…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 19. Mai 2020

Zum Bild: Nicht nur das Wasser, auch die Stimmung ist kurz vor dem Siedepunkt

 

Singt der Kessel? – Wir kennen das – ein Kessel mit Wasser auf dem Herd beginnt irgendwann zu “singen”. Das Wasser nah am Siedepunkt waelzt sich im Kessel immer wilder um und um, und der nimmt den Takt auf. Nein, es kocht noch nicht richtig, doch man weisz – das kann nicht mehr lange dauern.

Der Gedanke kommt mir bei Lektuere der Blaetter. Nachdem die “Times” sich gestern fragte, ob wir unsere Zukunft auf’s Spiel setzen, konstatiert der “Standard” heute “A serious credibility problem.

Der Chef der Polizei von Metro Manila, Generalmajor Diebold Sinas, gab eine Geburtstags-Party. Nein, es war nicht die uebliche “breakfast serenade”, sondern richtig mit Bueffet, Geburtstagstorte und harten Getraenken hat man das abgefeiert, fotografierte alles und stellte es in Facebook, weit bevor jemand auf die Idee kam, dass diese Fotos Beweismaterial sind, wie der “Standard” schreibt, “…dass Sinas und seine Gaeste bei einer Feier im Camp Bagong Diwa in Taguig City um 5 Uhr morgens gegen ein Verbot von Massen- und Gesellschafts-Versammlungen, Richtlinien zum ‘physical distancing’ und das Alkohol-Verbot verstieszen.

Die Fotos wurden spaeter prompt geloescht, aber wie das in Social Media nun einmal ist – sie wurden so oft kopiert und auf andere Plattformen gebracht – das kriegt man nicht weg. Ein unausloeschlicher Fleck auf einst weiszer Weste.

General Archie Gamboa, Chef der PNP (Philippine National Police), wollte zunaechst abwiegeln, sah sich angesichts des Beweismaterials, das durch die Medien ging, aber gezwungen, eine Untersuchung anzuordnen. Damit hat er der Pflicht genuege getan, doch nun beginnt er, dies zu verwaessern oder zu verhindern, indem er Entschuldigungen vorbringt, um seinen Metro-Chef im Amt halten zu koennen: “Ich hoffe die Oeffentlichkeit wuerde verstehen, weil wir uns in einer Notsituation befinden. … Wenn wir ihn ersetzen, werden wir nie mehr etwas erfahren. Er ist schwer zu ersetzen, weil er so viele Covid-19-Programme hat.

Darauf der “Standard”: “Nein, Sir, wir verstehen nicht. Wir sind platt (gob-smacked).

Ich verstehe auch diesen Hinweis auf dann “nie mehr erfahrbare Programme” nicht. Sind das geheime Projekte, um die nur er allein weisz, und das im oeffentlichen Dienst?

Das Ganze stimmt vorne und hinten nicht, und Verstaendnis duerfte dort kaum zu erwarten sein, wo die Schlagzeile des “Standard” heute schreit: “Cavite Malls ordered shut”. Zwei Tage, nachdem dort die Malls geoeffnet wurden, werden sie schon wieder dicht gemacht, weil “…Eigentuemer und Betreiber von Malls wie auch die Kunden die Gesundheits-Protokolle nicht beachtet haben”, wie Cavite-Gouverneur Jonvic Remulla begruendete.

Gut, Cavite ist nicht Metro Manila, nur deren Nachbar, aber unverkennbar wird da mit zweierlei Masz gemessen, oder klassisch: “quod licet Iovi, non licet bovi ~ was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt”.

Und dann faellt mir wieder dieser Bericht im TV bei “AlJazeera” ein. Die Premierministerin von Belgien, Sophie Wilmès, besuchte Samstag das Krankenhaus St. Pierre in Bruessel. Zum Empfang standen Schwestern, Pfleger, Aerzte Spalier in der Zufahrt und wandte dem Wagen der Premierministerin demonstrativ den Ruecken zu, als sie vorbeifuhr. Geschlossen alle, ich hab’s gesehen, weil sie meinen, “dass Wilmès ihnen zu wenig Gehoer schenkt und dass sie zuwenig verdienen”, wie ich nun in “Grenzecho” lese.

Das klingt etwas anders als die Geschichten von den heldischen “Frontliners”, fuer die weltweit die Leute abends aus den Fenstern haengen und singen, klatschen oder mit Topfdeckeln klappern.

Die Nerven liegen blank, der Kessel singt.

 



 

Gemaesz “Manila Standard”, “AlJazeera”, “Grenzecho” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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