…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 2. April 2020

(zum Bild: Korruption – Zoll beschlagnahmt geschmuggelte und gehortete Schutzkleidung in Binondo)

 

Wo Licht ist… – Die National Task Force zur Bekaempfung der Corona-Pandemie hier im Land hat zur Strategie einen “carrier-centric approach ~ Uebertraeger-zentrierten Ansatz” gewaehlt, wie deren Chef, Carlito Galvez, bekannt gab. Es komme darauf an, Uebertraeger zu entdecken, zu isolieren und zu behandeln, sodass die geheilt entlassen und zurueck in ihre Gemeinden gehen koennen. Dazu sei “…unbedingt erforderlich, unverzueglich massive Tests an PUIs [Patients Under Investigation] und PUMs [Persons Under Monitoring] durchzufuehren, eine effektive Kontaktverfolgung durchzufuehren, die erweiterte Gemeinschafts-Quarantaene in der Gemeinde/im Haus durchzusetzen und Patienten zu isolieren, die als PUIs gelten.

“’Die Kontaktverfolgung wird bei den Bemuehungen von entscheidender Bedeutung sein, da wir so die potenziellen Uebertraeger der Krankheit  schnell und effektiv identifizieren und vom Rest der Gemeinschaft isolieren, bevor sie andere infizieren koennen. Wir koennen die vorhandene Technologie, die Transparenz der Regierungs-Prozesse und die Wachsamkeit der Gemeinschaft nutzen’, sagte er.

Es ist das Modell, das in Suedkorea verfolgt wurde und im internationalen Vergleich gut dasteht, was die Masznahmen gegen Covid-19 betrifft. Die “Times” zitiert eine Meldung von “Agence France-Press”, dass auch Deutschland entschlossen ist, durch massive Tests und Verfolgung der Kontakte die Uebertraeger isolieren, um die Zahl der Infizierten zu begrenzen.

Ein Problem ist die Kontakt-Verfolgung. Waehrend man in Suedkorea die Handy-Daten der Betroffenen auswertete, um moegliche Kontakte zu verifizieren, wird das in Deutschland wohl zu Verfassungs-Beschwerden wegen Verletzung der Privat-Sphaere fuehren. Ich weisz nicht, wie das in den Philippinen gehandhabt wird. Die Einwaehlpunkte in das Netz waeren auf jeden Fall eine sichere technische Basis zur Feststellung, wer wann wo gewesen ist, und einen Filipino ohne sein “cell-phone” oder “touch-screen” gesehen zu haben, kann ich mich momentan nicht erinnern.

Um andererseits ein wirtschaftliches Desaster zu vermeiden,  setzt man daneben auf “selective lockdowns”. Galvez: “LGUs [Local Government Units] sollten innovative Wege finden, indem sie selektive und totale Sperrung, massive Test, Bestimmung geeigneter Einrichtungen zur ‘Zwangs-Quarantaene’ fuer PUIs und PUMs, wirksame Umsetzung des ‘social distancing’ und Heim-Quarantaene, wie Schutz und Trennung von Senioren und gefaehrdeten Buergern und staedtischen Armen kombinieren.

So koenne es durchaus auch zu Verlaengerungen der Quarantaene in betroffenen Gebieten kommen, wie die “Times” titelt: “Longer quarantine looms”, und gemaesz “Standard” fasst man dabei auch Zwangs-Quarantaene ins Auge fuer die, bei denen aufgrund beengter Verhaeltnisse eine Heim-Quarantaene nicht moeglich ist: “Government eyes forced quarantine”.

Man muss flexibel sein, erlaeutert Galvez: “Unser langfristiges Ziel ist, eine allmaehliche Normalisierung der Gemeinden zu erreichen, die von dieser Gesundheits-Krise schwer betroffen sind. Aber selbst wenn wir in Zukunft weniger Faelle sehen, koennen wir es uns nicht leisten, unsere Wachsamkeit zu verlieren.

…ist auch Schatten – Das Ansinnen an die LGUs, “innovative Wege” zu finden, muss nicht unbedingt in die gewuenschte Richtung fuehren, wie der Leitartikel der “Times” unter der Ueberschrift “Govt needs to work better with LGUs” ausfuehrt. Dort heiszt es:

Die von der Oeffentlichkeit geteilten Geschichten reichen von blosz zweifelhaft bis geradezu alarmierend. In einer Stadt wurden angeblich Beutel mit Hilfsguetern mit ueblichen Lebensmitteln, die im Einzelhandel etwas 300 Peso kosten, dem Stadt-Budget mit 2.500 Peso angelastet. Verbitterte Buerger stellten offen die Frage, ob die Differenz von ueber 2.000 Peso die Kosten fuer den Druck des Ecobags mit Bild und Wahlkampfslogan des Buergermeisters waren. Es gab auch zahlreiche Berichte ueber missbraeuchliche Verhaftungs- und Haftpraktiken, die von uebereifrigen Barangay-Beamten bei Verstoeszen gegen die Ausgangssperre vor Ort begangen wurden. Missbrauch der ploetzlich allgegenwaertigen Quarantaene-Ausweise, eine potenziell nuetzliche Idee, die jedoch weder gesetzlich noch durch die IATF-Richtlinien vorgesehen sind, scheint ebenfalls weit verbreitet zu sein, einschlieszlich der Erhebung von Gebuehren fuer die Erlangung eines solchen [Ausweises], um das Noetigste erwerben zu koennen.

“Am alarmierendsten ist, dass Berichten zufolge Lieferungen von lebenswichtigen Lebensmitteln und Lieferungen verzoegert oder behindert wurden, lokale Kontrollpunkte zu passieren, obwohl die Regierung angewiesen hatte, wichtige Ladungen frei zu befoerdern. Wenn diese unnoetigen Behinderungen nicht behoben werden, koennen sie in vielen Bereichen zu Engpaessen fuehren, insbesondere in der Umgebung von Metro Manila.

Es ist zu hoffen, dass die harte Hand des “Law and Order-Man” Duterte hier zuschlaegt, der in seiner letzten Rede die Leiter der LGUs warnte: “Ich suspendiere Dich, wenn Du politische Spielchen spielst und ich erfahre, was Du getan hast.

Doch auch wenn nicht alle gleich zur Rechenschaft gezogen werden, mich erinnert das an den Taifun Yolanda (int. Hayan), nach welchem “Mar” Roxas meinte, Hilfsgueter nur an die Barangays geben zu koennen, die Liberal gewaehlt hatten. Als er 2016 als Wunschkandidat von Benigno Aquino fuer das Amt des Praesidenten mit dem Slogan kandidierte, nicht vom “straight path” der Liberalen abzuweichen, erinnerten sich die Waehler, wie dieser “gerade Weg” aussah: er verlor haushoch gegen Duterte.

Das gilt nicht nur fuer Liberale. Duterte hat auch schon eigene Parteigaenger gefeuert, die meinten, dass ihnen jene Mittel “gehoeren” ueber die sie dank ihres Amtes verfuegen koennen. Die Leiter der LGUs sollten im Hinterkopf haben, worauf Praesident Duterte in seiner Rede am 12. Maerz hinwies: die Waehler haben ein langes Gedaechtnis.

 



 

Gemaesz “PNA”, “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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