…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 24. Mai 2020

Zum Bild:  Die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten in Facebook

 

Wohin mit sich selbst? – Es gab Diskussionen in Facebook, als der Admin Leute aus der Gruppe geworfen hat, die staenkern, und die mitunter bis in Verschwoerungs-Theorien abirrenden Kommentare zu den Quarantaene-Einschraenkungen gehen ihm auch auf den Keks. Nun habe ich den Vorteil, dass ich nicht in Facebook schreibe, sondern auf meiner Web-Seite, und in die koennte mir hoechstens der Staat reinreden, wenn ich jemanden verleumde, zu Mord und Totschlag aufrufe oder irgendeinen anderen Straftatbestand erfuelle. Dass ich mein Blog dann auch nach Facebook kopiere, ist verabredete Arbeitsteilung, weil der Admin, der mich bisher kopierte, derzeit in Sued-Afrika festsitzt und um Mitternacht oder kurz danach aufstehen muesste, um mich zeitnah zu uebernehmen. Ich lebe nun mal – wie es in der hiesigen Nationalhymne heiszt – im “Land of the morning”.

Nun hat aber Praesident Rodrigo Roa Duterte am Freitag in seiner Ansprache an die Kadetten der Militaer- und der Polizei-Akademie, ueber deren Abschluss ich gestern schrieb, sich zu Covid-19 und den entsprechenden Masznahmen geaeuszert und appelliert an die Moral der Menschen:

Die Zeit in der wir leben, ist kein Weinberg des Trostes. Dies sind unruhige Zeiten, gefaehrliche, abnormale Zeiten, verursacht durch ein sich schnell verbreitendes und hoch ansteckendes virulentes Virus, das Covid-19 ueber die gesamte Menschheit verbreitet.

“Es gibt keinen Aspekt des menschlichen Lebens, der nicht von diesem schrecklichen Fluch betroffen ist, der an jeder Ecke lauert, an jeder Biegung eines Raumes, an dem Menschen sich treffen oder wohin sie kommen oder gewesen sind. Sein Schrecken erstickt [alles]. Jede menschliche Aktivitaet – wirtschaftlich, finanziell oder wie auch immer – ist betroffen. Beklagenswerterweise scheint das Ende Monate und Monate entfernt zu sein.

“Geduld, Ausdauer und Belastbarkeit sind die wichtigsten Beduerfnisse des Augenblicks. Ich vertraue darauf, dass jeder Filipino dies in seiner Person und seinem Charakter im Ueberfluss zur Verfuegung hat.

Was nun?

Nun gut”, mag sich der spitzfindig staenkernde Expat sagen, “sollen die Filipinos sich damit abfinden – aber was ist mit mir?

When in Rome, do as the Romans do”, raet ein englisches Sprichwort, und als Antwort auf die Feststellung, dass Expats hier nichts entscheiden koennen, schrieb ich neulich in Facebook, man koenne das “…als Einuebung in die asiatische Mentalitaet sehen: es kommt so, wie es kommt – warum sich darueber aufregen? Verstaerkend kommt hinzu, dass wir den Wohnsitz hier – im Gegensatz zu unserem Geburtsort – frei gewaehlt haben.

Offensichtlich gilt immer noch der Satz von Rudyard Kipling: “Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet.” Doch warum kamen sie dann hierher – um sich weiter fremd zu fuehlen? Exotik gefaellt nur aus der Ferne?

Das Problem liegt tiefer.

Der Mensch unterscheidet sich nach der Philosophie der Geschichten vom Tier dadurch, dass er Geschichten weitererzaehlen kann. Das tut er auch, und wenn er das nicht mehr kann – wohin mit sich selbst?

Es gibt zwei Orte, wo dieses Erzaehlen bevorzugt stattfindet: am Gartenzaun oder im Leserbrief.

Der Gartenzaun leidet darunter, dass man ihn in Staedten nicht hat. Fuer Expats kommt hinzu, dass sie der Landessprache zumeist nicht maechtig sind. Sie koennen mit Filipinos nicht reden, wogegen nicht spricht, dass sie sich in Englisch ueber dies und das verstaendigen koennen. Das reicht zum Einkaufen, aber das deckt die Gefuehle nicht ab – die bleiben auszen vor, die wollen aber raus.

Der Leserbrief an die Lokalzeitung war frueher eine Moeglichkeit, sein Unbehagen oeffentlich zu machen. Das hilft dem Expat in der Fremde nicht, so haelt er sich an das Kommunikations-Surrogat – an Facebook. Und da landet alles, was er sonst nicht loswerden kann, da er sich dort mit Pseudonym und einem Hundefoto anmelden kann. Es ist nachvollziehbar, dass mancher Admin seine Gruppe nicht zur Muellkippe verkommen lassen will, wenigstens kann ich das verstehen.

Ich weisz, jetzt kommen die Verfechter der freien Meinung und des “das wird man ja wohl noch sagen duerfen”. Man darf alles sagen, je nachdem wohin mal will, in eine administrierte Facebook-Gruppe oder ins Gefaengnis.

Also, falls ihr dies in Facebook lest, schaut nach, in welcher Gruppe ihr euch grad angemeldet habt, bevor ihr lospoltert. Es gibt eine “Gruppendynamik”, der auch der frei umherschweifende Internetgesell unterliegt, das hat Mark Zuckerberg – studierter Psychologe – hintersinnig so eingerichtet. Denn sonst koennt ihr auf dem Weg zum naechsten Tatort das Lied vor euch hin singen: “Es, es, es und es, | Es ist ein harter Schluss…”

 



 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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