…aus der philippinischen Presse

 

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 14. Mai 2020

Zum Bild: Ein Gezerre über die Bestimmungen und Einstufungen durch die Inter-Agency Task Force und dem Innenministerium und seinen Verwaltungen

 

Lockdown ‘quonfusion’”… – …titelt der “Tribune” in eigener Wortschoepfung, die wohl aus “lockdown qu[arantine c]onfusion” gebildet wurde, und trifft den Nagel auf den Kopf. Nachdem die IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19 Gebiete unter GCQ (General Community Quarantine) diese ab 16. Mai aufgehoben hatte – siehe gestern – uberstimmt das nun das DILG [Department of the Interior and Local Government] unter Eduardo Año, das fuer diese Gebiete eine “modified GCQ” bis zum 31. Mai anordnet. Das heiszt, in der Oeffentlichkeit ist eine Gesichtsmaske zu tragen und “physical distance” zu beachten. Nicht gestattet sind Massen-Veranstaltungen, wobei unklar ist, ab wann “mehr als einer” eine “Masse” sind. Año hierzu: “Es gab viele Gouverneure und Buergermeister, die Petitionen und Anfragen schickten und sagten, dass sie noch nicht bereit seien, die Quarantaene der Gemeinschaft vollstaendig zu entfernen.

Dies betrifft auch GenSan, dessen Buergermeister Ronnel Rivera unter anderen gebeten hatte, die Entscheidung zur Aufhebung zu ueberdenken. Laut “MindaNews” ist Rivera der Meinung, “…im Rahmen der ‘modified GCQ’ koenne die lokale Regierung einige der Beschraenkungen ‘ein bisschen mehr’ lockern, darunter die Oeffnung ihrer Grenzen zu den Provinzen Sarangani und South Cotabato, sowie den Zugang zum zentralen Geschaeftsviertel der Stadt. 

“Er sagte jedoch, dass die Grenzueberwachung weiterhein streng sein wird, um die Einreise von Personen aus Gebieten zu verhindern, in denen eine anhaltende Uebertragung von Covid-19 verzeichnet wurde, insbesondere aus Gebieten in der Region Davao.

“Der oeffentliche Verkehr darf moeglicherweise wieder aufgenommen werden, ist jedoch nur auf Strecken innerhalb der Region beschraenkt, sagte er.

So sehr ich verstehe, dass man sich gegen Risiko-Gebiete abschotten will, so wenig verstehe ich, dass man nicht bereit ist, Beschraenkungen zu entfernen. Man loest die inneren Checkpoints auf und – fertig.

Offensichtlich habe ich da zu einfach gedacht. Eine landesweite Anordnung – die Praesident Rodrigo Roa Duterte schon in seiner Ansprache als “Muss” formulierte – eine Gesichtsmaske zu tragen und “physical distance” zu beachten, genuegt den “Lokalen Herren” offenbar nicht. Man will sich “das Sagenhaben” nicht nehmen lassen und selbst Anordnungen treffen – die dann landesweit zur Verwirrung beitragen.

Sobald aber jeder vor sich hin regeln kann, ist eine allgemeine Kenntnis der Regeln nicht gewaehrleistet. So ist auch in diesem Moment der letzte Eintrag von Buergermeister Rivera hier in GenSan auf dessen Facebook-Seite, auf der er seine Masznahmen verkuendet, vom 11. Mai, und der befasst sich mit der Wichtigkeit des Haendewaschens.

Je mehr Regeln es gibt, desto weniger Zeit bleibt fuer jede einzelne uebrig, sie zu verinnerlichen, und je detaillierter die Regeln sind, desto mehr Wege gibt es sie zu umgehen, und ich nehme mich da nicht aus. Solange die hiesige Cluster-Regelung uns von ATM und Supermarkt abschneidet, solange findet unser Junge Wege, wie er dahin kommt. Ich halte das fuer Notwehr.

Was ich jedoch nicht verstehe, und was ich hier im Viertel beobachten kann, das ist, dass groeszere Versammlungen stattfinden und man die Maske nur traegt, wenn man zur Arbeit oder zum Einkaufen geht, also ueber irgendeinen Checkpoint muss. Dazu gehoert auch, was gestern im TV und heute in den Blaettern breitgetreten wird, dass Brigadegeneral Diebold Sinas – Chef der Metro Manila-Police, ein Hoch-Risiko-Gebiet unter ECQ (Enhanced Community Quarantine) – eine Geburtstags-Party gibt. Wer soll da landesweit Versammlungs-Verbote ernst nehmen, wenn es der Polizei-Chef nicht tut?

Nachdenklich macht auch, was die “Times” in ihrem Leitartikel erwaehnt: “Laut Minister Año wurden bis einschlieszlich Montag mindestens 183 Barangay-Beamte von der CIDG (Criminal Investigation and Detection Group) der PNP (Philippine National Police) auf angebliche ‘Anomalien’ bei der Verteilung der Bargeld-Hilfen [im Rahmen des Social Amelioration Program] in ihren Gebieten untersucht.

Ich weisz, die Frage ist zynisch und gemein, aber – will man deshalb die Quarantaene beibehalten? Gut, ich nehm das zurueck, doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Ernst der Covid-19-Krise kaum wahrgenommen wird. Solange es keinen Impfstoff oder Heilmittel dagegen gibt, sitzen wir auf einem Pulverfass.

Ich fuehl mich da nicht wohl.

 



 

Gemaesz “Daily Tribune”, “Manila Standard”, “MindaNews”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

2 Gedanken zu „…aus der philippinischen Presse

  • Mai 15, 2020 um 07:03
    Permalink

    Guten Morgen Heiko,

    guter Artikel der den Nagel auf den Kopf trifft. Hier macht jeder was er will und möchte auch mal was zu sagen haben. Fühlt sich so an als ob Pinos nicht wirklich erwachsen werden. Und das dann in einer selbst gestalteten Krisenzeit auch noch die Eigenen Bürger beklaut und für Dumm verkauft werden ist sehr traurig. Es zeigt sehr schwere charakterliche Defizite auf.

    Ja das Pulverfass beginnt zu kochen und wir als reich angesehene Ausländer stecken auch drin. Das beunruhigt mich auch. Hier auf Bohol ist es noch ruhig aber der Unmut wächst. Das neue Normal wird auch hier nicht auf Dauer akzeptiert werden. CNN PH kämpft noch täglich mit 24 Stunden Corona die Ängste in der meist ungebildeten Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Ich spreche mit Pinos und gebe Ihnen interessante Fakten die sie dann auch selber googeln können. Erstaunlich was die alles nicht über die angebliche Grippe Pandemie wissen.

  • Mai 16, 2020 um 00:40
    Permalink

    Hallo Heiko,

    hin und her beschreibt den momentanen Zustand genau und Du hast mit dem Deinem Artikel den Nagel auf den Kopf getroffen, wie Stefan schon sagt.

    Ich lebe in einem doerflichen Ort in Paney. Hier nimmt man alles so zur Kenntnis ohne zu meckern. Nur Leute mit kleinen Laeden sind bestuerzt. Seit zwei Monaten komme ich nicht aus meinem Haus raus. Zum Glueck ist das Grundstueck gross genung, um sich etwas die Beine vertreten zu koennen. Die Joggingstrecke im naechsten Ort (2 km) darf ich nicht besuchen, da Senjor Citizen. Das Volleyballspiel auf meinem Grundstueck hat man verboten. Das Beschraenkungen sein muessen, sehe ich auch ein. Man muss aber ueber eine laengere Zeit gesehen, etwas mehr Feeling zeigen.

    Vor allen Dingen braucht man eine Strategie, wie man den Virus bekaempft. Und da muss mit einer Sprache gesprochen werden. Die Leute verstehen das sonst nicht und koennen sich nicht daran halten, wenn man sie permanent willkuerlich aendert.

    So hoffe ich, dass Anfang 2021 ein Serum kommt, das gut genug ist und bezahlbar.

Kommentare sind geschlossen.

Hier ist nichts zu kopieren!