…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 09. Mai 2020

Zum Bild: Cayetano sucht einen Schuldigen

 

Die “Times” zeichnet sich heute… – …dadurch aus, dass sie als Einzige ihre Schlagzeile dem Sprecher des Hauses, Alan Peter Cayetano widmet, welcher der NTC (National Telecommunications Commission) die Schuld fuer die Schlieszung von ABS-CBN in die Schuhe schieben will: “Trotz ihrer (NTC) beeidigten Zusicherung. Trotz der Rechtsauffassung des Justizministeriums. Trotz eines Beschlusses des Senats und mehrerer muendlicher und schriftlicher Zusicherungen an den Kongress scheint der NTC dem Druck des General Staatsanwalts erlegen zu sein und erteilte eine Unterlassungsverfuegung an ABS-CBN…” laesst der Sprecher via Facebook wissen.

Man kann das auch so sehen: trotz aller Ansinnen schon weit vor der Weihnachtspause, die Lizenz fuer ABS-CBN zu verlaengern, hat Cayetano dies stets mit dem Hinweis abgetan, dafuer sei immer noch Zeit genug. Er hat es verschlampt, ob absichtlich oder nicht, weisz nur er selbst, und nun sucht er einen Schuldigen, auf den er mit dem Finger zeigen kann.

Erinnert mich an US-Praesident Donald Trump, der zu Beginn der Covid-19-Krise auch nicht in die Struempfe kam, und nun ist China Schuld – seit einem Gespraech mit seinem Wahlkampfmanager.

Die anderen Blaetter… – …haben Ueberlegungen einiger Buergermeister von Metro Manila, die Metro hat davon 17, zum Thema, die ECQ (Enhanced Community Quarantine) ueber den 15. Mai bis Ende des Monats zu verlaengern. Dagegen aeuszert sich Innen-Minister Eduardo Año, der moeglichst rasch einen Uebergang zur GCQ (General Community Quarantine) haben moechte, um Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Die Entscheidung in der Sache wird die IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19 treffen.

Hier stehen sich zwei Ansichten gegenueber. Solange es kein Heilmittel gegen Covid-19 gibt, ist Abstand, am besten Abschottung, die einzige Masznahme gegen die Verbreitung des Virus und damit zur Verhinderung weiterer Erkrankungen. Doch Abschottung ist eben auch der sichere Weg zum Wirtschaftskollaps. Bei einer derart vernetzten Wirtschaft, wie sie heute nun einmal ist, es gibt keine autarken Selbstversorger mehr, kann man nur eine Zeit lang “die Luft anhalten”. Und so geht auch die ECQ selbst schon Kompromisse ein, wenn sie Lebensmittelgeschaefte und Apotheken plus deren Versorger fuer ausgewaehlte Personen und Zeiten zugaenglich haelt.

Von da aus wird jede Loesung ein Kompromiss sein, der irgendwo zwischen Abschottung und Oeffnung liegt, je nachdem, ob man die Prioritaet mehr auf Schutz des Einzelnen oder Erhalt des Ganzen legt.

In seiner Kolumne in der “Times” nimmt Yen Makabenta dazu Stellung, der die Lockdown-Strategie fuer voellig verfehlt haelt: “Waehrend heute fast alle Laender bestrebt sind, die wirtschaftliche Blockade und die drakonischen Masznahmen der Regierung gegen unglueckliche Buerger zu lockern, planen die Buergermeister von Metro Manila eine weitere 15-taegige Verlaengerung der ECQ in Metro Manila, die am Freitag, den 15. Mai auslaeuft. Diese politischen Greenhorns haben den kurzen Geschmack willkuerlicher Macht zu sehr genossen, als von Macht und Kontrolle ueber unsere Person nun lassen zu koennen.

“Die Buergermeister, die als Metro Manila Council fungieren, halten heute, am 9. Mai ein virtuelles Treffen ab, um ihre Empfehlung an die Regierung fuer eine weitere 15-taegige Verlaengerung des ECQ in der National Capital Region zu formalisieren. 

“Es ist absurd und ironisch, dass diese Buergermeister auf die Ausweitung dieser idiotischen Politik draengen zu einer Zeit, in der die Sperrung heute weithin kritisiert wird fuer ihre Unwirksamkeit und schaedlichen Auswirkungen auf das Wachstum der Wirtschaft und die buergerlichen Freiheiten.

Das ist ein moeglicher Standpunkt, auf den ich nicht weiter eingehen will.

Nicht nachvollziehen kann ich dagegen Makabentas Theorie, dass dieses “Lockdown-Denken” einzig auf einen Professor Neil Ferguson vom Imperial College in London zurueckzufuehren ist. Der beriet die britische Regierung in Fragen der Virus-Bekaempfung und schlug Lockdown vor, geriet aber in die Kritik als er in der Lockdown-Zeit Besuch von einer Dame bekam, und ist daher laut “BBC” zurueckgetreten. Der soll – so Makabenta – dieses ganze Lockdown-Denken verursacht haben. Ich weisz nicht, ob man den Professor in Mailand kennt, die in Europa zuerst dicht gemacht haben, oder hier in Manila, die nun laenger dicht machen wollen. Meines Wissens erscheint der Name hier erstmalig, vermutlich auch letztmalig.

Das Oberste Gericht… – …beeilt sich nicht sehr in der Causa ABS-CBN zu entscheiden. Deren Antrag auf eine TRO (Temporary Restraining Order) wurde nicht gestern, sondern wird erst in der Sitzung am Montag einem Richter zugeordnet.

Sehr rasch war das Oberste dagegen mit dem Antrag eines Anwalt Dimo de Leon, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte alle Gesundheitszeugnisse seit seinem Amtsantritt veroeffentlichen moege. Der Antrag wurde abgelehnt.

In Article VII, Executive Department, der Verfassung von 1987 heiszt es in Section 12: “In case of serious illness of the President, the public shall be informed of the state of his health.

Anwalt de Leon kann ja vor das Oberste gehen, falls Duterte an einer “schweren Krankheit” verstirbt, ohne zuvor die Oeffentlichkeit informiert zu haben.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “BBC” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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