aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 25. Juli 2020

Zum Bild: Hotspot South China Sea

 

Korruption in der PhilHealth… – …ist derzeit der Aufreger, und so titelt die “Times” mit “Duterte: Probe PhilHealth” und der “Standard” schreibt “Rody sets PhilHealth graft probe”.

Nun ist Korruption hier kein ungeahntes Thema, das einen total ueberraschen koennte, und ich will dazu nichts sagen, bevor die diversen Untersuchungen stattgefunden haben, die jetzt von Regierung und Senat angekuendigt werden. Mich ueberrascht nur ein kleines Detail.

Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, “…bestaetigte, dass er eine Kopie des Briefes von Thorsson Montes Keith, dem Anti-Betrugs-Beauftragten von PhilHealth, erhalten habe, der die ‘weit verbreitete Korruption in PhilHealth’ als einen der Gruende nannte, warum er seinen Posten aufgegeben habe.

Moment a’mal: mich wuerde interessieren, was sich Mr Keith als Aufgabe vorgestellt hat, als er zum “Anti-Betrugs-Beauftragten von PhilHealth” ernannt wurde. Sein Job sagt ihm, er moege Betrug in der staatlichen Krankenversicherung aufdecken, und er kuendigt, als er feststellt, dass es solchen dort gibt?

In einem anderen Zusammenhang, auf den ich nicht eingehen will, schreibt Antonio Contreras ueber seine Kolumne heute: “Get out of the kitchen if you cannot stand the heat”. Ich wuerde gern das Buero des Mr Keith sehen, denn ich vermutete, der Spruch haengt dort gerahmt an der Wand. Vielleicht steht da aber nur ein Sofa fuer den Bueroschlaf, aus dem er so jaeh geweckt wurde, dass er gleich kuendigte.

Ungluecklicher! Was hattest du erwartet?

South China Sea – Da derzeit diverse Uebungen chinesischer und amerikanischer Kriegschiffe  in der SCS (South China Sea) Unruhe verbreiten bis hin zu der Frage, ob es zum Krieg kommen kann, scheint es angebracht, hinter die zugehoerige Propaganda zu blicken, worum es eigentlich geht.

Mit der Entwicklung des Konflikts setzt sich Rigoberto Tiglao seit Jahren in seinen Kolumnen in der “Times” auseinander. Als Summe seiner Einsichten kamen zuletzt heraus – 17. Juli: “Locsin and Lorenzana so terribly misinformed about PH vs China arbitration” – 20. Juli: “Arbitration ruling opened us to Chinese or Vietnamese military aggression” – 22. Juli: “Two oligarchs triggered our quarrel with China” – 24. Juli: “Suit vs China: Oligarchs’ last resort to salvage their gas project in Spratlys”.

Der Spruch des Staendigen Schiedshofes im Haag hat zu territorialen Fragen nichts gesagt, dennoch sprechen hiesige Politiker – vornehmlich die der Opposition – davon, dass es um “philippinisches Territorium” geht. (Man hat sogar die SCS in “West Philippine Sea” umgetauft, die in Vietnam “East Sea” heiszt, nur China bleibt bei dem traditionellen Namen.) Ein Schiedsspruch, zu dem nur eine Partei erscheint, setzt kein Recht, dennoch sprechen hiesige Politiker – nicht nur die der Opposition – davon, dass “die Philippinen Recht bekommen haben”.

In dem Streit geht es nicht um “territoriale Fragen”, sondern um die Rechte, in der SCS nach Gas oder Oel zu bohren und es zu foerdern. Dies begann, als eine UN-Wirtschaftskommission in 1968 und 1969 riesige Gas- und/oder Oelfelder dort vermutete, was Diktator Ferdinand Marcos veranlasste, von 1970 bis 1974 sieben Inseln dort zu beanspruchen und zu besetzen. Dieses Insel-Spiel haben so die Philippinen lange vor China begonnen, die das nun fuer sich betreiben. Dabei war ein gewisser Albert Del Rosario fast zwei Jahrzehnte Direktor der First Pacific, der Erkundungen betrieb und von China gewarnt wurde, dies zu unterlassen. Einen Deal mit einer chinesischen Staatsfirma wollte China nur unter chinesischer Mehrheit, was den Filipinos nicht gefiel. Dann aber wurde Del Rosario Auszen-Minister und gemeinsam mit Praesident Benigno Aquino betrieb er die Konfrontation mit China, die in dem Standoff bei den Scarborough Shoals gipfelte. Aquino sandte das einzige philippinische Kriegsschiff aus, was den Chinesen Grund gab, den Philippinen Militarisierung der SCS vorzuwerfen. Die USA gaukelten Del Rosario vor, es gaebe ein Abkommen, dass die Chinesen sich zurueckziehen, wenn das philippinische Kriegsschiff verschwindet. Del Rosario befahl den Rueckzug, und die Chinesen blieben in Scarborough Shoal, weil es kein solches Abkommen gab. So schickten die USA Aquino zum Staendigen Schiedshof, weil sie selbst UNCLOS (United Nations Convention on the Law of the Sea) nicht unterzeichnet hatten und dort nicht vorstellig werden konnten.

Interessant ist da, welches Interesse die Amerikaner haben. Das begann mit Barack Obamas “Pivot to Asia”, der die amerikanische Hegemonie sichern und den Aufstieg Chinas als Weltmacht blockieren sollte. Dazu schenkte man den Philippinen einen alten Kutter der Coast Guard, der als Kriegsschiff ausgeruestet wurde. Man musste dann nur noch einige Hinweise geben, dass Aquino und Del Rosario in die gewuenschte Richtung trottelten und ihre “Marine” losschickten. Mit der entsprechenden Propaganda der “Presse der freien Welt” wurde China so zum Agressor und die USA zum Verteidiger der Freiheit der Meere.

Vor diesem Hintergrund ist alles, was dort von welcher Seite auch immer als “Recht” verlautbart wird, nichts als Anmaszung. Es gibt kein allgemein anerkanntes Recht der “Freiheit der Meere”, und die Frage ist, wie weit das amerikanische Interesse geht, die UNCLOS nicht unterzeichnet haben, das solche Interessen als Wirtschaftszonen – nicht Territorien (!) – ausweist. Dem derzeitigen US-Praesidenten geht es nur um die Wiederwahl, wofuer das Thema der “amerikanischen Hegemonie” Futter liefert. Mit der Wahl koennte – muss nicht – die sture Haltung aufweichen, und ein Krieg waere unwahrscheinlich. Stehen jedoch hinter ihm Kreise, die sich weltweit nur als Erster und in keinem Fall als einer unter Vielen verstehen koennen, sieht das anders aus.

Da ist ein Aufsatz von Cui Lei, “research fellow” am China Institute of International Studies, in der “Post” aus Hong Kong interessant mit dem Titel: “Why the risk of a US-China hot war is small despite heated talk”. Beide Laender seien – im Gegensatz zum einst Kalten Krieg der USA und der Sojetunion – zu sehr miteinander verknuepft, ohne krassen Ideologie-Unterschied, und es gibt zu viele Moeglichkeiten unterhalb der Schwelle eines heiszen Krieges sich zu triezen. Und so findet Lei:

Zusammenfassend laesst sich sagen, dass die Moeglichkeit eines heiszen Krieges zwischen China und den USA sehr gering ist. Die groeszte Gefahr fuer China ist nicht eine kalte oder heisze Konfrontation mit den USA, sondern die Interpretation der politischen Entscheidungstraeger ueber die momentane Feindseligkeit eines Teils der amerikanischen Bevoelkerung und auch der Welt gegenueber Peking. Eine Fehlinterpretation koennte Chinas Marsch in Richtung einer weiteren Oeffnung beenden und es stattdessen in Richtung Selbst-Isolierung gehen sehen.

Es koennte sich aber auch ganz anders entwickeln, wenn man den Artikel von Karen Yeung in der “Post” liest mit dem Titel: “US dollar at risk of sudden collapse? Ex-IMF official warns ‘blow-up event’ could sink as dept mounts”. Die Verschuldung der USA durch Hilfsmasznahmen wegen einer verfehlten Corona-Politik, die der Wirtschaft geschadet hat, bringt den Dollar als Leitwaehrung in Gefahr.

So fragt Michael Every, “global strategist” bei Rabobank: “Will die Welt immer noch ein US-Dollar-zentriertes System, wenn US-Dollar offen gedruckt werden, um die Staatsausgaben zu finanzieren, die das Zahlungsbilanzdefizit antreiben?

Man koennte den Glauben an den Dollar verlieren, und der Wert des Geldes ist nun mal eine Glaubens-Angelegenheit. Der Glaube an den Dollar leidet seit der Clinton-Aera, als man begann, das globale Finanz-System fuer Sanktionen gegen missliebige Staaten zu nutzen. So findet Steven Englander, Chef der G10 “currency research” und Stratege der Standard Chartered Bank New York: “Der US-Dollar sieht als Reserve-Waehrung schlechter aus, wenn die Finanzmaerkte ruhig sind. Wenn die Liquiditaet nicht mehr benoetigt wird, werden nicht benoetigte US-Dollar-Guthaben wieder auf den Markt gebracht, und der US-Dollar wird wahrscheinlich fallen.” Der US-Dollar erreichte am Donnerstag den niedrigsten Stand seit September 2018.

Ohne die finanziellen Zusammenhaenge im Detail verstanden zu haben – Finanzen und Wirtschaft sind nicht mein Ding – koennte es sein, dass Trumps Strategie des “America first and only” ein finanzielles Eigentor wird, das China erst richtig grosz macht, weil das mit seiner Bevoelkerung von 1,3 Mrd an seinem Binnenmarkt gesunden kann? Ein Bezahl-Artikel des “Wall Street Journal”, den ich nicht lesen kann, weist im Titel darauf hin: ”China’s Xi Jinping Pledges Stronger Domestic Market, Global Ties as Strife With West Brews” – Praesident Xi setzt auf den Binnenmarkt und globale Verbindungen, waehrend die USA sich da ausklinken. Deren Binnenmarkt ist mit einer Bevoelkerung von 0,3 Mrd aber nicht grosz genug, sich den “groszen Fusz” zu leisten, auf dem sie leben moechten.

Dann bleibt aber, um Erster der Welt zu sein, nur die militaerische Loesung. Alles reduziert sich so auf die Frage, ob die USA das um jeden Preis wollen und welches Gewicht der jetzige Praesident hat, dessen Nichte, Mary L. Trump, eine studierte Psychologin, in ihrem Buch “Too Much and Never Enough – How my family created the world’s most dangerous man” – ihn als typischen Narzissten fuer ungeeignet haelt, das Amt zu bekleiden, das er innehat.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “South China Morning Post” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

Hier ist nichts zu kopieren!