aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 01. August 2020

Zum Bild: Der Regierungssprecher Harry Roque entwickelt sich immer mehr zum Pausenclown

 

80:20 – Ich habe kuerzlich bemerkt, dass ich – wie das philippinische Volk – zu 80% fuer Praesident Rodrigo Roa Duterte bin, was auch heiszt, dass ich ab und an mit den 20% gegen ihn bin, und heute kommen mal die 20% zu Wort.

Die Informations-Politik zu den Masznahmen gegen Covid-19 ist unter aller Sau. Das betrifft weniger die Kritik an Gesundheits-Minister Francisco Duque, dessen Ruecktritt nicht nur von oppositionellen Politikern gefordert wird, und es geht mir nicht um die militaerische Besetzung der IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19, sondern es geht darum, wie die Information unter das Volk gebracht wird. Besonders unverdient macht sich da der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, den ich nur noch als “Pausenclown” betrachten kann.

Nun hat er tagelang “major changes in Covid fight” angekuendigt, und nun hat Praesident Duterte verkuendet, dass praktisch alles gleich bleibt: Metro Manila bleibt unter GCQ (General Community Quarantine), so auch Cebu, und fuer den Rest des Landes aendert sich nichts. Das gilt bis Mitte August, da Duterte aber zugleich die Rueckkehr zur “Normalitaet” erst fuer Dezember sieht, heiszt das praktisch, dass der bisherige Zustand fuer den Rest des Jahres so bleibt. So lautet die  Schlagzeile der “Times” heute denn auch: “Duterte: PH to return to normal in December”.

Ist das der angekuendigte “major change”?

Ich nehme Duterte den Dezember auch nicht ab, denn der baut darauf, dass er von China zuerst den Impfstoff erhaelt, ohne den er zum Beispiel die Schueler nicht in die Schulen zurueckkehren lassen will. Wer sagt aber, dass China bis dahin einen Impfstoff markt-fertig in diesem Umfang hat, dass es nicht nur sich selbst, sondern auch “befreundete Staaten” versorgen kann? In “CNN” hoere ich einen Experten, der meint, dass die USA bis Ende 2021 ueber einen ausgereiften Impfstoff verfuegen werden. Oder sind die Filipinos die “guinea pigs” fuer chinesische Impfstoff-Tests, bis die meinen, sie koennen das ihren eigenen Landsleuten zumuten? Gerade nach dem “Dengvaxia-Skandal” koennte ein anfaenglicher Fehlschlag hier zu einer totalen Impf-Verweigerung fuehren.

Man weisz praktisch nichts, doch die Schlagzeile des “Standard” schreit es heute hinaus: “P20B alloted to vaccine buy”. Man hat schon mal 20 Mrd Peso um etwas zu kaufen, das es noch nicht gibt. Und dann zitiert der “Standard” den Praesidenten auch wieder: “Im Dezember werden wir wieder zur Normalitaet zurueckkehren.” Zu dem erwarteten Impfstoff sagt er: “Dies wird umsonst sein. Die ersten Nutznieszer werden die Aermsten der Armen sein. An zweiter Stelle werden mein Militaer und meine Polizei stehen – das Rueckgrat meiner Verwaltung.” Ich weisz nicht, ob er bemerkt, dass er seine Regierung damit als die eines Militaer- und Polizei-Staates charakterisiert. Und Duterte faehrt fort: “Nehmt fuer meine Feinde keine Nadeln. Benutzen Sie einfach das Bajonett bei Drogendealern und Drogenbossen. Ich werde keine Impfstoffe an sie abgeben.

Ist das die Sorge um die Filipinos, die ihn umtreibt? Gehoert das hierher, oder ist Duterte besessen von dem Alptraum, irgendein Drogen-Fuzzy koenne sein Regime ueberleben?

Doch nicht nur das dreht mir den Magen um, da ist auch Dutertes Beharren darauf, dass man “gasoline as desinfectant” nutzen kann. Ich kenne Benzin als Reinigungs-Mittel und habe das als “honest mistake” abgetant, als er das zur Reinigung von Gesichts-Masken vorschlug. Da Duterte aber darauf besteht, dass er keine Witze macht – Roque hatte das als Witz bezeichnet – dass wenn kein Alkohol da sei, man besser Benzin benutzt, habe ich mich schlau gemacht und fand bei “Apotheke adhoc” diese Erlaeuterung, die ich in einer Facebook-Gruppe gestern schon brachte. Da ich aber auf mehreren Plattformen gelesen werde, hier nochmal fuer alle:

Auch andere Substanzen als Alkohol wirken desinfizierend. Benzin, das aus einer fraktionierten Destillation aus Erdöl gewonnen wird, kann ebenfalls Keime abtöten. Aus der Apotheke bekannt ist das sogenannte Wundbenzin. Bei der Flüssigkeit handelt es sich um einen extrem reinen Petrolether. Wundbenzin unterscheidet sich zu anderen Benzinformen des Gemisches durch seinen Reinigungsgrad: Das Gemisch enthält gesättigte Kohlenwasserstoffe, die hauptsächlich aus sechs und sieben Kohlenstoffatomen bestehen. Wundbenzin wird für die Entfernung von Pflastern und Pflasterrückständen und zur Entfettung der Haut verwendet. Zur großflächigen und wiederholten Anwendung auf der Haut ist der Stoff weniger geeignet – es kommt sehr schnell zur Austrocknung der Haut, sodass die Hautbarriere gestört wird und Keime leichter eindringen können. Petrolether (n-Hexan), einer der Hauptbestandteile des Wundbenzins, wird im Körper zu neurotoxischen Stoffen metabolisiert. Wundbenzin steht im Verdacht reproduktionstoxisch zu sein. Der Stoff gilt als obsolet, eine Anwendung am Menschen sollte nicht mehr erfolgen.

Es geht nicht um das, was man bei der Tankstelle in den Tank fuellt, sondern um ein besonderes, gereinigtes Benzin. Doch selbst das gilt als “obsolet”, so dass dessen “Anwendung am Menschen nicht mehr erfolgen sollte„. Eine Gesichtsmaske, durch die man atmet, ist eine Anwendung am Menschen, fuer die das auch gelten sollte.

Aus meiner gescheiterten Referendars-Ausbildung am Lehrer-Seminar Dortmund erinnere ich einen Satz besonders: “Schreibe nie etwas Falsches an die Tafel, genau das merken sich die Schueler.

Ein Praesident, der sich per TV an die Nation wendet, “steht praktisch an der Tafel”, und sollte so etwas nicht sagen und nicht auch noch darauf bestehen, wenn es beim ersten Mal nicht richtig rueberkam. Man koennte Duterte zugute halten, dass er anders als sein amerikanischer Kollege wenigstens nicht empfohlen hat, das Zeugs zu saufen, doch das hindert unkritische Menschen nicht, ihre Kinder erstmal mit Benzin abzuduschen, wenn sie nach Hause kommen. Man hat in den USA gesehen, dass eine Sekte gleich ein Geschaeft daraus machte, Bleichmittel zu verkaufen, als Trump diesen Bloedsinn im TV verzapfte, man koenne Bleichmittel trinken oder injizieren, um sich vor Covid zu schuetzen. Fuer manche Menschen ist es das Wort Gottes, was der Praesident im TV sagt – besonders wenn man zu den 80% gehoert.

Um in meiner Kritik einigermaszen fair zu bleiben, habe ich mir einen Seitenhieb auf die Lachnummer der Regierungs-Masznahmen verkniffen, dieses Schutzschild, das den Sozius vom Motorrad-Fahrer trennen soll. Leider lese ich bei “PNA”, dass man das ernst meint unter der Schlagzeile: “Fines await motorcycle back riding violators starting Aug. 1”. Und das “Bulletin” setzt noch eins drauf: “DILG chief tells motorcycle experts to leave virus mitigation to government”. Bei einer Veranstaltung in Bohol dankte Innen-Minister Eduardo Año dem geistigen Vater dieser Trennscheibe, Arthur Yap, Gouverneur von Bohol, fuer dessen geniale Idee, und sagte in Richtung erzuernter Motorrad-Fans, die das fuer unfalltraechtigen Bloedsinn halten: “Glaubt nicht, dass ihr alles ueber die Pandemie wisst.” Das hatten die zwar nie behauptet, aber man kann mit dieser Vorgabe gut auf sie einpruegeln: “Aber natuerlich gibt es viele Besserwisser, Kritiker, die dieses und jenes sagen, dass es unnoetig ist. … Es gibt viele Klugscheiszer, die sagen: ‘Wir sind von den Motorrad-Verbaenden, Biker.’ … Wenn es um Motorraeder geht, glaube ich, dass ihr Experten seid, aber wenn es um die Pandemie geht, spielt nicht die Experten, denn ihr muesst wirklich studieren, was dieses Virus ist.

Die Motorrad-Fans hatten ueber Unfaelle mit dieser behindernden Trennscheibe gesprochen, nicht ueber das Virus. Doch Minister Año weicht dem aus, und spricht ueber das Virus. Das ist eine rhetorische Standardfigur: kommst du links nicht vorbei, geh rechts rum. Doch da droht eine andere Gefahr: wo ist denn der Virus-Experte der IATF? Año selbst ist das nicht, gelernter Militaer, zuletzt Stabschef der AFP (Armed Forces of the Philippines), der sich im Kampf um Marawi sicher Verdienste erworben hat, bevor er ins Innen-Ministerium berufen wurde.

Zu Gesundheits-Minister Francisco Duque schrieb ich neulich schon, dass er zwar einen Doktor-Titel in Medizin hat, doch schaue ich mir seine Karriere in der “Wikipedia” an, so hatte er hauptsaechlich Verwaltungs-Positionen inne. Ein Immunuloge wie Anthony Fauci in den USA, dem Trump neidet, dass der in Umfragen beliebter ist als er – der Praesident – selbst, einen solchen Mann hat Duterte nicht im Team. Also muessen die Biker sich mit der Expertise von Eduardo Año begnuegen.

Als ich neulich in meinem Blog ueber Kritik klagte, bekam ich eine Antwort mit einem Anhang, was dem Kritiker an Duterte nicht gefiel. Die Aufzaehlung war wirklich eine komplette Sammlung aller Punkte, die von Duterte-Gegnern jeder Couleur je vorgebracht wurden. Und so stellte ich dem Kritiker listig die Frage: “Nur mal interessehalber: welchen der 2016 angetretenen Kandidaten-innen haettest Du gewaehlt, waerest Du stimmberechtigt gewesen?

Er hat darauf nicht geantwortet. Umgekehrt wird ein Schuh draus, und so stelle stelle ich mir dieselbe Frage nun auch nach meiner Kritik an Duterte und seinem Team.

Wer sonst?

Und schon bin ich wieder bei den 80%.

Ein schoenes Wochenende noch.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” “CNN”, “Apotheke adhoc”, “PNA”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

4 Gedanken zu „aus der philippinischen Presse

  • August 1, 2020 um 08:50
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    Guten Morgen Herr Eckard,
    Ihren Konter bezüglich der Kritiker finde ich klasse.
    Es beweist sich mal wieder, dass es immer Leute gibt, die, egal in welcher Situation, aktuelle Gegebenheiten kritisieren, vielleicht sogar verteufeln, aber nicht in der Lage sind einen Vorschlag zum Besseren zu machen. Lebensmotte: Hauptsache dagegen sein.
    Berufs- und Gewohnheitsnörgler eben.

    Alles Gute und bleiben Sie gesund

    Dietmar Westenfelder

    Antwort
  • August 1, 2020 um 18:19
    Permalink

    Hallo Eckard, schaue bitte einmal nach welche Impf-Firmen alles an eine Impfung arbeiten, und wer dahinter steckt: Bill Gates! Und dann schaue mal – man findet diese Informationen mittlerweile seit längerem zum Glück auch jetzt im Internet – was Bill Gates in Bangladesh gemacht hat. Einfach mal nach googlen wie beispielsweise: „Bill Gates Impfungen Bangladesh“ oder „Bill Gates ID Chip“ usw..

    Antwort
    • August 2, 2020 um 05:00
      Permalink

      Hallo Eckhard, ich interessiere mich fuer die Philippinen und Duterte, das fordert meine volle Aufmerksamkeit. Fuer Bangladesh und Bill Gates bleibt da leider keine Zeit.

      Antwort
  • August 2, 2020 um 13:34
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    Wenn die Politik hier über das Virus wirklich Bescheid wüsste dann würde der Fehler den LGUs die Macht zu geben erst gar nicht geschehen.

    Was an geistigen Blödsinn dabei rauskommt, siehe Gov. Yap von Bohol und sein Motorrad Shield für Ehepaare und Pärchen. Im Haus essen die am selben Tische, schlafen im selben Bett und auf dem Motorrad müssen Sie Plastik zwischen sich haben.
    Habe jetzt immer ein Kondom im Bett an, auch wenn ich alleine schlafe, hoffe es schützt.

    Antwort

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