aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 02. August 2020

Zum Bild: Da die Philippinen eines der asiatischen Länder mit der niedrigsten Zellstandortdichte sind, sind sie gezwungen, im Vergleich zu den meisten ihrer Nachbarn mehr Internetnutzer pro Zellstandort zu bedienen. 

 

Bin etwas spaet dran… – …weil ich von 4 Uhr, als ich mich an den PC setzte, bis 5 Uhr kein Netz bekam. Soviel zu Globe, dessen Chef, Ernest Cu, drohte Praesident Rodrigo Roa Duterte bei einem Treffen an, ihn an einem seiner Sendemasten aufzuhaengen, wenn sie nicht besser werden. Cu soll gemaesz Duterte geantwortet haben: “Mayor, das koennen Sie nicht machen, weil es keine Sendemasten gibt. Die LGUs (Local Government Units) machen alles kaputt, deshalb. Wo wollen Sie mich da aufhaengen? An einer Kokospalme?

Cu erzaehlte Duterte dann, dass man etwa 28 bis 30 Genehmigungen braucht fuer einen Sendemast, und das dauere rund acht Monate. Nun hat Duterte die LGUs auf dem Kieker, dass die in die Puschen kommen und das Verfahren abkuerzen.

Aber lassen wir das, es gibt Wichtigeres:

Metro Manila needs ECQ ‘timeout’ now”… – …ist die Schlagzeile der “Times” heute, und der “Standard” titelt: “Frontliners plead for ‘timeout’”. Mehr als 80 medizinische Verbaende in den Philippinen draengten gestern die Regierung in einem offenen Brief, die ECQ (Enhanced Community Quarantine) in Metro Manila fuer zwei Wochen wieder anzuordnen, weil sich bestaetigte Faelle von Covid-19 haeufen, und sie warnen, sie kaempfen in “einer verlorenen Schlacht ~ a losing battle”.

Nun haben wir, wie ich gestern beklagte, zwar keine Virenexperten in der IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19, dafuer aber Aerzte im Land, die den Mund aufmachen, und einen Praesidenten, der zuhoert.

Zwar wies Malacañang das Schreiben anfaenglich zurueck, doch dann ordnete Praesident Duterte an, die IATF moege umgehend handeln – wobei die Meldung in der “Times” zwei Interpretationen zulaesst:

PRESIDENT Rodrigo Duterte on Saturday ordered the Inter-Agency Task Force for the Management of Emerging Infectious Diseases (IATF-EID) to act immediately on the concerns raised by the frontliners who appealed for a “timeout” and to put Metro Manila anew under enhanced community quarantine (ECQ) while they recalibrate their strategies against the coronavirus disease 2019 (Covid-19) amid the continuing rise in the number of infections.

Bezieht sich das “to put Metro Manila…” noch auf den Appell der Frontliner, dann ist die Entscheidung des IATF abzuwarten, oder gehoert das schon zu dem, was IATF tun soll, “while they recalibrate…”, dann muesste ECQ angeordnet werden?

Da ich nach laengerem Warten – von 6:00 Uhr bis 6:50 wieder keine Verbindung bei Globe – keine Meldung zum ECQ finde und der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, wieder mal nur Unverbindlich-Bluemerantes absonderte, nehme ich an, dass die IATF noch gruebelt, was zu tun sei.

Also warten wir wieder.

In diese Kerbe schlaegt auch der Leitartikel der “Times” mit der Ueberschrift “People should learn to live with Covid-19 for some time”. Der Leitartikler glaubt – wie ich auch gestern bereits – nicht an den Dezember, zu dem Praesident Duterte das “back to normal” mit einen Impfstoff gegen Covid-19 erwartet. Er verweist als Beispiel auf Ebola und schreibt:

Der erste Impfstoff gegen Ebola, ein weitaus toedlicherer Erreger als Covid-19, kam erst im Dezember 2019 auf den Markt. Der juengste Ebola-Ausbruch war um 2014 und 2015, aber das EBOV oder Ebola-Virus wurde in Afrika bereits 1976 gemeldet.

Die South China Sea… – …ist nun mal neben Covid-19 der zweite Aufreger, der die Welt und ganz besonders die Philippinen in Atem haelt, weil – Covid-19 reicht eigentlich. Muessen die USA und China sich da gerade jetzt deswegen auch noch in die Haare kriegen?

Hierzu hat sich Mauro Gia Samonte in seiner Kolumne in der “Times” gestern und heute unter der Ueberschrift “Surfing through seas of war and peace” geaeuszert. Er waehlt als Motto ein Zitat von Sun Tzu aus dessen “The Art of War”:

The end of peace is war. The end of war is peace.

Das Dilemma, in dem wir heute zwischen Frieden und Krieg stehen, begann 2008, als Barack Obama entschied, dass der Mittlere Osten nicht so wichtig sei, sondern der asiatisch-pazifische Raum. Die neue Zielrichtung beschrieb Auszen-Ministerin Hilary Clinton 2011 in einem Aufsatz in “Foreign Policy” unter der Ueberschrift “America’s Pacific Century”, worin es hiesz: “Die Zukunft der Politik wird in Asien entschieden werden, nicht in Afghanistan oder im Irak, und die Vereinigten Staaten werden im Zentrum des Geschehens stehen.

Da in der Zeit China seine Fuehler in Richtung South China Sea austreckte, verkuendete Obama 2012 bei einem Ostasien-Gipfel: “Obwohl die Vereinigten Staaten keine Partei in dem Streit [zwischen China und den ASEAN-Staaten ueber die South China Sea] sind, sind wir ein im Pazifik ansaessiges Land, eine Seemacht und ein Garant fuer den Frieden im asiatisch-pazifischen Raum.

Nun traten sie bisher aber weniger als “Garant fuer den Frieden” sondern in ihrer Rolle als “history’s greatest world bully” auf. Und so grassiert hier die Furcht, ob es zu einem Krieg USA vs China in dem Hickhack um die South China Sea kommen kann.

Samonte verweist darauf, dass die USA sich aus dem Ersten Weltkrieg heraushielten, bis ein deutsches U-Boot die Lusitania versenkte. Aus dem Zweiten Weltkrieg hielten sie sich heraus, bis die Japanaer Pearl Harbor bombardierten.

Nimmt man dies als Grundsatz, dass die USA einen Grund brauchen, um nicht als Agressor dazustehen, dass sie jemanden vorschicken, um dann als “rettende Kavallerie” auftreten zu koennen, kommt Samonte zu dem Schluss:

Solange Duterte an der Spitze der Nation steht, wird Trump die Philippinen also nicht in der Hand haben, indem er sie zu Futter fuer die Beschieszung Chinas macht. Ihm wird letztendlich dieses eine Alibi entzogen worden sein, um gegen China in so kalibrierter Weise in den Krieg zu ziehen, dass die Konfrontation auf konventionelle Kriegsfuehrung beschraenkt bleibt. Es wird ein Raketenkrieg sein, auf den er zurueckgreifen muss, falls er beschlieszt, China in Feindseligkeiten zu verwickeln. Aber chinesische vorgeschobene Militaerstuetzpunkte in der South China Sea sind seit langem vorhanden, um jeden Erstschlagsversuch der USA zu vereiteln.

Am Ende gibt es keinen Erstschlag der USA, keinen Treffer gegen China, keinen Krieg.

Soviel, um auf diese Weise den Menschen guten Willens Frieden auf Erden zu wuenschen.

Moege Samonte Recht behalten.

 



 

Gemaesz “Inquirer”, “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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