aus der philippinischen Presse

 



PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 21. Juli 2020

Zum Bild: Tod in Bilibid – Drogenzar Jaybee Sebastian

 

Ehrenrettung – Wer mein Blog verfolgt erinnert, dass ich letzten Donnerstag ziemlich aus dem Haeuschen war, als mir bekannt wurde, dass die Rede von Praesident Rodrigo Roa Duterte am 7. Juli vor Soldaten in Jolo, Sulu, editiert wurde. Ich erwartete einen Proteststurm der hiesigen Presse, und – es kam nichts.

Warten auf Godot?

Heute kam in der “Times” die Kolumne von Antonio Contreras mit dem Titel “Edited”, in der er darauf hinweist, dass es die “saftigen Stellen” in Dutertes Reden waren, die seine Anhaenger begeisterten, und die niemand anzutasten wagte. Er stellt fest: “Dies war die Standard-Arbeitsanweisung, die von den Kommunikations-Beauftragten des Praesidenten angenommen wurde. Es ist daher ein Strategie-Wechsel, wenn sie jetzt die Rede des Praesidenten in Sulu bearbeiteten. Einige seiner Verteidiger und Unterstuetzer moechten uns glauben machen, dass es normal ist, Reden zu redigieren, auszer dass sie bei diesem Praesidenten zum ersten Mal versucht haben, nicht nur die Flueche und Drohungen, sondern einen groszen Teil der Rede herauszuschneiden. Er hielt eine 45-minuetige Rede in Sulu, aber was im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde, dauerte nur 35 Minuten. Der fehlende und herausgeschnittene 10-minuetige Abschnitt ist erheblich, da er etwa ein Viertel des Originals ausmacht. In der ungekuerzten Audiodatei der Rede war der Praesident zu hoeren, wie er sagte, die ABS-CBN Corp. habe ihn beschmutzt. Sie enthielt auch seine ueblichen Tiraden gegen Oligarchen und Linke.

Warum da wer editiert hat, kann man spekulieren, da sich keiner zur Edition bekannt hat. Contreras vermutet: “Umfragen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der Menschen auf der Seite von ABS-CBN steht. Die Coronavirus-Pandemie hat zur Aufloesung dieser Regierung gefuehrt, die durch unverantwortliche und schlecht durchdachte Ideen verschlimmert wurde, von unsicheren Motorrad-Vorrichtungen bis hin zur glatten Luege, dass wir die Kurve abgeflacht haetten, obwohl das einzige, was sich abgeflacht hat, die Wirtschaft ist.

“Wir sind jetzt tief in Schulden versunken.

Ich will da nicht spekulieren, weil mich immer noch irritiert, dass Teile rausgeschnitten wurden, von denen jeder weisz, dass Duterte solche Meinungen vertritt – “seine ueblichen Tiraden”, wie auch Contreras findet. Mir sind zwei Dinge wichtig:

Erstens hat Antonio Contreras die Ehre der philippinischen Presse gerettet, indem er den Finger auf die Wunde legt und nicht einfach hinnimmt, was kommentarlos geboten wird: was das PCOO (Public Communications Operations Office) veroeffentlicht, ist nicht Dokumentation, sondern Meinung von wem auch immer.

Zweitens ist das aber der Punkt, an dem so wie beim Titrieren die Farbe der Indikatorloesung umschlaegt: von jetzt an wird alles, was von Malacañang kommt, erst gruendlich gekaut, bevor es geschluckt wird.

Ich komme weiter unten darauf zurueck.

Tod in Bilibid – Am Samstagmorgen starb der Haeftling Jaybee Sebastian im New Bilibid Prison Hospital in Muntinlupa, Metro Manila. Ursache war laut Totenschein ein akuter Herzinfarkt in Folge von Covid-19. Sein Leichnam wurde gemaesz Covid-19-Vorschriften am gleichen Tag eingeaeschert.

Sebastian sasz ein wegen Kidnapping und Autodiebstahl. Bekannt wurde er mir, als es am 28. September 2016 in Bilibid zu einer Stecherei kam, bei der der Gefangene Tony Co getoetet und vier weitere verletzt wurden: Peter Co, Vicente Sy und Jaybee Sebastian kamen in ein Krankenhaus in Muntinlupa, Clarence Dongail wurde in Bilibid behandelt. Zu dem Streit kam es, als die Cos und Sy sich Shabu reinzogen, und Dongail sie wohl mit oder bei Sebastian, der als “Koenig von Bilibid” gilt, verpfeifen wollte. Die drei liefen ihm nach und dann kamen Eispickel zum Einsatz. “Es gab einen Aufruhr,” sagte Justiz-Minister Vitaliano Aguirre, der sich um Sebastian sorgt, “…weil wir wirklich auf ihn zaehlen, dass er etwas ausplaudert, er hat direkt mit de Lima zu tun. Deshalb wollen wir ihn nicht tot, wir wollen ihn lebend.” Sebastians Zustand wurde von Aerzten als stabil bezeichnet. Er lehnte es aber ab, vor den Ausschuss des Hauses zu kommen, der die Machenschaften der Senatorin Leila de Lima, vormals Justiz-Ministerin, untersucht, die sich ihren Wahlkampf von Bilibid-Insassen habe finanzieren lassen.

Er erschien jedoch am 10. Oktober 2016 und sagte aus, dass er persoenlich de Lima 2 Mio Peso gegeben hat, und bestaetigte weitere Zahlungen von 8 Mio Peso ueber de Limas Leibwaechter Joenel Sanchez, und machte Aussagen zum Drogenhandel in Bilibid, wobei er jedoch nicht sich, sondern Herbert Colanggo als den Chef sah. Der habe Frauen von Insassen toeten lassen, wenn sie kein Geld aus ihren Drogen-Verkaeufen ablieferten.

Im Januar 2017 wurde Ferdinand Rondina erschossen, ein Vertrauter des Drogenbosses Kerwin Espinosa und Zeuge gegen Polizisten, die als Schutzherren von Drogen-Haendlern verdaechtig sind. Vor diesem Hintergrund kamen nun Geruechte auf, Sebastians Tod koenne auch Mord gewesen sein. Zeugen gegen prominente Angeklagte sind einem gewissen Risiko ausgesetzt.

So lud Justiz-Minister Menardo Guevarra den Chef der Gefaengnis-Verwaltung, Gerald Bantag, zum Rapport, was es mit Sebastians und dem Tod acht weiterer Gefangenen des Hoch-Sicherheits-Trakts in Bilibid wegen Covid-19 auf sich hat. Zugleich versicherte Guevarra, dass Sebastians Tod keinen Einfluss auf die Verhandlung gegen de Lima hat: “Die Anklage hat eine Reihe von Zeugen… Viele von ihnen haben bereits vor Gericht ausgesagt.” Er ordnete eine Untersuchung durch das NBI (National Bureau of Investigation) an, um alle Zweifel an Sebastians Tod auszuraeumen.

Auf Sebastians Aussage – und sein Leben, auf das Guevarras Vorgaenger Aguirre groszen Wert gelegt hatte – kommt es nicht mehr an: “sic transit gloria mundi ~ so vergeht der Ruhm der Welt.

Ganz anders… – …sieht das verstaendlicherweise die inhaftierte Senatorin Leila de Lima. Der “Standard” macht den Tod von 19 Bilibid-Insassen, davon die 9 im Hoch-Sicherheits-Trakt zur Titel-Geschichte. Darin heiszt es:

Unterdessen sagte de Lima, dass ihre Anwaelte immer noch die Auswirkungen von Sebastians Tod auf die Drogenfaelle gegen sie bewerten, da er der vermeintliche Hauptzeuge der Regierung sei.

“’Allerdings sind alle Zeugenaussagen der Insassen und einiger anderer  so genannter Zeugen ohnehin allesamt Faelschungen. Eine Faelschung weniger mag in meinem Fall gut sein, aber vergessen wir nicht all die anderen Zeugenaussagen-Faelschungen. Ob der Faelscher tot oder lebendig ist, aendert nichts an der Tatsache, dass ihre Geschichten allesamt Luegen sind’, sagte de Lima.

“De Lima sagte, ein Richter, der sein oder ihr Salz wert ist und der immer noch unabhaengig von Malacañang sei, wuerde ‘diese fabrizierte Verfolgung einer Oppositionsfigur’ ohne weiteres durchschauen.

“‘Er oder sie wird die Faelle nicht aufgrund bloszer Formalien wie der Anzahl der Zeugen sehen, und er oder sie wird in der Frage der Glaubwuerdigkeit verurteilter Gefangener, deren Leben und Freiheit von [Praesident] Duterte abhaengt, besonders sensibel sein. Er oder sie sollte wirklich wissen, dass sie natuerlich nicht glaubwuerdig sind. Dutete haelt sie alle an der Kehle.

“‘Das Duterte-Regime kann von mir aus 100 lebende Zeugen haben’, sagte sie. ‘Aber das aendert nichts an der Tatsache, dass die gegen mich erhobenen Anklagen absolut falsch und fiktiv sind. Umgekehrt koennen die Zeugen des Regimes alle tot sein, aber das wird Duterte und seine Mannen nicht davon abhalten, andere Beweise zu erfinden, um mich im Gefaengnis zu behalten.’”

Nun kann man sagen, dass de Lima als Angeklagte so reden muss. Niemand haut sich selbst in die Pfanne, muss er oder sie juristisch auch nicht. Doch wie bewerten wir ihre Aussage, wo wir wissen, dass offizielle Regierung-Stellen “Aussagen edititieren”? Koennte es nicht auch ein Drehbuch fuer den Prozess gegen de Lima geben?

Der Editor der Sulu-Rede hat Duterte keinen Dienst erwiesen, wenn dem Ernst ist, was er im August 2016 sagte: “Wenn ich de Lima waere, meine Damen und Herren, ich wuerde mich selbst aufhaengen. Das Innerste deines inneren Kerns wird jetzt jeden Tag veroeffentlicht. Tritt zurueck! Was hast du unseren Frauen zu bieten? Ich werde dir zeigen was es heiszt eine Frau in der Oeffentlichkeit zu sein.

Man kann das heute ganz anders sehen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “PNA”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

 

 

 

Hier ist nichts zu kopieren!