…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 20. Mai 2020

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Unsa man?” “Mao gihapon.” ~ “Wie sieht’s aus?” “Wie immer.” Im Alltag ist es leicht, sich ueber den Alltag zu beruhigen. Man sagt dann so etwas in Visayan oder in Deutsch, und das Leben geht weiter. Die Frage ist nur, ob wirklich Alltag ist. Ich habe nachgeschaut. Am 20. Maerz, also vor genau zwei Monaten, war ich das letzte Mal auszer Haus, oder genauer, auszerhalb der 240 Quadratmeter unseres Grundstuecks. Wir haben uns damit eingerichtet, der Junge kauft fuer uns ein. Im Ernst machten mir heiszes Wetter und ein jaehrlich wiederkehrender Vertigo mehr zu schaffen als die von Buergermeister Ronnel Rivera in GenSan verhaengte Quarantaene.

Da haelt mich das Blog aufrecht, an dem ich jeden Morgen sitze. Das Leben braucht Konstanten, an denen es sich entlang hangelt. Meine Frau hat ihren Garten, und wenn ich spotte: “Na, bist du wieder am Buddeln?”, dann kommt prompt zurueck: “Das ist mein Sport, du sitzt ja nur vor dem Computer.

Was aber, wenn im Internet auch nichts los ist?

Man achtet auf dies und das, und dann fallen mir heute zwei Personen auf, die sich auch immer gleich bleiben.

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …hat sich in “PTV” gestern Nacht zu der Causa des Chefs der Polizei der National Capital Region, Debold Sinas (ich hab ihn faelschlich “Diebold” genannt, sorry), und dazu meldet die “Times” heute “Duterte: Sinas stays as NCRPO”, und das “Bulletin” goennt sich einen ganzen Satz: “Duterte refuses to transfer Sinas over ‘mañanita’, says he’s needed in the post”.

Diese “mañanita” ist eine Tradition hier, dass in aller Hergottsfrueh Bekannte des Geburtstagskindes vor dessen Tor erscheinen, und ein Staendchen bringen. Kenn ich, hier unten heiszt das in Visayan “harana”. Da meine Frau in der Gemeinde engagiert ist, wurde ihr diese Ehre auch zuteil. Danach lud sie die Leute zu Kaffee und einem Imbiss ins Haus, denn “voellig ueberraschend” war das nicht. Durch diskrete Andeutungen war ihr vermittelt worden, was sie zu erwarten hatte und – was von ihr erwartet wurde. Also standen wir um drei Uhr frueh auf, bereiteten alles vor, um, als der Gesang einsetzte – sie haben Visayan-Volkslieder gesungen – nach einiger Zeit ganz “ueberrascht” die Tuer zu oeffnen und die Leute ins Haus einzuladen, wo Kaffee und alle moeglichen Snacks schon auf sie warteten. Mit viel “tsismis” zog sich das, bis die Leute zur Arbeit mussten. Das war purer Stress, und so hat meine Frau sich eine Wiederholung verbeten.

Aehnlich ueberrascht – und aehnlich vorbereitet – war wohl auch Sinas, und das soll ihm nicht zum Verhaengnis werden, sagt Duterte.

Und das erinnert mich wieder an die Ermordung des Buergermeisters Rolando Espinosa im November 2016 im Gefaengnis durch ein Polizei-Team. Dass die Polizisten schon vor Betreten des Gefaengnisses die Spurensicherung anforderten, kommentierte Senator Panfilo Lacson damals: “Das ist so, als ob ihr das Beerdigungs-Institut ruft, bevor es eine Auseinandersetzung gab.” Die Taeter wurden nur des Totschlags angeklagt und sind auf Kaution auf freiem Fusz.

Ich weisz, der vorsaetzliche Mord steht in keinem Verhaeltnis zu dem Staendchen mit Umtrunk, der Sinas nun zum Verhaengnis werden soll, aber es zeigt sich da auch etwas anderes: auf Polizei und Militaer laesst Duterte erstmal nichts kommen. Bis zum Spruch eines Richters gilt die Unschulds-Vermutung, und diesen Schutz laesst der Dienstherr seinen Untergebenen auch angedeihen, soviel “law and order” muss sein.

Dass dies von der Opposition ganz anders interpretiert wird und Begriffe wie “Polizeistaat” und “Kriegsrecht” provoziert, ist genauso durchgaengig wie die Haltung Dutertes selbst.

US-Praesident Donald Trump… – …zeigt sich in aehnlicher Weise konstant. So wie Duterte Kraefte im Staat hinter sich bringt, die ihm gefaehrlich werden koennten – Polizei und Militaer, deren Gehalt er nahezu verdoppelt hat – so spaltet Trump moegliche Gegner. Dazu haemmert er mit Blick auf den politischen Gegner bei der anstehenden Wahl permanent auf Barack Obama herum, Ikone der Demokraten, was sein republikanisches Fuszvolk begeistert. Er laesst aber auch das Ausland nicht aus. In dem mutwillig angezettelten Handelskrieg mit China ist ihm die Firma Huawei besondere Aufmerksamkeit wert. Sie duerfen keine Chips mit amerikanischer Technik mehr kaufen, was den fuehrenden Mobilfunk-Ausruester und zweitgroeszten Smartphone-Anbieter der Welt in die Bredouille bringt. Fehler in der Bekaempfung der Coronavirus-Pandemie lastet Trump der WHO (World Health Organization) und – China an.

Divide et impera ~ Teile und herrsche” ist sein Motto der Selbstverwirklichung, und das waere nur albern und amuesant anzuschauen, waere er nicht der Praesident eines Landes, das wirtschaftlich und militaerisch weltweit dominant ist. Da nun Duterte aber gern mit Hitler verglichen wird – er liesz sich bloederweise selbst auch dazu hinreiszen – moechte ich feststellen, dass der Vergleich eher auf Trump passt. Hitler sagte nach der gescheiterten Ardennen-Offensive: “Wir kapitulieren nicht, niemals. Wir koennen untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen.” Genauso ist Trump: lieber eine Welt mit sich nehmen, als irgendwen neben oder ueber sich zu akzeptieren – “I am the chosen one!

Es kann einem schon angst und bange werden. Die Probleme des Donald Trump sind naemlich “man made” , und das ist aergerlicher als die befuerchtete “zweite Welle”, weil es gegen diesen Herrn keinen Impfstoff gibt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Frankfurter Allgemeine”, “Sueddeutsche Zeitung” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

 

 

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