roque ausfuehrte, und reagierte harsch, als er dahinter gar eine “Revolution” vermutete. Und so schlieszt Contreras seine Kolumne: “Die Reaktion des Praesidenten und seiner loyalen Anhaenger sind nichts anderes als irrationale Reaktionen auf die sehr berechtigten Bedenken, die von den medizinischen Frontleuten geaeuszert wurden, die sie nun sogar beschuldigen, parteiische Werkzeuge zu sein, um den Praesidenten zu stuerzen.

“Schneefloeckchen sind Menschen, die um sich schlagen und irrational jammern, wenn sie kritisiert werden. Von daher wird klar, wer sich wirklich wie ein Schneefloeckchen verhaelt.

Dem koennte man zustimmen, waere das alles, doch Contreras hat nur die erste Haelfte der Geschichte erzaehlt. Duterte hat dem Ansinnen der Mediziner nach Beratung entsprochen und Metro Manila wieder abgeriegelt. Und von daher schmilzt der “Schneefloeckchen-Vorwurf” nicht nur dahin, sondern umgekehrt wird ein Schuh draus. Wir wissen nach vier Jahren, dass Duterte ein harter Hund ist, der nichts auf sich sitzen laesst. Doch er entscheidet erst nach Beratung, wenn er Dampf abgelassen hat, und so kann man Contreras entgegenhalten: “Wer die Hitze nicht vertraegt, sollte nicht in der Kueche arbeiten.

Ganz anders… – …ging Emil Jurado in seiner Kolumne gestern im “Standard” die Nachricht zur aufgehobenen und wieder verhaengten Quarantaene in Metro Manila und Umgebung an unter der Ueberschrift ”Schlechte Nachricht – gute Nachricht”: „‚Warum können unsere Beamten nicht über den Tellerrand hinausschauen?‘

Die MECQ bringt für viele von uns sowohl gute als auch schlechte Nachrichten.

Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der COVID-19-Fälle bei eingeschränkter Aktivität wahrscheinlich zurückgehen wird.

Die schlechte Nachricht ist, dass Menschen, die zur Arbeit gehen, keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen können, und dass die Jeepney-Fahrer wieder auf den Straßen betteln werden. Viele Beschäftigte müssen nun zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz gehen.

Dies darf nur noch zwei Wochen bis zum 18. August dauern. Doch die Verschlimmerung ist da. Das Ministerium für Arbeit und Beschäftigung schätzt, dass etwa sechs Millionen Menschen betroffen sind. Santa Banana, wissen Sie, was es bedeutet, arbeitslos zu sein oder kein Essen auf dem Tisch zu haben? Viele Arbeiter und Angestellte sind nur Gelegenheitsarbeiter und keine regulären Angestellten.

Was schwer zu verstehen ist, ist, warum die Umsetzer des MECQ nicht vorhersehen können, welche Folgen ihr Handeln haben wird. Sie verrichten ihre Arbeit wie Roboter.

Warum können sie nicht über den Tellerrand hinausschauen?

Präsident Duterte, ein Jurist, muss seinerseits auch dafür verantwortlich gemacht werden, dass er von den Beteiligten nicht verlangt, das Problem und seine Auswirkungen in seiner Gesamtheit zu betrachten. My Gulay, das ist fast immer so. Regierungsleute denken nie über den Tellerrand hinaus. Sie tun nur, was man ihnen sagt.

Aus Nachbars Sicht – In der Rubrik ”Asian Insider” befasst sich die  „Straits Times“ mit dem Brutto-Inlands-Produkt der Philippinen in Folge des Lockdown:

Die philippinische Wirtschaft erlitt im zweiten Quartal den tiefsten Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen und stürzte das Land in eine Rezession mit wenig Hoffnung auf eine rasche Erholung, da lähmende Maßnahmen, die den Ausbruch des Coronavirus eindämmen sollten, weiterhin Arbeitsplätze und Einkommen vernichten, berichtet der philippinische Korrespondent Raul Dancel.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der breiteste Maßstab für die produzierten Güter und Dienstleistungen, schrumpfte im April-Juni-Quartal um 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was die größte Schrumpfung seit Beginn einer neuen Serie von Datenerfassungen durch die Regierung im Jahr 1981 darstellt.

Präsident Rodrigo Duterte setzte Mitte März den Großraum Manila und den Rest der Hauptinsel Luzon – auf der etwa die Hälfte der über 107 Millionen Einwohner des Landes leben – unter Verschluss, um den Ausbruch von Covid-19-Infektionen zu verlangsamen.

Der bis zum 1. Juni andauernde Lockdown war einer der strengsten und längsten der Welt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “PCOO”, “Straits Times” u.a. uebersetzt mit DeepL.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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