aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 23. Juli 2020

Zum Bild: Vorstellung der „Road of Recovery“ auf der SONA

 

Sorglosigkeit oder Galgenhumor? – Die Schlagzeile der “Times” ist “Lockdown possible in Metro Manila”, die des “Standard” lautet “NCR may revert to MECQ”. In der “Times” heiszt es: “Praesident Rodrigo Duterte warnte zuvor davor, dass Metro Manila unter strengere Quarantaene gestellt werden wuerde, wenn die Zahl der Covid-19-Faelle weiter ansteigt und die Todesfaelle nicht abnehmen.

“Duterte wollte Metro Manila urspruenglich dem MECQ [Modified Enhenced Community Quarantine] unterstellen, entschied sich jedoch dafuer, die GCQ [General Community Quarantine]-Klassifizierung in dem Gebiet beizubehalten.

“‘Daher stimmte der Praesident zu, Metro Manila in den naechsten zwei Wochen nicht wieder unter MECQ zu stellen’, sagte Roque. ‘Aber aus der Diskussion ging klar hervor, dass sich die Ausbreitung von Covid in Metro Manila nicht verlangsamt hat. Es ist moeglich, dass es nach zwei Wochen wieder der MECQ unterstellt wird.’

“‘Das ist eine klare Moeglichkeit, wenn auch eine Moeglichkeit, von der ich mir wuensche, dass sie nicht eintritt, weil wir alle wissen, dass wir zwar die Krankheit eindaemmen, aber auch unsere Lebens-Grundlage wiederherstellen muessen’, sagte er.

Warum verlangsamt sich Covid in der Metropole nicht? Ist es Sorglosigkeit, wie in Florida, wo sich Tausende an den Straenden tummelten, als die Sperre aufgehoben wurde, und die nun die Quittung dafuer bekommen? Oder ist es Galgenhumor einer ueberfuellten Gegend, in der man gestapelt lebt und “social distancing” illusorisch ist?

Roadmap to recovery”… – …wird Motto und Inhalt der SONA (State of the Nation Address) von Praesident Rodrigo Roa Duterte sein, heiszt es weiter auf der ersten Seite der “Times”, von der man aber nichts erfaehrt, weil das Wirtschafts-Team dies noch nicht enthuellt hat – laesst Sprecher Roque wissen.

Okay, muessen wir also abwarten.

Yen Makabenta… – …schreibt in seiner Kolumne in der “Times”, dass Oxford im Impfstoff-Rennen gegen Covid-19 vorn liegt. Mir genuegt der Satz “Es ist die Rede von der Lieferung von ‘300 Millionen Dosen eines Impfstoffes fuer Covid-19 bis Anfang 2021’.

Wer kriegt die wohl, und – wann sind wir dran?

Ramon T. Rulfo… – …schreibt in seiner Kolumne in der “Times” ueber “Dennis Uy of Davao and the Cayetanos of Taguig”. Ich schaue mir Tulfos Kolumne kaum an. Er ist ein “tsismoso” mit einigen anhaengigen Verleumdungs-Klagen, und so lese ich nur, dass Praesident Duterte glaubt, die Oligarchie zu besiegen, jedoch uebersieht, dass es im Schatten seines tapferen Kampfes “Aufsteiger” gibt, die freigekaempfte Raeume nun einnehmen – Uy und die Cayetanos.

Antonio Contreras… – …schreibt in seiner Kolumne in der “Times” zu “The problem is political illiteracy, not oligarchy and political dynasties”, wozu sich aber nur ein duerrer Hinweis am unteren Rand der Titelseite findet. Contreras meint: “Der Haptdreh- und Angelpunkt der philippinischen Politik liegt in der Faehigkeit derjenigen, die ueber materiellen Reichtum verfuegen, die politische Entscheidungsfindung zu beeinflussen. Da es keine starken politischen Institutionen gibt, werden die Grenzen und Regeln, die die Trennung der politischen Eliten von den wirtschaftlichen Eliten regeln, poroes. Unsere politisch-wirtschaftliche Landschaft wird von wohlhabenden Familien bewohnt, die den Kern einer moralischen Oekonomie bilden, die das Patronat legitimiert. Dies ist eine direkte Folge schwacher sozialer Schutzmechanismen, die die Menschen dazu zwingen, sich auf Goenner und persoenliche Bindungen zu verlassen und nicht auf unpersoenliche Regeln und formelle Institutionen.

“In dieser Hinsicht flieszt die Konzentration von Macht und Einfluss durch Kapital – legal oder illegal. Auch ohne politische Familien, die ihm als Vermittler dienen, wird das Kapital einen Weg finden, den politischen Prozess zu kontrollieren. Das ist der Fluch und das Kreuz, das wir zu tragen haben, wenn die Politik nicht unabhaengig von der Wirtschaft ist.

Er laesst sich ueber “political literacy ~ politische Kompetenz” aus und meint: “Politisch kompetent zu sein bedeutet zu lernen, verantwortungsbewusste, gut informierte und durchsetzungsfaehige Agenten der Meinungs-Vielfalt zu sein.

Man koennte das abwehren, dass er sich da selbst als Vorbild sieht. Man koennte aber auch fragen, wer englisch-sprachige Zeitungen liest, und da nicht nur die Schlagzeilen, sondern Kolumnen irgendwie im Inneren, mit duerrem Hinweis auf der Titelseite, wo die zu finden sind? Contreras’ Zielgruppe ist eine Elite, die so ist, wie er sich das Volk wuenscht, und so beginnt einer der Leserbriefe zu seiner Kolumne “Mehr akademisches Geschwafel von Prof. Tony…

Das Problem oder der Vorzug der Demokratie ist, dass man keinen College-Abschluss braucht, um sein Kreuz auf dem Wahlzettel machen zu duerfen. Wobei ich mich frage, ob etwas anderes dabei herauskaeme, waere das so.

Ricardo Saludo… – …schreibt in seiner Kolumne in der “Times” ohne Hinweis auf der Titelseite, aber er ist mir immer einen Blick wert, ueber “Anti-terror law: Church and State are both right”. Er beschreibt eine Familie in einem Slum in Metro Manila, deren Vater von Unbekannten erschossen wurde, als er mit 5.000 Peso aus der Sozialhilfe Reis und Lebensmittel kaufte. Er soll auf einer Liste von Drogenabhaengigen gestanden haben, aber man kennt das Motiv der Tat nicht. Dem stellt Saludo eine Familie in Marawi gegenueber, die ihr Haus wieder aufzubauen versucht, das 2017 im Kampf gegen den IS (Islamic State) zerstoert wurde. Der Vater war einmal Techniker im Mittleren Osten.

Man frage nun beide Familien, ob das Anti-Terror-Gesetz gut fuer das Land sei. Man wuerde Hohn und Spott in Manila zu hoeren bekommen, und starken Zuspruch in Marawi.

Und so sieht Saludo die Kirche, die einzelne Opfer im Rahmen des Drogenkrieges bejammert, wie den Staat, der sich des schon ein halbes Jahrhundert waehrenden Terrors aus ideologischen Motiven erwehren muss. Die Kirche schaut auf Einzelne und ist gegen das Anti-Terror-Gesetz, der Staat schaut auf das grosze Ganze und ist dafuer – Recht haben beide.

Der Leitartikel… – …der “Times” steht irgendwo im Inneren des Blattes und befasst sich mit einer Diskussion zu “Infrastructure drive must continue”. Die laesst mich ziemlich kalt, denn natuerlich muss es wirtschaftlich weitergehen, die Frage ist nur wie, und dazu warte ich auf die “Roadmap to recovery” von Praesident Duterte am Montag – siehe oben.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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