aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 03. August 2020

Zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte stellt Metro Manila wieder unter MECQ

 

Covid-19 – Der Blick ueber den Tellerrand ist bei Problemen internationalen Ausmaszes geradezu Pflicht, und so beginne ich heute damit, dass in der ”Straits Times” aus Singapur deren philippinischer Korrespondent Raul Dancel verkuendet: “Duterte says sorry, restores quarantine restrictions around Manila as cases soar”. Natuerlich liefert das auch hier die Top-Stories – “Times: Duterte puts Metro Manila, 4 other areas under MECQ” – “Standard: Rody okays shift to MECQ” – doch es ist eben ein bemerkenswerter Schritt, wenn Praesident Rodrigo Roa Duterte eine getroffene Entscheidung – Metro Manila unter GCQ (General Community Quarantine) – revidiert und nach einem offenen Brief von ueber 80 medizinischen Verbaenden (siehe gestern) Metro Manila in seiner Lebens- und Bewegungsfreiheit wieder einschraenkt und MECQ (Modified Enhenced Community Quarantine) anordnet.

Praesident Duterte ist offen fuer guten Rat.

Er wehrt sich gegen den Vorwurf, “nichts zu tun” oder “unnuetz” zu sein. Er wirft den Schlaumeiern “neanderthal thinking” vor. Es seien “double standard idiots”, die die Bemuehungen der Regierung herabsetzen und selbst keinen Vorschlag zur Loesung machen.

O-Ton Duterte laut “Bulletin”: “Andere haben gefragt, warum die Regierung das Problem nicht loesen kann. Benutzen Sie besser Ihr Hirn. Es ganz einfach. Covid ist der Feind, nicht die Regierung. … Die Regierung versucht (den Coronavirus-Ausbruch) zu kontrollieren. Tatsache ist, dass die Regierung Sie in Ihrem Haus ins Gefaengnis gesteckt hat. Aber was ist passiert? Viele folgen dem nicht.

Die Fragen dieses “Idiotismus” bewegt nicht nur Duterte und die Philippinen.

Covidioten – Den Ausdruck “Covidioten” kannte ich nicht, und ich kann an solchen Wortschoepfungen nicht voruebergehen. Wie ich in der “Sueddeutschen Zeitung” in einem Kommentar von Detlef Esslinger lese, stammt der Ausdruck von SPD-Chefin Saskia Esken, die damit jene Labilen, Frustrierten und Unentschiedenen meint, die in einer Demontration in Berlin gegen die Masznahmen der Regierung zur Covid-19-Bekaempfung protestierten. Die so abzutun sei falsch, meint Esslinger, man muesse sich gerade um sie kuemmern.

Dies ist auch Tenor des Leitartikels der “Times” heute mit der Ueberschrift: “Safety from Covid-19 should be a matter of personal responsibility”. Darin heiszt es, dass es in der Bekaempfung des Virus nicht darauf ankommt, wer nun “Sprecher” oder “Implementor” des IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19 sei, oder ob es ein, zwei oder drei Bayanihan to Heal as One-Gesetze gibt, und wie man am besten wie viele Polizisten mit einem Block von Strafzetteln ausstattet, um die Buergerschaft vor der Infektion zu schuetzen, nein – “Wie gut sich der einzelne Buerger selbst vor einer Infektion schuetzt, indem er eine Gesichtsmaske traegt, physikalischen Abstand praktiziert und sich haeufig die Haende waescht, ist ausschlaggebend, die Pandemie zu ueberleben.

Wenn das so einfach ist – warum kapieren das nicht alle?

Ich habe mal Philosophie studiert und bin dabei ueber Martin Heidegger gestolpert, der in seiner “Einfuehrung in die Metaphysik” meint, “Warum ist ueberhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?” sei die Grundfrage der Philosophie. Ich habe laenger darueber nachgedacht und nach dreiszig, vierzig Jahren kam ich zu der Einsicht, dass die Frage daemlich und Heidegger ein Quatschkopf ist.

Die Grundfrage der Philosophie sollte sein: “Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Die Frage ist aequivalent zu der topologischen Frage: “Warum verheddern sich Kabel, wenn sie zu Boden fallen?” Die Antwort gibt die Wahrscheinlichkeits-Rechnung: “Weil sie es koennen.” Es gibt beim Hinfallen eines Kabels unzaehlige Moeglichkeiten fuer Kabelsalat, statt der einen gewuenschten Weise, die sich glatt aufheben laesst, wenn man das Ende, das man grad sieht, einfach aufnimmt.

Bei Menschen ist es so aehnlich. Jeder macht sich seinen eigenen Reim auf den Lauf der Welt, da gibt es keine Regel, nach der sich das aufdroeseln laesst. Wir denken nicht in logischen Regeln, sondern in Geschichten, und die setzen erst Regeln, wenn sie weiter und weiter erzaehlt werden. Mein eigenes Denken kann ich in den Griff kriegen und es nach Faustregeln oder Grundsaetzen gestalten. Das Denken des Anderen ist aus meiner Sicht immer schicksalhaft, so wie das Wetter oder ein Erdbeben. Menschen koennen denken, was sie wollen, und das tun sie auch.

Ob ich das dann verstehe, ist eine andere Frage. Ich bemuehe mich, Duterte zu verstehen. Wie er auf Covid reagiert, kann ich nachvollziehen. Mit den “Covidioten” kann ich auch nichts anfangen, aber das ist auch nicht meine Aufgabe.

SWIFT – Nachdem ich gestern Mauro Gia Samontes Gedanken ermutigend fand, dass es nach seiner Einschaetzung nicht zu einem Krieg zwischen den USA und China kommt, folgt heute gleich wieder ein Tiefschlag von Dan Steinbock in seiner Kolumne in der “Times” mit dem Titel: “Trump White House accelerating toward dollar crisis”.

Da Finanzen nicht mein Ding sind, muss ich mich auf den Sachverstand des Autors verlassen, und da beunruhigt mich, wenn er schreibt: “Schlimmer noch: Berichten zufolge erwaegt das Weisze Haus, von einem bilateralen Handelskrieg zu einem Versuch ueberzugehen, China aus dem auf Dollar lautenden internationalen Zahlungsnetzwerk auszuschlieszen. In Peking wuerde dies als eine Bewaffnung des US-Dollars angesehen werden. Weder die Philippinen noch ASEAN waeren vor den potentiell negativen Auswirkungen gefeit.

Es geht dabei um SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), das 1973 in Bruessel geschaffen wurde, um weltweit Bank-Geschaefte abzuwickeln. Nun erinnere ich, als ich hier ein Konto einrichtete und fuer meine Rente eine IBAN brauchte, dass es die hier nicht gibt – ich hab nur einen SWIFT-Code.

Fuer die Rente reicht das, aber – was passiert, wenn dem Egomanen im Weiszen Haus Dutertes Haltung zwischen USA und China nicht gefaellt und er SWIFT kappt – krieg ich dann keine Rente mehr?

Ich wuerde das gerne als unbegruendet abtun, doch in der “South China Morning Post” aus Hongkong finde ich prompt einen Artikel von Anthony Rowley mit dem Titel: “Why the US dollar slide may be a sign of real danger this time”. Der schreibt: “Womit wir wieder beim Dollar waeren, in dem die Maerkte eine entwertete Waehrung sehen, die kaum das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt ist. Stattdessen kaufen sie Edel-Metalle und Nicht-Dollar-Waehrungen. Das ist gefaehrlich, weil mit dem Dollar viele Dinge fallen koennten, von globalen Reserven und Handel bis hin zu Bank- und Finanz-Transaktionen und Rohstoffen.

Wie zum Beispiel SWIFT?

 



 

Gemaesz “Straits Times”, “PNA”, “Manila Times”, “Manila Standard”, “Manila Bulletin” “Sueddeutsche Zeitung”, “South China Morning Post” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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