…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 11. Mai 2020

Zum Bild: Mayor (Bürgermeister) Rodrigo Duterte ist der Kapitän und entscheidet 

 

Warum ich Nationalist geworden bin – Ein solcher Titel wirft die Frage auf, was ich denn zuvor war, und da hakt es schon. Ein Jahr nach dem Krieg geboren, in der Bundesrepublik aufgewachsen, war ich ein unpolitischer Mensch, der nicht darueber nachdachte, wie er beherrscht wurde.

Ich hatte mit mir selbst zu tun. Ich tue mich schwer auf andere Menschen zuzugehen, und mit Small-Talk steh ich auf Kriegsfusz. In den Romanen, die ich derzeit lese – englische Literatur um 1900, kostenlos massenhaft in der Gutenberg-Library – heiszt es bei Party-Szenen: “Come on, let’s talk nonsense!”, und dann unterhaelt man sich. Mich bringt man so mit einem Satz zum Schweigen. Die Diskussion um Greta Thunberg, bei der Asperger diagnostiziert wurde, war mir Anlass, ueber mich selbst nachzudenken. So habe mich da selbst im Verdacht, halte mich, wie auch Fraeulein Thunberg, aber nicht fuer geisteskrank. Es faellt mir schwer, emotionale Signale bei anderen zu erkennen und selbst auszusenden. So wirke ich hoelzern, und – da ich das merke – bin ich zurueckhaltend. Das fuehrt auf der anderen Seite dazu, ist die Schranke erst ueberwunden, anderen zu viel zuzumuten, bzw. von ihnen zu erwarten. Das fuehrt zu Enttaeuschungen und so verstaerkt sich das Problem selbst.

Gluecklicherweise fand ich eine Frau, die mit einem solchen Menschen umgehen konnte. Das Problem war nur, dass sie in Deutschland nicht gluecklich wurde, weil ihr Land und Menschen zu kalt waren. So wollte sie, als ich pensioniert wurde, zurueck in die Philippinen. Ich wollte da nicht hin, doch die Aussicht, den einen Menschen zu verlieren, der mit mir fertig wurde, gab schlieszlich den Ausschlag, und so wanderten wir 2011 aus.

Von den Philippinen wusste ich da nur, dass die seit der EDSA-Revolution eine Demokratie waren, und 2010 war ja grad mit Benigno Aquino der Sohn der glorifizierten Cory Aquino Praesident geworden. Dies im Hinterkopf hatte ich auch ganz andere Probleme der Eingewoehnung, als dass ich mich fuer Politik hier interessiert haette.

Das aenderte sich mit der Wahl 2016, als Rodrigo Duterte Praesident wurde, und alle Welt auf den einhackte, was fuer ein “Tyrann und Totschlaeger” er sei, und ich verfolgte die Politik seither in einem Blog, das zunaechst nur fuer mich selbst gedacht war, weil ich von Tyrannei und Totschlaegerei nichts mitbekam. Vordringlicher waren Entfuehrungen von Auslaendern durch Abu Sayyaf oder Ueberfaelle durch die New People’s Army. Diese “l’art pour l’art”-Einstellung aenderte sich, als ich im Oktober 2017 informiert wurde, dass meine Beitraege von wem auch immer kopiert und als dessen Produkt in einer Facebook-Gruppe eingestellt wurden. Ich einigte mich, das mein Blog seither auch in einem Magazin und in einer Facebook-Gruppe unter meinem Namen veroeffentlicht wird.

So bekam ich Feedback hauptsaechlich von Expats, die wie ich ausgewandert waren oder hueben und drueben lebten, eine Variante, die ich abgelehnt hatte – ich fliege nicht gern, so bin ich auch 2011 das erste und einzige Mal in die Philippinen geflogen, und fuer zwei Haushalte reicht meine Pension einfach nicht hin. Da blieb nur “ganz oder gar nicht”, und wir haben “ganz” gewaehlt. In der Beziehung Autor zu den Lesern fand ich Rueckhalt fuer meine weitgehende Zustimmung zu Dutertes Politik, wie ja auch die Bevoelkerung hier zu achtzig Prozent hinter ihm steht.

Zu schaffen machte mir nur die totale Ablehnung, die Duterte weltweit erfuhr und erfaehrt. Ich fuehlte mich selbst als Anhaenger dieses “Tyrannen und Totschlaegers” verachtet, da ich nicht gegen ihn war.

Diese Isolation brachte den Gedanken der Nation in den Vordergrund. Die Philippinen, die bisher von den USA als Fuszmatte am Eingang zu Asien behandelt wurden, behaupten sich unter Duterte als souveraene Nation, die selbst ueber ihr Schicksal entscheidet. Praesident Barack Obama bekam das als Erster im September 2016 beim ASEAN-Gipfel in Vientiane zu hoeren. Als er Praesident Duterte mit Menschenrechten kommen wollte, sich aber auf kein Gespraech mit dem einliesz, zeigte der Bilder von Leichenbergen muslimischer Filipinos mit posierenden US-Soldaten aus der Zeit, als die Philippinen Kolonie der USA waren und sagte: “Das sind Menschenrechte. Was wollen Sie tun? Erzaehlt mir nicht, dass seitdem viel Wasser den Fluss runtergegangen ist. Menschenrechts-Verletzungen, seien sie nun von Moses oder von Abraham begangen, sind immer noch Menschenrechts-Verletzungen.

Die Frage der Menschenrechte erhaelt ihren Reiz dadurch, dass die USA, Russland und China dem Internationalen Strafgerichtshof nicht angehoeren, die Philippinen schon. Also verklagte die Opposition, allesamt gluehende Anhaenger der amerikanischen Ausrichtung philippinischer Politik, Duterte wegen seines Kampfes gegen den Drogenhandel. Duterte kuendigte die Vertraege, die Philippinen gehoeren dem Verein nicht mehr an, die Klage wird von Menschenrechtlern aber weiter verfolgt, als ob sie Recht haetten.

Dieser Gedanke, dass es ein Recht ueber dem nationalen Recht gebe, warf wieder die Frage der Nation auf. Da es keine Weltregierung gibt, die UN ist eine Schwatzbude, gibt es auch niemanden der ueber-nationales Recht durchsetzen koennte. Das brachte mich auf den Gedanken, dass die Nation das Rueckfall-Konzept aller Versuche ist, ueber die Nation hinaus zu kommen.

Dieser Gedanke wurde verstaerkt durch den Brexit. Man will in Groszbritannien nichts und niemand ueber sich haben, den europaeischen Kontinent schon gar nicht. Das zeigt sich in der Politik des US-Praesidenten Donald Trump. der ganz offen “America first” propagiert, internationale Abkommen in den Papierkorb wirft und einen Handelskrieg mit China vom Zaun bricht. Das zeigt sich in der EU, die in der Coronavirus-Krise keinen gemeinsamen Weg findet, dieser zu begegnen. Das zeigt sich in den USA im Streit von Regierung und den Gouverneuren, wer nun fuer was verantwortlich ist. Das zeigt sich in der Bundesrepublik, wo auch jedes Land seine eigenen Vorstellungen hat, wie man am besten in Zeiten der Krise handelt.

Dies sollte ein drohendes Mahnmal fuer Praesident Dutertes Traum sein, aus den Philippinen eine Foederation zu machen. Man ist ihm in diesem Gedanken nicht gefolgt, das Thema versandet, und das ist gut so.

Das Beispiel von Metro Manila zeigt, dass sich 17 Buergermeister all die Jahre nicht einigen konnten, wie man mit dem Verkehrsproblem fertig wird. Sie geben dem Praesidenten aber auch keine Vollmacht, das Problem ein fuer allemal zu loesen. Und gestern konnten die Buergermeister sich auch auf keinen Vorschlag einigen, wie man nach dem 15. Mai in der Coronavirus-Krise vorgehen soll. Die Ueberschrift eines Artikels in der “Times” spricht fuer sich: “Metro Manila Mayors present 3 post-lockdown scenarios to IATF”. Die IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19, wird mit Praesident Duterte heute beraten, wie in der Sache fortzufahren sei. Auch in der IATF sind verschiedene Meinungen vertreten, und so wird es am Praesidenten liegen, das zu tun, was das Volk zu tun offensichtlich nicht in der Lage ist: eine Entscheidung treffen.

Churchills Anmerkung zur Demokratie habe ich oefter zitiert, muss nicht nochmal sein. Stattdessen ein Spruch, den ich einmal von dem verstorbenen Auszenminister Guido Westerwelle hoerte: “Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt.

Das Schiff ist die Nation, nichts ist ueber ihr. Daneben gibt es nur Wasser und andere Schiffe, und die haben alle so ein biszchen Asperger: sie tun sich schwer, aufeinander zuzugehen. Das werden sie aber muessen, denn – Krise hin oder her – die Weltwirtschaft ist zu vernetzt, als dass ein Schiff ohne all die anderen zurechtkommen koennte.

Wir werden heute abend oder morgen frueh erfahren, fuer welchen Kurs der Kapitaen sich entschieden hat. Ich habe groszes Vertrauen in ihn, auch wenn man das auf anderen Schiffen kaum verstehen wird.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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