aus der philippinischen Presse

 



PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 29. Juli 2020

Zum Bild: Weiter geht es mit Covid-19 in den Philippinen

 

Schlagzeilen und so weiter – Es ist nun einmal so, dass manche Artikel sich mit ihrer Schlagzeile erledigen, weil darin nichts weiter folgt, was deren Aussage erhaerten und mit Bekanntem verknuepfen koennte. Das aber waere interessant, weil wir keine Saetze, sondern nur Zusammenhaenge verstehen, welche die Saetze mit unserem Leben verknuepfen.

Die Schlagzeile der “Times” schreit mich an: “Worst is over”. Das stammt vom Chef der Zentralbank der Philippinen, Benjamin Diokno, und er aeuszerte das in abgemilderter Form – “I think the worst is over” – auf einem Forum, das “The Manila Times” veranstaltet hatte. Natuerlich bringt die “Times” das. Gaebe es nichts zu berichten, hiesze das ja, dass bei dem Forum nichts gesagt wurde, was zu erzaehlen sich gelohnt haette – und dafuer laedt man nicht den Chef der Zentralbank ein.

Also schaue ich naeher hin, was Diokno gestern gesagt hat, und lese: “Ich denke, das Schlimmste ist ueberstanden … wir sind jetzt auf dem Weg zur Besserung … Das vierte Quartal wird noch staerker ausfallen. Wir erwarten einen starken Aufschwung in den Jahren 2021 und 2022 … Aber auch wenn wir aus dem Groebsten noch  nicht heraus sind, muessen wir ueber diese Krise hinausblicken.

Moment a’mal! Ist das Schlimmste jetzt vorbei, oder gilt, was Duterte in seiner SONA (State of the Nation Address) am Montag sagte: “Worse times loom ahead ~ Schlimmere Zeiten drohen”?

Und in der “Times” sehe ich einen Artikel mit der Ueberschrift: “Metrobank exec sees ‘longer pains’”. Deren Vize-Praesident Fernand Antonio Tansingco meint naemlich: “Warum das so ist? Weil die Produktionsmittel, der Schmerz, der zugefuegt wurde, die Arbeiter, die entlassen wurden, die Unternehmen, die schlieszen mussten, weil sie den Betrieb nicht aufrecht erhalten konnten, Zeit fuer den Wiederaufbau brauchen werden. … Und deshalb moechten wir alle warnen, sich fuer einen laengeren Schmerz zu ruesten. Wenn Sie in dieser Zeit Ihre letzten Reserven verbrauchen, muessen wir eher an einem Marathon als an einen Sprint denken. Wir muessen unsere Reserven so lange wie moeglich aufrechterhalten, weil wir das Gefuehl haben, dass es Zeit braucht.

Und da ist auch die Schlagzeile des “Standard”, der meint: “Virus cases surpass 85,000”. Und in der “Times” mosert Ramon S. Tulfo in seiner Kolumne: “Digong forgot to mention the cure for Covid-19”, und im “Bulletin” findet Vize-Praesidentin Leni Robredo: “Pandemic can’t be solved by just waiting for vaccine”. Ich lese rein und sehe, dass sie meint, man muesse zuerst die richtigen Daten sammeln, und das reicht mir schon. Duterte hatte sie mal als “Drogen-Zarin” eingesetzt, und sie fing an, Daten zu sammeln. Duterte hat sie rausgeschmissen, weil nichts dabei rauskam.

Das aendert aber nichts daran, dass Robredos Behauptung richtig ist, dass man nicht einfach auf einen Impfstoff warten kann. Dutertes Aussage in seiner SONA – “Aber lassen Sie uns nicht verzweifeln. Der Impfstoff steht vor der Tuer (is around the corner). Frueher und nicht spaeter wird das Virus, das Tausende von Menschenleben verschlungen hat, selbst zur Ruhe gebettet werden.” – ist zwar aufmunternd fuer’s Volk, aber, wie Tulfo anmerkt, Duterte hat nicht gesagt, wie das gehen soll, und das waere der spannende Teil gewesen.

So wartet mal wieder alles auf den Praesidenten, der sich heute zu weiteren Masznahmen aeuszern will. Sein Sprecher, Harry Roque kuendigt Groszes an, wie ich in der “Times” lese: “Duterte eyes major changes in Covid fight”.

Nun ist Roque so ein Fall fuer sich. Der hatte mal versprochen, wenn man mit Steinen nach der Regierung wirft, werde er mit “hollow blocks” antworten. Dann hat er kleine Broetchen gebacken, als er Gegenwind in der Presse bekam. Ueber ihn sagte der verstorbene Kolumnist Jojo Robles einst, bei Roque wisse man nie, wann er fuer den Praesidenten, und wann er fuer sich spricht. Welche Erwartungen man auch immer an einen Sprecher des Praesidenten haben mag, aber man sollte aus seinem Munde schon erfahren, was der Praesident gesagt hat. Und da gab es nun zwei Faelle in letzter Zeit, die das in Frage stellen. Zum einen wusste Roque nicht, dass Dutertes Rede in Jolo am 13. Juli von PCOO (Public Communications Operations Office) editiert und gekuerzt herausgegeben wurde. Zum anderen hatte Duterte in einer Rede gesagt, man koenne die Gesichtsmasken mit Benzin reinigen, was einen Sturm der Entruestung in Social Media herovorrief. Roque sagte dazu, der Praesident habe einen Witz gemacht, und das nehm ich ihm nicht ab. Man kann mit Benzin reinigen, und vielleicht hat Motorrad-Freak Duterte schon mal eine Motorrad-Kette mit Benzin gereinigt, und mit Waschbenzin kriegt man auch einen Fleck auf dem Teppich weg, nur sollte man das nicht mit einer Gesichtsmaske tun, durch die man dann atmen will. Es war kein “Witz”, sondern das, was man im Englischen als “honest mistake” bezeichnet.

Ich bin vorsichtig, wenn Roque “Groszes” verspricht, und er redet – ohne irgendetwas Konkretes zu sagen – dann auch herum: “Die Menschen werden jetzt den Unterschied in der Reaktion sehen, die wir haben werden. Sie ist nun wesentlicher kraeftiger. Ein Teil davon ist, dass wir Kapazitaeten aufgebaut haben, und jetzt in der Lage sind, das zu tun, was wir von Anfang tun wollten. … Massive zielgerichtete Test in Test-Pools, die unsere tatsaechlichen Tests mit dem Faktor 10 multiplizieren und die Kosten fuer PCR-Tests (polymerase chain reaction tests) auf bis zu 300 Peso pro Person senken werden.

Das ist geistiger Duennpfiff. Waren die bisherigen Tests ziellos? Und welches Ziel haben die Tests nun, das wir angeblich schon von Anfang an hatten? Das klingt so wie Leni Rodredos Datensammelei – was wollt ihr tun, wenn ihr die Daten habt? Das waere interessant zu wissen.

Statt der Vorab-Jubelei, der meist nur Klaegliches folgt, scheint mir da der Leitartikel der “China Daily” ehrlicher. Zu den neuen Covid-19-Erkrankungen in Peking, die jaeh eine Phase von 21 Tagen ohne neue Faelle beendete, heiszt es da unter der Ueberschrift “Preventive measures now normal part of live”:

Es kann jedoch nie als selbstverstaendlich vorausgesetzt werden, dass man persoenliche Praeventiv-Masznahmen beiseite lassen und ohne Gesichtsmaske und sozialer Distanzierung gehen kann, wohin man will.

“Da keine Hoffnung besteht, dass die Pandemie in den kommenden Tagen weltweit unter Kontrolle gebracht werden kann, besteht immer die Gefahr, sich von einem unbewussten Uebertraeger (unwitting carrier) zu infizieren.

“Jeder muss weiterhin seiner Verantwortung gerecht werden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Es sollte zur Gewohnheit werden, in der Oeffentlichkeit eine Gesichtsmaske zu tragen und sich bei der Rueckkehr nach Hause die Haende zu waschen und niemals das Gesicht oder irgendetwas anderes zu Hause zu beruehren, bevor man sich die Haende gewaschen hat.

“Dies wird noch fuer lange Zeit die neue Normalitaet sein.

Und so bin ich skeptisch, was die angekuendigten “major changes” sein sollen, mit denen Roque da hausieren geht. Bedenken meldet auch die “Straits Times” unter der Ueberschrift an: “Philippines now has more coronavirus cases than China, but presses on with reopening”.

Wir werden sehen, was Duterte heute dazu sagt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “China Daily”, “Straits Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

2 Gedanken zu „aus der philippinischen Presse

  • Juli 30, 2020 um 18:27
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    Die verbrecher lassen ihr land den bach runtergehen!
    Die toten durch das runterfahren übetrifft schon bei weitem die angeblichen toten vo corona!
    Alleine dadurch, dass unzählige familien kein geld mehr haben, ihren kranken(nicht corona) angehörigen medizin zu kaufen!

  • Juli 31, 2020 um 13:18
    Permalink

    An einen gewissen RUDI

    Lesermeinungen in diesem Ton, der von aufgwühlten Emotionen, wie auch auch von berauschenden Mitteln herrühren kann, denn ein Mensch mit etwas Anstand im Leibe, kommuniziert nicht in solch einem Ton mit anderen, werden hier nicht veröffentlicht und landen dort, wo sie hingehören, im Papierkorb.

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