aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 14. Juli 2020

Zum Bild: Können sich China und die Vereinigten Staaten einem Krieg entziehen?

 

Covid-19 – No eased restrictions in NCR” ist die Schlagzeile des “Standard” heute, und die “Times” weisz “MGCQ ruled out for Metro Manila”. Obwohl eine Rede von Praesident Rodrigo Roa Duterte erst fuer Mittwoch angekuendigt ist, wie es quarantaene-maeszig hierzulande ab dem 16. Juli aussehen wird, posaunen die Blaetter heute schon aus, was sie wissen oder zu wissen meinen: In der National Capital Region alias Metro Manila wird es keine Erleichterung bei den Einschraenkungen geben.

Ich will nicht spekulieren, sondern amuesiere mich mit dem “Standard” unter der Ueberschrift “Logic takes a backseat”, worueber sich die IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19 so den Kopf zerbricht. Nach 4 Monaten hat man endlich eingesehen, dass in einem Land, in dem sich viele kein Auto, sondern hoechstens ein Moped leisten koennen – und das reicht, wie ich aus eigener Beobachtung weisz, um eine im Durchschnitt fuenf-koepfige Familie in einem Rutsch zu befoerdern – das Sozius-Verbot unangemessen ist. Doch will man es sich nicht zu leicht damit machen, und so wurde das zunaechst nur Ehepaaren gestattet. Um das zu ueberpruefen, muessen die Papiere mit sich fuehren, aus denen die Ordnungshueter am gleichlautenden Nachnamen erkennen koennen, dass sie verheiratet sind, aber – zwischen Fahrer und Sozius muss ein “protective shield” angebracht sein. Das provozierte den Einwand, wofuer das gut sei, wenn der Mann seine Frau zu ihrem Arbeitsplatz bringt, sie absteigt und ihm zum Abschied einen Kuss gibt, bevor der zu seinem Arbeitsplatz weiterfaehrt. Prompt meldeten unverheiratete Paare und mit Paaren in einem Haushalt Zusammenlebende ihre Ansprueche an, und – ueber all dies hat man nachgedacht, diskutiert, dies und jenes geaeuszert, darunter auch Widerspruechliches. Ich weisz nicht, zu welchem Schluss man gekommen ist, und wie man pruefen will, ob zwei Personen in einem Haus leben, wo sich hier kaum jemand richtig anmeldet und Adressen selbst fuer Postboten mitunter ein Raetsel sind, hier fragen sie immer meine Frau, wo dieser oder jener wohnt, weil die den ganzen Tag vorn in ihrem Garten ist und sich im Viertel auskennt: es gibt Wichtigeres.

ABS-CBN – Nicht ganz so wichtig ist allerdings das Thema ABS-CBN, wovon der in Gerichts-Sachen gut informierte Jomar Canlas in der Titelgeschichte der “Times” weisz, dass das Oberste Gericht deren Petition die Schlieszung aufzuhalten heute wohl als “moot ~ akademisch” verwerfen wird, nachdem der Kongress eine neue Lizenz verweigert hat. Mit einem Spruch des Fuszball-Trainers Otto Rehagel koennte man also konstatieren: “Der Drops ist gelutscht.

Demokratie – So naehere ich mich den wichtigen Dingen, und die spricht der Leitartikel der “Times” an unter der Ueberschrift “Cayetano’s bizarre call for ‘circumspection’ on ABS-CBN franchise issue”, wie auch Antonio Contreras in seiner Kolumne, die er “The silver lining and the real travesty” ueberschreibt. Dem Leitartikler faellt auf, wie wenig “circumspect ~ umsichtig” Cayetano sich selbst verhaelt – einiges beschrieb ich letzten Samstag – und dass er wohl der Letzte sei, der andere zur Umsicht auffordern kann. Contreras hebt in seiner Kolumne darauf ab, dass Praesident Duterte mit der verweigerten Lizenz ja nun seinen erklaerten Willen zur Schlieszung von ABS-CBN bekommen hat – “hingerichtet durch etwas, das einem gesetzlich verankerten Lynchmord durch seine Verbuendeten im Kongress gleichkam”.

Und das bringt mich dazu mir einzubilden, dass es bei der Debatte um die ABS-CBN-Lizenz gar nicht um den Sender und die Arbeitsplaetze oder um die Pressefreiheit und Demokratie ging, sondern um die Wahlen 2022 – nicht nur fuer Cayetano. Demokratie dient nicht dem Volk, wie man beteuert, sondern den bisher Gewaehlten, die sich zur Wiederwahl positionieren. Und die wollen den “Koenigsmacher” nicht gegen sich in der Presse haben.

Manchmal ist Politik leicht zu durchschauen, und was die angeblich verstorbene Pressefreiheit angeht: wenn es gegen die jetzige Regierung geht, dann seziert Contreras Duterte und seine Mannen in der “Times” weitaus subtiler und wirkungsvoller, als “Rappler” und “Inquirer” mit ihren platten Anwuerfen es je zustandebringen koennten. Die Opposition ist nicht abgeschaltet, wenigstens nicht in der “Times”.

Aus Nachbars Sicht – Die “Post” in Hongkong bringt einen Kommentar von Tom Plate mit dem Titel “With new student visa rule, Donald Trump is making America small again”. Er beginnt mit einem Verweis auf das Buch “Destined for war” von Graham Allison. Das Buch hat den Untertitel “Can America and China Escape Thucydides’s Trap?” und erschien zuerst im Mai 2017.

Ich schrieb dazu im Januar 2018: Der griechische Stratege und Historiker Thukydides (454 – 399 v. Chr.) schrieb in seinem Werk “Der peleponnesische Krieg” zum Ausbruch dieses Krieges: “Den wahrsten Grund freilich, zugleich den meistbeschwiegenen, sehe ich im Wachstums Athens, das die erschreckten Spartaner zum Krieg zwang.” Mit diesem Satz im Hinterkopf beschrieb der Harvard-Professor Graham T. Allison eine politische Falle, in der sich das wachsende China und die etablierte Supermacht befaenden, welche die USA in einen desastroesen Krieg zwingt, der letztlich zu ihrem Untergang als Supermacht fuehrt. Ob der Krieg wirtschaftlich oder blutig ausgetragen wird, bleibt offen, auf jeden Fall wird er finanziell ruinoes.

Dies im Hinterkopf schreibt Plate in seinem Kommentar: “Wenn Praesident Xi Jinping nicht nachlaesst – wegen der South China Sea, Hongkong, Taiwan, Australien – dann muss dieser beeindruckende Fuehrer vielleicht bald eine grosz angelegte Oeffentlichkeits-Kampagne verdoppeln, um die Welt davon zu ueberzeugen, dass Chinas Schlimmstes in der Vergangenheit liegt und nicht in unserer Zukunft.

“Einfach gesagt, China macht den Menschen Angst. Das erregt wilde Festlands-Nationalisten, aber es ist schlecht fuer China, wenn sein Ziel darin besteht einen Beitrag zu leisten, dieses Jahrhundert ohne die schwarzen Wolken des Krieges zu Frieden und Wohlstand zu fuehren.

“Ich rate Peking aufrichtig, das negative Wolfs-Krieger-Image von China in irgendeinen Kaefig im Pekinger Zoo neben dem Pandahaus zu verbannen.

Plate sieht die Gefahr, dass wenn Xi Jinping an derselben “double down”-Strategie festhaelt, mit der Donald Trump Probleme loesen will, dann geraten sie beide in die Falle des Thukydides und es kommt zum Krieg, den keiner wuenschen kann.

Ich frage mich, warum Plate von Xi Jinping Einsicht und Aenderung des Verhaltens fordert – heiszt das, dass das von Donald Trump nicht zu erwarten ist?

Zu dem Thema passt ein Leitartikel der “China Daily” in Peking mit dem Titel “Playing Taiwan card is doomed to fail”. Es geht darum, dass die USA an Taiwan Patriot-Raketen fuer 620 Mio Dollar vrkauft haben, und der Artikel warnt Taiwans Praesidentin Tsai Ing-wen sich darauf etwas einzubilden: “Die Waffenverkaeufe der USA an Taiwan aendern nichts an den grundlegenden Machtverhaeltnissen an der Meerenge. Die taiwanesischen Behoerden raeumten 2015 ein, dass das Festland in der Lage sei, auslaendische Streitkraefte daran zu hindern, in den Taiwan Straits zu intervenieren. Die so genannte Sicherheits-Verpflichtung der USA gegenueber der Insel ist also ein leeres Versprechen. Washington weisz das natuerlich, aber es recht froh, die US-Marine in der Naehe der Insel zu halten, wenn es bedeutet, dass es etwas Geld damit verdienen kann, ihre Militaer-Schraenke auszuraeumen.

Die Frage, ob nun diese Tanzerei um die Falle des Thukydides wirtschaftlich oder blutig ausgetragen wird, bleibt offen, kann in jedem Fall aber Folgen auch fuer die Philippinen haben. Praesident Duterte sieht das, und so hat er von der Kuendigung des VFA (Visiting Forces Agreement) erstmal Abstand genommen. Er versucht sich alle Optionen offen zu halten. Die Frage ist, ob er damit durchkommt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “South China Morning Post”, “China Daily” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

Hier ist nichts zu kopieren!