…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 07. Mai 2020

Zum Bild: Von Metro Manila zurück in die Provinzen

 

Winterreifen – Jedes Jahr werden deutsche Autofahrer aus dem Graben gezogen, in den sie beim ersten Schneefall gerutscht waren, weil sie vom Winter “ueberrascht wurden” und keine Winterreifen aufgezogen hatten. Man hat fast ein Jahr Zeit, sich vorzubereiten, doch man tut es nicht.

Dass die Sendelizenz von ABS-CBN auslief, wusste man seit 25 Jahren, doch das Haus wurde am 4. Mai davon voellig “ueberrascht”.

Es war keine Ueberraschung, sondern die hat einen Namen. Sprecher Alan Peter Cayetano wollte seinem Foerderer, Praesident Rodrigo Roa Duterte, einen Gefallen tun, und hat die Termine fuer das Thema ans Ende der To do-Liste geschoben, so dass das Haus nicht nachkam, als der Praesident Ende Februar die Entschuldigung von ABS-CBN zu den nicht gesendeten Wahlspots 2016 ueberraschend akzeptierte: “I accept the apology, of course.

Jetzt steht Cayetano dumm da, doch die westliche Presse zeigt mit dem Finger auf Duterte. Ich zitierte neulich bereits “AlJazeera”: “Tyrannen wollen immer die Presse kontrollieren, und Duterte ist keine Ausnahme.” Auf Cayetano koennen sie nicht zeigen, den kennt niemand im Ausland, den Tyrannen schon.

Sommermaerchen – Praesident Duterte hat eine Executive Order EO 114 unterzeichnet, die das Programm “Balik Probinsya, Bagong Pag-asa ~ Zurueck in die Provinz, Neue Hoffnung” einrichtet, um Metro Manila zu entlasten. Ziel der Masznahme ist “eine ausgewogene regionale Entwicklung und eine gerechte Verteilung von Wohlstand, Ressourcen und Chancen durch Strategien und Programme zu gewaehrleisten, die die Entwicklung des laendlichen Raumes und integratives Wachstum foerdern, angmessene soziale Dienste anbieten, Foerderung von Vollbeschaeftigung, Industrialisierung und Verbesserung der Lebensqualitaet in laendlichen Gebieten.

Initiator des Projektes ist Senator Christopher “Bong” Go, der damit seit einiger Zeit hausieren geht. Dass die Metropole ueberfuellt ist, zeigte sich vor der Coronavirus-Krise am taeglichen Verkehrs-Chaos, und waehrend der Krise, als sie sich als Ballungsherd von Covid-19 erwies.

So loeblich das Ansinnen ist, so kann ich es in der derzeitigen Krise nur als “Sommermaerchen” sehen, das von der derzeitigen Katastrophe ablenken soll. Es waere ein Thema fuer die Wahl 2022, falls “Bong” Go fuer das Amt des Praesidenten kandidiert. Man kann die Menschen nicht einfach in die Provinz locken und ihnen selbst ueberlassen, wie sie dort klarkommen, wo es all das nicht gibt, was ihnen in der ueberfuellten Metropole derzeit diese oder jene Gelegenheit zu ueberleben bietet.

Und selbst wenn Go damit 2022 Praesident wird, wird er den Erfolg des Projektes nicht selbst im Amt erleben. Das ist etwas, was auf ganz lange Sicht nach und nach entstehen koennte, wenn nicht nur er sich das zu Herzen nimmt.

Die zweite Welle – Noch aber ist das erste Thema hier die Covid-19-Krise, auch wenn sich ABS-CBN in den Schlagzeilen kurz vorgedraengelt hat. Mit ueber 10.000 Covid-19-Erkrankten liegen die Philippinen in Suedost-Asien an zweiter Stelle hinter Indonesien, wie der “Standard” meldet. Das kann schlechter werden, denn wir wissen, dass intensive Tests gerade erst beginnen, und je mehr getestet wird, desto mehr findet man.

So ist das DoH (Department of Health) zwar der Meinung, dass die Kurve der Neu-Erkrankungen abflacht. Dennoch warnte die Sprecherin des DoH, Maria Rosario Vergeire, “dass es zu einem Wiederaufleben kommen koenne, wenn die Menschen beginnen, dem ‘social distancing’ gegenueber selbstgefaellig zu werden. Sie warnte auch, dass das DoH auf Verhaltens-Aenderungen draengt, um ein moegliches Wiederauftreten von Infektionen zu verlangsamen, sobald die ECQ (Enhanced Community Quarantine) aufgehoben wird und der groeszte Teil des Landes  in die GCQ (General Community Quarantine) uebergeht.

Wie ich selbst in meiner Umgebung beobachten kann, faellt alles in das Verhalten vor Covid-19 zurueck, seit hier in GenSan die Quarantaene gelockert wurde. Der Internet-Schuppen gegenueber ist gerammelt voll und laermende Versammlungen bei Nachbarn bis in die Nacht hinein rauben mir derzeit meinen Schoenheitsschlaf.

Es ist aber nicht vorbei.

Der Leitartikel der “Times” greift einen Artikel von “Associated Press” auf mit der Ueberschrift: “The second virus wave: How bad will it be as lockdown ease?” Experten sind sich einig: “’Es wird eine zweite Welle geben, doch das Problem ist, in welchem Ausmasz. Ist es eine kleine Welle oder eine grosze Welle? Es ist noch zu frueh, das zu sagen’, sagte Oliver Schwartz, Leiter der Abteilung Viren und Immunitaet am franzoesischen Pasteur-Institut.

Hier benehmen sich die Menschen, als haetten sie es hinter sich. Dabei ist GenSan glimpflich davon gekommen – bisher! Und gerade das, dass es bisher hier kaum Faelle gab, macht GenSan verletzlich – wie auch alle anderen Orte, an denen Covid-19 bisher als ein Problem gesehen werden konnte, das irgendwo anders, doch nicht bei ihnen existiert.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

 

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • Mai 7, 2020 um 20:21
    Permalink

    Vielen Dank für den Artikel der eine willkommene Ergänzung zu meinen sonstigen Quellen darstellt.
    Auch meine Frau ist Filipina und ich liebe die ganze Familie, aber wir wohnen (zumindest bis zu meiner Rente) weiterhin in Deutschland. Aufgrund von COVID19 kann man noch nicht planen, wann wir schon im nächsten Jahr wieder dorthin fliegen können – aber wir hatten Glück daß wir im Januar noch dort waren…

    Bleiben Sie gesund und schreiben Sie weitere Artikel, wenn es Ihnen möglich ist – auch in Ländern mit mehr Pressefreiheit sind die Darstellungen eingefärbt…

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