…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 05. Mai 2020

Zum Bild: Von allen Dramen (Daniela Mondragon) von ABS-CBN ist das Drama um ihre Franchise das Größte

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – … hat sich gestern wieder sehr spaet zum Stand der Dinge geaeuszert. Dieser Stand beschraenkt sich derzeit auf die Coronavirus-Pandemie, unter der nicht nur die Philippinen, sondern die ganze Welt leidet, und das sieht jeden Tag gleich aus. Da ich mich nicht an Berichten beteiligen will, die taeglich drei neue Zahlen zu “erkrankt, tot, genesen” anbieten, greife ich nur einen Punkt aus Dutertes Rede auf.

Praesident Duterte moechte nicht, dass Filipinos, insbesondere Aerzte und Pfleger, ins Ausland gehen, um Covid-19-Erkrankten zu helfen, wo sie genauso dringend hier benoetigt werden. Er sagte dazu: “Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich mache das jetzt klar. Ich moechte nicht, dass ihr dorthin geht und in einem Sarg zurueckkommt. Das ist mein einziges Argument, wenn Sie so wollen, denn Sie sind Filipinos und ich liebe das Leben meiner Landsleute.

Dieses Argument ist bei Duterte durchgaengig. Im Juli 2018 sagt er gegenueber Menschenrechtlern: “Eure Bedenken kreisen um Menschenrechte, meine um Menschenleben.

Duterte will sich diese Woche mit Justiz-Minister Menardo Guevarra und anderen zusammensetzen, ob es legale Moeglichkeiten gibt, diese Abwanderung dringend benoetigter Fachkraefte zu verhindern.

Duterte zeigt Demut – In seiner Rede ging Praesident Duterte auch auf die Fehde ein, in der er seit der Wasserknappheit, die letztes Jahr in Metro Manila herrschte, mit den Versorgern und deren Besitzern Jaime Augusto Zobel de Ayala und Manuel V. Pangilinan liegt. In deren Richtung sagte er, er sei zu Gespraechen bereit, und er entschuldigte sich fuer seine “verletzenden Worte” in der Vergangenheit.

Duterte: “Wir hatten Probleme zuvor, die wirklich Teil der Regierungsfuehrung waren, und von denen hoffe ich, dass Sie verstehen, dass die wirklich Teil meiner vereidigten Pflicht waren … als ein Angestellter der Regierung, der die Exekutive leitet.

Gedemuetigt lenkte er ein, da Ayala und Pangilinan zu den ersten Geschaeftsleuten gehoerten die auf Dutertes Aufruf reagierten, die Not der Arbeiter zu Beginn der Krise zu lindern, und so schlug er vor, “…wenn wir das fuer den Moment einfach mal vergessen koennen, moechte ich Ihnen von ganzen Herzen danken, dass Sie uns geholfen haben, den Notwendigkeiten des Augenblicks zu genuegen.

“Ich kann Ihnen versprechen, dass ich nett bin, und wenn Sie mich sehen wollen, koennen wir miteinander reden. Und ich bin nicht mehr hochnaesig, der Covid hat mich gedemuetigt. Mit der guetigen Antwort, die Sie der Oeffentlichkeit gegeben haben, ist dies auch fuer mich eine demuetigende Erfahrung. Sie kennen das – vielleicht brauchst du sie eines Tages.

Im September 2016 war ich erstaunt, als Duterte sich bei drei Herren entschuldigte, die er als Druglords in seiner Matrix aufgefuehrt hatte, die dort einfach nicht hingehoerten. Ich war damals noch der Meinung, dass ein Filipino sich lieber die Zunge abbeisst, statt einen Fehler einzugestehen. Das war damals falsch, Duterte fand – “Ich bin kein zu stolzer Mann wie andere” – und das ist heute falsch, Duterte kann das. Das ist einer der Punkte, die hier mit Erstaunen wahrgenommen, im Westen jedoch uebersehen werden.

ABS-CBN… – …ist seit Mitternacht eigentlich ohne eine gueltige Sendelizenz. Wie ich mich grad kurz am TV versichert habe, sind sie aber immer noch auf Sendung. Die Lage ist verworren, und ich will auch nur im Telegramm-Stil darauf eingehen. Praesident Duterte liegt seit der Wahl 2016 mit ABS-CBN in Streit, weil die ein paar Wahlspots von ihm nicht gezeigt hatten, stattdessen aber einen derart verleumderischen Spot von Antonio Trillanes gegen ihn, dass dessen weitere Ausstrahlung gerichtlich untersagt wurde. Duterte drohte seither ABS-CBN, deren Lizenz nicht zu verlaengern.

Das kann er eigentlich nicht, denn die Lizenz-Vergabe ist Vorrecht des Hauses. Dessen Sprecher Alan Peter Cayetano, willenloser Erfuellungs-Gehilfe des Praesidenten, um Punkte zu machen, weil er 2022 dessen Nachfolger werden will, hat die Sache denn auch so weit nach hinten de-priorisiert, dass sie bisher nicht angefasst werden konnte.

In der Sache der Wahlspots hat sich der Chef von ABS-CBN oeffentlich entschuldigt, und Praesident Duterte hat die Entschuldigung angenommen. Damit ist der Weg durchs Haus eigentlich frei, auch wenn das keine unbotmaeszige Eile zeigte, doch da droht noch ein anderer Hammer.

Der General Staatsanwalt Jose Calida hat vor dem Obersten Gericht eine Petition eingereicht, die Lizenz-Erteilung an “ABS-CBN” fuer von Anfang an ungueltig zu erklaeren, weil ueber Holdings auslaendisches Kapital an dem Sender beteiligt sei. Laut Verfassung muessen Massen-Medien zu 100 Prozent in philippinischer Hand sein. Zudem hielt der Vorsitzende von ABS-CBN, Eugenio “Gabby” Lopez nur einen amerikanischen Pass, als er die Firma uebernahm. Die Klage vor dem Obersten ist offen, wie auch immer das Haus und die NTC (National Telecommunications Commission) sich dazu verhalten, die zum Beispiel eine provisorische Lizenz erteilen koennten – doch auch das ist strittig.

Aus diesem Dilemma haelt Duterte sich heraus, als ob er seit der akzeptierten Entschuldigung damit nichts mehr zu tun hat – moege der Rechtsstaat seinen Lauf nehmen!

Es zeigt sich hier aber eine Parallele zu dem Fall von “Rappler” und Maria Ressa, die auch einen amerikanischen und einen philippinischen Pass haelt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese “FilAms” oder “Amboys” und “Amgirls” mit ihren Zweit-Paessen nur einen Fusz in der Tuer halten, sich in philippinische Angelegenheiten zu mischen, um dort ihre “amerikanische Gesinnung” geltend machen zu koennen – ein Art “fuenfte Kolonne” des Westens.

So ist ein Artikel von “AlJazeera” bemerkenswert, der unter der Ueberschrift “Targeted by Duterte, future of Philippines’ ABS-CBN in balance”, die zu Dutertes Haltung sarkastisch anmerkt, “…dass seine handverlesenen Fuehrer im Kongress frei ueber das Thema entscheiden koennen.” Hat nun Duterte den Kongress eingesetzt oder wurde der vom Volk gewaehlt? So bringt “AlJazeera” eine Journalistin als Kronzeugin in dem Artikel, die ihre “eigene” Meinung zu Duterte hat: “’Tyrannen wollen immer die Presse kontrollieren, und Duterte ist keine Ausnahme’, sagte Fe Zamora, eine erfahrene Journalistin, die uber mehrere philippinische Praesidenten berichtet hat.

“’Es ist ihm bis zu einem gewissen Grad gelungen, in dem Sinne, dass die Medien im allgemeinen schuechtern geworden sind. Regierungspropaganda wird manchmal ohne dieses pruefende und kritische Auge gemeldet.’

Sollen demnach Rappler und ABS-CBN dieses “kritische Auge” sein? Oder ist es das “westliche Auge”, das scharf beobachtet, dass hier “nichts aus dem westlichen Ruder laeuft”?

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Manila Times”, “AlJazeera”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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